Normal? Oder beginnt hier schon Tyrannei?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von cooky2007 18.03.11 - 11:03 Uhr

Mein Sohn ist - wenn er ausgeglichen ist - ein ausgesprochen liebenswürdiges Kind, mit dem alle gut auskommen.

Nur bei mir - da denke ich manchmal - kehrt er den Tyrannen heraus.
Oder ist es einfach "normal", wenn:

- Mama einmal die Woche für kurze Zeit mit ihm alleine ist und sich mit ihm beschäftigen möchte (da wurde extra Zeit frei geschaufelt und das Baby ist bei Oma & Opa) und er brüllt, seine Schwester solle auch da sein, was irgendwann darin eskaliert, dass er schreit, tobt und an gar nichts mehr zu denken ist?

- Wenn wir danach die Schwester holen gehen, er sich vom (über alles geliebten) Opa und der Oma nichts fragen/sagen lässt, nur bockt (Kuchen zerbröseln, alles vom Tisch werfen) und schier in mich reinkriechen möchte?

- abends das Thema "ausziehen, duschen" in ständigem Theater endet mit den Worten "Ich bin stärker als du" und keine Worte meinerseits bzw. des Papas fruchten. Auch nicht "Schade, dann haben wir nachher zusammen keine Zeit mehr zum Kuscheln (was er über alles liebt).

In letzter Zeit tauchen bei unserem 4-jährigen immer wieder solche Szenen auf, bei denen ich wirklich nicht weiß, wie ich noch reagieren soll. Über einen Plan mit Smileys für jeden gelungenen Abend habe ich nachgedacht (er wünscht sich so sehr einen Krankenwagen), aber es ist ja nicht nur der Abend.

Morgens MUSS er als erstes bei der kleinen Schwester sein, sie soll zu ihm ins Bett etc. und abends will er am liebsten Mama für sich alleine. Klar schwingt da Eifersucht mit, aber was kann ich dagegen tun?

Beitrag von steffiiii 18.03.11 - 11:18 Uhr

Hallöchen!
Den ultimativen Tipp kann ich dich auch nicht geben.Ich kann dir nur sagen,daß wir ähnliche Szene hatten.Bei uns in der Kita wurde eine anonyme Erziehungsberatung angeboten und ich hab das einfach mal in Anspruch genommen.Letztendlich erklärte mir die-in meinen Augen sehr fähige- Psychologin,daß das Problem von meinem Großen(im Mai 4 ) ist,daß er eine riesige Wut auf seine Geschwister(Zwillinge 2J) hat.Einfach weil sie da sind und er nicht mehr NR 1 (in seinen Augen) ist.Andererseits liebt er die zwei und fühlt sich mit verantwortlich.Kinder sind da wohl in einer absoluten Zwickmühle.Sie meinte ich soll keinesfalls mir Zeit für Elias "freischaufeln",sondern eher die Zwillis früher ins Bett bringen und mir ausgiebig abends Zeit nehmen und ihn eben 1 Std. oder so länger auf lassen.
Gibts bei euch vielleicht auch irgendwo so eine Beratungsstelle?Ich war sehr voreingenommen und letztendlich bin ich total froh,daß ich das in Anspruch genommen habe.

Liebe Grüße+alles Gute und starke Nerven!!!
Steffi

Beitrag von cooky2007 18.03.11 - 11:26 Uhr

Danke erst einmal für deine Antwort.

Das mit dem "abends länger auflassen" haben wir auch schon probiert. Extra Zeit mit ihm - spielen, kuscheln etc. Doch am nächsten Morgen ist er so müde und unausgeglichen, da er um 6 Uhr wach wird (egal wann er ins Bett ging).
Er braucht eigentlich mehr Nachtschlaf als die Kleine, denn sie löst es, indem sie tagsüber mehr schläft. Meinen Sohn zum Mittagsschlaf ins Bett stecken? Ein Ding der Unmöglichkeit! Er braucht eigentlich auch ingesamt für sein Alter gesehen mehr Schlaf im Verhältnis zur Kleinen.

