Neuanfang - aber wie?

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von barney1977 17.03.11 - 17:11 Uhr

Hallo,

meine Situation ist folgende: Meine Freundin und ich sind heute seit 3 1/2 Wochen kein Paar mehr. Unsere Beziehung hielt 5 1/2 Jahre. Wir hatten Höhen und Tiefen, wobei vieles an Tiefen von mir aus ging. Durch meine anhaltende Arbeitslosigkeit - mit diversen Gelegenheitsjobs gespickt - war ich oft unzufrieden mit mir selber und vergrub mich immer mehr in meiner eigenen Welt. Ich spielte immer intensiver ein gewisses Onlinerollenspiel und konsumierte gerne Gras. Meine Freundin folgte mir zumindest in ersterem, um zumindest auch dort einen Teil meiner Zeit mit mir verbringen zu können. Sie machte viel, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, umsorgte mich liebevoll und war mir immer eine große Stütze. Immer wieder verzieh sie mir ab und zu vorkommende Wutausbrüche, wenn ich mich von ihr in eine Ecke gedrängt sah (meist durch Alltagsdiskussionen). Ich machte viel falsch, weil ich vieles mit mir selber ausmachen wollte, doch ist sie jetzt auch kein Mensch, der Probleme immer offen anspricht. Ob es nun gefruchtet hätte oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt. Eher nutzte sie ihre Cousine oder eine gute Freundin, um ihren Frust in Worte zu fassen.
Klingt jetzt erstmal schlimm von meiner Seite, aber sie bestätigt selber, dass wir auch viele schöne Momente gehabt haben, sonst wären wir nicht so lange zusammen gewesen.
Seit dem Januar diesen Jahres habe ich wieder feste Arbeit und auch den Respekt meines Arbeitgebers. Da die Arbeit aber einem viel abverlangt - Zeit und Energie - wurden meine Launen nicht unbedingt besser, sondern sie bekam immer mehr das Gefühl, mir nichts mehr recht machen zu können. Meine "Freizeitaktivitäten" drängten sich als Gefühl von Feierabend noch mehr in den Vordergrund und sie selber schien immer unwichtiger für mich zu werden...
Vor ca. 6 Wochen kam es dann zu einem sehr bösen, lauten Streit, weil ich mit dickem Kopf und durchzechter Nacht mit Freunden nichts von den Alltagsaufgaben wissen wollte, sie aber nicht die Zeit hatte, weil sie arbeiten musste. Eine simple Frage nach dem nötigen Einkauf erwiderte ich mit ich wolle meine Ruhe haben, sie hakte unbeirrlich nach, bis wir uns nur noch anschrien. Ein Zeichen repektloser Behandlung beiderseits par excellence. Ich warf sie aus meiner Wohnung, sie fragte unter Tränen in der Tür, ob ich wirklich dahinterstehen würde. Als sie gegangen war, reflektierte ich nach paar Minuten Ruhe und erkannte die große Schuld meinerseits.
Wir vertrugen uns innerhalb von 2 Tagen, weil ich meinen Fehler "erkannte". Sie führte die "Regel" ein, dass wir uns weniger sehen würden, dass ich auch mehr zeit für mich habe (vorher 6 von 7 Tagen aufeinandergehockt in derzeit 25qm...), ich sträubte mich, gelobte Besserung. 2 Tage nach dem Streit hockte sie wieder bei mir und innerhalb kürzester Zeit war alles wieder beim alten.
Vor 3 1/2 Wochen, nach 3 Tagen mieser Laune meinerseits, kam sie zu dem Entschluss, sich trennen zu wollen. Sie wollte es mir persönlich einen Tag später sagen, aber ich roch den Braten schon am Telefon und so passierte es dann eben zu diesem Zeitpunkt.

So kam es, dass die Trennung fest war und sie jedesmal die Situation nutzte, immer einen Teil ihrer Sachen aus meiner Wohung zu holen, wenn ich wegen der Arbeit grade nicht da war. Ich war dadurch sehr verletzt, weil es bei der Trennung noch nicht mal zu einer Aussprache von Angesicht zu Angesicht kam. An Rosenmontag, während ich im Ausland tätig war, warf sie mir noch den Schlüssel in den Briefkasten und "eigentlich" war das Thema dann für sie durch.

