Deutsche Berichterstattung über Japan = Hysterisch? VORSICHT LANG

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Beitrag von bettem 16.03.11 - 19:02 Uhr

Guten Abend zusammen,

ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass die deutsche Berichterstattung über Japan hysterisch wäre. Ich kann das nicht beurteilen, daher möchte ich es zur Diskussion stellen.

Hier ein paar Aussagen:
Die sachliche Berichterstattung der "BBC world news" mit echten Experten ist dagegen eine wahre Wohltat - kein Vergleich zur Panikmache im Angstland Deutschland.
http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan...62.html
„Was die westlichen Medien verbreiten, hält er für Panikmache“,
http://www.rp-online.de/panorama/ausland/beben_in_...39.html
Die deutschen Medien haben mich sehr verunsichert, da sie sehr dramatisierend und negativ sind.
http://www.boersenpoint.de/blog/ich-war-in-tokio-f...bnisse/
Die Kehrwende von Angela Merkel im Bezug auf die Atomkraft wird im Ausland kritisch betrachtet. Ausland: "Panikmache" bis "Peinlichkeit"
http://www.n24.de/news/newsitem_6733122.html
Und China baut neue Atomkraftwerke.
http://www.welt.de/wirtschaft/article3604490/Chinesen-bauen-42-neue-Atomkraftwerke.html

Zudem habe ich mich etwas informiert.
Fukushima und Tschernobyl sind unterschiedlich. Weil es verschiene AKW sind.

Zu der Art der Strahlen:
Fukushima:
Dr. Zell: Es wird aus einem Reaktor in großen Mengen Cs-137 Beta- und Gammastrahler und Jod-131 hauptsächlich von Betastrahlern freigesetzt. Zum Glück hat Plutonium (Alphastrahler und etwa 20-mal gefährlicher als die anderen beiden Strahlungen) einen Siedepunkt über 3200 Grad Celsius und wird daher höchsten in sehr kleinen Mengen in die Luft übergehen.
http://www.rtl.de/medien/information/rtlaktuell/14...en.html
Jod 131 hat eine Halbwertzeit von nur 8 Tagen und die Aufnahme kann durch Jodtabletten gemindert werden.
137Cs hat dagegen eine Halbwertszeit von über 30 Jahren und lagert sich ähnlich wie das bei Atombombenexplosionen frei werdende radioaktive Strontium 90 anstelle von Kalzium in den Knochen ab. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20647/1.html
Gammastrahlung geht so relativ durch alles durch; das sind hochenergetische Quanten; dadurch durchdringen sie die Materie weiträumig ohne Wechselwirkungen zu verursachen.
Betastrahlen sind hingegen elektronen; also Teilchen, diese sind hochenerhetisch und haben einen sehr kleine Querschnitt, wechselwirken also deutlich eher als Gammastrahlen. http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/19654,0.html

Tschernobyl:
Dieses AKW war ursprünglich zur Beschaffung von Plutonium für Atombomben gebaut und wurde später nur für die Strombeschaffung genutzt. Plutonium ist ein Alphastrahler (Heliumkerne).Sie sind sehr schwer sind und haben daher eine geringe Reichweite. Sie haben eine sehr geringe Durchdringbarkeit (bereits Papier kann es abhalten), allerdings ist es IM Körper sehr gefährlich (durch Einatmung oder Nahrungsaufnahme).
Die Gefahr bei der Alphastrahlung ist, dass die Heliumkerne eine große Reaktionsfähigkeit haben; eine einzelner Heliumkern kann mehrere tausende Radikale bilden; was bedeutet das Tausende organische Verbindungen im Körper zerstört werden können. http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/19654,0.html

Zu der Art der Moderatoren
Ein Moderator (vom lateinischen moderare "mäßigen") dient dazu, freie Neutronen, die bei ihrer Freisetzung meist relativ energiereich, also "schnell" sind, abzubremsen.
Das wichtigste Einsatzgebiet von Moderatoren sind Kernreaktoren, in denen die bei der Kernspaltung von Uran-235, Thorium oder Plutonium entstehenden schnellen Neutronen auf thermische Energie abgebremst werden. Schnelle Neutronen rufen nur selten eine Kernspaltung hervor; ein thermisches Neutron dagegen löst mit viel höherer Wahrscheinlichkeit (Wirkungsquerschnitt) eine neue Kernspaltung aus.http://de.wikipedia.org/wiki/Moderator_(Physik)
Dh. Der Moderator hält die Kernspaltung im Gange.

