Sind eure Herren der Schöpfung eigentlich auch so...unsensibel? SiLoPo

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von dydnam 17.03.11 - 18:59 Uhr

Hey,

habe ja gerade den Thread gelesen, in dem der Partner einer FG-Betroffenen einen Zusammenbruch hatte. Wenn ich so was lese, komm ich immer wieder ins Grübeln. Glaube so langsam, ich habe den unsensibelsten Kerl erwischt (den ich natürlich trotzdem liebe), den es überhaupt gibt. #kratz

Nach der ersten FG hatte er nichts besseres zu tun, als mich einen Tag später von der Arbeit aus anzurufen (damals beim Rettungsdienst), und mir voller Stolz mitzuteilen, dass er gerade das erste Mal bei einer Frau in einem Auto ein Kind auf die Welt geholt hat. Wow, Schlag in den Magen, kann ich euch sagen. Gab zwar ne Entschuldigung, aber das blieb mir im Gedächtnis. Am Tag der Ausschabung soll er, laut den Aussagen unserer damaligen Kollengen, sich verdammt gut auf der Arbeit amüsiert haben. #schmoll

Gut, als es vor der 2. und 3. FG schon nicht so gut aussah, hat er mir gesagt, dass er ganz doll hofft, dass es gut geht. Dann aber immer in Nachtrag, dass er schließlich nicht wieder so ne verheulte, deprimierte Frau wie nach der ersten FG haben will (zugegeben, ich hatte lange damit zu kämpfen, und die Beziehung wurde dadurch arg strapaziert). #gruebel Dennoch: sehr charmant und taktvoll, gell?

Und neulich Abend dann wieder so eine Szene. Wir liegen im Bett, im Fernseher eine Comedy-Serie, in der eine Schwangere ein Kind auf die Welt bringt. Habs aber irgendwie nicht geschafft zu fragen, ob wir was anderes schauen können. Falscher Stolz. Dachte ich steh da drüber. Irgendwann merkte ich dann, dass mir die Tränen in die Augen schossen (wenn mich das Thema zu sehr konfrontiert, ziehts mich dann doch immer noch ganz schön runter). Er lachte die ganze Zeit herzlich über die Witze, auch bezüglich der Schwangerschaft. Prickelnd. Hab mich dann irgendwann weggedreht und versucht, mir nix anmerken zu lassen. Als dann der Fernseher aus war, hab ich nen kleinen Zusammenbruch gehabt, die Tränen sind einfach nur noch geflossen. Er fragt, was denn los sei, und warum ich weine. #klatsch (kann man sich nicht denken?) Ich sage ihm dann ehrlich (ok, auch ein bisschen vorwurfsvoll), dass ich über das Thema Schwangerschaft noch nicht so herzhaft lachen kann. Er: "Welche Schwangerschaft denn?" Als ich ihn dann auf seine Reaktion bezüglich der Serie hinwies, nur betretenes Schweigen. Versöhnlich lediglich, dass er mich dann beim Einschlafen doll umarmt hat. Generell werde ich in den letzten Tagen ohne Rücksicht immer wieder über verschiedene Schwangerschaften oder Geburten irgendwelcher seiner Kollegen hingewiesen. #gruebel

Nur ein paar Beispiele. Wenn ich länger überlege, würden mir wahrscheinlch noch einige mehr solcher Szenen einfallen.

Weiß auch nicht. Ok, man sagt, dass Männer anders trauern. Aber bei meinem Männe habe ich immer wieder das Gefühl, dass das für ihn jetzt nicht so das Problem darstellt. Versuche mir immer zu sagen, ok, er ist Rettungssanitäter (und hat da eher den medizinischen Blick für Dinge); ok, er ist Soldat (und dadurch teilweise etwas abgestumpft); ok, er ist teilweise ziemlich testosterongesteuert (und nicht so sehr gefühlsbetont)... aber trotzdem... so bescheuert es klingt, es würde mich so dermaßen versöhnen, wenn mein Mann mal einen Zusammenbruch wegen der FG haben würde. Einfach ein Zeichen, dass ich nicht als einzige in der Beziehung trauere.

Sorry für das viele Blabla. Liegt mir momentan irgendwie quer im Magen.

Wie ist das denn bei euch?

