Chronologische Frage zu Tschernobyl, wer kann sich da noch erinnern?

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Beitrag von clazwi 16.03.11 - 19:16 Uhr

Hallo Ihr's,

ich kann mich zwar noch gut an das Desaster in Tschernobyl erinnern (damals war ich 16 Jahre alt) , aber was ich definitiv nicht mehr in Erinnerung habe:
ist denn damals das ganze AKW an einem Tag komplett in die Luft gegangen oder hat sich dieser Supergau über mehrere Tage entwickelt?

Was ich noch gut weiss, ist, dass wir damals keine Erdbeeren oder Pilze essen sollten.

Aber ich könnte mich nicht irgendwie an große Panik erinnern.
Nur noch an die EAV mit "Burli" und Geier Sturzflug mit "Besuchen Sie Europa, solange es noch steht."

Naja...und an die Aufkleber mit der roten Sonne.

Aber ich glaube, so eine Massenpanik, wie sie gerade in Deutschland herrscht, gab es damals nicht --- obwohl ja Tschernobyl viel näher an Deutschland liegt als Fukushima.


LG
Claudia

Beitrag von cassandracassandra 16.03.11 - 19:29 Uhr

http://tinyurl.com/68b82re

das ist eine krasse Seite. Solltest du dir merken.

Gern #blume

Beitrag von clazwi 16.03.11 - 20:55 Uhr

Super!
Danke!!!

Beitrag von lisasimpson 16.03.11 - 20:16 Uhr

Hallo!

Also ich weiß ja nicht wo du gelebt hast, ich war 9 jahre alt und habe das ganze in bayern miterlebt.
Ich empfinde es in der retrospektive als sehr viel größere "Massenpanik".
Wir kinder durften erst mal nicht im sand spielen, alle nachbarn haben ihre gemüsebeete geopfert, die leidenschafltichen pilzesammeler haben über jahre ihr hobby aufgegeben.

Eine bekannte, die zu der zeit schwanger in berlin war (krankenschwester!) ging mit allen ihrem schwangere nfreundinnen regelmäßig zum kontrollieren ihrer Muttermilch ins ortsansässige Gesundheitsamt

Ich würde wetten, daß jeder meiner altesgenossen beim Wort " Tschernobyl" zusammenzuckt.
Klar wurde das auch humoristisch aufbeitet- aber hängen geblieben ist bei mir Gudrun pausewang mit den "letzten Kindern von schewenborn" oder "die wolke"


Also ich habe eher das Gefühl, daß die Menschen sehr viel besonnener reagieren, daß die fülle von Informationen dazu dient, die leute sachlich bleiben zu lassen und kritisch zu hinterfragen, welche Konsequenzen wir daraus ziehen sollte (und nicht welche über uns hereinbrechen)

lisasimpson

Beitrag von atarimaus 16.03.11 - 20:30 Uhr

Hi Lisa,

"Also ich habe eher das Gefühl, daß die Menschen sehr viel besonnener reagieren, daß die fülle von Informationen dazu dient, die leute sachlich bleiben zu lassen und kritisch zu hinterfragen, welche Konsequenzen wir daraus ziehen sollte (und nicht welche über uns hereinbrechen) "

Das wär ein Traum, doch schau dir doch die letzten Threads hier zum Thema an. Es fragte doch tatsächlich eine Mutter nach Jodtabletten.

Leider sind wir und auch andere Länder geprägt durch Medien- und Meinungsbildungsblättern wie BILD.

Die Masse bekommt dort ihre Infos und schiebt Panik... wie erklärst du dir sonst die vermehrte Nachfrage nach Jodtabletten in Apotheken?

Wenige sind in der Lage die Masse an Informationen zu kanalisieren und zu verarbeiten und sich daraus ein sachliches Bild zu formen.

