Ich bin einfach total fertig und es frisst an mir!!!! HELP!!!!!

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von felix0907 13.03.11 - 12:43 Uhr

Hallo alle zusammen!!!

Ich bin einfach sooo traurig, wie schnell eine Familie zerbrechen kann.....

Meine Mutter ist vor knapp 2 Jahren gestorben und seitdem ist nichts mehr so wie es war..... ich dachte eigentlich daß mein Vater jetzt für mich und meine zwei Geschwister zusammen da sei... aber es ist jetzt im Nachhinein die totale Fehlanzeige...

Mein Vater war schon immer sehr schwierig, ein Einzelbrodler, cholerisch veranlagt, meine Mutter hatte es wirklich nicht einfach mit ihm.......aber wir Kinder hatte leider in unserer Kindheit nicht viel von ihm.......

Jetzt war es so. daß er wirklich seit meine Mutter tot ist, kein einziges mal gefragt hat wie es uns ( meinen Schwestern und uns) dabei geht, kein einziges tröstendes Wort, keine umarmung...nichts.....
immer nur er.... er hat seine Frau verloren, er ist soo arm dran, jeder egal wer... aber wirklich jeder Mensch der ihm nur ein klein wenig angreift..... indem sie sagen .. komm Kopf hoch, das Leben muss nun nach 2 Jahren weiter gehen..... wird sofort angeschrien, und er sagt jedem daß er kein glückliches Leben hat und daß sie alle freundlich zu ihm sein sollen, denn er ist so arm dran.....
ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN, jeden Tag erzählt er uns und anderen Leuten daß er morgens immer zwei Stunden weint und er nicht weiß warum seine Frau ihn verlassen hat.......blabla....
Ich trauere auch... aber ich lebe jetzt nach kanpp 2 Jahren wieder!!!!!
Er ist total undankbar, wir ( seine Kinder ) kriegen nichts zu Weihnachten, zu Geburtstag.... obwohl wir alles machen für ihn, wir kochen für ihn mit bzw. kochten die erste zeit für ihn mit, daß haben wir aber nach 1/2 Jahr abgeschaltet, da wir alle beruftstätig sind und kinder haben.....,
Ich koche nach wie vor mit wenn er da ist, meine Schwester macht ihm die Wäsche, .. er fordert nur, aber er ist in den 2 Jahren noch nie auf die Idee gekommen uns mal was zu kochen ( er kann es mittlerweilen selbst), oder uns mal zum Essen einzuladen... an jeder Festlichkeit wie Ostern, Weihnachten etc... laden wir ihn ein... er setzt sich nur hin und isst ( nicht gerade wenig, er fragt nicht mal ob es für alle reicht) und dann redet er keinen Ton und wenn wir lachen, dann steht er auf und sagt er geht jetzt denn er hält es nicht mehr aus......
der absolute höhepunkt ist... was jetzt vor 3 Tagen passiert ist,
da er ja eh total verbittert ist und kaum ein Wort redet.... hat er uns ( mir und meinem Mann, wir bauen gerade ein Haus) auf dem Bau geholfen, ... er hat sich mit den HEizungsbauern, dem Dachdecker und den Elektrikern angelegt, er hat nur rumgeschrien aber in eiiner Lautstärke.. ( wir wohnen 5 Häuser weiter, ich hab es im Haus gehört)... jeder auf dem Bau hat nur den Kopf geschüttelt.......

Ich bin dann hin und hab ihm im lieben Wort gesagt, daß er so nicht mit den anderen umgehen kann.... da hat er mich angeschrien, ich hätte keine Ahnung und ich soll abhauen,,.........und ich hab ihm nochmal gesagt daß ich ihn auch verstehe aber er soll doch bitte einen anderen Ton anwenden... da ist er einfach weggefahren und ist nicht wieder gekommen, und gestern hat er mir gesagt am Telefon daß er uns auf dem Bau nicht mehr hilft........ und hat einfach aufgelegt, und ich habs nochmal probiert... bei ihm, aber er ging einfach nicht ran....
ICH HAB SO GEWEINT, da ich mich 1. dafür schäme wie er sich aufführt, und 2. daß er keinerlei Interesse an mir und seinen 2 Enkeln zeigt( meine Kinder sind 2 und 6 .. er kommt nicht auf die Idee sie mal zu besuchen... traurig oder)). und 3. daß mein Vater .. der jetzt eigentlich noch von der Familie da ist.. eigentlich nicht für uns da ist......

