Nun habe ich eine Diagnose

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Forum: Kids & Schule

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Beitrag von tinkerbell007 21.03.11 - 13:17 Uhr

Hallo,

habe vor ein paar Wochen schon die Frage gestellt, ob meine Tochter schwer erziehbar ist.

War damals auch beim Psychologen, der viele Tests gemacht hat. Nun ist die Diagnostik abgeschlossen und heute hatten wir das Endgespräch.
Heraus kam, dass meine Kleine hoch intelligent ist:-D. Aber auf Grund ihres Testes, ihrer Aussagen, meiner Aussagen, sowie des Berichtes der Lehrerin ist die Psychologin sicher, dass meine Tochter ADHS hat.

Vermutet habe ich das schon vor Jahren. Aber jeder Arzt meinte, nein. Sie ist eben sehr tempramentvoll, hat einen starken Willen und ist eben anders. Aber ADHS? Nein.

Die Psychologin meinte sogar, dass neben der Verhaltenstherapie sogar Medikamente sehr ratsam wären.
Ich möchte aber mein tempramentvolles, neugieriges Mädchen behalten. Kein ruhig gestelltes Kind.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch, dass sie wieder gern zur Schule geht. Nicht immer anders ist, als andere. Dass sie endlich Freunde hat. Dass wir wissen, der morgige Tag wird bestimmt gut. Wir leben wie auf einer Zeitbombe. Wann flippt sie wieder aus?

Kann man das alles ohne Medikamente hinkriegen?

Bin total unsicher. ADS/ADHS hat doch heutzutage so einen schlechten Beigeschmack. Jedes Kind, dass etwas anders ist, hat doch diesen Stempel. Das sagte ich auch der Therapeutin. Sie meinte aber, sie kann nur nach den vielen Testergebnissen gehen. Und die sind ganz klar und eindeutig.

Viele Grüße
tinkerbell007

Beitrag von ungeheuerlich 21.03.11 - 13:32 Uhr

Def. NEIN!

Du wirst mit Sicherheit hier auch andere Meinungen hören.

LG

Kerstin (auch mit 2 ADHS Kindern)

Beitrag von tinkerbell007 21.03.11 - 13:53 Uhr

Hallo,
sind bei Deinen auch diese Anzeichen, wie bei meiner?
Haben sich Deine Kinder durch die Medikamente verändert? Ich meine im Wesen überhaupt.
Kannst mir auch gerne über PN antworten. Ich habe so viele Fragen. Ich denke, Betroffene können mir besser antworten, als die Ärztin.
LG
tinkerbell007

Beitrag von marion2 21.03.11 - 14:27 Uhr

Hallo,

versucht es zuerst mit einer Verhaltenstherapie.

Die Kinder verändern sich unter Medikamentengabe. Ein Freund meines Sohnes bekommt wegen ADS welche und hat sich sehr verändert. Die Veränderungen sind NICHT durchweg positiv.

Gruß Marion

Beitrag von ilva08 21.03.11 - 19:49 Uhr

Die Frage, ob Medikamente oder nicht, kann dir niemand pauschal beantworten.
Eigentlich SOLLTE es inzwischen so sein, dass erstmal eine nicht-medikamentöse Therapie erfolgt und Medikamente nur zum Einsatz kommen, wenn diese keinen ausreichenden Erfolg zeigt. Ich hab allerdings den Verdacht, dass diese Vorgabe in den Arztpraxen noch nicht angekommen ist. #kratz

Sprich mit den Fachleuten, v. a. mit den Ärzten, letztendlich musst DU aber die Entscheidung treffen. Sicherlich keine leichte!!!

Achte auf jeden Fall darauf, dass die Therapie weit mehr umfasst als die Medikamentenvergabe.

Hier zwei gute Links, ich hoffe, sie helfen dir weiter:

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3161

http://www.netdoktor.de/Krankheiten/ADHS/Therapie/ADHS-Multimodale-Therapie-5734.htm