Gruß
Beate

Beitrag von lisasimpson 16.03.11 - 20:38 Uhr

ach wenn ich hier die threads durchsehe (oder die massenmedien)- ich kann nichts bedenkliches feststellen.

es ist nicht einen deut anders als bei

- der schwinegrippe
- der vogelgrippe
- BSE
- Schweinepest
- geflügelpest
- dioxin in Lebensmitteln
- gammelfleisch

und und und..

mein (ganz persönlicher) eindruck ist, daß ich jedem heute ein lächeln auf die lippen zauberer wenn ich wörter wie "BSE" sagen oder frage, ob denn noch Angst vor der "Vogelgrippe" vorherrsche- beim Wort Tschernobyl kann ich diese Reaktion nicht erleben

lisasimpson

Beitrag von dani.m. 16.03.11 - 21:52 Uhr

Ja, so geht es mir auch. Ich war 7 und lebte in der DDR. Es wurde lange Zeit beschwichtigt... aber wir hatten ja Westfernsehen. Ich habe auch das Gefühl, dass die Menschen in meiner Umgebung sensibler mit diesem Thema umgehen als mit den von dir genannten. Vielleicht konnte sie danach nichts mehr wirklich schocken?

Beitrag von clazwi 16.03.11 - 20:57 Uhr

Hallo Lisa,

ich habe auch in Bayern gelebt ;-) (mache ich immernoch ;-) ) - und ich habe diese Zeit sehr bewusst erlebt.

Aber ich kann mich absolut nicht erinnern, dass Geigerzähler ausverkauft waren, dass alle in die Apotheken gestürmt sind usw. usw.

LG
Claudia

Beitrag von lisasimpson 16.03.11 - 21:35 Uhr

nun ja- wie gesagt, ich war 9 jahre alt.

Aber mit einem link bin ich sofort bei ebay amazon auf diverse angeboten zu geigerzählern- ich glaube nicht ,daß es 1986 leichter war an einen zu kommen als jetzt!
Hier ein beispiel aus der Ukraine:
http://cgi.ebay.de/Geigerzahler-Dosimeter-CE-zertifiziert-NEU-/160559763464?pt=Wissenschaftliche_Ger%C3%A4te&hash=item25621b9008#ht_1145wt_1139

ich habe einen freund, der nimmt seit ca 15 jahren regelmäßig Jodtabletten (ohne indikation:) und wie gesagt um mich herum erlebe ich im abstand von ca 6 Monaten immer panik vor der ein oder anderen seuche-
Einzig hervorheben tut sich FÜR MICH da Tschernobyl - keine ahnung ob das an mir liegt oder tatsächlich so gefühlt wird


lisasimpson

Beitrag von sarahg0709 17.03.11 - 14:41 Uhr

Hallo,

klar ist es heute leichter an einen Geigerzähler heranzukommen, weil auf eBay auch z.B. Restbestände aus den Zeiten der NVA oder Bundeswehr vertickt werden.

1986 gab es das überhaupt nicht frei verkäuflich, hat sich auch niemand für interessiert.


LG

Beitrag von sarahg0709 17.03.11 - 14:38 Uhr

Hallo,

ich wüsste nicht, wo hier in Bayern Panik war.

Ich war Anfang 20. Es hat in Tschernobyl gebrannt, dann ist der Reaktorblock in die Luft geflogen und die Radioaktivität hat es auf einmal rausgehauen. Und die driftete dann binnen kürzester Zeit nach Westen.

Jodtabletten haben wir auch bekommen, haben sie aber nicht genommen. Zumal ich im radioaktiven Regen stand und geschadet hat es mir eigentlich nicht.

Pilze und Wild haben wir sowieso nicht gegessen, aber ansonsten haben wir normal weiter gemacht.

Und auch auf dem Spielplatz hinter dem Haus meiner Eltern haben in den folgenden Tagen und Wochen die Kleinen normal im Sand gespielt.

Ich finde, dass die Leute jetzt panisch reagieren. Hochdosiertes Jod (das es überhaupt nicht so in der Apotheke gibt) nützt nur etwas gegen das radioaktive Jod. Das hat aber eine relativ kurze Halbwertszeit. Selbst, wenn ein wenig davon uns erreichen sollte (was aber kaum möglich ist), braucht man die nicht. Jodtabletten sollte nur jemand einnehmen, der der Strahlung quasi an der Quelle ausgesetzt ist.

