5 Wochen zu lang zum trauern???

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von mimra 27.03.11 - 12:00 Uhr

Hallo,
ich habe im Dezember in der 12 SSW mein ersehntes Baby verloren.
Es hat gedauert bis ich überhaubt schwangere oder frauen mit babies ansehen konnte.jetzt endlich schien es soweit überwunden zu sein.
Doch gestern der schlag ins gesicht: meine beiden schwägerinnen sind schwanger und ich kann den gedanken nicht ertragen.
hab die ganze nacht geweint.
jetzt kommt mein mann mit der aussage, dass es doch schon fast 5 monate her ist und ich mich nicht so anstellen soll.

wie denkt ihr darüber? ist das wirklich schon lang her?
für mich fühlt es sich wie gestern an.

danke für eure meinung

regina

Beitrag von kebl 27.03.11 - 12:20 Uhr

Liebe Regina,

ich finde 5 Monate sind nicht lange.Ich kann völlig nachvollziehen was Du meinst.Mir ging es genauso. Ich konnte auch sehr lange keine Schwangeren sehen oder kleine Kinder ohne dass sich mir der Magen zusammengezogen hat.Meinem Freund ging es aber genau so.
Meine erste FG war im Sep.2009 und ich bin heute auch noch traurig über den Verlust.Erst jetzt nach meiner dritten Fg im Feb. hat sich was verändert. Ich kann mich für andere schwangere freuen( noch nicht für alle, aber für viele;-)) und ich kann andere Kinder um mich ertragen. Warum das auf einmal geht weiß ich auch nicht-bin auch etwas verwirrt.

LG
Kerstin

Beitrag von dydnam 27.03.11 - 12:37 Uhr

Hey du,

ich habe v.a. nach der ersten FG sehr sehr lange gebraucht, um damit umgehen zu können. Noch kein Kind, an dem man sich festhalten kann (und das einem v.a. die Sicherheit gibt, dass man ja im Prinzip doch ohne Probleme Kinder bekommen kann), ein Lebensgefährte, der aus erster Ehe schon 2 Kinder hat (wo es keinerlei Probleme gab), und natürlich die Frage nach dem Warum. Es war einfach alles zuviel.

Mein Mann ließ sich relativ schnell nix mehr anmerken und ging zur Tagesordnung über, konnte fremde Babybäuche schon bald wieder mit einem Lächeln kommentieren, für ihn war es einfach erledigt. Bei mir ging das so einfach nicht. Noch Monate danach hatte ich Schwierigkeiten, mir im Fernsehen Filme oder Serien anzuschauen, in denen es um das Thema Schwangerschaft, Geburt... ging. Da fing es in meinem Kopf an zu arbeiten, die Gedanken überschlugen sich, die Wut, die Trauer, alles kochte wieder hoch. Und die Tränen liefen dann. Mein Mann wusste irgendwann schon von allein, dass er ganz schnell umschalten musste, wenn etwas in die Richtung kam. Auch hatte ich den ein oder anderen Heulflash im Einkaufszentrum, wenn dann prickelnderweise schon die 3. oder 4. Hochschwangere an uns vorbeilief. Eine zeitlang konnte ich mich zusammenreißen, doch dann war irgendwann der Punkt da, an dem es nicht mehr zu ertragen war.

Auch Schwangerschaftsnachrichten von Verwandten/Bekannten konnte ich nicht ertragen. Es war einfach ein Schlag in den Magen, ich habe sie damals wirklich dafür gehasst, ihnen die SS missgönnt.

Das Ganze dauerte auch bei mir Monate. Mein Mann war oft genervt, meinte häufig, ich würde mich in meiner Trauer vergraben, solle doch auch mal wieder nach vorn schauen. Um ehrlich zu sein, meine einzige Rettung war die erneute Schwangerschaft nach einem halben Jahr. Sie hat mich versöhnt. Wie es mir ergangen wäre, wenn ich nicht so schnell wieder schwanger geworden wäre, weiß ich nicht. #schmoll

Ich weiß nicht, was "angemessene" Trauer ist. Ich denke, so lange man traurig ist, sollte man es auch sein dürfen. So ein Trauma (bei mir v.a. das Gefühl des Versagthabens) verarbeitet man nicht innerhalb einer Woche, und dann ist wieder gut. Das verstehen leider viele Männer nicht.