LG #winke

Beitrag von misscatwalk 21.03.11 - 20:34 Uhr

Es kommt ein wenig drauf an wie ausgeprägt das AD(H)S beim jeweiligen Kind ist . Es gibt Kinder sehr oft bei Jungs, da spielt das Testesteron auch noch eine Rolle , wo man über kurz oder lang nicht um Medikamente drumherum kommt . Genauso gibt es aber auch Kinder wo man mit alternativen Therapien recht gute Erfolge rausholen kann und man abwägen muß ob es Sinn macht seinem Kind Medikamente zu geben oder ob die Nebenwirkungen wohlmöglich größer sind wie der "Erfolg der Medikamente" .
Anders und schwieriger sind und bleiben diese Kinder alle mal . Ich stimme dir zu das bei AD(H)S leider gottes immer auch dieser negative touch mitschwingt ABER und das ist ganz wichtig es stehen dem genauso ausgeprägte Stärken und Fähigkeiten gegenüber auch wenn sie durch die Schwierigkeiten und Defizite oft überschattet werden .
Fakt ist das jemand der wirklich AD(H)S hat niemals die gleichen Vorraussetzungen hat wie jemand der es nicht hat allein schon deswegen weil er ständig und permanent gegen sein AD(H)S ankämpfen muß was eine ernorme Power fordert . Kognetive Fähigkeiten ( Inteligenz ) spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle denn es geht banal gesagt dabei nicht darum was der jenige "auf dem Kasten hat " sondern wie es sich anwenden und vorallem umsetzen läst und genau da liegt der Knackpunkt bei AD(H)S. Sicherlich ist es durchaus von Vorteil wenn man kognetiv recht fit ist denn somit kann man einiges zumindestens ein wenig abfangen trotzdem wird man immer weit unter seinem Limit fahren .
Hochbegabung ist noch mal eine ganz andere Schiene , das erleichtet theoretisch einiges erschwert es aber praktisch noch mehr .
Wichtig ist es genau abzuwägen mit welchem " Ziel" man Medikamente gibt .
Ich formuliere es mal ganz banal wenn ein Kind obwohl es nicht dumm ist vorne und hinten in der Schule leistungsmäßig absolut nicht klar kommt und / oder wirklich so gut wie nicht händelbar in seinem Sozialverhalten ist + alternative Therapien nicht soweit anschlagen das es auch so irgendwie oder das Kind selber wirklich extrem leidet dann macht es Sinn über Medikamente nach zu denken .
Ansonsten sollte man wie gesagt wirklich sehr genau die Kosten / Nutzen abwägen . Ohne Medikamente ist es wirklich sehr hart für alle Beteidigten , insbesondere aber für das Kind selber , diesen ständigen Kampf sollte man nicht unterschätzen denn auch banale Kleinigkeiten sind für solche Kinder schon sehr , sehr anstrengend im Gegensatz zu anderen Kindern machen sie viele Dinge eben nicht mal einfach so locker flockig ABER wie ich ja auch bereits erwähnt habe birgt AD(H)S auf der anderen Seite auch unglaubliche Stärken wenn es dem Kind selber gelingt diese taktisch , passend zu mobilisieren und auszunutzen so das es mehr oder weniger klar kommen kann dann sind Medikamente nicht zwingend notwendig .
Man kann mit der notwendigen Unterstützung (psychotherapien etc. ) da durchaus einiges rausholen und vielfach entwickeln die Kinder im Laufe der Zeit ihre eigenen Taktiken um ihre Fähigkeiten umlegen zu können und die Defizite auszugleichen oder zumindestens nicht mehr ganz so offensichtlich darzustellen .


Beitrag von goethes-erbin 22.03.11 - 08:26 Uhr

Hallo,



"""""Kein ruhig gestelltes Kind. """"
(Unsinn!)


Wer gesehen hat, dass ein Kind zum ersten mal im Leben nicht in der Schule gehänselt wurde und ohne weinen nach Hause kommt, der sieht, wie ein Kind aufblüht und wie es plötzlich merkt:
"Ich kann ja doch was, ich bin nicht dumm,."

Du dein kind siehst, das endlich die Chance auf Freunde hat, der kann Eltern verstehen, die begeistert von Ritalin sind.

Nicht, weil es plötzlich bequem geworden ist, sondern glücklich.

Wer es weiß, kann es nicht erklären. Wer es nicht weiß, kann es nicht verstehen.

Und:
es wird immer Inuids geben, die den Eingeborenen in Belgisch Kongo Verhaltensmaßregeln für die große Dürre geben wollen.
Im Tal der Ahnungslosen schallt das Rufen leider am lautesten.


Ich bin froh meinem Kind helfen zu können und es zufrieden und glücklich zu sehen.

Falls du dich austauschen möchtest: http://www.adhs-anderswelt.de/

Alles Gute!#blume

Beitrag von mama03 22.03.11 - 17:46 Uhr

SUPER!!!


Deinen Beitrag find ich ganz klasse!!!

Alles gute weiterhin für Euch!

Beitrag von cindy1973 22.03.11 - 23:03 Uhr



Hallo,

finde auch Dein Beitrag super#pro

Endlich jemand mal, der wirklich Ahnung hat.

