3 Jahre macht was sie will, aggressiv

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von tidebu 18.03.11 - 20:09 Uhr

Hallo!

Weiß im moment echt nicht mehr weiter.
Unsere Große ist letzen Monat 3 Jahre alt geworden. Vor 7 Wochen kam unsere kleine Maus zur Welt.
Kurz vor der Geburt fing es an, dass die Große immer versucht hat ihren Willen durchzusetzen. Sie schreit laut rum, schreit uns an, schimpft und wirft manchmal sogar sachen durch die gegend.
Wir haben alles versucht, vernünftig mit ihr zu sprechen, sie in den Arm zu nehmen oder wenn es ganz schlimm war und gar nichts mehr geholfen hat, habe ich sie ins Kinderzimmer gesetzt und die Tür zu gemacht. Weiß ist nicht das beste, aber bevor ich sie haue setze ich sie lieber ins Zimmer um mich selber auch wieder zu beruhigen.

Ihr größtes Problem ist es, dass sie ein sehr lautes Organ hat. Das ganze Haus bekommt mit wenn sie wieder eine Schreiattacke hat.
Gerade heute morgen beim Arzt hat sie Spielzeug verteilt und sollte dies wieder weg räumen. Statt dies zu macheh hat sie wieder rum geschriehen, richtig laut. Hab ihr dann versucht zu erklären, dass das nicht gut ist und sie schrie noch lauter.
Das ist richtig peinlich. Hinterher habe ich mich sogar mit einem Mann gestritten, weil er meinte, blöde Bemerkungen abgeben zu müssen. Ich weiß selber das ihr verhalten doof ist.
Aber ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann sie ja nicht nur machen lassen. sie muss doch auch lernen, dass es grenzen gibt und das sie auf mich hören muss-

Sie kommt auch nicht zu kurz. Wenn das Baby schläft hab ich nur zeit für sie

Habt ihr auch die gleichen Probleme?
Wie reagiert ihr?

Beitrag von familyportrait 18.03.11 - 21:05 Uhr

Hallo,
also vermutlich ist das eine Mischung aus Trotzphase und Neues-Baby-Problem.
Meine Tochter hat auch so ein wahnsinns-Organ. Und sie rechnet damit, daß mir ihr Geschrei peinlich ist. Das Einzige, was deshalb hilft ist, das Geschrei zu ignorieren, ihr zu zeigen, daß Du das aushältst. Und ihr vor jedem Termin, Einkauf, Treffen, Spaziergang usw vorher ganz deutlich einzuschärfen, daß ihr sofort nach Hause geht, wenn sie anfängt, zornig zu schreien. Das muß man dann natürlich auch durchziehen.

Und bei Erfolg habe ich immer gelobt und vielleicht eine kleine Belohnung gegeben.

LG Kathrin

Beitrag von jessi_hh 18.03.11 - 23:11 Uhr

Hallo,

das kommt mir doch sehr bekannt vor! Unser Kleiner ist jetzt 3,5 Monate alt, die Große 3,5 Jahre und wir hatten ähnliche Probleme. Ich denke schon, dass es Eifersucht bzw. das Suchen nach Aufmerksamkeit ist.

Deine Kleine hat ja auch schon vor der Geburt gemerkt, dass etwas anders ist. Und das sie nicht zu kurz kommt ist Deine Meinung. Kinder empfinden das subjektiv vielleicht ganz anders.

Meine Süße hat auch ordentlich am Rad gedreht! #aerger Vor allem in den Weihnachtsferien, wo die Kita geschlossen war, bin ich meinem Mann abends heulend in die Arme gefallen! #heul

Wir haben dann ein Belohnungssystem eingeführt und es wurde schnell besser. Für jeden Tag gab es morgens, mittags und abends jeweils einen Aukleber, wenn sie lieb war. War sie die Woche über mehr lieb als frech, dann gabs ein Filly-Pferdchen (die sind der Renner unter den Mädels in der Kita).
Unsere Kleine hat recht schnell gemerkt, dass wir gutes Benehmen, auch dem Bruder gegenüber mehr beachten als schlechtes. Nur wenn der Kleine gefüttert wird kann sie manchmal noch nerven. Da haben wir für uns die Lösung gefunden, dass sie dann eine Folge Benjamin Blümchen oder Bibi gucken darf (pädagogisch nicht die beste Lösung, aber das ist mir schnuppe!).

Ansonsten solltest Du Dir nicht anmerken lassen, dass Dir ihr Verhalten peinlich ist. Auf Kommentare von anderen würde ich nicht eingehen. Getreu dem Motto von den "Ärzten": "Laß die Leute reden und hör einfach nicht hin...."

Halte durch, es wird besser!

Liebe Grüße,
Jessi

Beitrag von sunflower.1976 19.03.11 - 14:11 Uhr

Hallo!

Eigentlich ist das ein völlig verständliches Verhalten von Deiner Tochter - auch wenn es für Euch unheimlich anstrengend, nervtötend und auch peinlich sein kann.
Zum einen ist sie in einem Alter, in dem sie ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse immer genauer wahrnimmt und diese auch duchsetzen möchte. Zum anderen wurde sie von ihrem "Thron" gestoßen und muss Eure Aufmerksamkeit teilen. Das ist für Kinder unendlich schwer.

