Partnerin verschliesst sich

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von bobmcgraw 14.03.11 - 11:56 Uhr

Hallo Gemeinde,
ich bin noch nicht lange hier, aber ich hab da mal eine Frage, nein ich bitte um Hilfe. Das trifft es besser.
Seit einem dreivierteljahr bin ich mit einer wunderbaren Frau zusammen. Wir kannten uns bereits länger, unsere Liebe erwuchs aber durch einen Zufall. Man traf sich über das Internet. :-) Wir schrieben zuerst belangloses, dann wurde es intensiver. Wir beide lebten in einer unerfüllten Partnerschaft, welche wir nach einiger Zeit in Frage stellen mussten, erkennen durften, das sich zwischen uns mehr entwickelte als nur eine Freundschaft. Über das Internet schrieben wir uns alle Sorgen von der Seele, konnten uns gegenseitig helfen, dies intensivierte unsere junge Beziehung umso deutlicher. Ich möchte nicht vergessen, dass meine Partnerin ein Kind von ihrem vorherigen Lebensgefährten hat. Ihren Sohn lernte ich kennen und lieben. Ja ich liebe ihn. Sehr sogar.
Jetzt zu meinem Anliegen. Seit einiger Zeit erreiche ich sie nicht mehr. Ich möchte damit sagen, dass, wenn wir über "Probleme" sprechen ich mich entweder ungeschickt ausdrücke, sie sich direkt angegriffen fühlt oder aber sagt, dass sie nicht mehr über das angefangene Thema sprechen möchte. Sie schenkt ihrem Sohn sehr viel Zärtlichkeit, welche ich so in dieser Form nicht mehr bekomme. Ich meine mit Zärtlichkeit nicht unbedingt Sex sondern Küsse, Umarmungen ... Sie ist sehr distanziert. Sehr in sich verschlossen. Beginne ich ein Thema, geht sie direkt oben raus, meint ich wolle immer diksutieren, alles verstehen, alles ergründen.
Ich bin ein sehr stark bauchorientierter Mensch, höre auf mein Gefühl. Dies sagt mir, dass etwas nicht stimmt, aber ich kann es einfach nicht greifen. Was kann ich tun?
Ich möchte sie nur verstehen, nicht kritisieren. Einfach nur das Wissen, was in ihr vorgeht, was sie bewegt. Wo und wie ich vielleicht helfen kann.

Hat jemand einen Tipp?

Beitrag von witch71 14.03.11 - 13:08 Uhr

Deine Partnerin sagt Dir auf ihre Art, dass sie Abstand haben möchte. Das sollte Dir - wenigstens unbewusst - doch schon klar geworden sein, auch wenn Du das vielleicht nicht wahr haben willst.

Möglich wäre, dass ihr die Beziehung zu Dir einfach nur zu eng geworden ist, Du sie also förmlich erdrückst. Möglich ist aber auch, dass sie festgestellt hat, dass die Gefühle die sie für Dich empfindet einfach nicht für eine Beziehung ausreichen. Dass Du zwar als Seelentröster gut für sie warst, in einer dauerhaften Partnerschaft aber nicht der Richtige für sie bist.
Auch eine Kombination aus Beidem wäre denkbar.

Mein Tipp wäre, dringend und sofort auf Abstand zu gehen, nicht mehr reden zu wollen, nichts mehr einzufordern und Dich auf Dein Leben zu konzentrieren. Keine Treffen mehr zu fordern, einfach abzuwarten, was von ihrer Seite her kommt und ob sie Dich vielleicht doch vermisst. Damit meine ich jetzt nicht nur die nächsten drei Tage, sondern wirklich mal zwei bis drei Wochen. Lass sie aktiv werden. Falls ihr noch etwas an Dir liegt, wird sie das werden.

Kommt von ihrer Seite her nichts oder kaum etwas, dann solltest Du mit ihr über eine Trennung sprechen. Vielleicht ist sie auch nur nicht fähig, Dich vor den Kopf zu stossen..

Beitrag von bobmcgraw 14.03.11 - 13:22 Uhr

Hallo Witch,
danke für Deine Einschätzung. Das Gleiche denke ich auch, war mir aber nicht sicher ob ich es nicht vielleicht falsch sehe.

Ich werde sie in Ruhe lassen und mich auf mein Leben konzentrieren. Natürlich hoffe ich auf eine Reaktion von ihr, werde diese aber nicht einfordern sondern vielmehr abwartend die sich ergebenen Situationen bewerten.

Sollte dann in absehbarer Zeit keine Reaktion kommen, werde ich meine Konsequenz ziehen müssen. Vor allen Dingen um ihren Sohn, aber auch mich zu schützen.

