Ich schaffe es einfach nicht.... *etwas lang*

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von singa07 18.03.11 - 08:46 Uhr

Und wieder holt mich die Verzweiflung ein...

Nächsten Freitag ist die Beerdigung. Am 28.01. musste ich mein Käferchen in der 10.SSW gehen lassen...

Eigentlich geht es mir einigermaßen gut. Rein körperlich sowieso, das HCG war relativ schnell draußen, ich hatte genau 5 Wochen nach AS wieder meine erste mens. Ich dachte auch, ich hatte es psychisch einigermaßen verbacken gekriegt - habe gerade im Job irre viel zu tun und Haushalt und Kleinkind halten mich auch auf Trab - aber...
im Kinderturnen ist eine Schwangere, ET Ende Juli. In der Krabbelgruppe ist eine Schwangere, ET diesen Sonntag. Im Bekanntenkreis sind zwei Schwangere, ET Ende Juni/ Anfang August. Bei meinem Mann auf der Arbeit sind zwei schwanger. Ich war wochenlang nicht im Babyschwimmen (wg AS, dann war der Kleine krank, dann Ferien) - und als ich wiederkomme: drei Schwangere, alle ähnlich weit wie ich jetzt wäre... und alle bis auf eine mit älteren Geschwistern im Alter meines Sohnes...
ich gönne es jeder Einzelnen von Herzen, aber es tut so weh. Ganz schlimm ist es, wenn ich dann werdende Mamas mit Kleinkind an der einen Hand und der Fluppe in der anderen sehe. Oder die vielen jungen Mädchen bei uns im Ort, die eine Hand am KiWa, die andere mit Fluppe am Handy...


Und das ist so unendlich schwer. Wir haben unseren Kinderwunsch erst einmal beiseite gelegt. Mein FA meinte zwar, ich sollte so schnell wie möglich wieder ss werden, aber das kriege ich vom Kopf her nicht hin.

Aber wenn ich dann die anderen Schwangeren sehe... ich bin wieder mal nur am heulen. Ich vermisse mein Käferchen so, so sehr.

Wird man jemals darüber hinweg kommen?
Wie geht ihr mit anderen Schwangeren in eurem Umfeld um? Bei uns wissen nur wenige von der SS/ AS ... ist ja auch doof, den Schwangeren damit zu kommen. Eine von den Babyschwimmen-Schwangeren fragte neugierig, was ich denn gehabt hätte, dass ich nicht schwimmen durfte - und da habe ich es ihr halt gesagt.

Lg
Singa

Beitrag von _sunny29_ 18.03.11 - 10:27 Uhr

ich ertrage es auch nicht. und babies manchmal auch nicht.#liebdrueck
ich denke aber, dass wir uns mit der zeit daran "gewöhnen"

Beitrag von singa07 18.03.11 - 10:32 Uhr

hmhm.... Babys gehen. Die finde ich super, nehme sie auch auf den Arm und kann sie auch wieder "zurück"geben. Das tut nicht so weh. Es sind ja auch nicht die Schwangeren an sich, klar, da bin ich neidisch, aber es sind vor allem die unverantwortlichen Mamas... so a la: diese dumme Nuss hat ein Kind und ich?e

Wobei mir natürlich klar ist, dass das keineswegs alles dumme Nüsse sind und viele von ihnen sicher tolle Mamas sind und sie alle ihre Zwerge lieben.

Aber es ist ungerecht.
Danke für deine Antwort...
Singa

Beitrag von verzweifelte04 18.03.11 - 10:32 Uhr

Hallo Singa!

#liebdrueck

ich weiß wie es dir geht, ich hatte eine FG im Nov 09, eine stille Geburt in der 31. woche im august 2010 und im Feb wieder eine FG... wir haben noch keine kinder

alle um mich herum sind schwanger, haben bereits kinder oder sind grad frisch gebackene eltern.. ich freu mich für alle, aber manchmal ist es echt schwer.
letzte woche hatte ich noch eine zysten-op, bei der auch verwachsungen und endometrioseherde entfernt wurden und leider auch ein teil von meinem eierstock.. da werd ich grad zur dusche in der geburtsstation gefahren, geht die tür von einem zimmer auf, steht mein versicherungsvertreter und guter bekannter vor mir.. er wurde gerade vater von einem sohn.. er hat seinen sohn genauso genannt wie wir unseren verstorben.. Raphael.. ich habs bis heute nicht geschafft ihm zu gratulieren..