Fukushima:
Hier wird Wasser als Moderator genutzt.
Wasser als „Moderator“ bremst die bei einer Spaltung von Uran oder Plutonium entstehenden schnellen Neutronen ab. Das ist nötig, um die Kernspaltung fortzusetzen. Schnelle Neutronen tun das nicht, hingegen die verlangsamten Neutronen. So bleibt die erwünschte Kettenreaktion der Kernspaltung in Gang.
http://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F8...nt.html

Dh, so wie ich es verstanden habe (KEINE GARANTIE): wird kein Wasser mehr als Moderator eingesetzt, so verlangsamt sich die Kernspaltung.

Tschernoby:
War mit Graphit moderiert.
Graphit behält bei zunehmender Temperatur seine moderierenden Eigenschaften. Gerät ein solcher Reaktor in den prompt überkritischen Bereich, SO KOMMT DIE KETTENREAKTION NICHT ZUM ERLIEGEN (!!!!) und binnen Sekundenbruchteilen führt dies zur Überhitzung und Zerstörung des Reaktors. Schlagartig verdampfende Flüssigkeiten, Metalle und der brennende Graphit können dabei zu weiträumiger Verteilung des radioaktiven Inventars führen, wie in der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl geschehen. Dieses Verhalten bezeichnet man als nicht eigenstabil oder labil.http://de.wikipedia.org/wiki/Kernreaktor.

In Tschernobyl gab es also "Graphit, das sehr gut brannte und über die Qualmwolken große Mengen von Radioaktivität frei setzte. In Fukushima gibt es keinen Kohlenstoff, da der Reaktor mit Wasser moderiert wurde. Daher erwarte ich, dass die Menge der freigesetzten Radioaktivität wesentlich kleiner sein wird." Dr. Zell
.http://www.rtl.de/medien/information/rtlaktuell/14...en.html

Noch eine Überlegung: in Hiroshima und Nagasaki leben heute Menschen, sie haben sogar einen Fischereihafen.

Natürlich möchte ich auch nicht mit Radioaktivität in Berührung kommen. Ich möchte das auch gar nicht schön reden.
Ich bin ein Laie und bitte um sachliche Aufklärung, wenn ich etwas falsch verstanden haben sollte.

Sehen wir den Vorfall wirklich zu besorgt?
(Und ja, ich bin besorgt und nein, ich möchte nicht tauschen).

Beitrag von elofant 16.03.11 - 19:11 Uhr

Ich bin erschüttert über das, was in japan grad abgeht - keine Frage.

ABER:

Es gibt m.E. nichts, was diese Massenhysterie erklären o. entschuldigen würde. Ich bin mir 100% sicher, dass nichts von dieser radioaktiven Wolke nach Deutschland kommt. Geografisch gesehen ein absolutes Unding. Und sollte doch was hier ankommen, dann wäre das wohl sooo verdünnt, dass auch wieder nix ankommt.

Panikmache - mehr ist das nicht. Die Zeitungen sind voll - ganz vor die Bild. Hatte heut mal bei N24 rein geschaut - nur ein Thema, allerdings sachlich (wie ich fand)!
Dann hatte ich mal bei RTL rein geschaut - das selbe Thema, nur noch aufgebauschter.






Ganz ehrlich? Ich kanns bald nicht mehr hören, geschweige lesen.
Auch hier im Forum - der blanke Wahnsinn. Aber da sind es meist immer die Selben, die hier Panik schüren.

Anstatt sachlich mit der Sache umzugehen, rennen sie alle wie die aufgescheuchten Hühner rum und legen sich Vorräte an, kaufen Jodtabletten.....




In diesem Sinne einen schönen Abend noch.

Beitrag von geyerwalli 16.03.11 - 19:16 Uhr

Hauptsache, uns hier in Deutschland passiert nix, da müssen wir uns nicht um eine andere Nation - oder um die globalen Auswirkungen - kümmern.
Und unsere Atomkraftwerke sind alle supersicher, viel besser als die im Hochtechnologieland Japan. Menschliches Versagen, Anschläge etc. VÖLLIG ausgeschlossen, Endlagerungsproblem gelöst...

Alles supi hier!









Ironie off.

Beitrag von elofant 16.03.11 - 19:29 Uhr

WER hat das gesagt oder geschrieben??

Ich hab doch geschrieben, dass ich erschüttert bin über das, was da abgeht. Mein Text bezog sich nur auf die Berichterstattung über das Unglück und die dort defekten AKWs. Mehr nicht.





Klugscheißer!

