PKV vs GKV

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Beitrag von fuxx 25.03.11 - 09:18 Uhr

Guten Morgen,

ich bin in der letzten Woche von meinem Versicherungsmakler darauf angesprochen worden, ob ich nicht in die PKV wechseln möchte.
Ich hatte seinerzeit eine Anwartschaft abgeschlossen weil ich den Wechsel für eine gute Idee hielt. Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob ein Wechsel in die PKV für eine Frau mit 36 Jahren noch Sinn macht. Was mich besonders abschreckt sind die Beträge, die im hohen Alter anfallen. Geht man in Rente, muss man meines Wissens die Beiträge komplett alleine aufbringen und da können schnell mal 800-1000 Euro zusammenkommen.
Diese Problematik habe ich auch direkt den Makler dargelegt. Der meinte jedoch, dass dies i.d.R. nicht der Fall sei, weil es irgendwelche Altersrückstellungen gibt, die dann die Beträge im Alter so runterdrücken, dass die Beiträge ohne weiteres finanzierbar sind.
Erzählen kann der Mann natürlich viel.

Hat hier jemand Ahnung/Erfahrung über die Beitragsentwicklung im Rentenalter und kann mir einen Rat geben, ob sich der Wechsel lohnt oder ob ich lieber in der GKV mit Zusatzversicherung bleiben soll?

Es handelt sich übrigens um einen Makler der Debeka.

VG
fuxx

Beitrag von miau2 25.03.11 - 09:52 Uhr

Hi,
wenn deine VK stimmt hast du Kinderwunsch.

du solltest dabei auf jeden Fall bedenken, dass es in der PKV keine "Familienversicherung" für Kinder gibt. Ich habe keine Ahnung, ob du verheiratet bist und evtl. die Familienversicherung eh nicht in Frage käme für den eventuellen Nachwuchs - aber wissen sollte man zumindest, dass die private Versicherung (oder freiwillige gesetzliche Versicherung) für Kinder eben nicht kostenlos zu haben ist. Wir zahlen für unsere Beiden jeden Monat 290 Euro Krankenversicherung (freiwillig gesetzlich).

Zur Beitragsentwicklung im Alter kann ich dir nichts sagen - aber: was mein Mann in den letzten Jahren an Beitragssteigerung (nicht DEBEKA) hatte war der reine Wahnsinn. Und wenn das auch nur irgendwie ein Indiz ist, wie es im Alter weiter geht - dann wachsen mir jetzt schon graue Haare.

Sein Wechsel damals war ein glasklarer Fehler, ohne jede Diskussion. Dumm halt nur, dass dieser Fehler zu den wenigen im Leben gehört, die praktisch nicht mehr korrigierbar sind (auch wenn sich eigentlich jede gesetzliche über einen Höchstzahler, der fast nie krank ist - bisher zumindest - eigentlich freuen müsste...).

Klar werden Rückstellungen gebildet, nur ob die reichen ist eine andere Frage. Und du bist an deine PKV gebunden, denn bei einem Wechsel nimmst du nicht alle mit. Und: du bist mitte 30. Mein Mann hat mit mitte 20 angefangen, Rückstellungen (halt zwangsweise über die Beiträge) zu bilden...entsprechend höher dürften seine ausfallen.

Was ich auch beobachte - wir haben viele privat versicherte im Bekanntenkreis: immer mehr Ärzte versuchen immer mehr Einnahmeverluste bei den gesetzlich versicherten durch immer höhere Abrechnungen bei den privat versicherten auszugleichen.

Das führt dann z.B. dazu, dass ein KiA hier in der Gegend plötzlich vorhat, bei privat versicherten immer mehr als den sonst üblichen 2,3fachen Satz abzurechnen. Und die Zahl der eher überflüssigen Untersuchungen nimmt meinem ganz subjektiven Gefühl nach bei Privatpatienten immer kuriosere Ausmaße an. Als Beispiel der Lungenfunktionstest bei einem stinknormalen grippalen Infekt, der noch nicht mal die Bronchien, geschweige denn die Lunge angegriffen hatte.

