Defizite im sozialem Bereich...neugieriger Umfeld..wie antworten.

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von monika13 17.03.11 - 12:14 Uhr

Hallo Ihr lieben....

Seid ein paar Tagen überlege ich mir, welche Antwort ich den Leuten geben Sohn, die nach Defiziten meines Sohnes fragen....es soll irgendwie so gesagt werden, dass es nicht lügend ist, aber auf jeden Fall für mein Kind sprechend soll...
....wüsst ihr, wie ich das meine...????#kratz

Mir ist aufgefallen, dass ich in meinen Antworten seine Schwächen auszähle und zeige, und die von fremden gesehen schwächen( zb. Muttis) gleich zugebe...

Ich weiss nicht, ob ich richtig handle...mein Bauchgefühl sagt mir, ich soll anders antworten, so dass ich mein Kind im positiven Licht darstelle...

Aber, was kann man so sagen....

Wie meistert ihr, den, solche situationen, wo die neugierigen fragen...

Ganz liebe Grüsse

Monia

Beitrag von kati543 17.03.11 - 12:44 Uhr

Das kommt darauf an, wer die neugierigen Fragen, wie stellt. Wenn ein alter Mann an der Bushaltestelle versucht mit meinem Sohn zu reden und er nicht antwortet (er KANN nicht sprechen) und ich dann gefragt werde, ob er denn sehr schüchtern sein, dann sage ich eben "Ja". Ich denke nicht, dass ich jedem fremden die gesamte Krankheitsgeschichte meiner Jungs geben soll.
Ansonsten beantworte ich freundlich gestellte fragen eher einsilbig. Also auf die Frage "Warum antwortet er denn nicht?" Sage ich: "Er kann nicht sprechen." Dann kommt meistens ein "Oh". Und das wars.
Ich stelle meine kinder nicht in einem positiven, sondern in einem realistischen Licht auf. Es sind ganz liebe Jungs. Sie haben viele Eigenschaften, auf die andere Mamas neidisch sind.

Beitrag von hope001 17.03.11 - 13:07 Uhr

Hallo,

ich denke, dass man nicht jeden alles erzählen muss, aber man schon, wenn man was erzählt, ruhig ehrlich bleiben sollte.

Wenn ein Kind Defizite hat, ist es ansich ja nichts negatives und das Kind bleibt trotzdem liebenswert. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, beim einen sind diese stärke ausgeprägt, beim anderen schwächer ausgeprägt.

Du hintergehst dein Kind nicht, wenn du die Wahrheit sagst. Wenn man sein Kind, übertrieben positiv darstellt, könnte es auch manche so wirken, dass man selber als Elternteil nicht mit den Schwächen seines Kindes klar kommt oder sie nicht wahr haben möchte.

Wenn man die Schwächen seines Kindes aufzählt oder zugibt, wie du es sagst, bedeutet es ja nicht gleich, dass man sein Kind negativ darstellt.

Ich habe eine Nichte, die 6 Jahre als ist, sie ist ein Sonnenschein, immer gut gelaunt, sensibel für die Gefühle anderer, macht gerne und viel Unsinn, ist sprachlich auf dem Stand eines ca. 3-jährigen Kindes, sie kennt nocht nicht alles Farben oder kann auch nicht bis 5 zählen. Wie weit die kognitive Entwicklung hinter her ist, kann man nicht genau sagen, da variieren die Angaben.
Meine Nichte ist aber gleichzeitig ein aufgewecktes, pfiffiges und fröhliches Kind. Sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen.
Ich war bei ihrer Geburt dabei und liebe sie heiß und innig. Meine Schwester hat immer Angst, dass man die Kleine für bekloppt hält, nur weil sie nicht so ist, wie es anderer Kinder in ihrem Alter sind. Sie ist aber was besonderes, wie jedes andere Kind auch. Einzigartig auf ihrer Art und Weise.


LG, Hope (Erzieherin & Motopädin) mit Finn 16 Monate

Beitrag von krokolady 17.03.11 - 13:13 Uhr

weiß ja nun nicht was Dein Kurzer hat.

Bei meiner Tochter sag ich oft das sie chronisch krank ist....oder das sie Behindert ist.....manchmal gehe ich auch näher drauf ein, je nachdem wer mir gegenüber steht.