Ich denke du solltest mit deinem Mann darüber sprechen. Dass es dir immer noch nicht gut geht. Vielleicht suchst du dir auch einfach man jemanden zum Reden (Gesprächstherapie). Das hätte ich damals möglicherweise auch machen sollen, denn noch heute habe ich das Gefühl, dass ich einfach vieles verdrängt und runtergeschluckt habe.

Liebe Grüße

Mandy mit
Silas (*06.12.08) und Tamino (*12.06.10) an der Hand und 3 #stern (Okt. 2007, April 2009, Februar 2011) im Herzen

Beitrag von dydnam 27.03.11 - 12:40 Uhr

Hab gerade noch in deiner VK gesehen. Uns eint der gleiche Wunsch. Noch ein kleines Wesen auf die Welt zu bringen, und nach 2 Jungs am Besten noch eine Püppi.

Auf das wir beide ganz schnell unseren Wunsch erfüllt bekommen! #klee

Beitrag von asharah 27.03.11 - 14:33 Uhr

"... Um ehrlich zu sein, meine einzige Rettung war die erneute Schwangerschaft nach einem halben Jahr. Sie hat mich versöhnt. Wie es mir ergangen wäre, wenn ich nicht so schnell wieder schwanger geworden wäre, weiß ich nicht. ..."

#liebdrueck Genau so ging es mir auch! Alle haben gesagt, lass dir Zeit, verarbeite erstmal die FG, sonst kannst du nicht unbeschwert eine neue SS wagen. Aber für mich war es genauso richtig und ich wollte nicht warten (und unbeschwert kann wohl keine von uns jemals wieder schwanger sein).

LG, Ash

Beitrag von aylin80 27.03.11 - 14:25 Uhr

Liebe Regina, ich hatte vor 5 Jahren mehrere Fehlgeburten hintereinander und noch heute kann ich nicht mit Freude auf Schwangere in meinem pers. Umfeld reagieren. Ich bin jedesmal getroffen und immer wieder kommt dieses Gefühl, dass es bei allen problemslos klappt und keiner Schwierigkeiten hat.

Aylin mit Sebastian fest an der Hand#verliebt#verliebt

Beitrag von dydnam 27.03.11 - 16:12 Uhr

Oh, das Gefühl kenne ich nur zu gut.

Obwohl ich schon 2 Kinder habe, zieht es mir immer wieder im Herzen, wenn ich höre, dass jemand schwanger ist, und sich scheinbar alles wunderbar entwickelt. Jedesmal kommen wieder die Gedanken, was mit einem selbst nicht stimmt, warum man selbst so oft durch die Hölle gehen musste, während andere einfach mal eben so ein Kind ansetzen und neun Monate später völlig problemlos auf die Welt bringen.

Zugegebenermaßen gab es auch bestimmte Leute, denen ich in meiner Trauer eine FG an den Hals gewünscht hätte, einfach damit sie wissen, wie beschissen es mir ging. Das war auch erst vor Kurzem der Fall, als meine Schwägerin (wurde kurz vor mir schwanger und ist es noch) nicht einsah, mir gegenüber ein wenig rücksichtsvoll zu sein. Aber da müssen wir durch.


Liebe Grüße

Mandy mit
Silas (*06.12.08) und Tamino (*12.06.10) an der Hand und 3 #stern (Okt. 2007, April 2009, Februar 2011) im Herzen

Beitrag von aylin80 27.03.11 - 19:13 Uhr

Bin immer wieder erleichtert zu hören, dass es anderen genauso geht und diese Gefühle wohl normal sind. Hab aber trotzdem ein schlechtes Gewissen.

Beitrag von asharah 27.03.11 - 14:29 Uhr

Hallo Regina,

5 Monate sind absolut nicht zu lang! Du entscheidest selbst, wie lang du trauern willst bzw. musst. In der Psychologie sagt man, dass die Bewältigung eines Verlusttraumas - und nichts anderes ist Trauer - bis zu 2 Jahren dauert!