Ich kann im Moment nicht mit ihm reden und ich will ihn auch nicht sehen, obwohl er mir manchmal schon sehr leid tut, aber ich kann mit dieser Art nicht mehr umgehen......Ich mußte ihm einfach mal die Meinung sagen, da sich schon ganz viele Leute über ihn beschweren, wie unfreundlich er doch ist......
War das Falsch???
Was soll ich nur tun????

LG
:-[




Beitrag von little08 13.03.11 - 13:36 Uhr

Hallo,

hast du das Ganze was du erzählst schon mal von der anderen Seite gesehen?

Deine Geschwister und du habt eure "eigenen" Familien, ihr habt eure Partner, eure Kinder, euer Leben.

Ich kann mir durchaus vorstellen dass dein Vater einfach denkt er hat niemanden mehr.
Ihr lebt im Großen und Ganzen euer Leben. Sicher ist der Verlust eurer Mutter hart und schwer für euch ABER er hat den Alltag nicht so drastisch verändert wie bei eurem Vater.
Die Person mit der er Jahrzehnte zusammen gelebt hat ist weg. Er hat somit seine wichtigste Bezugs-/Vertrauensperson verloren.

Das rechtfertigt nicht alles, vorallem nicht die Unfreundlichkeit. Dennoch, meiner Meinung nach erwartest du zu viel.
Als ich deinen Beitrag hier gelesen habe dachte ich zuerst dass hier eine noch sehr junge Frau schreibt die erst beginnt selbstständig zu werden.

"Meine Mutter ist vor knapp 2 Jahren gestorben und seitdem ist nichts mehr so wie es war..... ich dachte eigentlich daß mein Vater jetzt für mich und meine zwei Geschwister zusammen da sei... aber es ist jetzt im Nachhinein die totale Fehlanzeige... "

"und 3. daß mein Vater .. der jetzt eigentlich noch von der Familie da ist.. eigentlich nicht für uns da ist...... "

Natürlich ist nichtsmehr wie es war, es fehlt eine Person, die kann nicht ersetzt werden. Wie auch?!
Und inwiefern soll euer Vater für euch da sein? Ihr seid erwachsen, lebt schon lange euer Leben.

Vielleicht kannst du deinem Vater mal die Telefonnummer einer Trauergruppe in eurer Umgebung geben. Ich denke er kommt einfach mit dem neuen Leben ohne seine Frau nicht klar. Ich kann das durchaus verstehen.
Und zum Thema unfreundlich, du schreibst er sei schon immer ein Eigenbrödler gewesen, warum sollte sich das ausgerechnet nach einem solchen Verlust ändern?

Ich wünsche euch alles Gute

Little


Beitrag von holidaylover 13.03.11 - 16:09 Uhr

so wie sich dein vater aufführt würde ich ihn mal ne ganze zeit völlig in ruhe lassen. vielleicht fällt ihm dann auf, daß ihm seine kinder + enkel fehlen und doch wichtig sind!?
wenn er so am rad dreht, seit ihr doch auf dem bau besser ohne ihn dran.
wenn er immer so drauf ist, würde ich den kontakt auf ein minimum reduzieren. sowas tyrannisiert doch die ganze familie.
lg
claudia

Beitrag von fruehchenomi 13.03.11 - 16:28 Uhr

"......daß haben wir aber nach 1/2 Jahr abgeschaltet, da wir alle beruftstätig sind und kinder haben.....,

daß mein Vater .. der jetzt eigentlich noch von der Familie da ist.. eigentlich nicht für uns da ist......"