Erziehungsberatung - muss ich mal googlen. Bin da aber auch voreingenommen, da ich mich nicht für blöd halte und auch imstande bin, in Büchern zu lesen und Dinge umzusetzen.

Beitrag von nudelmaus27 18.03.11 - 13:38 Uhr

Hab dir weiter unten schon seperat geantwortet.

War auch bei ner Erziehungsberatung und da läuft alles anonym. Ich bzw. wir halten uns auch nicht für blöd und lesen und denken können wir auch ganz gut ;-) aber manchmal ist es halt besser, wenn eine unabhängige Person drauf guckt und einem seine eigenen Fehler aufzeigt.

Manchmal ist man selbst "betriebsblind" und merkt es einfach nicht.

Und im Übrigen eine Schande finde ich wenn man sich keine Hilfe sucht!

Gruß, Nudelmaus

Beitrag von janimausi 18.03.11 - 11:52 Uhr

Hallo, Erziehungsberatung, da will man als Mama immer nicht hin, aber die können einen wirklich helfen, und sehen einen nicht gleich als schlechte Mutter.
Es ist keine Schande Hilfe anzunehmen, oder sie zu suchen, es ist eher eine Schade, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo man welche braucht.

Hast du schonmal versucht, den "großen" auch zeigen zu lassen, dass er der GROßE ist?
Das er schon ganz viele Sachen machen kann, die die kleine noch nicht kann?

Die Zeit, wo nur die kleine bei der Oma ist würde ich nicht machen, denn du merkst ja, er möchte das nicht.
Und wenn er sich bei Tisch so benimmt und mit vie verstehen die schon, dass man das nicht macht, würde ich ihm keinen Kuchen mehr geben, wenn er schon anfängt sich so zu benehmen.
Und wenn er nicht duschen will, würde ich ihm sagen, das du und Papa nicht mit ihm kuscheln willst, und die Kinder morgen in der Kita bestimmt auch nicht mit ihm spielen wollen, weil er so fürchterlich stinkt.
Oder du probierst es damit, das du oder dein Mann mit ihm zusammen duschen geht.
Logan geht auch nicht gern allein baden/duschen, aber wenn ich mit gehe oder ihm erlaube mit seiner Malseife an die Fliesen zu malen, ist er schneller wie Schmitz Katze ausgezogen und in der Wanne.

Und abends ins Bett bringen, versuch dich mit deinem Mann aufzuteilen, mal bringt er den großen ins bett und am nächten Tag dann du. Oder lässt es sich so regeln, das die kleine abends ne halbe Stunde eher ins Bett geht, er dabei sein kann, wenn du sie fertig machst, er sogar helfen kann und ihr dann die kleine gemeinsam hinlegt und du dann noch ausreichend Zeit hast ihn ins Bett zu bringen, evtl mit Papa zusammen?

Das sind grad so meine Ideen und mehr fällt mir nicht ein.
Ich hoffe das ich dir damit irgendwie helfen konnte.

LG

Beitrag von nudelmaus27 18.03.11 - 13:34 Uhr

Hallo!

Also da meine große Tochter seit ca. ihrem 3. Lebensjahr genauso ist bzw. um die 4 Jahre (als sie auch noch große Schwester wurde) es noch schlimmer wurde. Kann ich dir nur raten, bleib ruhig, sei konsequent, haltet als Eltern zusammen und sitzt es aus. Ich war auch echt oft verzweifelt und habe mich manchmal gefragt, womit ich das verdient habe aber sie hat einen starken Charakter und ist natürlich eifersüchtig. Wochenlang war es täglich schlimm, sie tickte total aus, schmiss die Türen, hat rumgeschrien, Duschen abends war ne Katastrophe usw.

Nun ist sie reichl. 4 1/2 Jahre alt und ich muss sagen es wird endlich besser. Klar tickt sie immer noch ab und an aus aber ich gehe lockerer damit um und mittlerweile kommt von ihr auch ne Antwort, wenn ich frage ob sie sich über dies oder das geärgert hat. Ich habe sie halt irgendwie besser kennengelernt in letzter Zeit und manchmal erschreckt es mich wie ähnlich sie mir doch ist :-).

