Eure Männer

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von wertvoll 11.03.11 - 21:27 Uhr

Wir haben unseren kleinen Kämpfer nach nur drei Tagen leben auf dieser schönen Erde, im Sept. 2010 in der 27. SSW verloren.
Ich selbst habe danach viel Kreativ gearbeitet. Fotos bearbeitet, ein Video gestaltet, einen Grabteller gebastelt.... Und ich hatte erst eine Hebamme, die sich ganz lieb um mich gekümmert hat und nun eine Ehrenamtliche, mit der ich mich sehr gut unterhalten kann. Wegen mir mache ich mir keine Sorgen.
Aber mein Mann. Ich will nicht sagen, dass er gar nicht redet (ich bin froh, dass er wenn ich Gefühle äußere, er auch sagt, so fühle ich auch, aber dann macht er sofort wieder zu), er hat auch zu Beerdigung geweint, aber sonst... Ich habe das Gefühl, er verarbeitet nicht. Meine Therapeutin meinte nur, wennn er nicht trauert, haben sie bald das nächste Problem vor der Tür. Davor habe ich Angst #zitter, obwohl wir eigentl. durch den Tod unseres Sohnes nähe zusammengerückt sind. Mein Mann ist zur Zeit manchmal nur noch mein einziger Halt, ich will keine Probleme mit ihm. Das halte ich nicht noch dazu aus. Ich habe mit ihm gesprochen und er meinte, dass er vermutl. für mich stark ist. Ein Gespräch z.B. mit einem auch betroffenen Paar möchte er nicht.
Was machen eure Männer um zu trauern, zu verarbeiten.

wertvoll (die Angst um ihren Mann hat und gerade ganz dolle an ihren Kämpfer denkt)

Beitrag von darismama 11.03.11 - 22:04 Uhr

Hallo wertvoll,
mein Mann redet auch nicht mehr gross darüber. Im letzten Jahr, als alles noch ganz frisch war, hat viele Gefühle geäußert, hat auch viel geweint. Aber jetzt ist er wieder voll im Arbeitsleben drin und redet nicht mehr viel drüber....
Aber ich, ich denke und weine noch total oft, ich kann es einfach nicht verstehen... Ich bin auch zu Hause, habe keinen Arbeitsstress, vielleicht liegt es daran... Wir sind uns dadurch auch viel näher gekommen. Eben hat er noch gesagt, er steht immer hinter mir, was die Ärzte auch vorschlagen an Therapie... aber ich hätte auch gedacht, schneller wieder ss zu werden, aber das gestaltet sich wieder genauso schwierig, wie vor 9 Jahren....
Wir haben im letzten Jahr eine Trauergruppe vom SKF besucht. Dort waren noch 4 andere Paare, die auch ihre Kinder so dramatisch verloren haben. Wir treffen uns jetzt immer noch alle 4 Wochen- und das tut echt gut, sich auszutauschen- auch für meinen Mann. Habt ihr denn auch so etwas ähnliches gemacht?
Es ist echt schwierig für unsere Männer, sich so auszutauschen, wie wir Frauen. Ich glaube, wir Frauen brauchen es förmlich, sich oft auszutauschen, sonst würden wir Magengeschwüre bekommen.....
sorry, ist wieder etwas lang geworden#schein, liebe Grüße Meike

Beitrag von ninanina89 11.03.11 - 23:41 Uhr

mein mann hat an dem tag an dem wir es erfahren haben sehr geweint,das hab ich noch nie gesehen bei ihm...es hat mir das Herz gebrochen...
Aber in den nächsten Tagen war er sehr positiv und er will gleich weiter machen mit einem Geschwisterchen...

Vielleicht hilft es euch wenn er seine Gefühle aufschreibt,nur für sich oder auch so das du es lesen kannst wenn er es will...dann ist er es zumindest einmal losgeworden.
Das hat unsere Hebamme vorgeschlagen,so eine Art Abschiedsbrief.
Ich wünsche euch viel Kraft.