Beitrag von king.with.deckchair 16.03.11 - 19:14 Uhr

Wir Deutschen neigen nun mal zu Hypochondrie.

Beitrag von robingoodfellow 16.03.11 - 19:34 Uhr

Hallo,

ich finde es schon nahezu pervers das wohl unmengen an Radiosendern sich Deutsche gesucht haben die in Tokio leben und die täglich berichten wie es da zugeht.
Das finde ich fürchterlich vor allem was sollen die Leute denn erzählen. "Ja, wir müssen ja weitermachen....."

Überall tauchen plötzlich Experten auf. Die einen erzählen bei uns passiert gar nix, die anderen erzählen das die Wolke je nach Wetterlage auch bei uns drüberziehen kann, die nächsten behaupten das die Wolke einmal um die ganze Welt weht usw usf......

Verunsicherung und Panikmache vom Allerfeinsten und nein. Ich habe kein Jod im Haus. Nur Bad Reichenhaller Jodsalz^^

Beitrag von ivik 16.03.11 - 19:43 Uhr

>>Dh, so wie ich es verstanden habe (KEINE GARANTIE): wird kein Wasser mehr als Moderator eingesetzt, so verlangsamt sich die Kernspaltung. <<

Das Wasser dient zwar als Moderator und bremst die Neutronen auf die richtige Energie ab, aber es dient auch gleichzeitig als Kühlung. Und daher kann es nicht weg sein.
Die kernspaltung wird aber durch sogenannte Giftstäbe gestoppt. Das sind Stäbe die zwischen die Brennstäber gefahren werden, damit sie die Neutronen absorbieren. Aus gleichem Grund wird dem Meerwasser auch Borsäure beigesetzt.
Fukushima wird vom Verlauf her auch nicht mit Tschernobyl verglichen, sondern mit Harrisburg (Three-Mile-Island), eben weil es ein anderer Reaktortyp ist. In Harrisburg kam es in einem ähnlichen Reaktortyp zur Kernschmelze, die gerade noch rechtzeitg gestoppt werden konnte.
Es bleibt in Japan abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Ich habe noch nicht recherchiert, um wieviel Material es sich in Japan handeln könnte. Fakt ist jedenfalls, dass ein längerer Aufenthalt in Kraftwerksnähe schon zu einer Strahlendosis führt, die zur Strahlenkrankheit und somit zum Tode innerhalb kurzer Zeit führt.
Eben wie es den "Ersthelfern" in Tschernobyl erging.

Ich schiebe keine Panik, wei wir hier weit genug weg sind. Aber die Situation beobachte ich schon mit Sorge. Allein wenn man bedenkt, welche Folgen es für die Umwelt und die Menschen dort hat.

lg ivik

Beitrag von dani.m. 16.03.11 - 22:06 Uhr

Genau so sehe ich das auch. Wir sind weit genug davon entfernt, nicht direkt davon betroffen zu sein. Trotzdem muss es für die Menschen dort schrecklich sein. Einer Katastrophe entkommen, stehen sie vor der nächsten. Und es muss ja nicht unbedingt die "echte" Strahlenkrankheit sein. Es gibt genügend Auswirkungen, die bereits bei geringerer Strahlung auftreten.
Ich finde es einfach unfair den Menschen dort gegenüber zu sagen: das ist eine ganz andere Situation.

Beitrag von inblack 17.03.11 - 13:23 Uhr

"Ich finde es einfach unfair den Menschen dort gegenüber zu sagen: das ist eine ganz andere Situation. "

Alle Expertenmeinungen, die ich bisher gelesen habe, sagen, dass man die beiden Vorfälle nicht vergleichen kann.

Un auch die Menschen in Japan sagen das selbst:
"Vergleichen kann man Fukushima und Tschernobyl generell nicht. Fukushima hat sich nach dem ersten Beben abgeschaltet, denoch dauert es eine ganze Weile, bis die Stäbe abgekühlt sind. In Tschernobyl liefen die Reaktoren noch weiter."
http://www.boersenpoint.de/blog/ich-war-in-tokio-frau-brauer-spricht-uber-ihre-erlebnisse/

Ich finde diesen Bericht auch sehr gut, der ist von heute morgen:
http://www.rp-online.de/panorama/ausland/beben_in_japan/Die-Kuehlung-ist-das-Wichtigste_aid_976523.html
"Yogeshwar: Ich weiß, dass bei den derzeitigen Bildern jeder denkt: "Der hat 'nen Knall", aber es ist durchaus möglich, dass die Bevölkerung bereits in fünf oder sechs Wochen in die evakuierten Gebiete zurückkehren kann, wenn die Japaner das Problem der Kühlung in den Griff bekommen."