Beitrag von marina74 14.03.11 - 17:56 Uhr

Es ist durchaus möglich, dass es einen bestimmten Grund für ihr Verhalten gibt und sie hofft, dass du von selbst darauf kommst. Vielleicht hat sie es schon öfter gesagt und fühlt sich nicht ernst genommen.
Gibt es ein Dauerthema bei euch, das sich nicht lösen lässt?

Dann kann nämlich "in Ruhe lassen" für sie genauso bedeuten, dass sie das Gefühl hat, du willst dich nicht damit auseinandersetzen.

Beitrag von bobmcgraw 14.03.11 - 18:21 Uhr

Hallo Marina,
ja es gibt ein Dauerthema. Dieses Dauerthema ist, dass sie generell mit anderen Menschen sehr "unsensibel" umgeht. Will heißen, sie stösst mit ihrer Art, Meinung, sehr häufig Menschen vor den kopf. Aus eigener Sicht erkennt sie es nicht, wundert sich wenn andere "merkwürdig" reagieren. Ich habe ihr von meiner Seite immer versucht mitzuteilen wie ihr Verhalten bei dem anderen ankommen könnte. Sie erkennt eben diese Äußerungen und oder Meinung von mir als persänlichen Angriff.
Nennen wir mal ein Beispiel:
Steht eine unangenehme Situation an (Gespräch mit dem Vermieter), so verschliesst sie sich diesem, möchte es lieber nicht sehen (steckt den Kopf in den Sand). Ich rate ihr dazu sich der Situation zu stellen, helfe ihr dabei sie reagiert während des Gesprächs zum Beispiel zurückhaltend und ich bitte sie um ihre Meinung. Sie wickelt, z. B. damit ab dass sie mit den Schultern zuckt. Später frage ich sie warum sie nichts sagt, dann sind wir bei dem Thema. Sie erkennt eben diese Frage als Angriff, Provokation. Wieder sind wir dabei, dass sie mir vorwirft ich wolle alles ergründen.

Beitrag von marina74 14.03.11 - 18:46 Uhr

Moment mal....
sie stößt andere vor den Kopf?
und gleichzeitig beschriebst du sie still wie Mäuschen, wenn sie dem Vermieter eig. die Meinung geigen sollte?

Das passt nicht zusammen.

Höchstens, dass sie DICH vor den Kopf gestoßen hat, anschließend.

Egal wie es nun war, dazu meine Fantasien:

- sie hätte sich gewünscht, dass du das mit dem Vermieter klärst, als ihr Beschützer auftrittst, weil es ihr unangenehm war...
- oder aber sie fand, du machst zuviel Wirbel, wegen einer Sache, die ihr nicht sooo wichtig wäre, dass es das Anlegen mit dem Vermieter wert wäre und du bringst sie in eine unangenehme Situation, statt sie davor zu bewahren und ihr zuzustimmen, dass es die Sache doch nicht wert sei, wenn sie das so gar nicht aushalte... (Beschützerrolle!)
- und wenn es Situtionen gibt, in denen sie Freunde vor den Kopf stößt, vermisst sie nicht nur deine Loyalität, sd. auch deine Beschützerrolle. Hat das Gefühl, du fällst ihr in den Rücken. Sie braucht eine Bestätigung, dass sie richtig gehandelt hat. Vielleicht ist sie selbst unsicher.
Wenn du ihr schon nicht recht geben kannst, wäre es vielleicht besser, du hälst die Klappe und weist sie nicht auf ihren Fehler hin. Sage lieber sowas wie: ich kann verstehen, dass dich das verletzt hat.
Denn ihre Verletztheit ist subjektiv, aber echt.

Ich kann mir vorstellen, dass sie deshalb die Distanz sucht, weil sie denkt, dass du dich mit deiner "Illoyalität" (sie empfindet das so!) bereits vorher von ihr entfernt hast.

Und sie mag sich nicht in den Armen eines Mannes ausruhen, der ihr den "Beschützer" verweigert.

Und sorry, ich wollte dir auf keinen Fall irgendeinen Vorwurf machen oder so, ich weiß ja noch nicht mal obs so ist, nur die Gedankengänge deiner Frau näherbringen. Prüf du, ob was wahres dran sein könnte und wie du damit umgehen willst.

Beitrag von bobmcgraw 14.03.11 - 20:45 Uhr

Heee so habe ich es nie gesehen. Sondern vielmehr, dass man seinem Partner eben auch mal sagt was nicht gut war. Das man ihr damit vor den Kopf stösst indem man nicht Partei für sie ergreift ... hmmmm

Eins möchte ich dazu noch anfügen. Ich sage ihr sowas niemals wenn andere dabei sind. Immer wenn wir alleine sind.

