wie die Trennung / Scheidung seelisch überleben?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von binsotraurig 23.03.11 - 07:00 Uhr

Hallo!

Mein Mann (30) und ich (28) lassen uns scheiden. Wir waren über 6 Jahre zusammen.
Ich weiß es ist die Richtige Entscheidung, weil ich schon lange Zeit unglücklich in der Beziehung war, immer wieder probiert habe mit ihm zu reden, was zu ändern, aber er nie drauf eingegangen ist.
Aber ich liebe ihn noch. Zumindest glaube ich das, da ich ihn jetzt, wo wir ein paar Tage getrennt sind, sooooo vermisse.
Bitte sagt mir nicht, wir sollen es noch einmal probieren, es geht einfach nicht mehr, unter KEINEN UMSTÄNDEN.
Ich muss akzeptieren, dass er kein Interesse dran hat, sich zu ändern und es niemals anders werden würde.
Aber es tut soooo verdammt weh!
Denke pausenlos an ihn, habe in 3 Tagen schon 3 Kilo abgenommen, esse nichts, weine, kann mich auf nichts anderes konzentrieren. Ständig fällt mir sein Lächeln ein, seine Stimme, seine Hände. Es ist zum Verrücktwerden!!
Wenn ich ihn live sehe, zerreisst es mir das Herz. Ich weiß dass mir dieser Mann nicht gut tut, die letzten Jahre nicht gut getan hat. Dennoch könnte ich sterben wenn ich ihn nur ansehe. Vor Trauer.
Wer hat ähnliches erlebt und kann mir von seiner Geschichte erzählen?
Ich wäre sehr dankbar dafür!

Beitrag von mimo 23.03.11 - 07:16 Uhr

Hallo binsotraurig,

mir geht es so ähnlich. Waren 10 Jahre zusammen. die letzten 5 Jahre nur ein Kampf. Wir haben zwei Kinder. Obwohl wir uns liebten waren wir zu unterschiedlich. Er war ein sehr freiheitsliebender Mensch ich eher nicht. Ich wollte mehr mit ihm machen da sowieso durch die Kinder nicht viel übrig blieb. Er wollte sich lieber mit Freunden treffen um die Häuser ziehen ect. Es wurde immer schlimmer aber auch immer respektloser. Ich hab die letzten fünf Jahre nur geweint gebettelt und gefleht aber er wollte sich eben auch nicht ändern.

Vor 11 Monaten habe ich ihn rausgeworfen und im Dezember die Scheidung eingereicht. eigentlich dachte ich er würde kämpfen um uns. Die ersten Monate war er nur in seinem Stolz verletzt und zum Schluss hat ihm die Freiheit dann doch besser gefallen. Denn er holt jedes WE die Kinder wir haben auch unter der Woche Kontakt, er macht alles wenn ich etwas brauche aber er würde nicht mehr zurück kommen weil wir einfach zu unterschiedlich sind. Was auch stimmt. Trotzdem nimmt es den Schmerz nicht. Es hat für mich sehr lange gebraucht um das in meinen Kopf zu bekommen. Es tat unheimlich weh. Monatelang. Vor allem sehe ich ihn ja regelmäßig wegen der Kinder. Aber mittlerweile kann ich es langsam akzeptieren daß obwohl man liebt es doch nicht funktioniert. Aber glaube mir ich bin durch die schlimmsten Depressionen gegangen. Ich bin wie benebelt durch den Tag von Weinkrämpfen geschüttelt. Das dauert monate aber irgendwann wird es besser. Auch heute wenn ich ihn ansehe weiss ich tief in meinem Herzen dass ich ihn liebe aber es nie gutgehen würde.

Viel Kraft und alles liebe.

Mimo

Beitrag von binsotraurig 23.03.11 - 07:29 Uhr

Hallo Mimo!

Danke für deine Antwort! Wir haben keine Kinder, ich hätte immer gerne welche gehabt, aber es hat nie geklappt (Grund lag bei ihm).
Ich frage mich oft, ob Liebe nicht immer noch eine Chance verdient hat. Aber dann denke ich mir wieder:" Aber wie geht es mir dann, wenn ich wieder mit ihm zusammen bin, wenn die erste schöne Versöhnungszeit vorbei ist. Dann geht es mir ja wieder scheiße". Und deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen wieder zurück zu gehen. Obwohl sich mein Herz einerseits nichts sehnlicher wünscht, geht es einfach nicht mehr.
Mein Mann ist ähnlich wie deiner, auch immer nur seine Freunde im Kopf, ich kam immer an letzter Stelle. Bei ihm kommt leider noch übermäßiger Alkohol hinzu. Er kann nicht abend mit den Freunden weggehen ohne zu viel zu trinken. Das ist für mich ein gewichtiger Trennungsgrund. Habe jahrelang deswegen gekämpft. Er hat immer versprochen das Trinken zu unterlassen, ging aber immer maximal ein paar Wochen / Monate gut. Zuletzt war es schon so dass er morgens nach dem Aufstehen schon ein Bier trank......Wir hatten auch ganz unterschiedliche Interessen. Ich interessiere mich für Kunst, Musik, Kultur, Spiritualität. Er nur für PC und Technik. Er hat NIE das Bedürfnis gezeigt, mit mir gemeinsam was zu unternehmen. Vielleicht 4 mal in 6 Jahren. Ich bin neben ihm verhungert. Seelisch, Geistig und emotional.
Die Trennung ist die richtige Entscheidung. Die Zeit jetzt ist einfach nur furchtbar und tut so weh dass man am liebsten sofort in seine Arme zurück will. Doch der Punkt ist, dass man ja dann spätestens in 2 Wochen wieder da wäre wo es eskalierte! Es ist ein Teufelskreis!
Bei dir ist es ja schon 11 Monate her, du schreibst dass es leichter wird.
Wie geht es dir jetzt? Könntest du dich schon für eine neue Beziehung öffnen? Sorry dass ich so direkt frage.
Liebe Grüße!