meine tante war vor 3 wochen bei meinen eltern, 2 tage nach meiner AS und in einer tour gings um meine cousine, frisch schwanger, wie arm sie denn ist und mein cousin, die seit ein paar monaten fürs 2. kind üben, und sie nicht prompt schwanger wird.. hallo???? ich hatte 2 FG, musste unseren geliebten sohn zu grabe tragen, aber das ist ja nebensächlich, schließlich ist meiner cousine oft schwindlig..

meine schwägerin, die sich um ihr erstes kind nicht kümmert, kriegt im mai ihr 2. kind, nur damit sie nicht arbeiten muss...

das sind so situationen, da komm ich einfach nicht klar, wenn leute aus solchen gründen kinder bekommen, sich nicht kümmern oder schlimmeres..

ansonsten komm ich mit schwangeren recht gut klar, denk ich.. liegt halt auch an meiner momentanen verfassung..

so richtig drüber hinweg kommt man nie.. es war und bleibt dein kind. aber eine erneute schwangerschaft hilft sehr, war zumindest bei mir so. man schüttet so viele glückshormone aus, auch wenn die angst einer erneuten FG oder totgeburt riesig ist.. es sind halt immer wieder situationen in denen es verdammt weh tut und ich denke es ist auch gut so, sonst würde ich meine kinder ja vergessen.

drück dich und wünsch dir alles gute für die zukunft
Claudia
mit #stern Emilia, #stern Raphael und #sternchen

Beitrag von annabella1970 18.03.11 - 10:38 Uhr

Hallo,

wie du darüber hinweg kommst, kann dir keiner wirklich sagen, das wird einfach nur die Zeit bringen, wie man so schön sagt....es ist sehr schwer aber irgandwann wird es besser...was ich dir sagen kann ist, du bist nicht allein....auch wir hatten am 27.2. eine FG in der 17.SSW....das hat mir fast das Herz zerrissen...und am Montag können wir es aus der Phato abholen und beerdigen....ich weiß gar nicht, wie ich das überstehen soll...

Alles Liebe.....

Wir werden trotz der Trauer schnell wieder versuchen ss zu werden.... es ist unsere einzige Hoffnung aus dem Tief heraus zu kommen auch wenn ich Angst davor habe...

Beitrag von singa07 18.03.11 - 10:51 Uhr

Liebe Annabella,

#liebdrueck

Unser Käferchen wird nächsten Freitag mit den anderen Kindern, die "zu klein oder zu krank waren um mit uns zu leben" (so steht es auf dem Grabstein der Ruhestätte) sammelbeerdigt werden und sich mit ihnen gemeinsam auf die letzte Reise zu den Sternen machen.

ich weiß noch gar nicht, ob ich zu der Trauerfeier gehen werde. Ob ich die KRaft dazu habe. Das werde ich wohl spontan entscheiden. Unser Käferchen (MA) war so klein, eigentlich war es nur maternales Gewebe, so dass wir uns gegen eine Einzelbestattung (die wäre möglich gewesen) entschieden haben. ich wünsche dir, dass du einen Bestatter findest, der sich mit Kindbestattungen auskennt - und dass ihr liebevoll und aufrichtig Abschied nehmen könnt.

Sicher - nie geht man so ganz. Etwas von diesem Sternenkind bleibt hier. Es hat uns verändert, wir sind nicht mehr die Gleichen.

Ich drück dich
Singa

Beitrag von singa07 18.03.11 - 10:44 Uhr

Liebe Claudia...

vielen lieben Dank.

Ich weiß, es ist gerade die liebe Verwandschaft, die einen so manches Mal vor den Kopf schlägt.
Ich war meiner (eigentlich sehr geliebten) SchwieMu eine ganze Weile lang bitterböse, weil sie mehr oder weniger einfach achselzuckend auf die Nachricht reagiert hat, dass unser Käferchen nicht mehr da ist.