Die interessanteren Dinge sind hier z.B. Cäsium 137 (gab es auch nach Tschernobyl), allerdings gibt es dafür keine Tabletten.


LG

Beitrag von clazwi 17.03.11 - 15:16 Uhr

Hallo Sarah,

so ähnlich habe ich das eben auch noch im Gedächtnis.
Bei der momentanen Medienberichterstattung wundere ich mich schon fast, dass hier noch keine Hamsterkäufe stattfinden ;-).

Was ich auch noch konkret weiß:
ich habe in einem kleinen bay. Dorf damals gelebt und eine Partei hat bald darauf einen Ausflug ins AKW Gundremmingen organisiert, bei dem ich mit dabei war (für die Bürger in dem Dorf war das eine ganz große Sache: da war es praktisch egal, ob man pro oder contra AKW war, aber "die Partei hat das organisiert" und da musste man mit dabei sein. Auch egal, ob man "die Partei" gewählt hatte oder nicht #hicks:-p*gg*).

LG
Claudia

Beitrag von jabberwock 16.03.11 - 20:38 Uhr

Ich weiß jedenfalls noch, dass die ersten Tage die totale Verwirrung herrschte, was denn nun eigentlich passiert sei. Die Nachrichten wurden nur häppchenweise serviert und heruntergespielt. Wimre wurde erst mit der Wahrheit herausgerückt, als die Nachbarländer so hohe Strahlungswerte gemessen hatte, dass der Unfall nicht mehr zu leugnen war.

Und die anschließende Panik war teilweise schon einigermaßen lächerlich. In bester Erinnerung ist mir eine Familie, die von Berlin aus vor den Strahlen nach Portugal geflohen war. Leider in eine Gegend, in der die natürliche radioaktive Strahlung weit höher liegt, als damals hier :-p

Beitrag von frau-pepsi 16.03.11 - 21:01 Uhr

Damals wurde man einfach nicht den ganzen Tag damit zuinformiert.

Morgends kam die Tageszeitung und abends die Nachrichten. Sondersendungen wegen irgendwas gab es so gut wie nie und die Zeitungen berichteten nicht in fünf Zentimeter grossen Buchstaben. Internet gab es auch keins. Also wusste man nur das nötigste. Irgendwie hat es ja anscheinend auch gereicht für Deutschland. Die Alten werden im älter, die Neugeborenen haben weniger Mißbildungen als früher.

Und überhaupt, ich fress doch jetzt kein Jod nur damit ich vielleicht 5 Wochen länger überleb. Panik verschlechtert die Lebensqualität! ;-)

Beitrag von clazwi 16.03.11 - 21:05 Uhr

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Und überhaupt, ich fress doch jetzt kein Jod nur damit ich vielleicht 5 Wochen länger überleb. Panik verschlechtert die Lebensqualität
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Klasse! #pro

Beitrag von kawatina 16.03.11 - 22:09 Uhr

Hallo,

wir sind in Deutschland doch eh hoffnungslos überjodiert.#kratz

Beitrag von dani.m. 16.03.11 - 22:33 Uhr

Bist du dir sicher, dass du nicht überfluoridiert meinst?

Beitrag von grashopper73 16.03.11 - 21:15 Uhr

Also ich kann mich da sehr gut dran erinnern. Ich war 13 und empfand das ganz schön als Massenpanik. Klar wurde man von morgens bis abends nicht informiert, aber man durfte nur Dosengemüse essen und nicht im Sand spielen. Es war ein riesen Desaster im Umfeld vom weit entfernten Tchernobyl und man hatte hier davon Auswirkungen gespürt. Mir war das damals sehr unheimlich und es hat mir auf jeden Fall grosse Angst gemacht.

Beitrag von sassi31 17.03.11 - 03:18 Uhr

Hallo,

ich finde den Bericht bei Wikipedia ganz interessant. Da steht der "Ablauf" in Tschernobyl aufgelistet und auch grob, wie die Informationspolitik aussah (retuschierte Fotos usw.).

Das Lied von Geier Sturzflug gab es übrigens schon ein paar Jahre vor dem Tschernobyl-Unglück.

LG
Sassi