Strom ohne Atomkraft - echter Ökostrom.

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Forum: Energie sparen

Willkommen im Forum Energie sparen. Hier diskutieren wir, wie wir gesünder leben und viel Energie und Geld sparen können. Mit kleinen Schritten können wir unseren CO2-Bilanz um 10% innerhalb eines Jahres reduzieren. Und darum geht es hier: Welche kleinen Schritte machen Sie? Welche Fragen und Ideen haben Sie? Jeden Donnerstag schauen Energiesparberater hier ins Forum, um Ihre Fragen zu beantworten. Jede(r) BeraterIn ist in einer Umweltorganisation engagiert. Wir arbeiten ehrenamtlich und freuen uns auf Anregungen und Fragen. Mehr Infos lesen Sie auf 10:10 Deutschland.

Viele tolle Tipps zum Energiesparen finden Sie in unserem Artikel Umweltschutz im Familienalltag und auf unserer 10:10 Checkliste der urbia-Familie zum Ausdrucken. Hier können Sie lesen, was das urbia-Team zur CO2-Reduktion unternimmt.

Beitrag von matthiaskruemmel1010 14.03.11 - 07:43 Uhr

Echten Ökostrom ohne Atom- und Kohlestrom gibt es in Deutschland unter:

www.gruenerstromlabel.de

Alles andere ist Strom mit spekulativem "Graustrom" von der Strombörse und Gewinnbeteiligung der Atomkraftbetreiber - also Finger weg, wenn Ihr sauberen Strom ohne Risiko wollt.
Grünen Strom zu beziehen bedeutet auch: Große Teile der Einnahmen werden in die Produktion erneuerbarer Energien reinvestiert.

Japan zeigt: Wir müssen weg von alter Technik!

Beitrag von wemauchimmer 14.03.11 - 08:33 Uhr

Jaja,
aber daß in Japan, wenn von 54 AKWs ein paar wenige abgeschaltet werden oder ausfallen, der Strom rationiert werden muß,
oder daß in Tschernobyl die nicht explodierten Kraftwerksblöcke weiterbetrieben werden mußten, zeigt eben auch, daß es alles nicht so einfach ist. Die 54 AKWs in Japan gibt's halt nicht nur so zum Spaß. Energie ist nun mal der Lebenssaft unseres Wohlstands.
Würdet Ihr für einen sofortigen Atommaussieg in Deutschland ein paar Stunden am Tag ohne Strom (inkl. Handy, TV, Internet, PC, ...) dasitzen wollen? Ehrlich?
LG

Beitrag von katiegriggs1010 14.03.11 - 15:34 Uhr

Momentan arbeiten 2-4 Kraftwerke nur um Strom zu erzeugen, um das unsere Elektro-Geräte zu Hause ständig auf/im/mit standby zu laufen können. (Sorry - prepositionen sind schwer für uns Englanderin #kratz ) Und dass ist nur in Deutschland. Viele Leute (und Firma) können Strom sparen ohne dass sie es merken, weil ein grosse Menge einfach verschwendet ist. Ich weis dass, weil ich im letzten 12 Monaten persönlich 30% Strom zu Hause gespart habe: nur durch kein mehr standby und bessere Praxis beim kuhl und gefriergeräte und alles anderes was Berlinerenergiecheck haben mir empfehlen.;-)
Auch, als schon darüber gesprochen bei Matthias, kann man eine von die 4 anerkannte erneubarer Energie Anbiete direkt unterstützen wenn mann zum eine davon wechselt.....mit zwei Anrufe hat man eine grosse Menge fürs Umwelt gemacht.

Beitrag von wemauchimmer 14.03.11 - 17:06 Uhr

Das ist ja alles richtig, aber die Geräte haben deshalb einen Standby. weil die Leute lieber Geräte gekauft haben, die man mit der Fernbedienung einschalten kann anstatt welche, wo man erst hinlaufen und einschalten muß. Die Formel "Energieverbrauch = Komfort" gilt auch hier. Und ich glaube nicht, daß die Mehrheit der Bürger wirklich auf Komfort verzichten möchte. Und die AKWs sind nichts anderes als eine Konsequenz dieser Einstellung.
Es muß in die Köpfe rein, daß ein Atomausstieg, daß Energiesparen im Großen und Ganzen eben auch einen Komfortverzicht bedeutet. Und es muss der Wille da sein, das in Kauf zu nehmen.
Solange das nicht der Fall ist, wird folgendes passieren: Ein paar Menschen, die gerade dabei sind, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen, setzen unter dem Eindruck der Japankatastrophe jetzt das Häkchen bei "Ökostrom" beim Suchportal. Und dann, wenn die nächste Strompreiserhöhung kommt (was ja bekanntlich unausweichlich ist), stellen sie fest, daß der gute, alte Normalstrommix ja doch viel günstiger zu haben ist. Und schon sind wir wieder bei der alten Nachfrage.
Das könnte man wohl nur über den Preis regeln, aber daran hat die Stromindustrie kein Interesse und die aktuelle Regierung offenbar auch nicht. Im Gegenteil, Stichwort CO2 Reduktion.
LG

