Gibt es Stillrheuma?

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. 

Beitrag von jenny2808 20.03.11 - 18:30 Uhr

Hallo!
Ich stille meine Tochter von Anfang an und sie ist jetzt 5,5 Monate alt.Seit ein 2 Monaten habe ich immer wieder starke Schmerzen in den Beinen bzw.Knieen.Aber nur nachts.Morgens komme ich kaum hoch und habe keine Kraft in den Händen um mich aufzustützen.Meine FA kennt das nicht und verwies mich zum Hausarzt.Da ich aber früher nie Probleme mit den Knochen hatte,denke ich das es mit dem Stillen zusammen hängt.Wenn ich mich bewege wird es besser.Da ich mich gut ernähre,glaube ich nicht das es ein Mangel ist.Ich nehme auf Rat hin nur Jodtabletten.Der Bedarf soll in der Stillzeit sehr hoch sein.
Kennt jemand Stillrheuma und was kann man dagegen machen?Die Schmerzen sind stärker als ein Wadenkrampf:-(
Danke vorab.
LG,Jenny

Beitrag von wunki 20.03.11 - 19:42 Uhr

Schau mal, habe ich in einem bekannten Forum gefunden:

"Still-Rheuma (Morbus Still) hat überhaupt nichts mit dem Stillen zu tun, der Name stammt von einem englischen Kinderarzt. Es handelt sich um eine juvenile rheumatische Erkrankung (deshalb ist der Namensgeber auch Kinderarzt), eine ziemlich üble Sache (früher sind die meisten Kinder nicht viel älter als 10 Jahre geworden), die bereits im frühkindlichen Alter beginnt, lange bevor eine betroffene Patientin jemals auch nur einen Gedanken an das Stillen verschwenden würde, denn die ersten Schübe beginnen meist im Alter zwischen einem und drei Jahren.

Was in der letzten Zeit immer wieder mal unter dem Begriff ?Still-Rheuma? durch Stillgruppen und Stillforen geistert ist jedenfalls etwas ganz anderes. Es gibt kein Still-Rheuma in dem Sinne, dass die Erkrankung durch das Stillen ausgelöst würde. Was es gibt, ist ein Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und Stillen bei einigen wenigen Frauen.

Es wird angenommen, dass es sich um eine genetisch beeinflusste Autoimmunreaktion handelt, die sich bereits in der Schwangerschaft zeigen kann und nach der Geburt wieder zurückgeht. Betroffene Frauen, die ihr erstes Kind stillen, spüren diese Symptome, insbesondere an Händen und Fingern. Möglicherweise hängt das mit dem erhöhten Prolaktinspiegel zusammen (es wurde schon verschiedentlich ein erhöhter Prolaktinspiegel bei Autoimmunerkrankungen festgestellt, auch bei Patienten mit rheumatischer Arthritis). Beim Stillen weiterer Kinder, so wird berichtet, lassen die Symptome nach. Für die Mutter ist es hilfreich, sich so oft wie möglich auszuruhen, mehr im Liegen zu stillen, Hände, Arme mit Kissen während des Stillens zu stützen.
In diesem Fall können bestimmte gymnastische Übungen, regelmäßig ausgeführt, lindernd wirken. Eventuell ist auch eine Behandlung mit einem Antirheumatikum anzuraten.

In Lawrence und Lawrence ?Breastfeeding: A guide for the medical profession? wird das Thema rheumatische Arthritis und andere Bindegewebserkrankungen ebenfalls diskutiert. Auch hier wird von einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von rheumatischer Arthritis und einem erhöhten Prolaktinspiegel gesprochen und dass es Studien gibt, die einen solchen Zusammenhang aufzeigen. Dabei wird eine Studie erwähnt, bei der, wie auch oben schon erwähnt, ein höheres Risiko bei Erstgebärenden, ein geringeres Risiko bei Zweitgebärenden und kein zusätzliches Risiko bei Drittgebärenden angegeben wird. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Evidenz dafür, dass Reproduktionsvorgänge (also Schwangerschaften und Stillen) als Risikofaktor für das Auftreten von rheumatischer Arthritis widersprüchlich ist ?die Rolle von Parität, Alter bei der ersten und letzten Geburt sowie Alter bei der ersten Menstruation sowie der Menopause zeigten keinen Zusammenhang mit rheumatischer Arthritis. Es wurde jedoch ein schützender Effekt des Stillens festgestellt, der jedoch dosisabhängig in Bezug auf die Stilldauer ist?.

In einer Studie aus 2004 (Karlson et al.: Do breast-feeding and other reproductive factors influence future risk of rheumatoid arthritis??) wurde beschrieben, dass Frauen, die insgesamt mehr als 24 Monate Stillen, ihr Risiko für eine rheumatische Arthritis um 50 % senken. An dieser Studie nahmen insgesamt mehr als 120.000 Frauen teil.

Eine mögliche Erklärung für die Beschwerden, die gehäuft bei (stillenden) Müttern auftreten, könnte jedoch einen ganz anderen Hintergrund haben, der überhaupt nichts mit dem rheumatischen Formenkreis zu tun hat: Mütter, die mit ihrem Kind zusammen schlafen, liegen unter Umständen über längere Zeitabschnitte in nicht unbedingt optimalen Stellungen im Bett und das wiederum führt zu Fehlbelastungen und Verkrampfungen. Das häufige Tragen der Kinder (auch nicht immer und unbedingt orthopädisch korrekt) ist eine weitere Belastung für Muskeln und Gelenke. Frau fühlt sich aus o.g. Gründen ?wie gerädert? und hat Symptome wie Morgensteifigkeit usw. Dann hat sie irgendwann oder irgendwo etwas von ?Stillrheuma? gehört oder gelesen und ist überzeugt, ebenfalls daran zu leiden."


LG Wunki

Beitrag von katrinkoe 20.03.11 - 20:51 Uhr

Hallo,
habe vor ca 8 Wochen abgestillt da Kalotta einfach die Brust nicht mehr wollte und habe seit ca. 4 Wochen keine schmerzen mehr in meinen Händen. Es waren Tage dabei das ich kaum eine Faust machen konnte. Erst jetzt nach dem abstillen denke ich das es vom Stillen kam.

Gruß Katrin

Beitrag von nalamaus 21.03.11 - 09:04 Uhr

Das glaub ich ja jetzt gar nicht was ich hier lese?! Bin letzte Woche zum Arzt gegangen, weil ich Schmerzen in mehreren Gelenken habe (Finger, Hand, Fuß). Der will nun Blut abnehmen lassen und auf rheumatische Artritis testen, glaubt aber eigentlich nicht so recht daran. Ich wäre aber nie darauf gekommen, dass das mit dem Stillen zusammenhängen könnte! Bin Erstgebärende, Sohnemann ist jetzt 5 Monate alt ... Dann bin ich ja mal gespannt was die Blutwerte sagen und ob es mir nach dem Abstillen wieder besser geht!