Das Geschäft mit der Angst und der Not

Archiv des urbia-Forums Politik & Philosophie.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Politik & Philosophie

Hier ist der Platz, mit anderen Politik- und Philosophieinteressierten über Parteien, aktuelles politisches Geschehen, Sinnfragen etc. zu diskutieren. Wir bitten insbesondere in diesem Forum um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsstil!

Beitrag von adalgisa 16.03.11 - 10:29 Uhr

Schaut auf die Seite der Lufthansa http://www.lufthansa.com

Für einen Flug aus Tokyo nach Deutschland muss man in der Economy-Class bereits weit über 7.000 Euro zahlen. Ich finde das traurig, wenn man die Angst und das Elend der Menschen jetzt für Geschäftemacherei ausnutzt.
Hier sieht man wieder einmal deutlich: Wer Geld hat, kommt weg. Alle anderen können ja verrecken. DAS ist Deutschland!

Beitrag von fred_kotelett 16.03.11 - 10:36 Uhr

Hi,

ich stimme dir zu das es sich hier um eine unmoralische Ausnutzung der momentanen Situation handelt.

Das ist aber kein deutsches Phänomen, oder etwas das nur die Lufthansa praktiziert.

Informier dich mal was die anderen Fluglinien verlangen.

Letzte Woche sind 2 Kollegen von mir, aus Tokio abgereist.

Der eine mit BA für 12800€ Business, der andere ist glaub ich mit United geflogen und das Ticket hat auch um die 10 K gekostet.

Lufthansa haben die beiden überhaupt nichts mehr bekommen.

VG

Beitrag von adalgisa 16.03.11 - 11:02 Uhr

Ok, dass Business deutlich mehr kostet, ist eh fragwürdig, aber der aktuelle Preis (ob nun Eco oder Business) ist eindeutig unangemessen. Insofern erweitere ich dann meine Kritik auch noch auf die anderen Fluggesellschaften.

Ich meine, auf der einen Seite spenden Menschen Geld für die Opfer und auf der anderen Seite kommen welche, und sammeln das wieder ein. Ist das noch normal?

Beitrag von fred_kotelett 16.03.11 - 11:08 Uhr

Naja Business kostet halt normal eh immer das 3 fache, ist ja auch OK.
Er hättre auf dem BA Flug aber in der ECO fast das gleich bezahlt.

Deshalb sage ich ja, unmoralisch ist das ganze auf jeden Fall.

Auf der anderen Seite ist das für mich als Vielflieger jetzt auch nicht so uberaschen, ich habe auch schon utopische Preise für tickets bezahlt wenn ich irgendwo dringend hin musste.

Man sollte in solchen Situationen vielleicht eine gesetzl. Höchstgrenze für ECO Tickets einführen, aber vielleicht würden dann die Fluggesellschaften noch schneller den Betrieb bei irgendwelchen Notsituationen einstellen.

Beitrag von .doctor-avalanche. 17.03.11 - 11:01 Uhr

Merkwürdige Zahlen, die hier kursieren. Auf der Homepage von British Airways z.B. kostet die Verbindung Tokyo- FFM Business Class derzeit 5300 €, oder aber First Class mit Swiss Air 8200,-- €

LH fliegt schon seit Dienstag abend, laut Auskunft auf der eigenen HP Tokyo gar nicht mehr an.....

Beitrag von adalgisa 17.03.11 - 12:19 Uhr

Die Sache hat sich geklärt:

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1820440/Warum-ein-Flug-aus-Tokio-nach-Hamburg-ploetzlich-8035-Euro-kostet.html

8035 für Economy-Class war kein Scherz und kein Versehen, sondern "ganz normal" ...

Trotzdem zum Kotzen.

Beitrag von zeitblom 18.03.11 - 10:06 Uhr

"Trotzdem"

Ja, das scheint Dein Motto zu sein...