Entweder sind die Patienten die angeschmierten, weil ihre Versicherung die Übernahme verweigert (du musst bei PKV extrem genau hingucken, was dein Vertrag alles behinhaltet). Oder es sind alle PKV-Mitglieder die Dummen, denn natürlich steigen so die Kosten für die Versicherungen - und damit die Beiträge...

Auch noch mal zum Kinderwunsch: Kind-krank-Tage (auf Krankenkassenkosten) gibt es nur, wenn sowohl Kind als auch der nehmende Elternteil gesetzlich versichert sind. Haushaltshilfen können auch problematisch werden (im Detail überprüfen, was der Vertrag sagt).

Mein Mann würde sich heute definitiv nicht noch einmal für den Wechsel in die PKV entscheiden.

viele Grüße
miau2

Beitrag von moeriee 25.03.11 - 10:17 Uhr

"Entweder sind die Patienten die angeschmierten, weil ihre Versicherung die Übernahme verweigert (du musst bei PKV extrem genau hingucken, was dein Vertrag alles behinhaltet). Oder es sind alle PKV-Mitglieder die Dummen, denn natürlich steigen so die Kosten für die Versicherungen - und damit die Beiträge..."

So sieht's leider aus! Man muss sich wirklich sehr gut informieren! Mir ging dieses Lesen von Verischerungsbedingungen echt auf den Wecker. Das sind Dokumente, die teilweise mehr als 30 Seiten lang sind. Und du sitzt da als Laie und sollst dir dann sowas durchlesen, es verstehen und dich dafür oder dagegen entscheiden. Ich hatte zwar ings. 4 Versicherungsmenschen mit im Boot, aber mir war es dann irgendwann einfach zu viel. Was da wirklich läuft, bekommt man erst nach und nach raus, wenn man mehrere Tarife genau studiert und verglichen hat. Manche Gesellschaften kommen nicht für Krankentransporte auf, die teurer als 200€ sind. Den Rest muss man selber tragen. Mir sagte ein Versicherungsmakler, dass ein einziger Kilometer im Krankenwagen ca. 80€ kostet. Ganz großes Kino! Oder eine andere Versicherungsgesellschaft wollte allen ernstes eine stationäre Kur bis 520€ zahlen. Das reicht wohl nicht einmal von der Anreise bis ins Zimmer. Zudem muss man extrem gut darauf achten, dass man möglichst alles auch über die ärztliche Gebührenordnung hinaus abgesichert hat. Sonst legt man später drauf. Aber ein Tarif, der diese Leistung bringt, ist so immens teuer, dass man ihn sich kaum leisten kann, es sei denn, man ist beihilfeberechtigt. Selbst dann hätte ich noch fast 200€ hingeblättert und das war mir derzeit, ohne Einkommen, einfach zu teuer.

Beitrag von anyca 25.03.11 - 09:54 Uhr

Er hat Dir hoffentlich auch gesagt, daß es in der PVK keine kostenlose Weiterversicherung in der Elternzeit und keine kostenlose Versicherung der Kinder gibt?

Bei Kinderwunsch ist das Schwachsinn, wenn ihr weder behilfeberechtigt noch Millionäre seid.

Beitrag von demy 25.03.11 - 09:55 Uhr

Hallo,
hier gibt es eine gute Übersicht über die Vor und Nachteile beider Versicherungsarten.
Die kann man mal durchstöbern.
http://www.kasse-oder-private.de/krankenversicherungen_vergleichen/vorteile_nachteile/

Für mich persönlich überwiegen die Nachteile der PKV, weshalb ich in der GKV geblieben bin.
Ist aber meine persönliche Meinung die ich mir beim abwägen gebildet habe.
Kommt ja auf die Schwerpunkte an die man hat und wie man die Vor-Nachteile gewichtet.

Gruß
Demy

Beitrag von seikon 25.03.11 - 10:06 Uhr

Ich würde ehrlich gesagt in der GVK bleiben und etwaige "Nachteile" dann über Zusatzversicherungen ausgleichen. Damit kannst du auf Privatversichertenniveau kommen, aber die Versicherungen dann jederzeit nach Bedarf wieder kündigen. Bei der PKV geht das schlecht.