Beitrag von hummingbird 17.03.11 - 15:24 Uhr

Ich finde es eher unfair, der japanischen Bevölkerung uninformiert zu vermitteln, dass sie quasi lebende Tote sind und sie und ihre Kindeskinder qualvollen Todes sterben werden.

Die AKW sind einfach unterschiedlich. Tschernobyl kam die Kernspaltung nach dem Unfall nicht zum Erliegen, es wurde mit Plutonium gearbeitet und das brennende Graphit hat die Strahlung sehr weit verteilt.
Das alles trifft auf Fukushima nicht zu.

Atomvorfälle sind unterschiedlich.

Wußtest du, dass in Hiroshima (1945: Little Boy enthielt 64kg Uran, es starben an den Langzeitfolgen der Verstrahlung ca. 700 Menschen und ca. 30 Babys hatten geistige Behinderungen) heute ein großes Mazda Werk ist und sogar Fisch gefangen wird?

Und in Nagasaki (1945: Fat Man hatte 6,2 kg Plutonium geladen, welches eine Alphastrahlung mit hochreaktiven Radikalen hat. An der Verstrahlung starben nach Schätzungen von 1950 ca. 140.000 Menschen) ist die Strahlenbelastung heute nicht über dem Niveau der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung (natürliche Radioaktivität) und somit nicht höher als in anderen Gebieten der Erde. http://de.wikipedia.org/wiki/Nagasaki#Atombombenabwurf

Es ist schlimm, was passiert. Aber man muss trotzdem unterscheiden nach der Art der Strahlung und wie es verbreitet wird.

Lassen wir den Menschen (berechtigte) Hoffnung und malen nicht den Teufel an die Wand.

Beitrag von dani.m. 17.03.11 - 16:01 Uhr

Nein, ich sehe sie nicht als lebende Tote! Und nur weil es technische Unterschiede gibt, ist es trotzdem gefährlich.

Was anderes: woher hast du denn die Zahlen zu Hiroshima? #kratz Ich finde bei Wikipedia 70.000 bis 80.000 sofort Tote und insgesamt is 1946 90.000 bis 166.000.
Und wie viel Menschen leben heute wieder in Tschernobyl oder der näheren Umgebung?

Beitrag von hummingbird 17.03.11 - 18:29 Uhr

Natürlich ist es gefährlich. Und ich meine auch nicht dich, der lebende Tote sieht- aber davon gibt es sehr viele hier in Deutschland.

Zu deiner Frage:
Es gibt einen Unterschied zwischen den Toten, die sofort durch die Bombe getötet wurden und denen, die später durch die atomare Strahlung umkamen.

Menschen, die in Folge der Strahlenkrankheit sterben, werden in Japan Hibakusha (explosionsgeschädigte Person) genannt.

Nagasaki:
Viele Menschen starben in Folge der Strahlenkrankheiten (Schätzungen: 1946 ≈75.000, 1950 ≈140.000). http://de.wikipedia.org/wiki/Nagasaki#Atombombenabwurf

Hiroshima:
Demnach können etwas mehr als 700 Todesfälle der nuklearen Verstrahlung zugeordnet werden. Etwa 30 Föten entwickelten nach ihrer Geburt geistige Behinderungen.[2]
http://de.wikipedia.org/wiki/Little_Boy

Tschernobyl war eine ganz andere Anlage (bei der der Graphit-Moderator die Kernspaltung in Gang hielt und das brennede Graphit die Radioaktivität hoch in die Luft geworfen hat, zudem wurde Plutonium genutzt), das wurde schon erklärt.
Deswegen ist Sperrzone mittlerweile 4.300 km² groß, das entspricht ungefähr einem Viertel der Fläche Schleswig-Holsteins.

Ich möchte auch nicht tauschen. Ich finde es auch schlimm.
Aber trotzdem möchte ich sachlich informiert sein und nicht von unseren Medien in hysterische Panik versetzt werden.

Es wurde auch schon dieser link gepostet: Deutschland sucht den SuperGau.
http://www.wdr.de/themen/panorama/28/erdbeben_japan/110317_interview.jhtml?rubrikenstyle=panorama

Ich weiß nicht, was stimmt.
Deutsche Hysterie oder Japanische Informationslüge.
Aber vorerst ich bleibe kritisch - nicht hysterisch.