Beitrag von claudia-claudia 12.03.11 - 00:03 Uhr

Mein Freund war von Anfang an der Starke und hat sich rührend um mich gekümmert. Ich glaube, in der Nacht, in der ich im KH war, hat er die Sache mit sich selbst ausgemacht. Aber er ist auch einfach jemand, der Dinge irgendwie total akzeptieren kann und immer tief überzeugt davon, dass alle Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen. Deswegen findet er immer sehr schnell seine Balance wieder (Ich wünschte, ich wäre auch so... :-S). Ich bin da auch sehr froh drüber, denn ich war so schockiert und traurig, dass ich nicht die Kraft gehabt hätte, auch noch ihn zu trösten. Wir sind durch die Sache auch viel näher zusammengerückt, ich hätte ihm ehrlich gesagt nie zugetraut, dass er so tapfer und trotzdem feinfühlig sein kann. Er hat mir all meine Gedanken und Sorgen (vor allem vor einer erneuten FG oder der Unfähigkeit, Kinder auszutragen) angesehen und ausgesprochen, und mich beruhigt und mir die Angst genommen.
Aber jeder Mensch geht anders mit Trauer und Schicksalsschlägen um.
Ich finde in solchen Situationen hilft es sehr, wenn man an etwas glauben kann, vielleicht Religion, vielleicht eine bestimmte Philosophie oder Lebenseinstellung... Irgendetwas, dass einen übnerzeugt: Auch wenn es grausam erscheint, so und nicht anders sollte es kommen. Es war das Richtige, auch wenn wir vielleicht nicht den Horizont haben, den "Plan " dahinter zu erfassen.
Und manche Männer machen Dinge auch mit sich selbst aus und kommen wieder i.O., ohne darüber reden zu müssen. Nicht reden heißt ja nicht, dass er es verdrängt oder nicht trauert. Er wird sich schon Gedanken machen und diese irgendwann abschließen. Lass dir nicht einreden, dass jetzt auch noch dein Beziehung in Gefahr ist.

Beitrag von kebl 12.03.11 - 10:23 Uhr

Hallo wertvoll,

meiner redet auch nicht wirklich über die FGen. Wenn ich damit anfange ist es ok, aber er fängt fast nie mit dem Thema an. Und wenn, dann wenn keine Zeit ist....z.B. wir bekommen in 5 Min. Besuch oder er muss dringend weg.Ist ihm auch erst aufgefallen als ich ihn mal fragte warum er immer damit anfängt kurz bevor er gehen muss oder jemand kommt.
Fang Du doch einfach die Gespräche an, vielleicht fällt es ihm dann leichter.
Oder stell konkrete Fragen.Das habe ich dann auch gemacht.

Alles Gute #winke
Kerstin

Beitrag von maxi03 12.03.11 - 13:27 Uhr

Hallo wertvoll,

weißt du denn ganz genaus, dass dein Mann nicht trauert oder vermutest du es, weil er nicht über euren Sohn und seine Gefühle spricht?

Wir haben Zwillinge in der 26. SSW nach kurzer lebenszeit auf der Neo verloren. Mein Mann hat nie viel über sie gesprochen oder sie beweint. Aber er hat anders getrauert. Es dauerte einige Zeit bis wir gelernt haben, die Trauerarbeit des anderen zu akzeptieren. Er war zwar 2x mit bei der Therapie, aber nur mir zu Liebe, denn ansonsten hält er nicht wirklich was davon.

Seitdem ich akzeptiert habe, dass er anders trauert, seine Kinder nicht verleugnet, ging es auch wieder in der Beziehung.

Leider ist es wirklich so, dass viele Beziehungen an solchen Schicksalen zerbrechen.

Alles Liebe
Maxi

Beitrag von 959707 12.03.11 - 14:14 Uhr

hallo wertvoll! Bei meinem Mann ist es ählich,als wir unseren Marvin verloren haben hat er ganz viel und lange geweint!Dann mußte ja irgenwie wieder alltag einkehren und er war anders als ich in der Lage seine Trauer nach hinten zu schieben!er hat letzte woche mal wieder geweint wenn ich ihn anspreche sagt er er denkt ganz oft an unseren sohn und ist auch noch sehr traurig aber er trauert anders wenn er es nicht etwas wegschiebt dann zerbricht er daran!ich mache mir auch ganz viele sorgen um ihn!meine psychologin sagt jeder trauert anders und ich soll ihn nicht bedrängen!anfangs ist er noch mitgekommen zur psychologin und hat sich ihr auch gegenüber geöffnet!

Lg Bianca mit Marvin fest im Herzen

Beitrag von lieke 12.03.11 - 16:01 Uhr

Hallo,

meinst du mit "Therapeutin" die Ehrenamtliche oder eine Professionelle?

Ich finde es unmöglich, dass sie das so sagt und meiner Meinung zeugt es nicht von sehr viel Einfühlungsvermögen und Verstand von Trauerarbeit! Kennt sie ihn? Wie kommt sie dazu, seine Gefühle zu beurteilen?