Beitrag von moeriee 25.03.11 - 10:09 Uhr

Hi Fuxx! #winke

Ich hatte mich auch damit auseinandergesetzt, da ich Anfang Februar verbeamtet wurde. Habe mich dann aber dagegen entschieden, in die PKV zu wechseln. Das hat aber derzeit finanzielle Gründe, denn da ich in Elternzeit bin, lohnt sich ein Wechsel noch nicht. Denn die GKV versichert mich derzeit beitragsfrei (da EZ), während eine PKV mir hohe Risikozuschläge auferlegen würde (durch mehrfache KKH-Aufenthalte, die teilweise bis zu 2 Monate andauerten). Ich hatte mich allerdings trotzdem beraten lassen und würde in deine Überlegung noch Folgendes einbringen wollen:

"Ich hatte seinerzeit eine Anwartschaft abgeschlossen"

Was für eine Anwartschaft war das denn? Es gibt da nämlich verschiedene Formen der Anwartschaft. So wurde mir zumindest gesagt, dass man einmal den aktuellen Gesundheitszustand und / oder Alter "sichern" kann und / oder einen bestimmten Tarif. Je mehr man in diese Anwartschaft mit einbezieht, umso teurer wird es nämlich. Legst du dich "nur" auf einen bestimmten Tarif fest, ist es noch recht günstig. "Frierst" du aber deinen Gesundheitszustand und dein Alter ein, dann wird es etwas teurer. Ist es denn möglich, dass du zu dem Zeitpunkt eine Anwartschaft abgeschlossen hast, die das damalige Alter mit einschließt?

Dann hoffe ich, du nimmst es mir nicht krumm, dass ich auf das Thema eingehe. Aber da du in deiner VK offen darüber sprichst, denke ich, kannst du damit umgehen:

Du und dein Mann, ihr habt Kinderwunsch. Dieser ist aber derzeit noch nicht von Erfolg gekrönt. Wenn du den Gesundheitsfragebogen ausfüllst, wird unweigerlich auch die Frage danach kommen. Befindet ihr euch denn in der Behandlung einer KiWu-Klinik? Bezog sich die Anwartschaft auch auf den Gesundheitszustand? Und wurde eine KiWu-Klinik vor oder nach dem Abschluss der Anwartschaft aufgesucht? Möglicherweise wird dich die Versicherungsgesellschaft dann sowieso ablehnen oder einen Risikozuschlag erheben. :-( Zumal es dann mit der Kostenübernahme der Behandlungen auch wieder schwierig wird. Aber da würde ich mich im "Fortgeschrittenen KiWu"-Forum noch einmal kundig machen, wie es ausschaut.

Im Falle einer SS gibt es auch besondere Regelungen bzgl. des Mutterschaftsgeldes: http://bit.ly/enNSs7 Zudem werden Geburtsvorbereitungskurs und auch Rückbildungsgymnastik nicht getragen. Außerdem ist es so, dass es in einer PKV kein Kinderkrankengeld gibt. D.h. konkret: Wenn dein Kind einmal krank sein sollte, bekommst du keine 10 Tage bezahlten "Urlaub", um dich um dein Kind zu kümmern. Du müsstest also unbezahlten Urlaub nehmen, normalen Urlaub oder Überstunden abfeiern.

Wie ist denn dein Mann versichert? Gesetzlich oder privat? Denn auch das müsste man abklären! Ist dieser gesetzlich versichert, dann könnten mögliche Kinder später unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei bei ihm mitversichert werden (wenn dein Einkommen unter der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze liegt). Ansonsten kommen dann auch wieder Mehrkosten auf euch zu, da das Kind nicht gesetzlich versichert werden kann.

Man merkt es wahrscheinlich: Ich bin auch mit Versicherungen nicht so vertraut. Gerade was private Versicherungen anbetrifft, ist das echt kompliziert für Laien. Aber das waren so die Punkte, die bei mir hängen geblieben sind. Vielleicht können andere mich ja berichtigen oder ergänzen. Ich wollte es nur mal angemerkt haben, das das Thema "Kind" bei euch ja aktuell ist. Ob und was du davon in deine Überlegungen mit einbeziehst, bleibt letztlich dir selbst überlassen. Aber ich wollte dich zumindest darauf hinweisen, dass es da bestimmte Dinge gibt, die man bedenken sollte.