Wird alles glaub mir,
Nudelmaus

Beitrag von inajk 18.03.11 - 14:00 Uhr

Hi,
das hat mit Tyrannei nichts zu tun. Es ist etwas was in eurer Interaktion erzeugt wird, woran ihr beide (bzw die ganze Familie) mitarbeitet. Am Ende stecken alle in einem grossen Teufelskreis fest, alle leiden darunter und keiner weiss wie man den durchbrechen soll.
Ich koennte jetzt einige allgemeine Tips geben (ich arbeite in der Erziehungshilfe), aber das nuetzt kaum was, weil es in jeder Familie anders ist, und nur spezifisch auf euch zugeschnittene Ratschlaege helfen.
Ich wuerde zu Videohometraining raten. Da kommt jeman zu euch nach Hause und macht kurze (10 min) Aufnahmen von alltaeglichen Situationen (Abendessen, zu Bett gehen, spielen). Die werden dann analysiert und eine Woche spaeter mit euch besprochen. Mini-Stueckchen, wobei man sehr genau hinschaut. Was sagst/tust du? Wie reagiert das Kind? Habt ihr Blickkontakt? Wie ist die Aufforderung formuliert? Versteht das Kind was du meinst? Verstehst du was das Kind will? Lobst du es, wenn es tut was du willst? etc etc. Ausgangspunkt ist dabei immer, dass nach Situatioonen gesucht wird, wo es gut geht. Kein Kind gehorcht NIE. Also sucht man die Situation wo es gehorcht, und schaut sich genau an, wie das gegangen ist. Was hat jeder getan, was war anders als normal, wie kann man das was funktioniert auf andere Situationen uebertragen? Undsoweiter. Ist eine fantastische Hilfeform, wo Eltern nicht von oben herab was gesagt kriegen, sondern selbst auf den Aufnahmen sehen was funktioniert und was nicht.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du mich gerne kontaktieren.

LG
Ina

Beitrag von zahnweh 18.03.11 - 16:52 Uhr

Danke für die vielen tollen Fragen :-)

Ein paar davon stelle ich mir selbst manchmal, wenn ich das Gefühl habe, dass die Situation gleich eskaliert. Mit tiefdurchatmen, ein paar selbst überlegen, kann ich einige Momente noch entschärfen.

Von dir sind noch ein paar "neue" Fragen mehr dabei, die mir bereits weiterhelfen. Bei meiner einen hilft es sehr, verlässlich zu reagieren, in festgefahrenen sich sehr wiederholdenden Dingen auch mal anderes probieren. Wie du schon gut schreibst: Erfahrungen aus Situationen in denen es gut klappt auf die grade stressige zu übertragen.

Und in einzelfällen hilft bei meiner auch Fiebermessen... #zitter ;-)

Beitrag von bille2000 18.03.11 - 14:10 Uhr

Hallo,

also ich finde das klingt alles recht normal. Er probiert jetzt halt aus, wie weit er bei euch kommt. Wenn ihr da nciht konsequent genug seid kann es natürlcih passieren, daß er euch irgendwann auf der Nase rumtanzt.

Es ist natürlcih schade, daß du extra zeit freischaufelst und er dann nicht will. Ich denke, dann muss man hart genug sein zu sagen "dann eben nciht". Du bist enttäuscht, klar. Aber lass Dcih dadurch nciht erpressen!

Wir hatten auch mal so eien Phase. "Ich mache eh was ich will und du hast mir gar ncihts zu sagen". Ich habe immer versucht ihr die Konsequenzen aufzuzeigen und ihr gesagt, daß ich das nciht gut finde.

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Ihr scheint da auf dem richitgen Weg zu sein, ich kann nur nciht abschätzen wie konsequent ihr dabei seit. MAcht einfach weiter. Es sit eine Phase und wenn er merkt so seine Grenzen sind, wird er es auch akzeptieren!

Gruß,

Bille