Diagnose- und Foerderklasse

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von doremi05 26.03.11 - 20:54 Uhr

Unser Sohn wird im Sommer sechs und erst jetzt, bei der Kiga-Schulkooperation ist aufgefallen, dass er foerderbeduerftig ist.
Er wurde von einer Foerderschullehrerin getestet und ist in etwa ein Jahr entwicklungsverzoegert. Sie empfiehlt uns ihn in einer Diagnose- Foerderklasse einzuschulen. Inzwischen habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet, weil mir vor allem wichtig ist, dass er Spass an der Schule findet und nicht gleich entmutigt wird. Im Moment stehen noch Besuche beim Kinderarzt und beim Augenarzt aus, jedoch findet kommende Woche die Schulanmeldung statt.
Ich hatte eigentlich vor, ihn parallel an beiden Schulen anzumelden, und erst im Fruehsommer zu entscheiden, auf welche Schule er gehen soll. Andererseits will ich mich auch bald entscheiden, einfach damit er sich auch drauf einstellen kann, denn momentan geht er davon aus, dass er die gleiche Schule besuchen wird wie sein Bruder.
Was mich jetzt in den Diskussionen um integrativ Kinder verunsichert hat: im Moment haben wir als Eltern die Wahl, wo wir ihn einschulen wollen. Doch wenn er in der DIagnose-Foerderklasse ist, ist er dann ein Foerderschulkind und haben wir dann noch die freie Schulwahl oder bestimmt das dann das Schulamt (wir wohnen in BW)? Was mich etwas nachdenklich gemacht hat: die Testergebnisse durften wir zwar einsehen aber nicht kopieren, und sie werden wohl im Schulamt archiviert.
ich wäre dankbar fuer Infos und Empfehlungen, zu obigem Thema und auch dazu wie progressiv oder verhalten andere Familien mit dem Thema Foerderbedarf gegenueber anderen Eltern bzw. KIGa-Freunden umgegangen sind.
LG und danke

Beitrag von kati543 26.03.11 - 21:20 Uhr

Hallo,
ich finde es immer komisch, wenn bei der Einschulungsuntersuchung festgestellt wird, dass ein Kind 1 Jahr entwicklungsverzögert ist. OK, dass es die Eltern nicht sehen (wollen) naja, sie sind "betriebsblind". Aber Kiga, Kinderarzt,... wozu gibt es denn die U's?
Hätten mal die Ärzte ihre U's ordentlich gemacht und die Entwicklungsverzögerung festgestellt, dann hätte man deinen Sohn bereits im Kiga ordentlich fördern können und jetzt in der Schule könnte er vielleicht auf eine Regelschule kommen.
Aber nun zu deiner Frage... Wenn ein Kind einmal eingeschult ist, haben die Eltern keine Entscheidungsgewalt mehr. Wird dann festgestellt, dass das Kind einen Förderbedarf hat und nicht in eine Regelschule gehört oder noch ein Jahr in den Kiga soll....egal - alles wird ohne die Eltern entschieden. Das Schulamt bestimmt immer mit. Die müssen nämlich die Lehrkräfte stellen. Tun sie es nicht, gehen deine Pläne nicht auf. Und derzeit ist absoluter Lehrkräftemangel. Also GU durchzudrücken wird sehr, sehr schwierig.

Beitrag von doremi05 26.03.11 - 21:34 Uhr

Was heisst GU?

Beitrag von kati543 26.03.11 - 22:34 Uhr

Gemeinsamer Unterricht. Also Unterricht in einer Regelschule mit gesunden und behinderten Kindern zusammen. Das Recht eines jedes behinderten Schülers nach der UN-Konvention.

Beitrag von zanadu01 27.03.11 - 12:38 Uhr

Hallo, kommt darauf an wie das bei euch so läuft? An unserer Grundschule gib es eine Klasse 0. Da kommen Kinder mit Förderbedarf rein. Die Kinder haben in dieser Klasse noch ein Jahr Zeit sich zu entwickeln. Es ist eine keine KLasse mit 10 Kindern. Einge Kinder sind eben noch nicht schulreif. Für diese Kinder währe eine normale Klasse ganz schön frustrierend.
Viele Eltern aus anderen Schulen sind neidisch, weil es diese Klasse nur für Kinder aus unserem Stadtteil gibt.
Bei uns ist das ganze sehr positive.