Unser Verhältmis nach der Trennung war jetzt aber nicht schlecht. Sie nahm sich bei Telefongesprächen immer alle nötige Zeit und hatte immer ein offenes Ohr. Ich gelobte "wieder" Besserung, denn bei der Trennung meinte sie, sie würde sich so sehr wünschen, dass ich das Spiel und das Kiffen einfach sein lassen würde. Was das Kiffen angeht, hab ich bis zu unserer Beziehung jeden Tag gekifft, aber seit unserem Zusammenkommen von alleine immer wieder Pausen gemacht, die auch immer länger wurden. Die letzte war ein halbes Jahr.

Letzte Woche Mittwoch hatte ich in der Hotelbar 2 Bier getrunken, und da ich kein Trinker bin, war ich ein bißchen weich... Ich rief sie an und gestand ihr meine Liebe, und dass ich alles dafür tun würde, um unsere gemeinsamen Ziele wie Familie und Kinder in die Tat umzusetzen. Auch dass ich seit unserer Trennung nicht mehr gespielt und gekifft habe, jeglichen Kontakt zu Kifferfreunden beendet habe und auch meinen Spielaccount verkaufen wolle, um gänzlich damit abzuschließen. Denn die bis dato 2 Wochen hatten mich viel zum Nachdenken animiert und erkennen lassen, dass ich mit meinem vorpubertären Verhalten abschließen muss, um mich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Nach 50 Minuten beendete sie das Gespräch, weil sie mit der Situation überfordert war.

Einen Tag später schlug sie mir "freundschaftlichen" Kontakt vor, es könne vllt. irgenwann noch mal was werden, aber jetzt eben nicht, weil die Gefühle nicht mehr so sind, wie sie mal waren. Eine gemeinsame Freundin meinte, ich solle mir keine Hoffnung mehr machen, sie wolle nicht mehr. Einen Tag später sagte ich meiner Freundin, ich sei mit ihrem Angebot einverstanden, gestand noch einmal alle meine Gefühle und sie sagte, wenn sie was merken sollte, käme sie auf jeden Fall zurück.

Was jetzt folgte ist mehr als komisch. Auf einmal bekam ich irgendwelche Smilies von ihr auf meinen Facebook-Pinnwand geschrieben und ihre Cousine redete auch komisches Zeug, so dass ich anfing, mir extreme Hoffnungen zu machen. Meine Freundin meldete sich auch kurz darauf und schlug mir ein Treffen vor, war guter Laune, meldete sich bei Skype an, damit wir kostenlos telefonieren konnten, während ich im Ausland war.

Gestern kam ich zurück und holte sie heute auf der Arbeit ab. Sie meinte, ihr Gefühle würden nicht für eine Beziehung reichen, aber sie wolle uns einfach nicht so leicht aufgeben und vielleicht wird das noch mal was. Sie nahm mich auch in den Arm, was nur dazu führte, dass ich mich eigentlich mehr schlecht als gut fühlte, weil ich sie ja nicht "ganz haben" kann. Ich quasselte wieder wie ein Besessener von Beziehung, ich wolle jetzt zwar keine, aber einen Neuanfang (unter Garantie) möglichst bald und sie argumentierte dagegen mit ihrer derzeitigen Gefühlslage. Sie wolle sehen was kommt, Garantie gäbs keine, aber sie wolle es auch irgendwie, nur könne sie es momentan nicht.

Heute abend kommt sie wieder zu mir...

Abschließend, sie ist 23, ich bin 33. Sie ist sehr bodenständig, also keine, die irgendwann noch mal was "erleben" muss. Sie hat klare Vorstellungen für die Zukunft, welche ich nach 3 1/2 Wochen zunehmend wieder als meine erkannt habe.

Ich weiß, dass ich mit emotionalem Geschwafel bei ihr bestimmt nur das Gegenteil erreiche, dass ich ihr für alles schlechte in der Vergangenheit gute Emotionen geben muss... trotzdem fühle ich mich so verloren, weil ich Angst habe, dass alles irgendwann "nur" in eine "Freundschaft" mündet... Sie will auch nicht, dass es mir schlecht geht, wenn wir uns sehen, aber sie kann mir nunmal keine Garantie geben. Dazumal es ihr eigentlich gut geht seit der Trennung. Ich kenn das psychologische Prinzip dahinter. Ich möchte sie auch nicht manipulieren, aber was ist der beste Weg, ihre Ängste verschwinden zu lassen und ihre "alte Liebe" zu mir neu zu entfachen? Denn durch meine Erkenntnis ist von einem Rückfall nicht auszugehen. Soll ich mich rar machen, trotz vorgeschlagener Treffen ihrerseits, oder soll ich mich intensivst im sie kümmern? Was soll ich tun?

