Distanz zum großen Sohn - nur Einbildung?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von dodili 11.03.11 - 18:24 Uhr

Hallo,
ich bin verheiratet und habe 2 Söhne, die ich über alles liebe. Mein "großer" Sohn ist 6 Jahre alt und geht in die Schule. Mein kleiner Sohn wird bald 3 und kommt dann in den Kindergarten. Es ist also alles ganz "bilderbuchmäßig".
Als mein "großer" damals 10 Monate alt war habe ich angefangen, in Teilzeit 2 Tage die Woche zu arbeiten; er war dann bei meiner Schwiegermutter, die einen Stock über uns wohnte. Sie ist inzwischen leider gestorben; wir haben uns aber sehr gemocht, es war eine ganz ganz liebe Frau, die mein Kind super betreut hatte. Seit der Kleine auf der Welt ist bin ich Vollzeitmami, was mir aber auch viel Spaß macht.
So, nun aber zu meinen "Problem": Irgendwie habe ich so das Gefühl, schon seit einiger Zeit, daß zu meinem großen Sohn und mir eine Distanz besteht, die ich bei meinem kleinen nicht spüre.
Meine Söhne sind beide ziemliche Rabauken und gerade mein großer hat manchmal ausgeprägte Ellenbogen, die er auch einsetzt - nicht unbedingt körperlich gemeint. Er ist zwar erst seit 09/2010 in der Schule, aber ich habe schon ein paar Telefonate mit der Lehrerin hinter mir! Sie bestätigt mir aber auch gleichzeitig, daß er sehr liebenswert ist. Vor allem bei den Mädels hat er wohl einen Stein im Brett!!! Aber wegen dieser Ärgernisse in der Schule und auch wenn er zu Hause wieder mal "rumspinnt", schimpfe ich natürlich immer wieder mit ihm. Wenn wir uns dann wieder "versöhnt" haben, ist zwar wieder alles in Ordnung; aber ich spüre dann eben diese Distanz, das macht mich ganz traurig. Was kann ich da nur tun, kennt das noch jemand? Ob das was damit zu tun hat, daß ich ihn schon recht früh nicht mehr ausschließlich selber betreut habe?
Vielen Dank fürs Lesen, Dodili.

Beitrag von kaffetante 12.03.11 - 12:58 Uhr

Hallo,

schade, dass Dir keiner antwortet. Ich versuche es mal, obwohl ich eigentlich dringend bügeln müsste, solange meine Bande im Wald tobt.

Ich würde nicht sagen, dass es daran liegt, dass Du wieder so früh gearbeitet hast.

Ich habe selbst so ein Exemplar zu Hause, superaufgeweckt ein richtiges Energiebündel, er hat ein ganz liebe Art und kann allen aber auch furchtbar auf die Nerven gehen, weil er manchmal übertreibt.

Ich bin auch oft sehr sauer auf ihn, weil ich nicht begreifen kann, dass so ein liebes Kind es sich manchmal so selbst verbocken kann. Das wird bei Dir ja nicht anders sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Jungs sehr enge Grenzen brauchen, die nach Möglichkeit auch nicht gelockert werden - bei meinem ist das auch nach dem Motto "kleiner Finger, ganze Hand" das ist für mich dann ein Zeichen, dass er für eine Grenzlockerung noch nicht bereit ist.

Noch ein Problem, den Fehler mache ich auch und das darf man auf keinen Fall!!!! Du darfst Dir den Schuh nicht zu sehr anziehen, das heißt nicht, dass Du nichts unternehmen sollst, aber Du darfst nicht den Fehler machen, dass Du Dich deswegen schlecht fühlst. Du bist nicht Dein Kind, Du hast mit der Sache eigentlich nichts zu tun. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine. Ich könnte mir vorstellen, dass daher die Distanz kommt, weil Du eigentlich nicht in der Lage bist, Dich genug von Deinem Kind und seinem Verhalten abzugrenzen.