Beitrag von matthiaskruemmel1010 14.03.11 - 19:27 Uhr

die von der atomindustrie immer wieder herbeigeredete stromlücke dürfte auch bei sofortiger abschaltung der 7 ältesten akws in deutschland nicht eintreten. wir würden eben nur weniger strom exportieren und die gewinne für die konzerne sähen etwas schmaler aus.
brückentechnologie ist atomkraft nicht, schon eher gud kraftwerke und weitere effizienzsteigerungen - auch das kurbelt die deutsche wirtschaft an.
matthias 1010

Beitrag von matthiaskruemmel1010 15.03.11 - 21:07 Uhr

das hab ich gestern geschrieben und heute schalten sie ab - wir werden ja sehen wo dann die ominöse stromlücke bleibt
LG
Matthias

Beitrag von wemauchimmer 16.03.11 - 08:15 Uhr

Tja, Deutschland ist aber keine Insel im Meer wie Japan.
Was uns an Strom fehlt (falls was fehlt), wird halt von den europäischen Nachbarn importiert.
Das heißt, wir werden das nicht in der Form mitkriegen wie die Japaner.

Beitrag von matthiaskruemmel1010 20.03.11 - 14:51 Uhr

das werden wir ja sehen. ich denke, dass das allenfalls kurzfristig der fall sein wird.

welche prognosen für 100% erneuerbaren Strom jetzt stimmen (2050 -X Jahre) ist meiner meinung nach für den moment auch nicht entscheidend, da wir ja noch lange genung mit aktiven kernkraftwerken und überdies auch noch sehr viel länger mit problematischem atommüll ohne geeignetes endlager werden leben müssen. entscheidend wird es jetzt sein, so viel kraft und entschlussfreudigkeit wie möglich in den aufbau von nachhaltiger energiewirtschaft und effizienzsteigerungen zu stecken. das braucht überdies auch phantasie (der politik, der wirtschaft, der verbraucher, ...)

am ende wird es einen vielfältigeren und dezentralen energiemix geben, der den kunden die monopole erspart, der umwelt und dem geldbeutel das ungenutzte verschwenundungspotential (vom kraftwerk bis zum stromverbrauchenden gerät) einspart und der zudem die energiegewinnung und verteilung optimiert: von der lokalen- der regionalen bis zur weltweiten energiestruktur wird es intelligente lösungen geben (müssen), die eben beides sind: nachhaltig aus öko-perspektive und nachhaltig für den geldbeutel.

ich denke - für den moment (und wünsche mir, dass dies noch lange anhält) haben wir durch japan eine innehalten, eine atempause hingelegt. ich hoffe, es wird nicht nur in der politik hinterfragt, was an der stromvorsorge für uns und die folgenden generationen wichtig sein muß. diese zäsur wird aber nur dann in ein umdenken führen, wenn alle daran arbeiten. ich glaube, ein blick über den tellerrand tut not.

lg
matthias1010

Beitrag von wemauchimmer 21.03.11 - 08:34 Uhr

Ich bin da sehr skeptisch, also bitte nicht mißverstehen, ich wäre froh und glücklich über einen Atomausstieg, aber die politischen Realitäten sind nun mal andere.
Bloß weil jetzt alle wegen Japan mal eben gegen Atomkraft sind, wird es keinen schnellen Atomausstieg geben. Den will die aktuelle Regierung nämlich bekanntlich nicht, hat ihn ja gerade rückgängig gemacht obwohl daß eine recht unpopuläre Maßnahme war. Und bis zur nächsten Bundestagswahl ist Gras über Fukoshima gewachsen. Das war doch bei Tschernobyl nicht anders. Und da waren wir wesentlich direkter betroffen. Aber dann sagte man sich eben: Gut, das sind halt so sowjetische Schrottreaktoren, kann man ja nicht mit unseren vergleichen. Dann ist das Thema eben nicht mehr wahlentscheidend. Und hier wird's genauso laufen, Da wird man eben sagen, ok, wir haben hier aber keine Erdbeben Stärke 9 und keine Tsunamis. Dagegen wird bis dahin ein großes Thema das Erneuerbare-Energien-Gesetz und insbesondere die Einspeisevergütung für regenerative Energien sein. Weil das zu sehr schmerzhaften Preisanstiegen für alle Haushalte führt und nur ein paar wenige (Grünen-Klientele, also Akademiker mit Häuschen) profitieren davon. Und weil die Energiepreise an allen Fronten stark anziehen, werden viele letztlich den vermeintlich günstigen Atomstrom doch gerne weiter haben wollen. Ihr werdet's erleben. Bis zur Wahl ist noch viel, viel Zeit für Meinungsmache.
LG