Beitrag von litalia 23.03.11 - 08:23 Uhr

ich wünsche dir alles gute und auch wenn das für dich jetzt blöd klingt, du kannst stolz auf dich sein dich von ihm getrennt zu haben. jetzt beginnt DEIN leben!

es ist meisst wahnsinnig schwierig aus dieser Co-Abhängigkeit raus zu kommen, das ging mir leider auch mal so.

aber eins habe ich gerlernt: einen alkoholiker wirst du nie ändern können und an 1. stelle wird IMMER sein alkohol sein.

alles gute und kopf hoch!

Beitrag von tollelolle 23.03.11 - 08:00 Uhr

Guten Morgen :-)

Ich kann dich sehr gut verstehen und deshalb rate ich dir ... zieh die Trennung durch!

Ich war 6 Jahre lang mit meinem Ex zusammen und bin ebenfalls nie wirklich glücklich gewesen. Immer hab ich gedacht, ohne ihn kann ich nicht leben... #klatsch. Ich hab mich 3 mal von ihm getrennt, beim 3. Mal bin ich dabei geblieben.

Heute, 1 1/2 Jahre später, weiß ich, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe inzwischen einen neuen Freund und er passt so gut zu mir und meinen Kindern. Er macht mich so glücklich.

Trau dich... #pro.

LG

Beitrag von Steh es durch 23.03.11 - 08:06 Uhr

Hallo,

mir ging es nach der Trennung von meinem Mann auch sehr schlecht. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch vom Feinsten, habe sehr viel geweint, war kaum noch in der Lage, mich um mein Kind zu kümmern, das glücklicherweise schon aus dem Gröbsten raus war. Ich war 6 Wochen krank geschrieben.

Wir waren 22 Jahre zusammen, davon 20 Jahre verheiratet. Er hatte mich schon längere Zeit betrogen und irgendwann stellte er dann fest, dass er lieber das Leben als Single genießen wollte, ohne Verpflichtungen und von einer Frau zur anderen hüpfen, ohne lästige Fragen der Ehefrau beantworten zu müssen. Auch finanziell hat er mich massiv hintergangen.

Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, in dem die Trauer täglich da war. Langsam wurde es aber immer besser. Ach ja, ich habe in den ersten Monaten eine Therapie gemacht, was mir auch sehr half. Auch habe ich für kurze Zeit Antidepressiva genommen.

Ich hatte bestimmt noch vier Jahre nach der Trennung immer wieder Phasen, in denen mir die Tränen kamen, wenn ich an meinen Ex gedacht habe. Irgendwann wurde mir aber klar, dass ich gar nicht ihn vermisste, sondern lediglich den Traum von der perfekten Familie, den ich jahrelang gelebt hatte und der nun kaputt war.

Ich habe mich als Single sehr wohl gefühlt. Eigentlich besser als während der Ehe.

Inzwischen habe ich wieder einen Partner an meiner Seite, den ich aber auf Abstand halte. Wir sind auch schon mehrere Jahre zusammen, ein gemeinsamer Haushalt kommt für mich aber nicht in Frage. Inzwischen kann ich es nicht mehr ertragen, wenn es jemanden gibt, der IMMER da ist. Mein Freund hat das akzeptiert.

Ich kann heute sagen, ich bin glücklicher als während der Zeit mit meinem Mann. Naja, stimmt nicht ganz. In den ersten Jahren war ich mit ihm natürlich auch glücklich. Aber das Glück ist eben irgendwann verloren gegangen.

Hab also Geduld mit Dir und Deinen Gefühlen. Sowas braucht Zeit zum Heilen.

Beitrag von badguy 23.03.11 - 11:37 Uhr

Ich kann dir an dieser Stelle wirklich nicht helfen, ich war froh, als meine Ex endlich raus war, als ihr Krempel meinen Augen gewichen ist und endlich Ruhe war.

Aber allgemein möchte ich dir sagen, dass Menschen sich nur ändern, wenn sie einsehen, dass ihr Verhalten falsch war. Grundlegend gibt es die Möglichkeit, dass du recht hast und sein Verhalten nicht beziehungsfördernd war, die Möglichkeit, dass deine Ansprüche zu hoch sind und drittens eine Mischung aus beidem, sprich eine fehlende Kompromissbereitschaft. In diesem Fall wiederum gehe ich davon aus, dass von beiden Seiten noch Gefühle da sind und beide verstehen müssten, dass eine Beziehung den permanenten Schluss von Kompromissen darstellt, ein Geben und ein Nehmen ist.