P.S.: Sorry für den langen Text, aber dann kann keiner sagen, er wüsste nicht über die Situation bescheid...

Beitrag von rosenrot1974 17.03.11 - 19:28 Uhr

Ich sag es mal mit Sido: Du musst auf Dein Herz hören...

Auch wenn es vielleicht besser wäre sich "rar" zu machen halte ich nichts von dieser Art von Spielchen.

Auch wenn ich all zu häufig meinen Gefühlen nachgegeben habe und mich sicher häufig kontraproduktiv verhalten habe... Ich stand immer voll und ganz hinter meinen Taten und Worten und das ist das wichtigste!

Mit meinem Freund bin ich Heute noch zusammen. Wir hatten auch viele schwierige Zeiten und ich bin sicher ich hätte es mir leichter gemacht, hätte ich "taktiert". Allerdings war ich früher eher bereit ihn zu verlieren als gegen mich und meine Natur zu handeln!

Tu, was Du nicht lassen kannst!

Alles Gute dabei!

Beitrag von bruchetta 18.03.11 - 07:45 Uhr

Die Variante, sich rar zu machen, ist auf jeden Fall die bessere.

Ich habe eine beste Freundin, die mich jeden Tag mehrmals angerufen hat, was mir im Prinzip irgendwann zuviel wurde.

Sie ist jetzt seit einer Woche in einer Reha und wollte sich melden. Hat sie bisher aber nicht.
Die ersten Tage war ich irgendwie erleichtert, aber mittlerweile vermisse ich sie sehr!

Sie macht es nicht mit Absicht, wahrscheinlich ist sie noch nicht dazu gekommen, mich anzurufen, aber DAS ist eben das Ergebnis von rar machen.

Beitrag von manyatta 18.03.11 - 08:40 Uhr

Hi!

Nein, von Spielchen halte ich auch rein gar nichts. Aber das musst du wissen.
Wenn eure Beziehung bisher ohne Lügen oder Geheimniskrämerei ausgekommen ist und Bestand hatte, dann fang auch nicht mit sowas an.

Ich kann ein wenig von mir reden, ich habe auch gerade enorme Schwierigkeiten in meiner Partnerschaft und stehe vor ähnlichen Problemen wie du. Aus komplett anderen Gründen aber das "Muster" ähnelt sich.

Ich finde es gut, dass du "emotionale Ausbrüche" hast und ihr sagst wie du fühlst. Sicherlich ist es in solchen schwierigen Situationen nicht immer hilfreich aber das zeugt doch nur von den Gefühlen. Und darum sollte es in einer Beziehung ja nunmal gehen.
Was bringt es, sich selbst zu quälen und "cool" zu sein und damit vielleicht eine Chance zu vertun?
Naja, und ihr seid nun schon getrennt. Was hast du noch zu verlieren, wenn du dich jetzt öffnest und zu deinen Gefühlen stehst? Dir ist in der letzten Zeit einiges klar geworden und das solltest du ihr natürlich auch sagen.

Zeit braucht das dennoch. Ich würde ihr an deiner Stelle nochmal klar sagen, was du hier auch geschrieben hast (oder ein Brief?). Dann braucht es Zeit. Um es zu verarbeiten, darüber nachzudenken und etwas Abstand zu gewinnen. Das geht natürlich am Besten, wenn man erstmal voneinander etwas Ruhe hat. Sag ihr dass, dass du begriffen hast worum es geht.
Sag ihr, dass ihr euch am besten erstmal in Ruhe lasst. Dass du auf sie wartest, dass du dich freuen würdest wenn sie sich meldet. Du meldest dich erstmal nicht um ihr die Zeit zu geben, dass sie aber dennoch weiß wie du zu ihr stehst und dass diese Pause nicht bedeutet dass du sie nicht mehr willst. Wenn du sie bedängst und ihr beteuerst was du alles kapiert hast, wird sie dir vielleicht eh nicht glauben. Glauben vielleicht schon, aber die Angst dass es nicht funktioniert ist natürlich groß.