Liebe Grüße
Mandy mit
#stern (Okt. 2007), Silas (*06.12.08), #stern (April 2009), Tamino (12.06.10) und #stern (Februar 2011)





Beitrag von deliah75 17.03.11 - 19:23 Uhr

hallo,
ja so gings mir gestern auch, hab wiedermal auf nen anruf gewartet weil ich ja schon 5 wochen mit meinem hcg rummache und verdacht auf ELSS bestand und dann doch ne ausschabung vor ner wochen hatte, na auf jeden fall ziemlich nervige zeit.
und mein freund meinte gestern als er heim kam als ich nen kurzen heulanfall vor anspannung hatte dass es ihn nervt wenn ich gleich heul wenn er von der arbeit kommt und dann war er den ganzen abend schlecht gelaunt und meinte alles scheisse gerade , und was war ich hab mich schuldig gefühlt .#schmoll so als verderb ich ihm den abend oder so.
er hats bestimmt nicht böse gemeint aber trotzdem er leidet auch aber irgendwie anders , ich würde lieber drüber reden , als so unsensible und vor allem unbedachte sprüche.....ach das hat jetzt gut getan dass mal zu schreiben .... wir lieben sie ja aber manchmal.....
liebe grüsse deliah#herzlich

Beitrag von sterretjie 17.03.11 - 20:21 Uhr

Dieses Gefühl kenne ich nur zu GUT. Mein Mann ist ein ganz lieber. Und obwohl er nicht so trauert wie ich und er mir auch gesagt hat das es ihn nicht so nah geht und er sich eher Sorgen um mich macht als um unser Baby zu trauern, könnte ich ihn gerade erschießen.

Wir haben Dinstag erfahren dass das Herzchen nicht mehr schlägt - 14. SSW - und gestern war der AS.

Und was macht mein Mann heute? Er bastelt sich ein neue Facebook Profilbild. Ich fühle mich so allein gelassen und egal wie oft er mich in Arm nimmt, ich komme gerade sehr schlecht damit klar.

Letztes Jahr war mein FG in der 7. SSW und ab der 5. SSW wußten wir das es wahrscheinlich schief gehen kann. Aber dieses Mal ist es doch anders. Er hat auch das Herzchen schlagen sehen. Ich verstehe sein Verhalten einfach nicht.

Beitrag von lieke 17.03.11 - 20:06 Uhr

Hallo,

ich glaube grundsätzlich, dass Männer sich nicht so vorstellen können, inwieweit für viele Frauen eine FG schon ein Kind war. Ich habe mit meinem Mann sowohl FGen als auch eine stille Geburt erlebt und sah deutliche Unterschiede. Meine Schlussfolgerung war, dass eine frühe FG einfach wenig greifbar ist und daher auch im täglichen Leben nicht so präsent. Auch verbinden meiner Meinung nach Männer schwangere Bäuche anderer Frauen nicht mit einem eigenen Kind, während wir Frauen das eher tun. Meine SS und die stille Geburt hat er erlebt, er hat sein Kind gesehen und festgehalten. Die FGen haben nur durch meine Erzählungen existiert. Was von diesen SSen für meinen Mann übrig bleibt sind Erinnerungen an eine Zeit, in der es mir schlecht ging, nicht aber an ein Kind, dass er bewegen sah und fühlte. Es bleibt die Erinnerungen an zerplatze Träume und die Zeit der Hoffnung. Ich finde es nicht schlimm, dass das verblasst gegenüber den Eindrücken der Kinder, die ich (tot oder lebendig) geboren habe. Wenn ich etwas sehe/erlebe, das mir deswegen Probleme bereitet sage ich es und er kann sich darauf einstellen.

Ihr solltet mehr miteinander reden. Wenn du dir mit ihm diese Sendung anguckst gibt es für ihn ja auch gar keinen Grund anzunehmen, daß es ist dir nicht Recht ist. Er kann ja deine Gedanken nicht lesen. Mein Mann wäre da auch nicht drauf gekommen, dass ich eine Schwangerschaft im TV mit meinem eigenen Verlust linke. Ich denke das ist normal. ER drückt sich vielleicht was unglücklich aus, aber du sagst selber, dass das seine Art ist.
Ich denke, du erwartest da zuviel.

LG

Beitrag von zumpelchen1977 17.03.11 - 20:11 Uhr

Ich kann dich so gut verstehen, sowas schlägt tief und man braucht ewig bis man das unter die Füße bekommt. Fühl dich #liebdrueck , Selbst aus dem Bekannten und Verwantenkreis habe ich manch Reaktion bekommen die einfach nicht geht. :-[ #nanana
Habe mit meinem Schatz viel drüber geredet und ihn so lange genervt bis er mir ne Antwort über das Warum gegeben hat, er hat meiner Meinung nach auch komisch getrauert. Und immermal dumme witze gemacht in verschiedenen Situationnen wie z.B. bei Filmen im TV
Meine AS war auch Feb. 2011
Er meinte dann das es Ihm nicht ganz so nah gegangen ist, er hat sich zwar drauf gefreut, aber da nix zu sehen war "außer auf Ultraschallbildern" und er auch so noch nicht den Bezug zu unserem Kind hatte wie wir es als SS haben "er mußte nur meine Launen ertragen "viel es ihm wohl nicht so schwer. Komisch zu glauben. Aber macht vieleicht das Verstehen der Männer für so ne Unsensieblen tollpatschigen Situationen leichter.
Was aber das Ganze nicht entschuldigen soll.

