Kind weiß mehr als es wissen sollte

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von marina74 12.03.11 - 11:28 Uhr

Im Kinderzimmer entdeckte ich heute einen Schreibblock, den das Kind (12) wohl von seiner Mutter mitgebracht hatte, denn einige Blätter waren vollgekritzelt mit Notizen in fremder Erwachsenenschrift und Zeichnungen.
Ich, mein Freund und sein Sohn leben zusammen. Die Mutter besucht der Sohn alle 2 WEs.

In diesem Block fand ich einen vierseitigen Brief der Mutter an eine Dame (vom Jugendamt?!), darüber, weshalb ihr Sohn beim Vater lebt.
Sie schrieb die Geschichte auf vom Kennenlernen bis zu dem Tag, an dem er das Kind zu sich nahm. An der Stelle brach der Brief ab.

Das Schlimme kommt jetzt: Sie berichtet, dass der Vater, also mein Freund, das Kind nicht wollte und sich Geld für eine Abtreibung geliehen hat, kurz vor dem Eingriff hatte sie noch ein Gespräch mit dem Arzt, der erkannte, dass sie das Kind eig. wolle und nun nach Hause gehen sollte.
Danach entdeckte sie, dass mein Freund Kontakt zu seiner Ex aufgenommen hatte und sich bei ihr ausheulte, weil er nun seine Freiheit einbüssen müsse..., dann die Trennung, ihre Wut, die Überforderung, ...

Teils entspricht das der Version, die ich auch von meinem Freund weiß, teils bin ich entsetzt über das ganze Ausmaß. Aber das ist jetzt völlig egal.

Was mir so Herzrasen verursacht, ist die Tatsache, dass der Sohn es wohl gelesen hat. Was macht das mit ihm? Wie wird das das Verhältnis zum Vater beeinflussen?

Ich kann nicht fassen, wie es überhaupt in seine Hände geraten konnte!
Mein Freund ist grad nicht da, ich hab ihn sofort angerufen, bekam aber den Eindruck, dass ihn das nicht sonderlich aus der Bahn wirft.
Ich hab ihm gesagt, er solle wenigstens mal bei seiner Ex anrufen, bei der der Junge gerade ist.

Wie soll man da weiter vorgehen? Spricht man den Jungen drauf an?

Beitrag von lisasimpson 12.03.11 - 12:43 Uhr

Hallo!

Ja- sprich ihn darauf an.
Sag ihm, du hast den Brief entdeckt und frage ihn, wie er dazu gekommen ist und ob er ihn gelesen hat.
Frage ihn, ob er mit dir über etwas darin reden möchte.
Versuche ohne vorwürfe oder schulzuweisungen mit ihm zu sprechen
sag ihm, daß du nicht weiß, ob das alles stimmt oder ob seine Mutter das vielleicht nur so empfunden hat- sag ihm, daß es egal ob es stimmt oder nicht, schrecklich für ihn sein muß, das zu lesen.
Sag ihm, daß menschen manchmal sachen denke oder sagen, weil sie in dem moment überfordert sind (das kann für den vater wie für die mutter gelten) und daß sie diese schen manchmal im nachhinein bereuen.

sag ihm, daß sein vater ihn liebt und sehr froh ist, daß er da ist und bei ihm lebt- und daß auch seine mutter ihn liebt.

Gute lektüre dazu gibt es von Irmela Wiemann (z.B. Wie viel wahrheit braucht mein kind")

Liebe Grüße
lisasimpson

Beitrag von marina74 12.03.11 - 13:11 Uhr

Vielen Dank für deine Antwort!
Ich weiß nicht, ob das nicht eher Aufgabe der Mutter oder des Vaters wäre.
Außerdem befürchte ich, so wie ich den Sohn kenne, dass er behauptet, er hätte nichts gelesen und wüsste nicht, was gemeint sei.
Aus diversen Gründen.
Erstens weil er weiß, dass man anderer Leute Briefe nicht liest (auch wenn das in dem Fall überhaupt keine Rolle spielt, denkt er, er würde dafür geschimpft werden...),
zweitens weil das bedeutet, dass er dann ein langes, ihm unangenehmes Gespräch führen muss, mit dessen Inhalt er sich eigentlich gar nicht auseinandersetzen will.

Ich befürchte, dass Mutter oder Vater kurz nachfragen, er sagt, "Was soll ich gelesen haben?" und damit ist für die 2 das Thema erledigt.
Natürlich KANN es auch sein, dass er es nicht gelesen hat, aber das bezweifle ich stark.

Ich befürchte, dass er mit seinen Ängsten ganz alleine dasitzen wird und den Kummer in sich hineinfrisst.

Ob man den Block wieder zurücklegen sollte?
Mit einem kleinen Brief vom Vater an den Sohn?

Ich bin in einer echten Zwickmühle.

Beitrag von lisasimpson 12.03.11 - 13:19 Uhr

nein, wenn er nicht will, dann würde ich ihn auch lassen und ihm anbieten, jederzeit für ein gespräch bereit zu stehen.
als vater würde ich dann mal abends beim zubettgehen ein altes fotoalbum rausholen und mit ihm anschauen. und dann eben ein bißche nerzählen, as damals so war.

Es ist besser ,er weiß etwas (es ist etwas ausgesprochen), als daß es ein tabu darum gibt in seiner familie.
Kinder spüren serh gut, welceh themen konfliktbeladen sind und man besser nicht anspricht- das blüht aber dann in ihren ängsten und phantasien umso mehr.
Ein kind, daß weiß, daß es am anfang probleme gab, daß die eltern nicht wußten, ob sie ds kind bekommen sollten, daß es ängste gab... daß aber weiß, daß es nun geleibt wird- das kann besser mit umgehen, als wenn das thema unterschwellig schwelt (und offenbar tut es das)

lisasimpson

Beitrag von lajo 12.03.11 - 13:15 Uhr

Ich würde das Kind ansprechen und ihn einfach fragen wie er darüber denkt. Finde es nicht sonderlich schlimm, wenn der Vater früher das Kind nicht wollte, denn nur die Schwangere kann entscheiden, ob das Kind ausgetragen wird oder nicht. Der Vater des Kindes muß sich dem anschliessen. Der Vater sollte seinem Kind aber auch sagen,. dass er ihn trotzdem liebt, denke sonst hätte er ihn nicht aufgenommen.

Beitrag von carla_columna 14.03.11 - 15:21 Uhr

Hallo,

ich würde auf jeden Fall mit ihm darüber reden - oder besser: der Vater sollte das tun.

Mein Schwiegervater wollte meinen Mann damals auch nicht. Es wurde aber immer offen darüber geredet. Denn: mein SV ist dem Gynäkologen von damals total dankbar, dass der meine SM nach Hause geschickt hat.
Mein Mann ist sehr geliebt aufgewachsen.
Ich denke, das merkt ein Kind.
Mein Mann kann daher mit der Geschichte auch sehr entspannt umgehen.

Und die Tatsache, dass dein Stiefsohn jetzt bei seinem Papa und dir lebt, spricht ja für sich.

ABer wie gesagt: den Jungen darauf ansprechen,solltet ihr schon.

LG Carla