Beitrag von 123bhtrsfe456 17.03.11 - 12:51 Uhr

Also ich hätte gerade einen Flug für 1300 Euro für morgen von Tokio nach Frankfurt übers internet buchen können.

Also vielleicht bin ich ja zu doof dazu, aber ich verstehe die Aufregung um diesen Punkt nicht.

Dass ein British Airways-Flug in Business-Class mehr kostet finde ich jetzt nicht so verwunderlich.

Beitrag von anira 16.03.11 - 10:55 Uhr

tja da gibts ne flug gesellschaft die macht am tag 30 extra flüge nur um die leute wegfliegen zu können
und die anderen verlangen ein schweine geld
wer bestrat eigentlich solches verhalten
weil wohl kein flug 7k+ normal kostet

Beitrag von fred_kotelett 16.03.11 - 10:59 Uhr

"weil wohl kein flug 7k+ normal kostet "

Das stimmt nicht.

Ich bin auch schon für mehr als 8000 aus New York heingeflogen, da ich kurzfristig umbuchen musste.

Wenn ein Flug ziemlich voll ist und du kurzfristig noch mit willst, dann musst du den Preis zahlen.

In der aktuellen Situation sicher nicht schön, aber so ist es nunmal.

Im übrigen ist ein Japan Flug ohnehin teuer.

Beitrag von adalgisa 16.03.11 - 11:06 Uhr

"Ich bin auch schon für mehr als 8000 aus New York heingeflogen, da ich kurzfristig umbuchen musste. "

Das ist der Preis für ein gut gebrauchtes Mittelklasseauto...

"Wenn ein Flug ziemlich voll ist und du kurzfristig noch mit willst, dann musst du den Preis zahlen."

Also ich betrachte das als Geschäftemacherei. Wenn ein Flug voll ist, ist er voll, aber ich halte es für unmoralisch, dass der persönliche Besitzstand darüber entscheiden darf, wer weg kommt und wer nicht. Gerade in Japan jetzt wird das überdeutlich, dass das Leben eines ärmeren Menschen auch weniger Wert ist.

Beitrag von fred_kotelett 16.03.11 - 11:09 Uhr

""Ich bin auch schon für mehr als 8000 aus New York heingeflogen, da ich kurzfristig umbuchen musste. "

Das ist der Preis für ein gut gebrauchtes Mittelklasseauto...

Da gebe ich dir Recht.

Das ist aber Vielfliegeralltag.

Privat würde ich das auch nicht zahlen wollen...

Beitrag von anira 16.03.11 - 12:37 Uhr

ja das geld hat man eigentlich nicht mal eben so;)
ich find die sumem schon sehr heftig
und das verhalten nicht ok

Beitrag von 123bhtrsfe456 16.03.11 - 13:54 Uhr

Dann müsstest Du Dich aber schon seit Jahrzehnten über das geschäft mit der Not aufregen.

Wenn Du im Urlaub in Kuba bist, zuhause geschieht ein Unglück und Du musst schnell einen Flug buchen zahlst Du auch ein paar tausend Euro, wenn die Plätze knapp sind.

Das hat rein gar nichts mit Erdbeben oder Atomkatastrophen zu tun, so ist das System.

Hast Du geglaubt, das funktioniert wie bei einem Busticket? Immer der gleiche Preis?
ich meine, das ist doch selbst bei der Bahn nicht so.

Er wäre sehr schön, wenn die Fluglinien verstärkt Flüge anbieten würden um Leute daraus zu holen, und das womöglich als "Spende". Ja, da gebe ich Dir recht.

Aber zu behaupten, sie würden jetzt in Japan mit der Angst und der Not der Menschen spielen ist übertrieben.

Beitrag von adalgisa 16.03.11 - 14:12 Uhr

"Aber zu behaupten, sie würden jetzt in Japan mit der Angst und der Not der Menschen spielen ist übertrieben."

Ich habe nirgends behauptet, dass man mit Not und Angst spielt, sondern dass man das für den eigenen Gewinn ausnutzt.