Beitrag von lassiter 21.03.11 - 20:33 Uhr

Unterschreib!#freu


 Weil das zu sehr schmerzhaften Preisanstiegen für alle Haushalte führt und nur ein paar wenige (Grünen-Klientele, also Akademiker mit Häuschen) profitieren davon. 

Genau so ist es.
Es findet eine Umverteilung von unten nach oben statt.
Die Habenichtse, die gerade so über die Runden kommen, werden noch etwas mehr in den Dreck gedrückt.
Das schlägt aufs Gemüt, macht depressiv und krank und so mancher stirbt vor der Zeit.
Das kommt der Philosophie der Grünen aber entgegen, weil ja sowieso schon viel zu viele Menschen auf diesem Planeten herum trampeln und die Natur vor ihnen geschützt werden muss.



Josef


Beitrag von colle 14.03.11 - 10:23 Uhr

welchen "echten ökostrom" empfiehlst du denn als berliner?

Beitrag von matthiaskruemmel1010 14.03.11 - 19:24 Uhr

das kannst du auch mit auf deinen stromverbrauch berechneten angeboten unter www.naturvolt.de herausfinden. die empfehlen meistens naturstrom, bzw. ist der unter den empfehlenswerten meist der billigste.

auch unter www.gruenerstromlabel.de gibt es einen rechner, der plz-abhängig angebote unterbreitet - ich würde aus umwelt- und klimapolitischen gründen nur das label in gold empfehlen.

matthias1010

Beitrag von colle 15.03.11 - 08:19 Uhr

hallo

aha, danke

Beitrag von matthiaskruemmel1010 15.03.11 - 21:45 Uhr

oder http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/klima_energie/service/bundstromrechner/

Beitrag von kathi.net 14.03.11 - 13:01 Uhr

"Japan zeigt: Wir müssen weg von alter Technik! "

Da stimme ich dir ja gerne zu, ABER:

Mit welchem Konzept soll der Energiebdarf deiner Meinung nach langfristig gedeckt werden?

Und ich meine damit nicht nur den Privathaushalt! Wenn man auf alle "herkömmlichen" Energieversorgungen verzichten will (Kohle, Gas, Erdöl, AKW) wird es ziemlich eng aussehen.

Kann man das also mit dem heutigen Stand der Technik überhaupt?

Beitrag von matthiaskruemmel1010 15.03.11 - 21:15 Uhr

Die heute verkündete Kurzfrist_Abschaltung zeigt ja, dass es problemlos möglich ist die 7 alten Meiler stillzulegen. Politische Kommentare sind ja eigentlich nicht Thema dieses Forums - hier handelt es sich aber offensichtlich um ein wahltaktisches Manöver und es wird spannend bleiben, wie ernst die Regierung die Ängste der Bevölkerung und den Wunsch nach nachhaltiger Energie- und Daseinsversorgung nach den Landtagswahlen nimmt.
Leider gelingt der Umstieg auf ökologisch sinnvolle und letztendlich menschenfreundliche Stromerzeugung nicht von heute auf morgen - die Erneuerbaren müssen aber so schnell wie möglich, dezentral und massenhaft, standortabhängig und bei gleichzeitigem Ausbau von Netzen und Speichern ausgebaut werden. Ohne Atomkraft dürfte das wesentlich schneller gelingen und zudem die ohnehin schon führende deutsche Industrie in Sachen Erneuerbare voranbringen.

Beitrag von lassiter 19.03.11 - 00:02 Uhr

→ zudem die ohnehin schon führende deutsche Industrie in Sachen Erneuerbare voranbringen. ←

Windräder kann jedes Land herstellen, es ist keine Hochtechnologie, das traue ich sogar mir zu.
Was die Solarpaneele angeht hat uns China schon lange den Rang abgelaufen uns ist die Nr, 1 in D.

Schreib doch nicht immer bei den Grünen ab, sondern denke mal selber.


Josef

Beitrag von lassiter 14.03.11 - 15:12 Uhr

Für Werbung gibt es von mir immer den blauen Stift!