Im Nachhinein hat sie mir aber erklärt, dass sie es einfach nicht fassen konnte, dass sie nicht wusste, was sie sagen wollte. Ich denke mal, dass es deiner Tante nicht anders ist: erstens ist ihr eigenes Kind ihr näher als du (so ist das nun mal) und außerdem ist es einfacher über eine glückliche Schwangere zu reden, der es eben schwindelig ist und die man bedauert, als mit einer Sternenmami über das Grauen zu reden, eins oder gar mehrere Kinder zu Grabe zu tragen.
Meine Oma (sehr weise 91 Jahre alt), sagt nie, dass ich eine FG hatte. Sie sagt immer "meine Enkelin war jetzt auch schon einmal unglücklich" - das umschreibt die Situation für sie am besten. Und - weiterer weiser Spruch - "Eltern sollen nicht ihrem Kind ins Grab blicken müssen!". Sie selbst hat ihre Tochter (meine Tante) sehr jung, mit 21, an Krebs sterben sehen müssen. Als meine Mutter meinte, dass man ja aber wohl meine FG nicht mit dem Tod meiner Tante vergleichen könnte (weil das Baby ja noch gar nicht "da" war), wurde meine Oma fuchsteufelswild und nannte meine Mutter "ein böses Weib, das keinen Funken Mitleid im Leib hätte"... eine Mutter ist eine Mutter. Egal, wie alt das Kind ist, egal, ob es bei ihr ist oder nicht.

Ich denke, die meisten Menschen können nicht über den Tod reden. Nicht über den von alten Leuten und schon gleich gar nicht über den eines kleinen Kindes. Das ist so wider die Natur, das widersetzt sich so sehr unserem Verständnis von Leben und Sterben, das viele das einfach gar nicht in Worte fassen können. Aus reinem Selbstschutz will und kann man gar nicht darüber nachdenken.

Deine Tante will dich ja sicher nicht kränken. Sie versteht möglicherweise gar nicht, was sie dir antut, wenn sie von deiner Cousine redet...

Sorry, schon wieder so lang geworden...
Dir alles Liebe
Singa

Beitrag von verzweifelte04 18.03.11 - 11:09 Uhr

danke für deine antwort!

meine tante ist ein mensch der immer und überall im mittelpunkt stehen muss, so jemand der dich fragt wie es dir geht und nicht mal auf die antwort warten, jemand der niemand anderen zu wort kommen lässt..
sie merkts bestimmt nicht, dass sie mich und meine familie damit ständig verletzt.. ich geh der frau eigentlich aus dem weg, aber vor 3 wochen gings einfach nicht..

meine schwiegereltern sind auch eher unterkühlt.. nur bei Raphaels Tod zeigten sie mitgefühl, als wir von den FG erzählten kam nie eine reaktion, wär so als hätte ich ne grippe gehabt...

aber die schlimmste war die oma meines mannes... als wir mit ihr telefonierten sagte sie nichts über den Tod unseres sohnes, wollte nur wissen wie lang ich im kh war (braucht sie damit sies im dorf rumerzählen kann) und dann kam "was gibts sonst neues?" .. naja, da dachte ich noch, ok, sie weiß nicht was sie sagen soll.. wir waren dann 6 wochen später zu besuch bei seinen eltern und großeltern (wohnen 450 km entfernt) und da hat sie mich nicht mal angesehen, kam nicht mal her und begrüßte mich, nix.. und am nachmittag als der kleine Neffe von meinem mann da war, hat sie ihn fest gedrückt und nur "da ist ja mein allerallerbester und liebster" und hat mich dann echt fies angegrinst.. ich dachte echt ich bin im falschen film... egal, die frau ist für mich gestorben..

ich hatte einige sehr sehr schlimme situationen nach Raphaels tod.. aber zum glück gibts auch immer wieder sehr positive überraschungen :)

von manchen wird man sehr schlimm enttäuscht und von anderen dafür umso positiver überrascht.. so ist das leben!
ich hab gelernt mich nicht mehr über leute zu ärgern, sondern mich viel mehr über die leute zu freuen, die mir beistehen.. aber hin und wieder muss man sich halt ärgern..