Ich glaube, die meisten Männer machen "nichts", zumindest nichts Sichtbares. Die meisten fühlen sich wohl eher machtlos dem Schmerz der Mutter gegenüber und Sorgen für die praktischen Dinge. Geld verdienen, sorgen das alles "rollt", stark sein FÜR die Frau, denn sie hat es ja viel schlimmer- das ist zumindest die landläufige Meinung und die Erwartungshaltung der Gesellschaft. (zumindest ist die Frau ja körperlich stärker betroffen und wird dadurch auch ständig an ihr Kind erinnert).
Eine Mutter die ihr Kind verliert hat es leichter, ihre Trauer zu zeigen. Beispiel: Wenn sie nicht auf der Arbeit erscheint, ist das zunächst normal, beim Vater sieht es anders aus. Wenn sie weinen muss beim Anblick einer Schwangeren, versteht man das, aber wer denkt schon darüber nach, dass es dem verwaisten Vater auch weh tut?

Ich bin sicher, dass dein Mann trauert. Bitte akzeptiere, dass er dazu keine Video, Grabdinge usw braucht. Mein Mann geht nie zum Grab, das fand ich am Anfang schwierig. Aber bei besonderen, seltenen Gelegenheiten merke ich, dass er auch trauert und unseren Sohn vermisst. Manchmal sind das dann sogar Gelegenheiten, die mir wenig bedeuten, wo ich mich fast ein bisschen schuldig fühle, dass ich nicht merke, dass es ihm so nahe geht. Ich kann dann auch manchmal nicht nachvollziehen, was dann in ihm vorgeht, aber akzeptiere es und unterstütze ihn, genauso wie er es macht, wenn ich mal unbedingt JETZT SOFORT zum Grab muss.

Jeder Mensch ist einfach anders, das zeigt sich sehr im Umgang mit der Trauer.
Vergiß die Therapeutin! Sie verhält sich unprofessionel und respektlos. Und wenn du das nicht kannst, weil sie dir irgendwo doch nützlich ist, sprich nicht in Abwesenheit deines Mannes über mit ihr über SEINE Gefühle.

Man kann übrigends sehr gut -egal ob Mann oder Frau- mit dem Tod eines Kindes fertig werden ohne Therapie. Nur weil er keine möchte, heisst es echt nicht, dass ihr auf eine Katastrophe zusteuert. Vertrau ihm! Vielleicht ist es auch einfach noch zu früh.