Stell Dir einfach mal vor, Dein Kind ist in Tokio und Du weißt, dass eine atomar belastete Wolke kommt. Natürlich willst Du Dein Kind da rausholen, oder? Und jetzt stell Dir vor, dass der Flug bis vor kurzem vielleicht nur 1.800 Euro gekostet hat, nun aber bei ca. 8.000 Euro liegt und Du nicht so viel Geld hast. Was machst Du? Schnell eine Niere verkaufen?

Beitrag von 123bhtrsfe456 16.03.11 - 14:19 Uhr

Ja, das ist hart, aber wie ich ja schon geschrieben habe, ist das doch schon immer so gewesen. Und schon immer haben Leute horrende Preise für Tickets bezahlt, wenn sie plötzlich und kurzfristig fliegen mussten.
Es ist nicht so, dass die Fluglinien jetzt versuchen aus dieser besonders schlimmen Lage ein Geschäft zu machen.

Hast Du Dich da die letzten Jahre auch schon so drüber empört?

Es wäre auch schön, wenn man mal weniger emotional reagieren würde bei solchen Diskussionen.

Nur weil mir bewusst ist, dass die Preisgestaltung bei Flugtickets schon immer sehr stark von Angebot und nachfrage abhängt, bin ich kein gefühlsloser Klotz, der sich die Dramatik und Tragik der Situation vieler Japaner nur anhand solcher kleinen Beispielchen vorstellen kann.

Noch einmal meine Frage, wird Euch das alles erst jetzt bewusst?

Beitrag von adalgisa 16.03.11 - 14:24 Uhr

Ich halte den Vergleich nicht für gelungen. Wenn ich persönlich und aus privaten Gründen einen Flug kurzfristig umbuchen muss, dann betrifft es nur mich. Das ist mein Problem und dafür hätte ich zur Not noch Verständnis.

Wenn es aber darum geht, aus einem gefährlichen Gebiet so schnell als möglich so viel wie möglich Menschen zu holen, dann finde ich die Preiswucherei nur noch abartig. Es ist eine Ohrfeige für alle Menschen, die da um ihr Leben fürchten und nicht wegkommen, weil sie vielleicht nicht genug Geld zur Verfügung haben. Du hast da sicher sehr viel Abstand dazu, weil es Dich nicht betrifft, aber wenn es Dich betreffen würde, bliebst Du ganz sicher nicht mehr so gelassen...

Beitrag von 123bhtrsfe456 16.03.11 - 14:48 Uhr

Warum denn Preiswucherei?
meine Güte, es gibt halt nicht diese, das ist aber so böse-Gerechtigkeitsinstanz, die hier so viele Muttis bei urbia gerne hätten.

Fakt ist, wenn die Plätze knapp sind bestimmt die Nachfrage den Preis.

Es gibt einfach keine festen Preise.

Erwartest Du jetzt, dass die Fluglinien plötzlich einen festen Preis festsetzen, was willst du eigentlich? Und wie soll denn dann eine Auswahl stattfinden.

Und bitte werde jetzt hier nicht persönlich, nur weil ich nicht die letzten Jahre im Elfenbeinturm verbracht habe, der jetzt plötzlich einstürzt.
Ich bin sicher nicht distanziert sondern habe genausoviel Mitgefühl wie jeder andere hier auch. Aber ich habe nicht mein Hirn darüber verloren und bin auch die letzten Jahre mit offenen Augen durchs Leben und durch die Nachrichtenwelt gegangen.

Wie kann man nur so weltfremd sein?

Beitrag von 3wichtel 17.03.11 - 08:39 Uhr

Ich glaube, es geht hier vorrangig gar nicht darum, dass man die Preispolitik von Fluglinien nicht versteht.

Es ist eher ein moralisches Dilemma: Klar will die Fluglinie auch Geld verdienen. Hat ja jetzt sicher auch ein höheres Risiko, nach Japan zu fliegen.