Deinem Vater wurde zugestanden, er darf 6 Monate trauern, dann soll er sich gefälligst wieder selber kümmern und - für euch da sein.
Es ist traurig, dass ihn nicht mal seine Enkelchen aufmuntern können, ja, aber er ist ein Mann ! Und Männer trauern anders - ganz anders - als Frauen. Er steckt wohl gerade mitten in seiner "Wut-Phase", Wut, dass ihn seine Frau "verlassen" hat, Wut, dass er mit der Situation nicht umgehen kann und und und - ich kenne ihn nicht, aber ich kann es mir vorstellen. Männer, ältere sowieso - fangen entweder zu saufen an oder brüllen rum, wenn sie mit ihren Gefühlen nicht wissen, wohin.
Vorwürfe kann er nun am wenigsten brauchen.
Hat er einen Freund oder sehr guten Bekannten, den er noch nicht ganz verprellt hat ?
Dann geh zu dem und bitte ihn um Vermittlung - dass er mit ihm mal unter Männern reden soll.
Dein Vater flüchtet, wenn ihr lacht und Du machst ihm das zum Vorwurf ?
DAS verstehe ich nicht - er ist einfach noch nicht fertig mit seiner Trauerarbeit - so siehts aus - 2 Jahre sind keine Zeit.
DU hast Abwechslung, bist jung, hast eigene Familie - er meint, er hat nun garnichts mehr, wahrscheinlich hat er seine Frau sehr geliebt. Bitte seh das auch mal.
Einen anderen Rat hab ich gerade auch nicht - Männer hören aber lieber manchmal auf Freunde als auf die eigene Familie - bzw Tochter.
Gut, er muss wissen, dass er euch nicht anzubrüllen hat - aber auch das kann ihm sein Freund vermitteln. Probiers, er ist verzweifelter als Du denkst !!!!
LG Moni

Beitrag von aberalleachtung 13.03.11 - 16:59 Uhr

hallo...seltsam- du bist so alt wie ich hast auch eine schwester und meine mama ist vor 3 jahren gestorben- nur kinder haben wir noch keine...

ansonsten erinnert mich was du erzählst SSSEEEHHHRR an unseren papa- auch wenn es bei ihm nicht ganz so schlimm ist.

ich weiss wie du dich fühlst, obwohl wir schon so alt;-) sind fehlt plötzlich ein elternteil- meine mama war meine beste freundin und ich konnte mir garnicht vorstellen das ich ohne sie leben kann.

das starb meine mama an lungenfibrose und es zog uns allen den boden unter den füssen weg.

anfangs dachten wir unsere eltern wären beide gleich liebevoll und unser papa würde die mutterliebe ersetzen- aber das geht halt nicht.

mit dem essen kenne ich auch, wir dachten von ihm kommt mal eine gegen-einladung, einfach das er uns auch mal eine freude macht.

zu geburtstagen wollte er nicht mehr kommen und wenn, dann gab es nur geldgeschenke- nicht so liebevoll ausgesucht wie als beide noch da waren.

er gab uns das gleiche gefühl wie du es beschreibst, tausend kleinigkeiten wo wir uns vor den kopf gestossen gefühlt haben.

er sagte wir könnten das alles nicht nachvollziehen- er hätte ja seine frau verloren. das ich und meine schwester bis dahin keinen tag keinen tag hatten ohne unsere mama hat ihn nicht interessiert.

irgendwann kam es zum grossen streit, auch wegen seiner nörgelei.

wir haben 3 tage miteinander gebockt und ich viel nachgedacht. und irgendwie ist bei mir der knoten geplatzt- er ist einfach so :-) schon immer gewesen und meine mama hat das nur ausgeglichen so das man es früher nicht so gemerkt hat...

ich habe meinen inneren frieden gefunden und wir kommen mitlerweile prima zurecht...wenn er anfängt zu jammern höre ich ihm zu, wenn er aber dann garnicht aufhört sage ich ihm knallhart- nun ist es genug- wir schauen jetzt nach vorn...und das funktioniert.

zum essen kommt er weiterhin- aber nicht so regelmässig. wir müssen ihn immernoch zigmal einladen- und ich sag dann einfach" sonntag mittag koche ich für dich mit- komm bitte" und es klappt.

ab und an lafen wir uns einfach zum essen ein" koch doch mal das und das " das habe ich schon ewig nicht gegessen " und das funktioniert auch

an geburtstagen suche ich jetzt mit ihm etwas für meine schwester aus, an meinem machtdas meine schwester mit ihm- und er freut sich das er was persönliches schenken kann- ich glaube allein war er einfach zu hilflos.

wir haben nicht grundlegend etwas an unserem verhalten geändert- ich glaube nur die sichtweise bei meiner schwester und mir ist anders geworden.

wir akzeptieren ihn jetzt so wie er ist, sagen wenn uns was ärgert, geben ihm das gefühl gebraucht zu werden ohne grosses tam-tam und lassen ihn aber auch einfach mal machen und in ruhe wenn er das nicht will. und zeigen ihm wie sehr wir ihn lieben #herzlich

es braucht glaube ich einfach seine zeit- jede denkt er ist der mit dem grösseren schmerz, aber mittlerweile glaube ich wirklich das ihm das recht am grösseren leid zusteht. ..