Auch ich habe eine Tochter, die an ADHS leidet.... Wir haben ein Jahr lang überlegt, ob wir ihr Medikinet geben sollen oder nicht. Sie geht jetzt schon ein dreiviertel Jahr zur Therapie, kann aber nicht behaupten, dass diese sonderlich viel genutzt hat oder noch nutzen wird. Es wurde nochmals auf ADHS getestet und es wurde wieder bestätigt. Wir geben ihr nun seit fast 2 Monaten Medikinet und es hilft!!! Ausschlaggebend war es, dass sie einfach sich in der Schule konzentrieren kann und nicht mehr so oft ihre Wutausbrüche hat. Fazit : Sie kann sich viel besser konzentrieren, kaum noch impulsive Ausbrüche etc. Sie ist ruhiger, aber sie verhält sich eigentlich nicht ruhig gestellt, sonder eher wie ein ganz normales Mädchen !! Wenn sie das Medikament genommen hat und die Wirkung da ist, dann sehe ich sie so, wie sie eigentlich wäre, denn ohne die Kapseln, fehlen ihr ja die notwendigen Botenstoffe wie z.B. Dopamin.

Es ist wirklich schön, zu sehen, dass einem geholfen werden kann.
Mitlerweile habe ich es akzeptiert, dass es ohne nicht geht.

Dem Kind zu Liebe

lg Cindy#herzlich

Beitrag von crf691 22.03.11 - 09:01 Uhr

Hallo,

wir sind gerade mitten in den Tests, es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis wir das Ergebnis haben. Aber auch bei uns wird eine überdurchschnittliche Intelligenz gepaart mit AD(H)S stark vermutet.
Ich habe früher immer gesagt, ich würde mein Kind niemals mit Medikamenten vollpumpen. Aber heute - er wird 8 im Sommer- bin ich mir da nicht mehr sicher. Es wäre so schön für ihn, wenn er es etwas einfacher hätte bei den anderen Kindern. Er hat einen einzigen Freund, und den hat er sich auch schon fast vergrault. Ich denke, er kann nichts dafür, aber es ist so schwierig. Es gibt momentan fast keinen Tag, wo ich nicht hier sitzte und heule...Ich bin momentan auch schlichtweg damit überfordert und wäre froh, wenn ich endlich mal was greifbares hätte, wo man ansetzten kann.
Deshalb kann ich Dich gut verstehen...

LG,
Carmen

Beitrag von goethes-erbin 22.03.11 - 09:36 Uhr

Ich kann dich sehr gut verstehen.
Ich habe mich ähnlich gefühlt und war mit meinen Nerven am Ende.
Ich habe auch den Schritt gescheut, zur Diagnose und zu den Medikamenten. Mit dem Gefühl zu leben, sich damit auseinander zu setzen, du hast es genetisch an dein Kind weiter gegeben.

Würdest du deinem Kind denn auch Medikamente wie z. B. Insulin verwehren?

Ich kann dir sagen, es war die richtige Entscheidung und unser Kind ist uns dankbar. Wichtig war mit unserem Kind darüber zu reden, es aufzuklären und gemeinsam weiterhin daran zu arbeiten.

Als unser Kind das erste MAl das Medikament eingenommen hatte und nach ca. einer halben Stunde die Wirkung eintrat...ich habe geheult....geheult vor Glück, dem Kind endlich helfen zu können. Mein Kind erleben zu dürfen wie es sich entspannt und endlich es selber sein kann.

Es ist einer dieses unauslöschlichen Momente. Ich sehe wie unser Kind sich konzentrieren kann, sich hinsetzte und in Ruhe ein Bild gemalt hat!
Die Motorik ist wesentlich weicher geworden, die Organisation klappt besser und da ist keine Spur von "RUHIG GESTELLT"!

Die Kinder erscheinen Aussenstehenden ruhig gestellt, weil sie ruhiger sind als vorher. Ruhiger in dem Sinne, das sie sich auf eine Sache konzentrieren können, aufmerksamer sind, denn dort liegt ja das Problem: Aufmerksamkeit.

Sie sind nicht ruhig gestellt oder gar sediert, das ist an den Haaren herbei gezogen und haftet als negatives Damoklesschwert an der medikamentösen Therapie.

Ich wünsche euch alles LIebe und Gute.#blume

Beitrag von crf691 22.03.11 - 09:45 Uhr

Hallo,

ich danke Dir ...ich denke schon, das ich meinem Kind Medikamente geben würde, um zu helfen..Ich habe eben mit der Mutter des Freundes telefoniert...der Zug ist Gott sei Dank noch nicht ganz abgefahren. Aber ich bin momentan echt fertig mit den Nerven, könnte den ganzen Morgen heulen...Dazu kommt noch eine Enkopresis (Einkoten), mit der wir uns rumschlagen. Da verzweifelt man echt und fragt sich, was man verbrochen hat!