Josef

Beitrag von kris86 14.03.11 - 21:37 Uhr

Was meinst du, würde dein Strom monatlich kosten, gäbe es keine AKW?

Hättest du gern vor deinem Fenster einen Wald voll Windrädern?

So viele Nachteile die AKW auch haben mögen, aber es ist wohl doch gut, dass wir sie haben!

LG

Beitrag von matthiaskruemmel1010 15.03.11 - 21:31 Uhr

Was würde dein Strom kosten, wenn er nachhaltig und erneuerbar hergestellt werden würde und nicht mit einer Hochrisikotechnologie, die mit endlichen Rohstoffen arbeitet? Weniger oder mehr als heute?
Allein die Sonne schickt 5000 mal mehr Energie, als die Menschheit momentan verbrauchen kann - ich glaube fest an den Einfallsreichtum und den Erfindergeist, dieses Potential irgendwann endlich nutzen zu können - auch hier bei uns.
Eine reine Kostenbetrachtung per verbrauchter kWh ist gerade vor dem Hintergrund was gerade in Japan passiert zynisch. Man muss auch die Kosten betrachten, die nicht von den Stromhertsellern getragen werden:
- Subventionen retten bisher das Auskommen der Atomindustrie: der Versicherungswert eines Meilers müsste zum Beispiel bei ca. 50 Billionen Euro liegen - versichert wird aber nur mit ca 2,5 Milliarden
- Für die evtl. volkswirtschaftlichen und ökologischen Schäden kommt die Bevölkerung auf und zahlt mit Krankheit generationsübergreifenden Genschäden und anderen "Ewigkeitskosten" drauf.
- Die Frage der Endlagerung von strahlendem Atommüll ist weltweit noch ungeklärt. Wer bezahlt die abgesoffene Asse, wer bezahlt ein undichtes Gorleben, wer bezahlt die bergrechtlichen Ewigkeitskosten?

Beitrag von doreensch 15.03.11 - 22:29 Uhr

wie kommt denn der ökostrom in genau meine steckdosen?
legt der anbieter für mich exklusive leitungen?

nein..

Und der stom der allgemein hinzugekauft wird, ist das ökostrom aus Frankreich und co?

Beitrag von rolandvetter1010 15.03.11 - 23:04 Uhr

Der Ökostrom kommt nicht exklusiv zu dir an die Steckdose, das ist nicht möglich. Du wirst immer einen Strommix erhalten.

Wenn du aber bei einem der vier als "gut" und "echt" befundenen Anbieter bist, wird er direkt vom Hersteller eingekauft und in unser Stromnetz eingespeist.

Die Stromanbieter müssen deinen von dir gewählten Strom im Netz zur Verfügung stellen und wenn du eben nicht mehr bei einem Anbieter mit Atomstrom bist, wird dieser auch nicht in das Netz eingespeist. Deshalb wird zur Zeit auch schon eine beträchtliche Menge Atomstrom exportiert.

Entscheidend beim Ökostrom ist, dass der Anbieter den Strom direkt einkauft und einspeist. Viele "Ökostromanbieter" tricksen, da sie nur RECS Zertifikate kaufen und damit ihren Strom "grünwaschen".

Pro 1 Megawattstunde Ökostrom die egal wo produziert wurde, kann ein RECS Zertifikat gekauft werden. Damit kann man dann den "graustrom" als Ökostrom deklarieren. Damit verändert man aber leider nichts und die Atomstrombetreiber können weiterhin ihren Strom einspeisen (mit marginal etwas weniger Gewinn, da sie ja für das Zertifikat zahlen müssen).

Es gibt unter den ca. 1000 deutschen Stromanbieter leider nur 4 die wirklich zu einer Veränderung beitragen. (das bestätigt u.a. der BUND, die Stiftung Warentest und Ökotest).

Beitrag von doreensch 15.03.11 - 23:07 Uhr

Oh vielen Dank erstmal für die ausführliche Erklärung, wie finde ich die 4 jetzt nun? Jeder behauptet von sich ja 100% Ökostrom zu verkaufen aber ich hätte ja nun doch gern einen der 4 genommen, dann mus sich eben Strom sparen wenn der so teuer ist..

Beitrag von rolandvetter1010 15.03.11 - 23:35 Uhr

Die Antwort ist nicht so einfach, da sie als Werbung verstanden werden könnte. Google und der Begriff "echter ökostrom" könnte aber helfen.

Beitrag von katiegriggs1010 16.03.11 - 13:45 Uhr

Auf den 10:10 Urbia Checkliste gibt es ökostrom tips
http://static.urbia.de/user/cms/source/7/23124--1010-checkliste-farbig.pdf

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