Palliativstation, wer kann mir dazu was schreiben?

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Beitrag von curlysue1 20.03.11 - 17:53 Uhr

Hallo,

kennt sich wer damit aus?

LG

Beitrag von schwilis1 20.03.11 - 19:06 Uhr

Palliativstationen sind ähnlich wie Hospize.aber sie sind in Krankenhäuser eingebunden. Sie leisten sterbebegleitung und nicht in den Tod pflegen.

Meine Mama lag 2 Wochen auf der Palliativstation... ich denke man kann nur als Terminalpatient auf Palliativstationen... Die Pflege bei uns war sehr fürsörglich und Menschlich. Es gibt keine Lebensverlängernde Maßnahmen. bzw man versucht die MEnschen nicht zu sondieren. und natürlich müssen die Patienten da hinwollen.

Beitrag von golm1512 20.03.11 - 19:19 Uhr

Ja, ich kenne mich aus. Ich habe ein paar Jahre auf einer gearbeitet.

Palliativstationen leisten "Symptomkontrolle". Das Ziel ist es, den Patienten schmerzfrei zu bekommen, aber das ist nicht alles. Auch andere Symptome wie z.B. Übelkeit und Erbrechen, Angst, Luftnot etc... versucht man, in den Griff zu bekommen.

Palliativstationen wollen eigentlich keine "Sterbestationen" sein. Das Ziel ist eher, die Patienten ausreichend versorgt nach Hause zu entlassen und sie dort weiterzubegleiten. Wenn das nicht geht, dann versucht man, denjenigen in einem Hospiz unterzubekommen. Deshalb wird auf Palliativstationen trotzdem gestorben und man ist darauf eingerichtet. In der Regel sind das relativ kleine Stationen mit einer starken Personaldecke. Die Palliativstationen, die ich kenne, sind eher wohnlich eingerichtet und nehmen am regulären Krankenhausbetrieb weniger teil. Sie haben ihren eigenen Rhythmus, der von den Patienten und ihren Angehörigen bestimmt wird.

Wir fanden immer bedauerlich, dass die Leute eigentlich immer zu spät zu uns gekommen sind. Die Arbeit der Palliativstation kann gut neben Chemo und Bestrahlung laufen. Da wird nicht nur "Endzeit-Pflege" betrieben.

Die Atmosphäre auf unserer Station war immer sehr lebensfroh und humorvoll. Und ehrlich.

Ich hoffe, ich konnte etwas zur Aufklärung beitragen.
Viele Grüße
Susanne



Beitrag von curlysue1 20.03.11 - 19:34 Uhr

Ich glaube das kommt für uns dann nicht in Frage, da wir blos ca. 2 Wochen bleiben könnten und was wenn sie in der Zeit nicht stirbt?

LG

Beitrag von arkti 20.03.11 - 19:39 Uhr

Häää....nur 2 Wochen bleiben können? #kratz#kratz

Beitrag von curlysue1 20.03.11 - 19:43 Uhr

Dann wäre es ein Fall für das Hospiz, sagten die, dann kommt sie lieber wieder in die Intensivpflegeklinik, dort haben wir dann keinen Zeitdruck, aber die stehen auf max. Versorgung Leben erhalten um jeden Preis, egal wie.

Beitrag von arkti 20.03.11 - 19:56 Uhr

Wie kommst du denn auf die 2 Wochen?
Also hier ist die Palliativstation nicht auf 2 Wochen begrenzt.

Warum nicht Hospiz?
Leben erhalten um jeden Preis ist doch naja wortwörtlich scheiße.

Beitrag von curlysue1 20.03.11 - 20:01 Uhr

Weil die Hospize bei uns in der Nähe nicht auf einen beatmeten Patienten mit zeitweise 16 Liter Sauerstoff eingestellt sind und die Sauerstoffflaschen teuer sind, sie brauchte meistens eine am Tag, das sind 50€.

Würden wir den Sauerstoff nicht aus der Wand brauchen, hätten wir sie schon längst heim geholt.

In der Intensivpflegeklinik lag der längste Patient im Wachkoma Phase F, 16 Jahre lang #zitter

Beitrag von golm1512 20.03.11 - 20:10 Uhr

Ich würde das mit der Palliativstation an eurer Stelle trotzdem machen.
Wir hatten zwischendurch auch beatmete Patienten und für die haben wir eine Lösung gefunden. Beide sind zuhause verstorben. Und wir hatten alle eigentlich keine Ahnung von Beatmung, aber dabei haben uns dann eben die IBS-Schwestern geholfen. Später hat dann ein ambulanter Pfelgedienst übernommen und den Angehörigen weiter zur Seite gestanden. Wir haben uns dann zusaätzlich ambulant mitgekümmert.
Ich glaube auch nicht, dass ein Hospiz grundsätzlich beatmete Patienten ablehnt.