Natürlich muss sie lernen, wie weit sie gehen kann, aber das ist ein langer Weg - für Euch alle.

Zuerst...Du schreibst, dass Deine Tochter nicht zu kurz kommt und Du Zeit für sie hast, wenn das Baby schläft. Deine Tochter nimmt das unter Umständen so wahr, dass sie für Sich nicht mehr so wichtig ist, sobald das Baby wach ist und nur das Baby und nicht sie die Aufmerksamkeit bekommt, wann sie es braucht. Versuche, Dich gerade dann intensiv um Deine Tochter zu kümmern, wenn Euer Baby wach/zufrieden ist. Lass das kleine Schwesterchen auf einer Decke neben Euch liegen, wenn Ihr spielt oder setz sie in einen guten Tragesack/Tragetuch. Dann ist Euer Baby nicht alleine und Du hast beide Hände für Deine große Tochter frei. So spürt Deine Tochter, dass sie nicht nur wichtig ist, wenn die kleine Schwester schläft. Das ist zwar anstrengend, kann aber in den ersten Wochen nach der Geburt des Babys für das große Geschwisterkind sehr hilfreich sein.

Deine Tochter hat das Recht, ihren Frust/Traurigkeit/Angst/Wut herauszulassen! Solange sie nichts kaputt macht und niemadem weh tut, lass sie ruhig mal brüllen und bleib in ihrer Nähe. Signalisier ihr, dass es okay ist, wütend zu sein. Gib ihr vielleicht ein dickes Kissen o.ä. auf das sie in ihrer Wut draufhauen darf. Mit der Zeit kann sie lernen, mit ihrer Wut umzugehen. Denn nicht immer ist der Wutanfall von jetzt auf gleich richtig heftig und man kann versuchen, ihn "abzufangen". Bei meinen Söhnen hilft es in solchen Situationen, dass ich versuche, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Das mache ich aber nur, wenn ich die Ursache ziemlich sicher weiß.

Ein Beispiel mit meinem kleinen Sohn (2,5 Jahre) als er ein Spielzeug seines großen Bruders haben wollte, dieser aber es selber gerade zum spielen brauchte.
Er: "Maaamaaaaa! Wääähhhh!!!! Ich will das haben!!!! Wäääähhhh!!!"
Ich: "Du möchtest die Feuerwehr haben!"
Er: "Jaaa! Ich will damit pielen!"
Ich: "Du möchtest mit der Feuerwehr spielen und bist wütend, dass A. sie dir nicht gibt."
Er: "Er soll sie mir geben!"
Ich: "A. soll Dir die Feuerwehr geben. Er spielt aber gerade damit. Frag ihn, ob Du die Feuerwehr haben kannst, wenn er sie nicht mehr braucht."
...Er hat seinen Bruder dann gefragt und alles hat sich geregelt. Das funktioniert natürlich nicht immer so gut und auch nur, wenn ich rechtzeitig bemerke, was los ist und eingreifen kann. Hätte ich aber geschimpft, ihn aus dem Zimmer geholt oder seinen großen Bruder gebeten, ihm die Feuerwehr zu geben, wäre es "eskaliert".

Eine andere Methode, die beim meinem großen Sohn manchmal hilft... Wenn er anfängt, sich in irgendwas reinszusteigern, stelle ich mich hinter ihn und lege meine Hände auf seien Schultern und sage nur ab und zu "Ganz ruhig!". Das war ein Tipp, den wir in der Spachheil-Reha für solche Situationen bekommen haben.

Bei mienen Söhnen hilft es, wenn mein Verhalten vorhersehbar ist. daher spreche ich ein Verbot ein Mal aus und erkläre es knapp, kündige beim zweiten Mal eine Konsequenz an, die beim dritten Mal ohne schimpfen, erklären o.ä. ausgeführt wird. Die Konsequenz hängt immer mit dem zusammen, was sie gerade falsch gemacht haben.
Beim Arzt hätte ich z.B. so reagiert, wenn mein kleiner Sohn angefangen hätte, Spielzeug zu verteilen. Meine beiden dürfen beim Arzt spielen, müssen aber grundsätzlich das erste Spielzeug zurücklegen, bevor sie was Neues nehmen. Ich hätte ihn also erst nur aufgefordert, das Spielzeug wegzubringen, damit auch andere Kinder damit spielen können und damit es im Wartezimmer ordentlich aussieht. Reagiert er nicht, würde ich ihm ankündigen, dass er zu mir auf den Schoß kommen muss und nicht weiter spielen darf, wenn er sich was Neues holt ohne das erste Spielzeug wegzubringen. Hilft auch das nicht, würde er eben ein paar Minuten bei mir sitzen müssen (auch wenn er weint).

Bei uns gibt´s auch immer wieder Ärger und ich werde auch mal laut. Aber insgesamt klappt es so ziemlich gut.

Es wird wiesder besser bei Euch, da bin ich mir sicher!

LG Silvia