Trennung - Wie sag' ich es meinem Kind?

Archiv des urbia-Forums Familienleben.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von bessi 27.03.11 - 09:42 Uhr

Hallo,

wie sagt man einem gerade 5 Jahre alt gewordenen Kind, dass sich Mama und Papa trennen?

Vor meiner Tochter und mir liegt eine schwierige Zeit des Umbruchs. Ich selbst weiß erst seit gestern, dass der Vater und ich in der Zukunft getrennte Wege gehen werden. Wenn ich eine passende Wohnung gefunden habe, werden wir ausziehen.

Doch wie sagen wir unserem Kind, dass wir uns trennen, ohne dass es Schaden nimmt, ohne dass es sich auf sich bezieht, ohne dass es Angst davor hat auch unsere Liebe zu verlieren. Wie macht man ihm klar, dass wir demnächst woanders wohnen und dass sich Vieles ändern wird?

Ich habe solche Angst davor, nicht die richtigen Worte zu finden!

Kann mir jemand raten?

LG Bessi

Beitrag von danaz 27.03.11 - 11:43 Uhr

Hallo,

wie ist denn Eure Beziehung bisher verlaufen? Habt ihr Euch häufig übereinander geärgert, gestritten? Wenn ja, kann man das ja gut damit erklären, dass man sich eben nicht mehr gut versteht und das Kind das sicher ja auch schon mit bekommen hat.

In jedem Fall ehrlich sein und sagen, dass man sich nicht mehr lieb hat und deshalb nicht mehr zusammen wohnen wird. Dem Kind sagen, dass ihr beide es deshalb immer noch liebt und dass Papa weiterhin für die Tochter da ist, wenn sie ihn braucht.

Wenn ihr Euch halbwegs einvernehmlich trennt, das Gespräch gemeinsam führen. Ich denke, dann ist es für die Maus besser, weil jeder selbst sagen kann, dass sich gegenüber dem Kind nichts ändern wird (gefühlstechnisch). Sprecht Euch gemeinsam ab.
Kinder in dem Alter können das ganz gut verkraften, denke ich, wenn Eltern es schaffen, gemeinsam als Eltern (und nicht mehr als Paar) die Situation zu erklären und zu bewältigen.
Ich wünsche Euch viel Glück.

danaz

Beitrag von bessi 27.03.11 - 13:07 Uhr

Hallo,

wir haben uns nicht gestritten...wir hatten die eine oder andere Auseiandersetzung, aber nie vor dem Kind. Problem ist, dass wir in dem Sinne keine intakte Partnerschaft mehr führen, weil wir mehr und mehr zu Bruder und Schwester geworden sind. So empfindet es zumindest der Vater.

Unser Kind wird aus der heilen Welt regelrecht gerissen werden, ohne das es auch nur einen blassen Schimmer haben wird, warum das so ist. Hätte es Streitereien im Vorfeld gegeben, wäre das vermutlich ein Aufhänger, aber so...

Ich hoffe, dass wir die richtigen Worte finden werden...

Danke

Bessi

Beitrag von jeanny.82 27.03.11 - 11:56 Uhr

Hey, es gibt ein Buch, glaube es heisst: Papa wohnt jetzt woanders"

EVTL. kann das dir helfen....

LG Jeanny und viel Kraft für die kommende Zeit

Beitrag von bessi 27.03.11 - 14:04 Uhr

Danke...

Bessi

Beitrag von witch71 27.03.11 - 14:22 Uhr

Sehr positiv ist, dass Ihr - als Eltern - offenbar noch gut miteinander auskommen könnt. Aus Erfahrung kann ich Dir empfehlen, dass Du einen regen Kontakt zwischen Vater und Tochter bewusst förderst. Umso kleiner wird der Trennungsschmerz ausfallen.

Erkläre Deiner Tochter, dass Ihr Euch als Paar nicht mehr versteht und Eure Liebe zueinander sich in eine freundschaftliche Form gewandelt hat. Dass Ihr Eure Tochter aber niemals aufhört zu lieben und sie sich jederzeit an Euch wenden kann. Vor allem der Papa sollte ihr sagen, dass sie ihn beispielsweise Abends anrufen kann, um vom Tag zu erzählen. Er sollte sich auch die ersten Wochen sehr massiv um sie kümmern und bemühen, damit sie merkt: "Hey, was Papa betrifft ändert sich für mich erstmal gar nicht so viel. Er liebt mich.".

Tipps zum Umgang:

- Tägliches Telefonieren, wenn das Kind es möchte. Auch Papa sollte sich melden und nachfragen, wenn sie mal nicht sprechen mag, dann nichts persönlich nehmen. Er kann über Dich Grüsse ausrichten lassen.
- Zu Beginn kann er, sofern das zeitlich klappt, nach der Arbeit vorbei schauen und sie ins Bett bringen oder zusammen mit ihr in ihrem neuen Zimmer spielen. Später kann man das reduzieren, wenn Ihr merkt, sie hat ihre Sicherheit gefunden und weiss, dass Papa wieder kommt, auch wenn er geht.
- Mehrmaligen Umgang pro Woche! Diese 14-Tages-Regelung ist Horror für Kinder, denk mal zurück, als Du klein warst, wie lange einem als Kind eine solche Zeitspanne vorkam. Ich würde einen festen Umgangstag unter der Woche und auf jeden Fall einen Tag am Wochenende einplanen.
Das Kind braucht keine tollen Events, wichtig ist, das als Qualitätszeit einzurichten.
- Papa sollte in seiner neuen Wohnung (oder in der alten Wohnung, falls er die behält) ausreichend Spielsachen und natürlich eine feste Schlafmöglichkeit für die Tochter einrichten. Wie gehabt ein eigener Bereich fürs Kind, damit sie sich nicht als Gast fühlt, wenn sie dort übernachten möchte.

Ich habe mich im Februar 2010 getrennt und u.a. auf diese Punkte bestanden. Eine Wesensänderung oder Trennungsprobleme habe ich bei meinem Sohn (er war damals 3 Jahre alt) zu keiner Zeit festgestellt.

Beitrag von bessi 27.03.11 - 18:22 Uhr

Hallo,

ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort. Da sind sehr viele gute Anregungen drin, die wir hoffentlich umsetzen werden.

Eine Trennung ist immer mit Schmerzen verbunden, nicht nur fürs Kind, obwohl man natürlich die Hoffnung hat, dass das eigene Kind mit der neuen Situation leichter umgehen kann als gedacht. Aber da hast Du recht, dass kann nur geschehen, wenn Vater und Mutter freundschaftlich miteinander umgehen.

Ich habe Angst vor den nächsten Wochen, da ich nicht weiß, wo wir wohnen werden und wie wir wohnen werden. Finanziell sieht es nicht allzu rosig aus und im Moment habe ich neben dem Trennungsschmerz noch erhebliche Zukunftsängste. Ich möchte natürlich so schnell wie möglich einen räumlichen Schlussstrich ziehen, möchte aber auf der anderen Seite nicht überschnell reagieren und dann in einer Wohnung landen, in der sich mein Kind und ich mich nicht wohlfühlen. Es wird mit Sicherheit noch einige Zeit dauern und viele Gespräche mit dem Vater und Ämtern in Anspruch nehmen, bis der eigentliche Trennungstag vollzogen werden kann.

Aber es ist schön zu lesen, dass Ihr einen Weg gefunden habt, das Beste aus der Situation zu machen. Ich würde mir das für uns auch wünschen.

LG Bessi