er geht jeden tag allein ins bett, steht allein auf, seine zweite hälfte fehlt- nichts ist mehr so wie es mal für ihn war.

trotz das unsere mama fehlt haben wir unsere eigenen partner und unser eigenes leben.

das wirklich zu begreifen hat es für mich leichter gemacht mit ihm umzugehen.

fühl dich verstanden und herzlich #liebdrueck andrea

Beitrag von fruehchenomi 13.03.11 - 18:04 Uhr

"....trotz das unsere mama fehlt haben wir unsere eigenen partner und unser eigenes leben.
das wirklich zu begreifen hat es für mich leichter gemacht mit ihm umzugehen....."

Genauso siehts aus, hast Du sehr schön geschrieben, auch Euren Umgang mit eurem Vater - ich denke, ihr macht das genau richtig. Und genau DAS ist es, er geht alleine ins Bett und steht alleine auf - da es mir irgendwann mal so gehen wird (mein Mann ist ziemlich älter) kann ich mir gut vorstellen, wie schlimm das für einen Mann ist (sie sind doch eh meist unselbständiger als eine Frau... :-( - und Gefühle zeigen ? Bloß nicht)
LG Moni

Beitrag von felix0907 13.03.11 - 20:43 Uhr

Danke... für die lieben Worte und lg

Tatjana

Beitrag von meleke 13.03.11 - 22:02 Uhr

Hallo,

nein ich finde deine Wut ist total nachvollziehbar und berechtigt. Und es ist dein Gutes Recht deine Meinung auch preiszugeben. Denn natürlich hat dein Papa das Recht zu trauern. Aber das hast du und deine Geschwister auch. Und es ist schade das man euch vorwürft, ihr hätte ja eure Partner und Kinder.
Ihr seit nicht Schuld daran das Eure Mom verstorben ist und euer Papa allein ist. Und ihr könnt jetzt wohl schlecht eure Kinder weggeben und euch von eure Partner trennen, nur damit ihr auch leidet.

Mein Vater hat nach dem tot meiner Mom auch sehr und lange gelitten und ich habe mich 3 Jahre tag täglich um ihn gekümmert... gekocht, gewaschen, geputzt. Bin von Berlin nach Meck-Pomm gezogen und hab mein komplettes Leben aufgegeben.

Er hat sich genauso schlimm verhalten. Hat mir sogar damit gedroht mir meine Tochter wegzunehmen und sich mit ihr zu verstecken, falls ich wieder weg ziehen sollte.
Ich bin dann in einer Nacht heimlich mit ihr abgehauen und hab ihn dann telefonisch vor die Wahl gestellt... Entweder er reizt sich zusammen und benimmt sich wie ein Vater oder er sieht mich nie wieder. :-[

Heute habe mein Vater und ich ein wundervolles Verhältniss. ich kann ihm immer Vertrauen und in jeder Minute auf ihn zählen. aber er brauchte diesen Dämpfer um aufzuwachen. Um zu begreifen das nicht nur er trauert.


Alles Gute für euch.

LG Susi

Beitrag von felix0907 14.03.11 - 07:17 Uhr

Ich hoffe so sehr daß er auch aufwacht, denn es macht mich echt fertig....

DANKE und liebe Grüße

Beitrag von schwilis1 15.03.11 - 14:08 Uhr

Seitdem meine oma gestorben ist, ist bei uns auch viel kaputt gegangen. von meinem opa hat man nicht mehr viel gehoert. Als seine Tochter dann wieder einen Hirntumor hatte, erwarteten wir alle viel mehr von ihm. sie bat ihn um hilfe, sie zu untersuchungen zu fahren. tat er es so blieb er im auto sitzen und begleitete sie nicht mit rein.
An dem Tag als sie starb, war er zwar da, meinte aber noch zur schwester: ach sie atmet ja noch ganz regelmäßig wer weiß wie lange es noch dauert.
seit der Beerdigung hab ich ihn noch 1x gesehen. er hat sein eigenes Leben. seine neue Partnerin.
Aber mir hat es das herz gebrochen, dass er so wenig für seine eigene Tochter gefühlt hat (aber das war schon immer so, schon als sie noch ein kind war, waren die Freunde, die Kränzchentreffs, alles wichtiger als das eigene kind :( )

das frisst an mir. und ich kann dich verstehen.