Die auf der Palliativstation sind gewohnt, Leute zu versorgen und unterzubringen, die sonst keiner mehr versorgen oder unterbringen will. Und es geht eben nicht mehr um Leben um jeden Preis.
Vielleicht ist das mit den 16l ja auch übertrieben? Vielleicht bekommt der Patient Medikamente, die auf der Palliativstation erst mal ersatzlos gestrichen werden können? Vielleicht kann man einen ganz anderen Weg einschlagen. Einen, den ihr euch noch gar nicht vorstellen könnt, weil auf Intensivstationen niemand an so was denkt, weil man dort eine andere Aufgabe hat.

Erkundige dich auf der Palliativstation und lass dir von Dritten nichts Falsches erzählen.

Beitrag von curlysue1 20.03.11 - 20:15 Uhr

Sie hat gekrampft und die Sättigung war nur mit den 16 Litern aufrecht zu erhalten, sie braucht das nicht dauerhaft.

Medikamente, sie bekommt Fentanyl, Lasix,Insulin und noch einige Tabletten für den Blutdruck usw., dann noch Flüssigkeit, Blut und div. Aminosäuren, Glucose usw.

Beitrag von golm1512 21.03.11 - 06:32 Uhr

Du, dazu kann ich dir hier überhaupt nichts sagen, weil ich weder dich noch eure Geschichte kenne. Zudem bin ich Krankenschwester und war nicht dafür zuständig zu entscheiden, welche Medikamente in welcher Dosis gegeben werden.

Aber zum Beispiel ist die Frage, ob jemand, der so sehr vorerkrankt ist, Bluttransfusionen benötigt oder ob man das einfach mal sein lässt. Die Frage ist, ob man so jemanden jedesmal ein Antibiotikum gibt, wenn ein Infekt auftaucht oder ob man erst mal verschärft abwartet. Die Frage ist, ob so jemand wirklich jahrelang hochkalorisch parenteral ernährt werden sollte.

Auf der Palliativstation wird so wenig aktive Sterbehilfe geleistet wie anderswo, aber wir haben oft eben einfach gar nichts gemacht. So lange unsere Patienten einen schmerz- und angstfreien Eindruck machten, haben wir den Dingen ihren Lauf gelassen. Dann starb man eben an einer Blutarmut oder an einem Infekt. Woran denn sonst?
Das Ganze kann man pflegerisch begleiten, so dass niemand -wirklich NIEMAND- das Gefühl haben muss, man wollte sich ja gar nicht mehr um den Betreffenden kümmern. Doch, man will. Bis zum Schluss. Man will sich auch um die Angehörigen kümmern und deren Fragen beantworten und sie mit ihren Zweifeln und Ängsten begleiten.

Guck dir die Station an und rede mit den Leuten dort. Lass dich mal darauf ein ohne zu denken, dass es da nur ums Sterben geht. Denn das, was ihr jetzt habt, ist auf Dauer wohl auch kein Zustand, oder?

Beitrag von curlysue1 21.03.11 - 07:51 Uhr

Danke, für Deine Antworten.

Das was wir im Moment haben ist kein Zustand, vorallem nimmt sie jetzt von keinem mehr was in den Mund, sie verweigert Essen/Tabletten und Nasensonde hat sie selbst entfernt, das heißt wir fahren seit Oktober mindestens 3x tgl. zu ihr um sie beim Essen zu begleiten oder zu füttern, denn von uns nimmt sie, eine PEG Sonde möchte sie nicht (allerdings meinten die Ärzte es muß sein, denn sie ist starker Diabetiker und braucht genügend Nahrung), das Blut hat sie gegen ihren Willen bekommen, sie wollte es rausreissen, kam aber nicht hin.

Wir werden sie uns ansehen, meine Angst ist nur die begrenzte Zeit, auf der Palliativ meinten sie eben dass der längste Patient nur 2 Wochen bleiben durfte, sonst wird es nicht bezahlt, sie sind nicht auf Langzeitpflege sondern auf den Übergang ausgelegt.

LG

Beitrag von golm1512 21.03.11 - 08:32 Uhr

Ja, das mit dem Übergang stimmt ja auch. Nur kümmern die sich in der Regel auch darum, wie es weitergehen kann und organisieren das mit euch zusammen. Wenn ihr zuhause weiterpflegen wollt, kennen die z.B. die entsprechenden Pflegedienste, die sich mit der finalen Pflege befassen und nciht gleich den Notarzt holen, wenn mal eine Verschlechterung eintritt.

Lasst das mit der PEG. Die Dinger sind schrecklich. Es ist ja die Frage, ob es noch so sehr wichtig ist, den Diabetes wunderbar einzustellen. Mal ganz platt: Mit Spätfolgen muss sich ja wohl keiner mehr befassen, oder?

Ich weiß jetzt nicht, wer "sie" ist, aber sie signalisiert doch ganz deutlich, was sie will und was nicht. DAS wird auf Palliativstationen berücksichtigt!

Ich kann euch nur raten, diesen Intensivbereich zu verlassen. Es gibt viele andere Möglichkeiten. Sterben ist auch nicht immer gruselig und furchtbar. Manchmal ist das Leben schlimmer.

Beitrag von stefannette 21.03.11 - 10:07 Uhr

Ich bin auch Krankenschwester und unterschreib das mal so!