LG
Christane mit Angelique 10/2004 und #stern 2/2011

Beitrag von juella 17.03.11 - 21:52 Uhr

Hallo du Liebe,


hatte vor einer Stunde auch gerade eine Situation, die mich verzweifeln lässt... :-(

Wir haben jetzt gerade vor vier Wochen das 2. #stern #kerze innerhalb eines halben Jahres bekommen #schmoll und haben auch keine wirklich guten Erfolgsaussichten auf eine erfolgreiche SS prognostiziert bekommen.

Das alles belastet mich UNENDLICH, es gitb Momente, da könnte ich einfach nur verzweifeln -- so wie heute, wenn ich einfach so sehr unser Würmchen vermisse, das jetzt einfach in meinem Bauch sein könnte...#heul

Entsprechend war ich einfach nicht gut drauf, als mein Mann von der Arbeit kam. Tja, und da habe ich mir sagen lassen müssen, dass es ihn nervt, dass ich ALLE ZWEI TAGE nicht gut drauf wäre#schock!!!!
Ich frage mich in solchen Momenten, was er denkt, wie es mir gehen soll, nach diesen Verlusten und diesen Prognosen???:-[
Das Schlimme ist für mich noch zusätzlich, dass er bereits zwei Kinder hat ----- nur bei UNS klappt es nicht, obwohl die Ursache bei ihm liegt...
Daran könnte ich verzweifeln!!! Warum hat es vorher (trotz Chromosomendefekt seinerseits) geklappt, aber bei uns nicht#heul???!!!

Ich glaube, im Falle DEINES Mannes ist es bestimmt einfach ein Stück Unbedarftheit -- er macht sich, wie so viele Männer, einfach nicht so viele Gedanken!

Bei meinem Mann sehe ich es so, dass er sich "schuldig" und dadurch angegriffen fühlt, wenn es mir nicht gut geht, weil er ja der ´"Auslöser" ist.

Allgemein denke ich, dass Männer Meister der Verdrängung sind unf einfach froh sind, wenn sie sich mit belastenden Themen nicht auseinandersetzen müssen. Das ist bestimmt auch ein Stück Selbstschutz.

Ich sage immer, dass er zum Beispiel "den Vorteil" hat, wenn er auf die Arbeit geht, alles einfach ein Stück weit hinter sich lassen zu können --- während ich meinen Körper, indem sich alles abgespielt hat und der mich ständig daran erinnert, nicht einfach mal "hinter mir lassen" kann..#gruebel

Es macht mir jedenfalls echt zu schaffen, zu merken, wie sehr das Ganze doch auch eine Beziehung belasten kann:-(.

Vielleicht sprichst du einfach nochmal in Ruhe mit deinem Mann und gibst ihm zu verstehen, dass du mit bestimmten Situationen nicht gut umgehen kannst und du ihn bittest, es einfach zu respektieren (auch wenn er es vielleicht nícht versteht), indem er sich in diesen Situationen einfach ein bisschen feinfühliger verhält. Es hilft ihm sicher, wenn du ihm sagst, um welche Situationen es sich handelt.


Ich drücke dir/euch die Daumen#pro#klee,
alles Liebe
juella

Beitrag von almararore 17.03.11 - 21:31 Uhr

Sie können sich da nicht in uns reinversetzen... Mein Mann (38) begreift jetzt beim vierten Kind, wie wertvoll diese Zeit ist und was da passiert. Bin jetzt in der neunten Woche und er war schon zwei mal mit beim Arzt. (Risikoschwangerschaft kurz nach Tumorerkrankung und vollkommen überraschend). Er zittert jeden Tag und streichelt meinen Bauch. Umhegt mich und sorgt sich. Dieses Mal ist es fast so, dass ich auf Distanz bin (war sowas von überraschend, dass ich das mal verarbeiten muss) und er hibbelt total... Vor zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.... Aber manchmal müssen die schlimmsten Dinge passieren und etwas unmöglich erscheinen und dann erst begreifen sie.