Beitrag von dani.m. 17.03.11 - 22:16 Uhr

Ja, das mit der Information sehe ich auch so. Deshalb frage ich ja nach.

Was ich wirklich komisch (nicht lustig!) finde: hier wird auf und nieder gesprungen, wenn sich ein Castor-Transport mal 5 Minuten 50 Kilometer entfernt vom Wohnort aufhält... was da alles passieren kann. Dort liegen (verbrauchte aber immer noch radioaktive) Brennstäbe schon seit Tagen teils offen herum und sollen außerhalb eines 30-Kilometer-Radius ungefährlich sein? #kratz Das Zeug kommt doch normalerweise nicht umsonst in Endlager? Und selbst wenn alle Brände gelöscht werden, was geschieht dann?

Ich habe aber gerade auch noch mal über Tschernobyl nachgelesen: "nur" 50 Strahlentote, 4.000 an Spätfolgen gestorben. Ich weiß aber aus direkten Quellen (Leute, die jedes Jahr Hilfstransporte in die Region bringen), dass die gesundheitliche Lage dort immer noch katastrophal ist: überdurchschnittlich viele Kinder mit Leukämie und anderen Krebserkrankungen. DAS ist es, was mich traurig macht.

Beitrag von mausmadam 16.03.11 - 20:58 Uhr

wie ich schon schrieb:

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=11&tid=3070572&pid=19438609



aber manchmal denke ich, die deutschen brauchen das inzwischen, als beweis für sich, dass sie existieren oder als abwechslung für ihr eigenes, langweiliges leben .....

Beitrag von josie2010 16.03.11 - 22:12 Uhr

Stimme Dir vollkommen zu. Ich empfinde das als absoluten Hohn gegenüber denjenigen, die tatsächlich akut davon betroffen sind.

Und dann noch eine Bundesregierung, die sich nicht entblödet, das Ganze auch noch für Wahlkampfzwecke zu nutzen, denn anders kann ich mir den plötzlichen Gesinnungswechsel nicht erklären.

Da werden dann ganz spontan 7 AKW's abgeschaltet. Nicht falsch verstehen, ich finde es grundsätzlich gut, wenn die Dinger wegkommen. Aber doch bitte in einer geordneten, überlegten Art und Weise.

Können die eine solche Entscheidung eigentlich einfach so treffen? Gibt es da eine gesicherte Rechtsgrundlage vor dem Hintergrund, dass vor kurzem erst die Laufzeitverlängerungen genehmigt wurden? Am Ende sind dann womöglich wieder Schadenersatzzahlungen fällig und wer zahlt die dann?

Immer diese Schnellschüsse.

LG Josie #blume

Beitrag von grashopper73 16.03.11 - 21:09 Uhr

Panikmache ist relativ. Ich finde es sehr schlimm und tragisch was in Japan passiert, habe aber keine Angst, dass wir hier davon etwas abkriegen. Meine Angst ist eher die, dass dies hier oder in unseren Nachbarnländer passieren könnte... Die Katastrophe an sich führt einem vor Augen wie schnell sich was verändern kann und vermeintlich sichere Kernkraftwerke doch nicht so sicher sind. Zumal ich hier in Süddeutschland in einer Erdbebenzone und ca. 30 km entfernt vom marodesten Kernkraftwerk Frankreichs entfernt wohne, das vor mehr als 30 Jahren gebaut wurde und "scheinbar" ein Erdbeben der Stärke 6.7 aushält... Das macht mir Angst. Und mir macht Angst, dass die Franzosen (ich bin selbst ein halber) Atomkraft total toll finden und die Anwohner von Fessenheim (da wo das Kraftwerk steht) sich voll sicher fühlen weil sie glückliche Besitzer von Jodtabletten sind.

Beitrag von shalom 17.03.11 - 07:23 Uhr

Nein, ich bin nicht panisch, da ich weiß, dass wir hier in Deutschland weit genug weg von dem Unglück sind. Trotzdem kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn das Leben von vielen Japanern auf dem Spiel steht. Und ja, ich möchte darüber informiert sein, und mich darüber austauschen können. Auch wenn ich teilweise nur stille Leserin bin.

Jederzeit kann auch hier in Deutschland oder umliegenden Ländern ein Unglück passieren, wo auch wir dann mitbetroffen wären. Das macht mir Angst. Angst macht mir: Dass es immer noch Menschen gibt, die Atomkraft verharmlosen, weil sie sich nicht mit der Thematik auseinandersetzen wollen oder einfach nur Geld und Macht sehen. . Angst macht mir: Dass binnen von Sekunden sich das Leben komplett ändern kann. Angst macht mir: Diese Umwelt meinen Kindern, Enkeln und so weiter zu überlassen.