LG,
Carmen

Beitrag von m.sternberger 15.04.11 - 09:32 Uhr

Hallo,
ich bin Mutter von 3 Kindern, mein Großer ist 13 und bei ihm wurde mit Schulbeginn eine ADHS diagnostiziert. Viele Jahre wusste ich nicht warum er so anders ist. Er hatte nie Freunde und selbst an Geburtstagen hat er die Kinder, die er eingeladen hatte vergrault. Er war immer ein sehr lieber Junge zu Hause, zwar oft bockig aber im großen und ganzen lieb. Aber es klappte eben nie mit anderen Kindern und in der Schule konnte er sich nicht konzentrieren. Ich war so verzweifelt das ich mit ihm eine Psychotherapie begann. Diese zog sich über 1 1/2 Jahre hin und am Ende schien es für mich keine großen Veränderungen zu geben. Ich wusste nicht mehr ein noch aus. Damals war ich der größte Gegner genen Medikamente doch heute sehe ich das ganz anderes. Wenn ich hier Beiträge lese wie " das Kind ruhig stellen" kann ich nur sagen, diese Leute haben nie solch ein Kind gehabt und auch keine Erfahrungen mit den Medis. Mein letzter Ausweg schien also darin zu bestehen Medikamente aus zu probieren. Ich habe so geheult an den ersten Tagen weil alle Menschen um mich herum mich verurteilten und mir sagten das wäre falsch. Ich hatte große Angst. Doch nach einer Woche signalisierte mir die Lehrerin meines Sohnes das es Veränderungen hinsichtlich seines Sozialverhaltes und der Arbeitsverhaltes gebe. Er könne sich viel besser konzentrieren und sei auch netter den Kindern gegenüber. Im Laufe der Zeit wurde es immer besser. Er begann Freundschaften auf zu bauen und das auch über längere Zeit. Die Schule klappte wunderbar so das sich seine Zeugnisse auf einen Notendurchschnitt von "2" einpegelten.
Heute ist er ein wunderbarer Junge. Bis vor zwei Monaten nahm er das Medikament also insgesammt 4 Jahre. Kindern die dieses Medikament vorenthalten wird haben einen großen Hang zu Drogen im Jugendalter weil sie nach dieser Einnahme das erst Mal sich einfach nur entspannen können. Das schreib ich aus Erfahrung.
Es ist richtig, das es manchmal so scheint als wären diese Kinder unter Einnahme des Medikaments ruhiger. Sie sind einfach nur ausgeglichen und können mit sich zu frieden sein, sich mit sich beschäftigen oder einfach nur vor sich hin träumen. Ich weiß nicht was aus meinem Kind geworden wäre ohne diese Entscheidung!!!!!

Beitrag von m.sternberger 15.04.11 - 11:18 Uhr

Hallo nochmal,
vielleich noch mal zu meiner Tochter. Ihr wurde bei einer Intelligenztestung ein IQ von 133 diagnostiziert. Manche Eltern würden sich an dieser Stelle freuen ein so schlaues Kind zu haben. Dies bringt aber auch viele Probleme mit sich denn dem Alter 3 Jahre vorraus zu sein ist nur kognitiv möglich. Nicht aber Emotional. Durch diesen Unterschied entstehen Spannungen im Kind welche nicht einfach lösbar sind. Meine Tochter kotet und uriniert jeden Tag ein. Am Sonnabend hatte ich 5 Kackischlüppis und ich weiß wie verzweifelt man da sein kann. Es ist peinlich anderen Eltern gegenüber, es stinkt und man kann dem Kind nicht helfen. Daseinzige was man machen kann ist nicht zu meckern. Das gelingt mirnicht immerberbi halt auch nur ein Mensch. Es wird aufhören, das weiß ich und ich muss lernen mich zu gedulden!!!! Dafür werde ich mit vielen intelektuellen Themen belohnt. Weltreligion, Vulkane, Ägypten, Windenergie/ Atomenergie und vieles mehr. Diese Kinder sind anders und haben ihr Päckchen zu tragen. Meist ist die Mutter die Einzige die das Kind versteht und so haben diese Kinder eine besonders enge Bindung an sie. Ich muss jetzt los. Wenn ihr Fragen habt dann schreibt sie einfach, ich werde sie beantworten

liebe Grüße Marie