Da man meiner Tochter nichts ansieht ist es nicht immer einfach mit fremden Leuten.........mit ihren knapp 6 Jahren sitzt sie noch im buggy....trinkt aus einer Trinkflasche, spricht kaum..... ist absolut Distanzlos etc.
Die Leute sehen oft nur ein Kind welches total falsch erzogen ist und ungehörsam oder faul.
Manchmal wünsch ich mir nen Shirt für meine Tochter wo drauf steht:
"Ich bin wie ich bin weil ich behindert bin"

Beitrag von etrapl54- 21.03.11 - 08:38 Uhr

Hallo krokolady,

meinst Du das im Ernst mit dem Shirt?
Dann lass doch eines machen - kann man ja heutzutage problemlos.

Meine Kleene hat ne Symbrachydaktylie - vier Finger, wo nur das erste Fingerglied angelegt ist. Wenn läute Fragen sag ich immer: sie ist so geboren. Fertig.

Klappt immer.
Klar, ich seh ein, das es schwerer ist, wenn geistige Besonderheiten vorliegen - aber die Antwort passt doch irgendwie immer, oder?

Ganz liebe Grüsse

Beitrag von krokolady 21.03.11 - 09:00 Uhr

naja, dann müsste sie ja täglich solch Shirt tragen eigentlich.....

Hab ja mittlerweile einigermaßen gelernt damit umzugehen wenn mein Töchterlein mal wieder "aufdreht" und ich von den Leuten böse Blicke zugeworfen bekomme weil ich ja sooooo unerzogenes Kind hab.
Trotzdem ist es manchmal echt peinlich.....z.B. wenn sie zu wildfremden Frauen geht und an die Brust fasst......oder an die Oberarme und sagt "Muckies"

Beitrag von hopsi2005 25.04.11 - 00:35 Uhr

Da ich ja eine behinderte Schwester habe, denke ich immer: auch ein behindertes Kind ist viel mehr als nur seine Behinderung. Man sollte dieses Spiel nicht mitspielen. Wenn die Leute keine Schublade finden, in die sie ein Kind stopfen können, dann ist das deren Problem. Da müssen die selbst mit fertig werden. Für die meisten Menschen gilt: Das geht sie schlicht und ergreifend nichts an, was mit diesem Kind ist.

Wenn ein normaler Mensch mit einem unfreundlichen Gesichtsausdruck in der U-Bahn sitzt, geht man ja auch nicht hin und fragt ihn, was ihm die Laune verdorben hat.

Ich habe als Kind immer gesagt:"Sie ist meine Schwester und ich lieb sie so, wie sie ist." Entwaffend und ehrlich und das lässt keine Diskussion mehr zu.

Falls jemand wirkliches Interesse hatte, hatte ich meinen Standardsatz:"Sie hat einen Hirnschaden mit einer Lernbehinderung und eine affektive Störung." Ich habe das auch nie eingesehen, dass ich mich für meine Schwester entschuldigen sollte. Ich war ja kein Dolmetscher! Sprechen und hören konnte meine Schwester selbst. Sie hat nur nicht immer das gesagt, was die Leute hören wollten.;-)

Beitrag von hopsi2005 25.04.11 - 00:48 Uhr

Benutze komplizierte Fachbegriffe, die die meisten Leute nicht kennen. Die meisten trauen sich nicht, nachzufragen, weil sie sich dabei doof vorkommen und dann hast du deine Ruhe. Der Klassiker ist immer noch "vegetative Dystonie". #rofl Das schreiben die Ärzte gerne bei Patienten auf, wenn sie überhaupt keinen Ahnung haben, was der Patient hat. Umschreibung für "allgemeines Unwohlsein".

Als ich noch so gar nicht wusste, was mit Amelie ist, habe ich immer gesagt: Das liegt am Asperger Syndrom! :-p Es hat NIE einer nachgefragt, was das ist. Und sie hat gar keins.

Mein Mann hat noch eine Schippe draufgelegt, der hat einfach immer nur gesagt:"Wir haben ihr wohl heute wieder zu wenig Ritalin gegeben." Dann sind die Leute meistens peinlich berührt. Und zurecht, denn eigentlich haben sie es verdient, angelogen zu werden, wenn sie so indiskret nachfragen.