Beitrag von widowwadman 17.03.11 - 08:18 Uhr

Ich persoenlich habe aufgehoert die deutsche Berichterstattung zu verfolgen weil sie unter aller Kanone ist - und sollte Urbia ein Spiegel der oeffentlichen Reaktion sein (was ich aber nicht unbedingt glaube), bin ich auch froh schon lange ausgewandert zu sein.

Beitrag von goldtaube 17.03.11 - 11:36 Uhr

<<Sehen wir den Vorfall wirklich zu besorgt? <<

Es ist ganz klar schrecklich was da in Japan abgeht. Das dieses Unglück einen Menschen berührt, ängstigt etc. ist auch ganz klar. Das ein Mensch versucht irgendetwas zu bewegen, dort zu helfen ist auch ganz klar. Das alles mal vorweg.

Ich persönlich schaue morgens früh Nachrichten und Abends spät. Habe allerdings auch noch ein Leben um das ich mich kümmern muss. Da ist mein Job, mein Haushalt, da sind meine Kinder und mein Mann. Ich bin sehr erstaunt darüber wieviele Leute doch so viel Zeit haben um den ganzen Tag irgendwelche Nachrichtensender zu schauen, den ganzen Tag über in Foren zu posten usw.
Ich verbringe meine Zeit lieber damit mich um Job, Haushalt, Kinder und Mann zu kümmern. Meine Kinder haben nichts davon, wenn ich den ganzen Tag im Internet sitze, in Panik verfalle, den ganzen Tag Nachrichten verfolge usw.

Ich finde schon, dass die Berichtserstattung in Deutschland auf Panikmache hinausläuft.
Hinzu kommt das jetzt natürlich alle Atomkraftgegner aus ihren Löchern gekrochen kommen und die Situation in Japan und die Panik der Menschen hier ausnutzen um ihre Ziele zu verfolgen und diese Panik noch schüren. Und wie das in Deutschland so ist: Die Deutschen fallen drauf rein und lassen sich bekehren ohne erst einmal gründlich darüber nachzudenken.

Ganz klar: Atomkraftwerke sollten in Zukunft bei uns abgeschalten werden. Dafür bin auch ich.
Das Problem ist, das dies eigentlich nicht sofort geschehen kann. Jahrelang hat Deutschland, die deutsche Regierung versäumt sich um vernünftige Alternativen zu kümmern und diese durchzusetzen. Durch die ganze Panikmache und den Druck kommt es aktuell zu Kurzschlusshandlungen dessen Folgen teilweise absehbar sind. Wie z. B. Strompreiserhöhungen.
Man sollte erst Nachdenken und dann handeln. Es ist ja ok, wenn man unnötige AKW abschaltet. Trotzdem sollte man vorher auch darüber Nachdenken welche Nachteile das haben könnte und wie man damit umgeht. Dafür soll man sich nicht jahrelang Zeit lassen, aber man sollte sich wenigstens ein paar Wochen Zeit lassen und Lösungen finden wie man eventuelle Nachteile verhindern oder wenigstens vermindern kann.
Was jahrelang bzw. jahrzehntelang versäumt wurde kann nicht von heute auf morgen geändert werden.

Es gibt viele Leute die jetzt massiv für den Ökostrom plädieren und in totale Panik verfallen und anderen Leuten Egoismus etc. vorwerfen. Für mich sind allerdings diese Leute egoistisch, denn es sind die Leute die sich keinen Kopf darüber machen, dass es Menschen gibt die sich teureren Strom einfach nicht leisten können, das es Menschen gibt die auch nicht mal eben ihre Stromkosten senken können (z. B. weil sie noch Nachtspeicheröfen etc. haben) und kein Geld um einfach mal so aus dem Grund in irgendeine neue Wohnung ziehen können wo sie vielleicht Strom sparen könnten.
Das sind die Leute die bei einem Unglücksfall der Deutschland direkt betrifft sofort in Panik verfallen, nur noch an sich selbst denken, Läden plündern, Menschen tot trampeln etc. werden, weil sie in ihrer Panik einfach nicht mehr klar denken können.
Und das sind genau diese Menschen die wir im Falle eines solchen Unglücks nicht gebrauchen können.

Und diese Menschen machen mir mehr Angst als das Unglück in Japan und die Angst vor Atom, Flugzeugunglücken usw.