Beitrag von curlysue1 21.03.11 - 11:38 Uhr

"Sie" ist meine Oma, signalisiert im Moment nicht mehr sehr viel, war gerade bei ihr, sie war eine ganze Minute wach, dann fallen die Augen wieder zu und das ohne Midazolam, sie ist sehr schwach.

Am liebsten wäre es mir, der liebe Gott würde uns all diese Entscheidungen abnehmen und sie einschlafen lassen, ohne unser zutun, oder eben wieder ganz gesund wie vorher.

LG

Beitrag von golm1512 21.03.11 - 13:48 Uhr


Der "liebe Gott" würde sie vielleicht auch gern einschlafen lassen, aber die Intensivbetreuung lässt sie nicht.

Ich möchte dich hiermit fast bitten, deine Oma auf die Palliativstation zu geben und alles dafür zu tun, dass sie nicht zurück in den Intensivbereich kommt.

Das mit dem Sauerstoff ist gar kein Problem, glaube ich. Wir haben nach Krampfanfällen einfach nie eine "Sättigung" gemacht. Wozu denn? Genauso werden die auf der Palliativstatioin und im Hospiz verfahren. Ich musste jetzt echt eine Weile darüber nachdenken, was das für ein Sauerstoffproblem sein soll.

Auf Intensivstationen wird so gedacht und muss so gedacht werden. alles richtet sich nach Laborwerten und jeder einzelene pathologische Wert muss irgendwie in Norm gebracht werden.
Weder auf der Neurologie, wo ich auch lange war, noch auf der Palliativstation haben wir jemals eine Sättigungsüberprüfung nach Krampfanfällen gemacht. Da haben wir erst mal abgewartet, ob sich derjenige nicht wieder von selbst bekrabbelt. Meistens hat er das.
Die Sauerstoffsättigung bei deiner Oma ist doch eigentlich gar nciht mehr wichtig.

Ich wünsche mir, dass ihr von diesem Denken wegkommen könnt und euch auf eure Oma konzentrieren könnt. Ich wünsche euch tolles Palliativteam, dass euch nicht allein mit den Entscheidungen lässt.
Ach, bitte, wenn ihr die Möglichkeit habt, dann gebt eure Oma auf die Palliativstation.

Beitrag von curlysue1 21.03.11 - 20:14 Uhr

Danke, für die Hilfe ich werde berichten, am Mittwoch steht die Verlegung an.

LG

Beitrag von curlysue1 23.03.11 - 09:16 Uhr

Ich werde noch wahnsinnig, die im KH hören einfach nicht auf uns, jetzt beginnen sie mit dem Weaning, die Oma kann nicht mehr, sie spritzen jetzt kräftig Dobutamin, die Oma war knallrot, bekam kaum Luft , aber die Ärzte meinen die Lunge muß trainiert werden, trotz riesen Erguß in der LUnge.

Beitrag von golm1512 23.03.11 - 09:52 Uhr

Sollte sie nicht heute verlegt werden? Hattet ihr denn KOntakt zur Palliativstation? Was sagen die dazu?
Man kann eure Oma nicht gegen ihren Willen dort behalten. Und wenn behauptet wird, dass sie das nicht mehr entscheiden kann, dann bemüht euch fix um eine Betreuung, so dass ihr den Aufenthaltsort eurer Oma bestimmen dürft. Vielleicht kann die Betreuung auch so weit gehen, dass ihr entscheiden dürft, was denn nun noch gemacht werden soll u nd was nicht.
Betreuung bedeutet nicht, dass eure Oma "zu doof", das auf die Reihe zu bekommen. Betreuung bedeutet, dass man sie nicht weiter unerlaubt entmündigt. Und euch auch nicht.

Die Lunge muss nicht trainiert werden., Oma benötigt Medikamente gegen Luftnot und Angst. Der Rest ist egal.

Ich bin immer wieder erschüttert, dass das immer noch so läuft. Eigentlich bin ich sogar stocksauer. Ich dachte wirklich, man wäre schon irgendwie weiter..... Sehr zu, dass ihr sie da weg bekommt. Habt ihr schonmal höchst persönlich in einem Hospiz nachgefragt? Verlasst euch nicht nur auf die Aussagen der IBS-Ärzte. die wissen darüber wenig bis gar nix!

Beitrag von curlysue1 23.03.11 - 10:03 Uhr

Sie wird heute verlegt, aber nicht in die Palliativstation, da ist noch kein Platz frei, sie muß leider in die Intensivpflegeklinik.

Sie bekommt nur noch Fentanyl gegen Schmerzen, meine Mama ist der Betreuer vom Amtsgericht, wir haben gestern auf der Intensivst. gesagt, sie sollen die Maschine wieder hinmachen, NEIN, sie muß trainiert werden, erst als die Sättigung auf 80% war, haben sie wieder angeschlossen.

Die Oma war rot, hat stark geschwitzt und dann wieder so arg gezittert, wollte dann auch nix mehr essen, war apatisch, bis sie endlich wieder angeschlossen haben, dann erst hat sie sich wieder erholt, hoffentlich muß ich nie auf eine Intensivstation, das was wir in den 6 Monaten Intensivstation gesehen haben, reicht mir.