Beitrag von doremi05 27.03.11 - 22:06 Uhr

Danke fuer deine positive Einschaetzung. hier ist die Klasse eigentlich ähnlich, max. 10 Kinder, individuelle Foerderung mit dem Ziel Regelschule, was auch bei den meisten Kindern so aufgeht. Allerdings ist sie an der Foerderschule in der Kreisstadt angesiedelt, also vielleicht doch etwas belasteter als eine einfache Klasse 0.

Beitrag von louis2005 27.03.11 - 16:58 Uhr

habt ihr denn die möglichkeit, noch eine zweite meinung einzuholen bzw. seid ihr als eltern der gleichen auffassung? wenn ein kind 1 jahr entwicklungsverzögert ist, ist das ja nix schlimmes, aber daß es jetzt erst auffällt? das hätte doch im rahmen der u-untersuchung schon mal thema sein müssen ... oder im kindergarten, wie sehen die das? lg

Beitrag von doremi05 27.03.11 - 22:42 Uhr

Wir haben demnächst einen Termin beim Kinder- und Jugendpsychiater und nach fünfmal Ergo werde ich von der Ergotherapeutin hoeren, wie sie die Situation einschätzt.
Ich finde es auch schlimm, dass uns im Kiga niemand rechtzeitig auf das Problem hingewiesen hat, aber das hilft ja auch nichts. Er ist ein sozial unkompliziertes Kind, das im Kindergarten einfach uebersehen wurde, und gesundheitlich schien (bis auf Lispeln) auch alles ok, sowohl bei den Us als auch bei der Schuluntersuchung.
Und was mich betrifft: er und sein zwei Jahre älterer Bruder haengen sehr aneinander. Unterschiede habe ich auf den Altersunterschied oder manchmal auch auf eine gewisse Entmutigung, weil der Bruder eben vieles besser kann, geschoben. Jetzt interpretiere ich natuerlich manches anders.

Du hast recht, eine Entwicklungsverzoegerung ist keine Katastrophe, aber natürlich ist sie auch kein Pappenstiel.

Beitrag von kati543 27.03.11 - 23:06 Uhr

"Du hast recht, eine Entwicklungsverzoegerung ist keine Katastrophe, aber natürlich ist sie auch kein Pappenstiel. "
Also eine Entwicklungsverzögerung von einem Jahr ist schon eine ganze Menge. Was hat er denn für eine Entwicklungsverzögerung? Eine globale? Du solltest dir schon überlegen, ob du dir nicht die entsprechenden staatlichen Hilfen beantragst, die es dafür gibt.

Beitrag von falbala1 28.03.11 - 10:50 Uhr

ich würde auch zusehn das ich ne 2. meinung hole.oft sind kinder einfach noch kindlicher als andere.solche gehören dann einfach n jahr später in die schule.
förderschule is nämlich immer sone sache.mein großer geht auch rein und hatte nie die möglichkeit auf eine normale mittelschule zu wechseln.es heißt zwar immer das das möglich ist.aber leider siehts real oft anders aus.

kinder werden immer viel zu schnell auf verzögerungen oder ads/adhs getrillt.ohne zu überlegen was das für folgen haben kann(ausgrenzung,schwere medis usw)

lg bine

Beitrag von aoiangel 05.04.11 - 11:28 Uhr

Hallo,

mein Sohn wird im September in eine Diganose-Förderklasse eingeschult werden, allerdings in eine 2jährige Stufe, also ohne zustäzliches Jahr.
Im Normalfall ist die DFK ja 3 Jahre lang.

Die DKF ist ja wie der Name schon sagt eine Diagnoseklasse, sprich das Ziel ist es die Kinder einzuordnen, so nach der Art, wo sind sie am besten aufgehoben.
Hier bei uns (in BY) bedeutet das das sie schon dahinter sind die Kinder so bald es geht umzuschulen. Ca. 70% der DFK-Kinder werden wohl hier zurückgeschult an die Regelschule, nur der kleinere Teil verbleibt an den verschiedenen Förderschulen.

Zumindest hier in Bayern ist es so das man als Elternteil IMMER die letzte Wahl hat und solange nichts gravierendes dagegen spricht wird man in der Regel auch dem Wunsch der Eltern entsprechen. Nur wenn das Kindswohl dadurch gefährdet wäre würde das Schulamt wohl entscheiden.

Wie gesagt, wir schicken unseren Sohn jetzt wirklich guten Gewissens in die DFK weil wir uns alle einig sind das er an der Regelschule nur untergehen würde.
Sollte die Zurückschulung dann anstehen werden wir uns um eine Schulbegleitung kümmern.
Wie gesagt, soviel ich weiß, gibst du auch damit dein "Wahlrecht" nicht ab.

LG Anne