ich wünsch dir alles erdenklich gute für zukunft!
Claudia

Beitrag von tappsi89 18.03.11 - 11:17 Uhr

guten morgen....
meine as ist nun zwei tage her...war in der 8ssw und kann den satz nicht mehr hören es war doch noch kein richtiges kind...hallo? es war mein kind...in krankenhaus waren überral neugeborende es war die hölle obwohl ich mich für die eltern natürlich auch gefreut habe....

mein freund sagt garnichts zu unserem verlust...ich kanns nicht begreifen...in der ganzen trauer zweifel ich schon an unserer beziehung,obwohl ich ihn über alles liebe...habt ihr das auch?

im mom hab ich das gefühl das ich garkein kind mehr möchte...obwohl mir der satz geholfen hat....das der körper meines kindes einfach nicht stark genug war ,mein kind aber in einem neuen körper von mir geboren werden kann....es ist schwer zu glauben....

es ist aber schö zu wissen das man hier mal wieder nich alleine ist auch unter so traurigen umständen.....

Beitrag von singa07 18.03.11 - 12:17 Uhr

Hallo Tappsi....

#liebdrueck

Dein Verlust ist noch sehr, sehr frisch - zwei Tage nach der AS war ich irgendwie immer noch nicht richtig bei mir, stand total neben mir.

Eine FG ist für eine Beziehung eine große Belastungsprobe - und auch bei uns hat es sehr gekriselt. Obwohl wir schon über 14 Jahre zusammen sind, fast sieben Jahre verheiratet und einen anderthalbjährigen Sohn haben.
Mein Mann konnte erst meine Trauer nicht richtig verstehen (da wir auf dem US noch nicht einmal einen Herzschlag hatten, hat das Baby für ihn gar nicht richtig gelebt), inzwischen trauert er genau wie ich - die vielen Schwangeren an seinem Arbeitsplatz und die vielen Gespräche über Babys machten ihm klar, dass unseres nicht bei uns ist.

Was mir persönlich sehr geholfen hat, war das Buch "Leise wie ein Schmetterling". Es gab darin einige Textpassagen, die ich meinem Mann auch zum Lesen gegeben habe (u.a. "sagen Sie einer Sternenmutter niemals, NIEMALS, dass das ja noch gar kein richtiges Kind war. Niemals.") und danach wurde es besser. Er fing an, mich und meine Trauer besser zu verstehen.
Aber ich muss ehrlich zugeben, dass unsere Ehe durch eine große Krise geht. Unter anderem darum, weil ich körperliche Nähe nur schwer ertrage. Klar, ich kuschel und tobe mit meinem Junior, küsse und herze meinen Mann, aber alles was über Kuscheln hinaus geht... so langsam nähern wir uns wieder einander an.

Viele Beziehungen wachsen an einem solchen Verlust, werden stärker und inniger. Die anderen - scheitern.

Ich wünsche dir alles, alles Gute, viel Kraft und sensible Menschen um dich herum, die dich trauern lassen und dir beistehen.

LG
Singa

PS: in unserem KH wird ganz genau darauf geachtet, dass keine Sternenmami mit frischgebackenen Mamis zusammenkommen muss. Als ich ihm Aufwachraum weinte und eine Bettnachbarin (zwar sehr mitleidig, aber immerhin) meinte: nun weinen Sie doch nicht so sehr; da kam eine Schwester und meinte ganz ruhig zu ihr: lassen Sie die Frau, die macht gerade Schlimmes durch! Dann kam sie mir und meinte: weinen Sie, soviel wie Sie das brauchen!

Beitrag von laila1984 18.03.11 - 20:34 Uhr

HI,

kann dich verstehen. Ich war auch immer ganz traurig als ich ne SS gesehen habe.Ich habe nach meiner FG (MA) auch gesagt dass ich so schnell nicht mehr schwanger werden will. Aber meine FÄ hat mir aber gesagt dass sich das schnell ändern wird. So war es dann auch.
Kannst meine Geschichte in meiner Visitenkarte lesen. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich. Aber ich denke ich aber es ganz gut verkraftet.
Heute kann ich drüber reden, ohne dass ich weinen muss.

Bin heute wieder in der 19. Woche schwanger und alles läuft bisher super.

Du wirst es verkraften, aber es braucht seine Zeit.

Wünsch dir alles Gute!! Laila