Liebe Grüße #herzlich

Marie

Beitrag von gslehrerin 25.03.11 - 15:18 Uhr

Also meine PKV (debeka) hat sowohl GVK als auch Rückbildung erstattet.
Der Link zum Mutterschaftsgeld klingt dramtischer, als es ist, die Zeit nach der Geburt erhält sie dann nämlich Elterngeld, da nix zum Anrechnen da wäre.

LG
Susanne

Beitrag von moeriee 25.03.11 - 15:43 Uhr

Ah, das ist ja gut zu hören. Also das mit dem GKV und auch der Rückbildung. Ich hatte nämlich von der Barmenia die Rückmeldung bekommen, dass so etwas medizinisch nicht notwendig sei, deshalb würde es nicht bezahlt. Aber deshalb würde ich mich eben vorher erkundigen, was davon gezahlt wird und was nicht.

Ansonsten: Klar, Elterngeld bekommt man auf alle Fälle! Aber möglicherweise rechnen manche nicht damit, dass sie im Mutterschutz dann weniger Geld zur Verfügung haben!? Und wie ist es mit den 6 Wochen vor der Geburt? Na ja, wir als Beamte haben da ja eh wieder mal Sahne gehabt. ;-)

Beitrag von fuxx 25.03.11 - 10:44 Uhr

Wow, danke für Eure zahlreichen und vor allem ausführlichen Antworten!!
Da versuche ich mal die wichtigsten Fragen zu beantworten:

KiWu ist da, ich bin NICHT verheiratet. Dass ein Wechsel zur PKV mit meinem KiWu keinen Sinn macht, konnte ich aus zahlreichen Postings im KiWu Forum schon erkennen. Ein Wechsel käme wenn überhaupt erst NACH einer Geburt in Frage.

@miau: hab ich es richtig verstanden, dass Ihr auch freiwillig gesetzlich versichert seid und Ihr dennoch KK-Beiträge für die Kinder zahlen müsste? Was kostet denn ein Kind? Und wie wird es geregelt, wo das Kind versichert ist? Ich plane nur die 2 Monate Partnererziehungsurlaub zu nehmen, mein Freund wird die 12 Monate nehmen. Also müsste ich dann das Kind über mich mit der Zuzahlung versichern, oder?

@Marie: Gute Frage, welche Anwartschaft habe ich überhaupt? Weiss ich gar nicht, ich habe es so verstanden, dass der Gesundheitszustand von damals bei Eintritt in die GKV nicht noch einmal überprüft wird.

1000 Dank an Euch alle, dass Ihr mir so viele Punkte genannt habt, die es zu beachten gilt. Ich war ja sowieso schon überzeugt davon, dass die PKV nicht die beste Wahl für mich ist, aber einige Argumente hier hauen mich echt um. Vielleicht sollte ich die dann mal dem Debeka-Menschen um die Ohren hauen. Der wird mich nämlich sicherlich erneut anrufen und versuchen mich von einem Wechsel zu überzeugen.

Liebe Grüße,

fuxx

Beitrag von demy 25.03.11 - 12:23 Uhr

"Der wird mich nämlich sicherlich erneut anrufen und versuchen mich von einem Wechsel zu überzeugen."

Natürlich, was meinst du was da für Provisionen fließen wenn er ne PKV verkauft ;-)

Ich finde PKV lohnt sich eigentlich nur für Beamte (wegen der Beihilfe), Einzelgänger ohne Familie und Kinder (die das auch bleiben wollen) und Leute die ab 30k € über der Beitragsbemessungsgrenze liegen und sicher sind das es im laufe ihres Berufslebens noch mehr wird.

Für Familienväter wie mich, die grade mal 15k-20k € über der Beitragsbemessungsgrenze liegen und die Zukunft Jobmäßig sich mal kritischer entwickeln könnte, wären nicht so gut beraten in die PKV zu wechseln.

Ich habe viele kennengelernt, die sind aus Prestigegründen in eine PKV gewechselt obwohl sie grade so über der Beitragsbemessungsgrenze waren.
Einige merken grade, dass das nicht ganz sooo klug war.

Gruß