Und ja ... sie stösst mich auch vor den Kopf, auch vor anderen, aber hier reagiere ich ebenso, dass ich ihr niemals vor anderen meine Meinung mitteile. Ich geige ihr nicht die Meinung :-)

Beitrag von sequoia 14.03.11 - 22:24 Uhr

Hallo,

ich finde, wenn du nicht klartext in einer Beziehung reden kannst, das aber möchtest, hast du - für dich - vielleicht eine eher ungeeignete Partnerin gefunden.

Besonders, wenn sie sich wie ein Trampel (entschuldige) benimmt und du das aber im gegenzug nicht darfst...

Immer um den heissen Brei herum schwänzeln und ja nie ehrlich sein, ansonsten gibts "Distanz" - sorry aber was erwartet sie von dir? Einen Hobbypsychologen, die immer genau wissen soll was sie gerade empfindet?

Man kann ja Rücksicht nehmen und Kompromisse eingehen, aber man sollte sich auch selber treu bleiben.


Grüße

Beitrag von bobmcgraw 15.03.11 - 12:24 Uhr

Hallo, sehr schöne Worte.

Aber meine Meinung ist, dass man sich in einer Partnerschaft sehr wohl ein Stück weit aufgibt. Denn das Leben wie man es vorher hatte kann so nicht weitergehen. Warum sonst entschließt man sich für eine Partnerschaft und gegen das "freie" Leben?
Es ist klar, dass man sich nicht komplett aufgibt. Kompromissbereit zu sein ist wichtig.
Auch ist eine Beziehung ein ständiger Lernprozess.

Ich selbst hatte bisher nicht das Glück ein eigenes Kind zu haben. Was un Anbetracht der Tatsache das ich nicht die richtige Beziehung vorher hatte, auch gut so ist. Ich meine, für das Kind.
Jetzt erlebe ich viele Dinge neu. Erlebe mich selbst auch neu.
Glaubt mir das ist nicht immer einfach.

Was meine Partnerin betrifft so hat sie ihre Vergangenheit auch geprägt. Ihr Verhalten, Ihre Ansichten sind eben das Resultat aus diesen Erfahrungen. Ich selbst muss mich eben auch hinterfragen, ob ich sie nicht überstrapaziere. Sondern lieber ihr die Chance gebe, sich entwickeln zu können. Ich damit nicht "erwarte" das man Dinge eben sofort ändert, sondern sich selbst in der neuen Situation findet um sich treu zu bleiben.

Oder denkt Ihr anders?

Beitrag von sequoia 15.03.11 - 15:48 Uhr

Hallo,

natürlich gibt man ein Stück von sich her, wenn man eine Partnerschaft eingeht.
Ich meine aber, das man sich nicht aufgeben sollte.

Kompromisse gehören dazu und oft muss man sich auch erstmal zusammenwurschteln, nur finde ich nicht, das mit zweierlei Maß gemessen werden darf.
Ich finde es nicht in Ordnung, wenn sie dich, auch noch vor Anderen, zurechtweisen darf, aber umgekehrt ist das Sperrzone.

"Jetzt erlebe ich viele Dinge neu. Erlebe mich selbst auch neu.
Glaubt mir das ist nicht immer einfach."

Das glaub ich dir sofort, hab ich selbst erlebt. Umso wichtiger finde ich, das du auf dich und deine Bedüfnisse Acht gibst.
Ich glaube, erst wenn man mit sich mit Reinen ist, kann man eine wirklich gesunde Partnerschaft eingehen.
Denn wie du ihr die Möglickeiten einräumst sich frei zu entwickeln, ist es für dich genauso wichtig.

So wie du schreibst, erinnerst du mich ein bißchen an meinen Mann und mich - früher.
Er gab mir auch viel Zeit, nur hatte er gleichzeitig auch Grenzen. Dadurch konnte ich ihn respektieren und nehmen was ich brauchte. Wenn er mir gegenüber zu tolerant gewesen wäre, wär ich ihm auf der Nase herum getanzt...

Manche Dinge brauchen Zeit, aber viele Dinge ändern sich nie.
Und wenn man dann weiss, was man will, ist es leichter Entscheidungen zu treffen.

Euch alles Gute!


Beitrag von lichtchen67 14.03.11 - 13:55 Uhr

Ich sehe es ähnlich wie witch.

direkt von einer Partnerschaft in die nächste zu "schlittern" birgt Gefahren. Deine neue Partnerin hat offensichtlich "irgendwie Stress mit Dir" - ohne näher beziffern zu können oder zu wollen, warum und wieso genau.

Geh ein bissl auf Abstand und erdrücke sie nicht. Es kann vieles sein, von sie ist unsicher mit dir als Partner bis hin zu nur mal ne Phase in der alles zu viel wird.

Lichtchen