Oder ihr vereinbart einen zeitlichen Rahmen, an dem ihr euch dann einfach mal kurz sprecht. Ohne über die Probleme zu sprechen oder etwas wieder aufzuwärmen, ohne "Liebesschwüre" und damit Druck. Einfach nur so, um kurz zu quatschen und vielleicht ein "Ich vermiss dich" o.ä.

Ich habe keine Ahnung ob es richtig ist, ich schreibe nur was ich gerade denke. Wie gesagt, steck ich grad in einem ähnlichen Dilemma. Naja, und ich bin eine Frau und würde es mir so vorstellen ;-)

Alles Gute!

Beitrag von barney1977 18.03.11 - 10:47 Uhr

Erstmal danke für Eure Antworten :-) Meine Intension ist/war auch nicht, irgendein Spielchen mit ihr zu treiben. Klar, mein Ziel ist natürlich eine Wiederaufnahme der Beziehung bzw. ein Neuanfang mit ihr. Wir haben gestern abend beim Treffen nochmal die Mißstände der Beziehung angesprochen und ich bin ihr auch dankbar für ihre Ehrlichkeit und Offenheit. Sie wisse derzeit selber nicht, wo sie stehe, habe auch Gefühle für mich, welche aber einfach derzeit nicht für eine Beziehung reichen. Ich solle ihr Zeit geben. Sie weiß auch, wie ich zu ihr stehe, dass ich meinen Wunsch für Veränderung ernst meine, da ich ja gewisse Sachen schon geändert habe. Ich denke, es ist die Angst vor einer Wiederholung der Vergangenheit, welche sie an ihren Gefühlen zweifeln lässt.

Mit 100%iger Sicherheit unterscheide ich mich hier nicht im geringsten von Millionen anderen Verlassenen. Ich verspüre den Drang in mir, etwas für die Beziehung tun zu müssen, damit es wieder klappt. Obwohl ich weiß, dass ich Gefühle anderer nicht aktiv zu Liebe werden lassen kann. Es ist sehr schwer, einfach loszulassen, sich dem Lauf der Dinge anzuvertrauen. Es gibt ja genügend Lebensweisheiten a la "Was Du liebst, lass gehen, kommt es zurück, gehört es Dir". Wenn man sich zu dem Thema beliest, könnte man verrückt ob der vielfältigen Strategien und Möglichkeiten werden. Denn kommt von ihr der Wunsch nach einem Treffen, habe ich Angst, dass sie denkt, ich sei auf Abruf bereit, wenn ich dem nachkomme. Halt ich mich fern, hab ich Angst sie zu verlieren... Ein Dilemma. Blödes Distanz-Nähe-Prinzip #zitter

Es gibt leider keine allgemeingültige Anleitung, jemanden für sich zu gewinnen. Der beste Weg ist aber meiner Meinung, für jeden gemeinsamen Augenblick einfach dankbar zu sein, mit sich selber im Reinen, einfach glücklich zu sein. Denn so bedauernswert die Situation von Verlassenen ist, nur wenn man sich selber vollen Herzens liebt, können einen auch andere Menschen lieben.

Beitrag von manyatta 18.03.11 - 13:03 Uhr

Tolle Worte.

"Spielchen" meinte ich auch nicht so krass, aber eben so wie du es schreibst. "Sich rar machen", oder aber wie du sagst dass du nicht möchtest, dass du jederzeit abrufbar bist.
Ist doch Quatsch, oder? Obwohl ich dich voll verstehen kann. Wie gesagt, ich erlebe es gerade selbst und habe ähnliche Gedanken. Aber es ist nicht meine Welt, ich kann es nicht. Auch kennt mein Partner mich gut genug um das zu wissen und nutzt es nicht aus, dass ich so ehrlich bin und nicht "spielen" kann ;-)

Ich denke ihr habt doch schon einen großen Schritt gemacht wenn ihr über die Probleme gesprochen habt und euch beide darüber klar seid, was ihr füreinander empfindet.
Den Rest kann nur die Zeit bringen. Verliert euch nicht aus den Augen aber gönnt euch ein wenig Ruhe. Wie es ausgeht weiß leider keiner... Wenn sie weiß, dass du bereit bist einiges zu ändern und es auch schon getan hast, dann bist du doch schon einen Schritt weiter.
Nun müsst ihr nur noch schauen, wie ihr das Vertrauen wiederfindet, Vertrauen in die Liebe zwischen euch. Denn ob deine guten Vorsätze von Dauer sind, das kann natürlich nur die Zeit zeigen....