Man mag nur nicht so wirklich glauben (oder bestätigt finden), dass es z.B. finanziell schlechter gestellten Familien so viel schwerer gemacht wird, sich in Sicherheit zu bringen.
Und letztlich betrifft es ja nicht mal nur die "Finanzschwachen". Wenn ich mir vorstelle, wir säßen da jetzt mit unseren 3 Kindern fest und müssten plötzlich pro Ticket 8.000€ auf den Tisch legen...
Wo sollte ich denn (vor allem unter Zeitdruck) 40.000€ herbekommen?

Die Deutschen (und sicher auch andere Nicht-Japaner) vor Ort haben ja noch Glück: Im Zweifel hilft die Botschaft.

Aber die Japaner selbst...

Und das kann noch so wirtschaftlich normal sein: Moralisch "normal" finde ich das auch nicht.

Beitrag von 123bhtrsfe456 17.03.11 - 08:58 Uhr

Mittlerweile hat sich aber rausgestellt, dass es adalgisa nicht um die Japaner sondern um die Deutschen in Japan geht.
Die Ticketpreise die hier genannt werden sind alles Preise für Flüge nach Deutschland. Warum?
Wenn es darum geht die Japaner aus ihrem Land zu evakuieren, müssen sie dann wirklich alle nach Europa fliegen?
Reicht dann nicht auch ein Ticket aufs asiatische Festland? Kosten die dann auch 8000 Euro?

Ich würde das hier mal gerne etwas sortiert sehen.
Geht es jetzt darum Japaner aus ihrem Land zu holen oder darum Deutsche nach Hause zu bringen?

Die Deutschen die jetzt dort sind können sicher davon ausgehen, dass ihre Firmen oder die Regierung alles dransetzen sie auf einen Flug zu buchen, auch wenn das zehntausende kostet.

Mich würde wirklich mal interessieren, wieviele arme Japaner zu einem Normalpreis aus ihrem Land ausgeflogen wären und jetzt dort bleiben müssen, weil sie sich die Tickets nicht leisten können.

Was aber die initiale Frage war, wie trifft man eine Auswahl?
Selbst wenn alle Flüge umsonst wären, gäbe es nicht genug Plätze um alle bedrohten Einwohner auszufliegen.

Also wie geht man da vor?

Beitrag von windsbraut69 17.03.11 - 10:43 Uhr

Sollen jetzt ernsthaft die Preise für Flugtickets reduziert werden?

Beitrag von windsbraut69 17.03.11 - 10:39 Uhr

Was denkst Du, wieviele Japaner da jetzt nicth wegkommen.
Bezahlst Du denen Flüge und nimmst sie hier auf oder ist das Sache der Fluggesellschaften?

Beitrag von windsbraut69 17.03.11 - 10:37 Uhr

"Ich habe nirgends behauptet, dass man mit Not und Angst spielt, sondern dass man das für den eigenen Gewinn ausnutzt. "

Die leben davon, mit dem Transport von Menschen Geld zu machen...

Beitrag von windsbraut69 17.03.11 - 10:37 Uhr

"Und jetzt stell Dir vor, dass der Flug bis vor kurzem vielleicht nur 1.800 Euro gekostet hat, nun aber bei ca. 8.000 Euro liegt und Du nicht so viel Geld hast."

Das stimmt nicht.

Beitrag von windsbraut69 17.03.11 - 10:33 Uhr

"Also ich betrachte das als Geschäftemacherei. Wenn ein Flug voll ist, ist er voll, aber ich halte es für unmoralisch, dass der persönliche Besitzstand darüber entscheiden darf, wer weg kommt und wer nicht. "

Erstens sind es keine besonders hohen Preise und außerdem zieht es sich doch durchs komplette Leben, dass man Leistungen und Waren eben bezahlen muß und sich nicht alles leisten kann.
Sollen die Fluggesellschaften ehrenamtlich arbeiten?

Gruß,

W