Frage an Krankenschwestern aus dem psych. Bereich!

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Beitrag von schmerle123 21.03.11 - 14:54 Uhr

Hallo,

kann mir jemand von euch beantworten ob eine "reaktive psychische Störung" gleichzusetzen ist mit einer "posttraumatischen Belastungsstörung"?
Meines Erachtens gibt es da Unterschiede, oder irre ich mich?!

Danke für Antworten,

lg Melle

Beitrag von loeffelstiel 21.03.11 - 17:28 Uhr

Hey !

Nach ICD-10 werden die Reaktionen auf Belastungen unterteilt in die

* akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)
* Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
* Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)

Eine weitere psychische Störung, die auf schwere Belastungen zurückgeführt wird und die im ICD-10 bei den Persönlichkeitsstörungen kodiert wird, ist die

* andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastungen ("Persönlichkeitswandel/Verfolgtensyndrom")

Die Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung zeigt fliessende Übergänge zu den anderen genannten reaktiven Störungen !

Akute Belastungsreaktion:
Es sind Belastungen gemeint wie Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Kriegshandlungen, Vergewaltigung, um nur einige zu nennen. Die unmittelbare Reaktion besteht insbesondere in vorübergehender Benommenheit (Betäubung oder Schock im alltagssprachlichen Sinne), sodann Unruhe, Angst, Fluchttendenz, vegetativen Symptome wie Herzjagen und Schwitzen. Die Symptomatik ist sehr heterogen. Die Störungen gehen alsbald zurück, oft schon nach Minuten, und klingen im allgemeinen in einigen Stunden oder Tagen ab.

Posttraumatische Belastungsstörung:
Hiervon unterschieden (allerdings ohne scharfe Grenze) wird die Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1 nach ICD 10). Gemeint sind langanhaltende Reaktionen auf sehr schwere Belastungen und Bedrohungen. Auch hier werden insbesondere Naturereignisse, Krieg und andere Katastrophensituationen, Mißhandlung und Vergewaltigung genannt, des weiteren ausgeprägte frühkindlicheDeprivation. Die Belastungen sind hier von "katastrophalem" Ausmaß, womit die Krankheitsdauer erklärt wird. Relativ wenig belastbare, auch neurotisch strukturierte Menschen sind besonders betroffen.
Die Symptome sind den eben beschriebenen ähnlich, hinzu kommen Angst, emotionale Einengung, Teilnahmslosigkeit, bedrückte Stimmung, Schlafstörung.Die angstbesetzte Situation kann lange in der Erinnerung bleiben (Wiederinszenierung, flashback) und in Träumen auftauchen. Alkohol- oder Tablettenmissbrauch im Sinne eines Selbstbehandlungsversuches kann die folge sein. Die psychische Symptomatik, die zuweilen mit einer gewissen Latenzzeit von einigen Tagen bis zu Wochen eintritt bzw. stärker hervortritt, nimmt einen wechselhaften Verlauf. Im Extremfall bleibt sie sehr lange oder auch zeitlebens bestehen, wie die Schicksale vieler rassisch Verfolgter zeigen. Ein anderes Beispiel sind anhaltende Störungen nach sexuellem Mißbrauch.

Konnte ich damit helfen ?

Lg :)

Beitrag von hannah696 21.03.11 - 17:31 Uhr

Darf ich fragen, warum du explizit Krankenschwestern ansprichst??? Es gibt hier auch Ärzte_innen, Psychiater_innen, Psychotherapeut_innen, Sozialpädagog_innen, etc.! Das ist wie, wenn hier immer nach Zahnarzthelferinnen gefragt wird und anscheinend niemand daran denkt, dass es eventuell auch Zahnärztinnen hier geben könnte. (Sind das für euch Geister, die kein reales Leben haben bzw. nicht in Foren aktiv sein können?)

Komisch, komisch....

Reaktive Störungen beinhalten Störungen wie z.B. Anpassungsstörungen, akute Belastungreaktionen, etc.. Ebenfalls darunter anzusiedeln sind PTBS. Reaktive Störungen stehen im zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen.

Also kann man nicht sagen, dass reaktive Störung = PTBS ist, sondern dass PTBS eine Form von reaktiver Störung ist.

Liebe Grüße

Beitrag von loeffelstiel 21.03.11 - 17:38 Uhr

Hihi, find ich gut ! Genau das Gleiche hab ich auch gedacht #huepf

Beitrag von schmerle123 21.03.11 - 19:27 Uhr

Ich habe, als ich den Thread eröffnete, in erster Linie an "Kollegen" aus der Gesundheitsbranche gedacht. Hat nichts damit zu tun, dass ich andere als Geister sehe!
Naja, wie auch immer, für mich war in erster Linie wichtig, überhaupt eine Antwort darauf zu erhalten - eben hauptsächlich von jemandem, der sich in diesem Bereich auskennt, ob nun Schwester, Therapeut, Arzt....Vielleicht drücke ich meine Überschrift beim nächsten Mal etwas anders aus!

Trotzdem Danke für Deine Antwort!