Ich weiß, das ist furchtbar schwer. Wie oft frage ich mich, was ich falsch gemacht habe, dass ich so eine wilde und schwer zu zähmende Horde bekommen habe - aber genau das liebe ich am meisten. Sie sind für alles zu begeistern und lieben das Leben.

Schönes Wochenende

Beitrag von lajo 12.03.11 - 12:59 Uhr

Hi, ich weiß was du meinst, sowas habe ich auch zu meiner ältesten. Ich liebe alle meine drei Mädels über alles. Meine älteste kuschelt nicht so viel wie die anderen beiden, das war schon immer so. Aber was ich einfch glaube ist, dass man zu jedem Kind eine andere Bindung hat, da alle Kinder auch unterschiedliche Charaktäre haben und man so auf den Gedanken kommt.
Vielleicht solltest du mehr mit deinem ältesten allein machen, alle 2-3 Wochen ein Mamatag mit ihm. Ich gehe gerne mit meiner ältesten shoppen und Eis essen. War auch schon allein mit ihr im Schwimmbad usw.
Es heißt auch. dass die zweiten Kinder halt immer zurückstecken müssen. Kann das aber so nicht bestätigen, da meine 2. Tochter Zöliakie hat und sie somit viel mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, da wir lange nicht wußten was sie hat. Meine Große ist irgendwie "klüger" und wollte schon früh viel lernen und wußte auch viel mehr als die anderen beiden in dem Alter indem sie jetzt sind.
Ich war bei der Großen auch den ganzen Tag da und sie ging ab ca 2 Jahren in den Spielkreis, so auch die anderen beiden, die so gar mit 1 und 1,5 Jahren.

Beitrag von kati24la 12.03.11 - 18:05 Uhr

Hallo!

Also ich kann mich sehr gut in dich hineinversetzen, obwohl mein kleiner Sohn erst 8 Monate ist und der große 8 Jahre!
Seit mein kleiner auf der Welt ist, hat sich auch bei mir, das "Verhältnis" zu meinem großen verändert!
Er ist ein Rabauke und ich merke einfach, das er mir mehr auf die Nerven geht als vorher!
Ich empfinde auch diese Distanz, die du beschreibst. Es ist wohl wirklich so, das man jedes seiner Kinder liebt, aber trotzdem anders.

Ich habe mir auch schon oft die Frage gestellt, ob das normal ist und wenn ich mich mit Mütter unterhalte, deren Kinder schon älter sind, also deutlich über 10-15 Jahre, wird mir das immer bestätigt!

Also Kopf hoch und weiter und zieh dich nicht selbst runter deswegen!

LG Kati

Beitrag von luka22 12.03.11 - 18:34 Uhr

Ich finde das, was du beschreibst, normal. Je jünger unsere Kinder sind, desto mehr brauchen sie uns, auch körperlich und desto weniger Distanz ist da. Je älter sie werden, desto mehr entwickeln Kinder ihre eigenen Gedanken und ihre eigene Persönlichkeit. Wo man ganz zu Beginn, in der Schwangerschaft, tatsächlich eins war, beginnt mit der Geburt ganz allmählich ein Prozess der Abnabelung, der dann hoffentlich irgendwann zur Selbstständigkeit führt. Dein 6jähriger ist da noch weit davon entfernt, aber doch ein paar Schritte weiter als der Kleine.

Grüße
Luka

Beitrag von dodili 13.03.11 - 10:50 Uhr

Vielen lieben Dank - Ihr habt mir sehr viel Mut gemacht!

Viele Grüße, Dodili.

Beitrag von marion2 14.03.11 - 09:35 Uhr

Hallo,

das was du da "spürst" ist Teil seiner Entwicklung.

Er versucht jetzt, ein Mann zu werden.

Das ist alles.

Bei deinem jüngeren Sohn wird dieses Verhalten - sicher in anderer Form, weil Kinder ja verschieden sind ;-) - in etwa im selben Alter auftreten.

LG Marion

Beitrag von dodili 14.03.11 - 14:51 Uhr

Danke schön für Deine Antwort! Ich bin froh, daß das dann ja wohl "normal" ist. :-)
Gruß, Dodili