Alles Gute

Beitrag von serafina.nr.1 13.03.11 - 09:53 Uhr

eigentlich das problem nicht...!!!
dass er anders ist als du, dass er anders trauert als du, oder dass er keine ansprache von aussen will oder braucht, schon gar nicht von einer therapeutin??
also ich denke mein mann wäre sehr rasch deutlich geworden wenn ich meine art damit umzugehen über seine gestellt hätte oder gemeint hätte, meine art sei richtig und seine nicht..??!!
ich finde trauer ist ein innerer prozess. man sollte da nie jemand bedrängen oder zu etwas zwingen wollen.so wie im liebesleben jeder mensch anders ist ist es auch bei der trauer so dass männer unter sich sehr verschieden reagieren können und frauen ja auch....!!!
ich denke mein mann hätte mir wenn ich ihm solche dinge gesagt hätte gleich mal gesagt er zweifelt dran ob ich ihn wirklich liebe!!! also ich hätte mir das nie rausgenommen mir sorgen über ihn zu machen ohne dass er mir dazu anlass gibt. ich würde mich an deiner stelle um mich selbst kümmern denn er scheint ja ganz gut damit klarzukommen.und dann würde ich mir selbst sagen welches glück ich mit einem solchen partner und mann an meiner seite habe!!!
mein mann geht übrigens viel öfter ans grab unserer tochter als ich. er bleibt auch oft alein am nachhauseweg von der firma dort kurz stehen und geht sie besuchen und zündet eine kerze für sie an...und da sie im familiengrab meiner familie liegt war es für ihn immer wichtig von mir zu hören dass er mal dort begraben sein wird, neben ihr- ich fand das makaber damals, sagte es ihm auch- er fand es wichtig und so akzeptierte ich das auch.er wollte einfach das gefühl haben er hat einen reservierten platz neben ihr wenn er mal stirbt. mir wär das im leben nicht eingefallen sowas zu wünschen oder zu denken...aber wie gesagt wir akzeptieren beide generell das wie der andere damit umgeht.
und dass die gesellschaft die mütter einseitig bevorzugt habe ich auch bei unserem begräbnis gesehen.ich bekam viel längere umarmungen als er, auch viel mehr karten per post, als er....ich "teilte" sie dann natürlich selbstverständlich mit ihm damit er sich nicht ausgeschlossen fühlte, wir redeten über die texte und die absender und das was wir darüber denken.
mein mann hat viel mehr geweint als ich - vom ersten tag weg. er hätte mir aber nie vorgeworfen dass ich weniger trauere als er. weil er mich kennt und wüsste dass das unsinn ist!!!:-) auch bei unserer begegnung mit unserer verstorbenen tochter zu dritt allein im bestattungsinstitut hat er die ganze zeit geweint, ich gar nicht. ich war fasziniert und glücklich darüber enldihc mein kind zu sehen, zu bewundern und sie zu entdecken, sie später zu halten.....ich hatte immer das gefühl diese stunde wird für uns immer die glücklichste, innigste stunde zu zweit sein. etwas das uns für immer verbindet, egal ob wir unser leben lang zusammen bleiben oder nicht- hier waren wir absolut eins und verbunden- jeder in seiner ganz eigenen art zu trauern und ihr die liebe zu ihr zu zeigen.....
jeder geht anders damit um.respektiere die art und weise deines mannes. mach das was für dich stimmig ist und lass ihn ohne druck seinen weg finden. er wird dir sagen wenn er was von dir braucht wenn eure beziehung intakt ist.
und von dieser therapeutin würd ich mir solche diagnosen aus dem ärmel geschüttelt auch verbitten. das bestärkt mich nur darin das sich finde die meisten leute die diese situation nicht selbst erlebt haben sollten da gar nichts dazu arbeiten dürfen. denn meist fehlt ihnen die einfühlsamkeit für die betroffenen. du hast schon ein kind verloren. jetzt dir noch angst um deine ehe einzureden finde ich ehrlich gesagt blamabel für einen ganzen berufszweig. mein mann und ich haben usn direkt nach meiner entlassung nach dem kaiserschnitt, noch vor dem termin im bestattungsinstitut entschlossen beide nicht zu einem psychologen oder einer psychologin zu gehen. meine meinung ist, wer es nicht selbst erlebt hat redet genauso sinnlos daher wie jemand der über sachertorte redet und noch nie eine gebacken hat....lauter blosse theorie. und mir wär das zuwenig. und meine erfahrung ist dass diejenigen die die situation erlebt haben sich meist gross mit vorschlägen oder kommentaren zurückhalten.denn eigentlich ist in solch einer situation auch nur achtsamkeit und schweigen angebracht. man kann auch dinge zerreden. und man kann auch mit worten viel schlimmes anrichten.
meine meinung ist alle paare die sich nach einem schicksalsschlag trennen hatten bereits vorher eine kriselnde beziehung. wie es um sie stand kam eben erst nach diesem äusseren schicksalsschlag zum vorschein. solange eine beziehung intakt und stark ist ist sie gegen solche dinge immun und alles wird sie nur stärker machen und die beiden eltern nur enger zusammenschweissen.
also freu dich dass du einen so tollen mann hast. und ich würd die therapeutin wechseln oder ihre meinung ab jetzt sehr kritisch hinterfragen. du brauchst jetzt in deinem leben wo soviel innerlich passiert vorallem eines: stabilität.
und sie sieht mir nicht danach aus diese in dir und deinem umfeld zu verstärken.
mit liebem gruss!!!
von serafina.

Beitrag von morla29 13.03.11 - 21:23 Uhr

Hallo,

ich finde dieses Gedicht total richtig und schön. Es zeigt, wie unterschiedlich Trauer sein kann.

Deine Tränen fließen in deinem Herzen,
meine fließen über meine Wangen.
Deine Wut zeigt sich in deinen Gedanken und Bewegungen,
meine galoppiert nach vorne, damit alle sie sehen können.
Deine Verzweiflung liegt in deinen matten Augen,
meine zeigt sich in Zeile um Zeile, die ich niederschreibe.
Du trauerst um deinen Sohn/deine Tochter,
ich um mein Baby.
Wir trauern zu verschiedenen Zeiten
mit unterschiedlicher Länge, in unterschiedlicher Weise.
Aber wir sind trotzdem gleich, trotzdem eins,
der Tod unseres Kindes ist uns beiden bewusst.
(Pam Burden)


Steht im Buch: Gute Hoffnung - Jähes Ende.

Viele Grüße
morla
mit zwei Mädels an der Hand (3 und 5)
und einem Mädel tief im Herzen (still geb. 29.1.10 - 31. ssw)

Beitrag von chrissy1986 14.03.11 - 10:50 Uhr

ICh würde mir keine sorgen machen. Männer trauern auf eine andere Weise und glaub mir er trauert. Männer können bloß nicht immer drüber reden auch nicht immer mit dem Partner. So sind sie halt. Also mach dir keine sorgen.