Ich hab mein Sternchen im November 2009 verloren, bin ziemlich schnell wieder schwanger geworden, alles ging gut und mittlerweile ist mein Jüngster 3 Monate alt und gesund. Der Schmerz wurde erst mit der neuen Schwangerschaft deutlich weniger, aber mein Sternenkind wird mir trotzdem immer fehlen.

Alles Liebe,
Ash

Beitrag von haseundmaus 27.03.11 - 15:08 Uhr

Hallo!

Nein, es ist nicht zu lang. Ob 5 Wochen oder 5 Monate. Ich habe meine Zwillinge verloren und werde immer trauern. Und ich würde mir niemals sagen lassen, erst recht nicht von meinem Mann, dass ich mich nicht so anstellen soll! Dem würd ich mal ordentlich in den Hintern treten! Ich mein, Männer gehen mit sowas anders um. Klar, sie haben das Baby nicht unter ihrem Herzen getragen, sie haben diese Bindung nicht wie wir Mütter sie haben. Ist ja alles richtig, aber dennoch finde ich, dass sie Rücksicht nehmen müssen und davon ausgehen sollten, dass wir immer traurig sein werden ein oder mehrere Babies verloren zu haben. Sie können sich nicht anmaßen zu sagen, so und so lange hat man zu trauern. Tun sie es doch, ist Aufklärung nötig. Du solltest ihm klipp und klar sagen, was du fühlst und dass er so nicht mit dir zu reden hat.

Das klingt jetzt hart, aber mich regt sowas einfach auf. Ich mein, du bist traurig und am Boden zerstört und dein Mann hat nichts besseres zu tun als dich nieder zu machen. Er hat dich in den Arm zu nehmen und dir zu sagen, dass ihr es zusammen schafft und dass ihr auch wieder schwanger sein werdet. Ich finde, das wäre eine angemessene Reaktion. Und sonst nichts.

Es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht. Ich hoffe, es geht bald wieder bergauf. Aber dein Krümel wird dir immer fehlen.

Alles Liebe!

Manja mit Lisa Marie #sonne *18.09.2009 und Jana & Talina #herzlich#herzlich still geboren am 8.06.2007 in der 25. Woche

Beitrag von nurina 27.03.11 - 17:06 Uhr

Ich kann Dich sehr gut verstehen!#liebdrueck
Bis heute habe ich die ELSS und das damit verbundene Ende nicht wirklich verarbeitet. Die Schwangerschaft kam für mich/uns völlig überraschend und wir hatten nur kurz Zeit uns mit dem Gedanken auseinander zusetzen. Zwar hieß es von Anfang an, dass es wahrscheinlich eine ELSS, ein Abort oder eine Frühschwangerschaft sein könne. Das HCG stiegt viel, viel zu langsam und ich bekam eine Woche nach dem das erstemal ein erhöhtes HCG festgestellt wurde starke Schmerzen und musste operiert werden.
Es fällt mir immer noch schwer mich über Schwangerschaften im Familienkreis zu freuen, ich denke oft "nun wäre wieder eine Woche rumgewesen...".
Ich weiß nicht wirklich wie ich weiter damit umgehen soll.
Was ich sagen möchte ist, dass das jeder anders verarbeitet. Für den einen sind wenige Wochen ausreichend und andere, wie Du und ich brauchen einfach länger Zeit um damit fertig zu werden. Dein Mann trauert sicher anders als Du und für ihn scheint es wirklich so lange her zu sein. Sind es die Schwestern Deines Mannes die schwanger sind oder die Frauen Deiner Brüder? Wie ist denn Das Verhältnis zu Deinen Schwägerinnen? Kannst Du mit ihnen über Deine Traurigkeit reden?
Hast Du mit Deinem Mann offen über Deine Gefühle reden können?

Ich habe es leider bis heute noch nicht richtig geschafft so wirklich offen zu reden, möchte es aber unheimlich gerne, weil ich merke, dass es mich belastet. Es bedeutet ja auch, dass man dann wieder ein Stück den Schmerz spüren wird.

Sorry, dass ich jetzt so abgeschweift bin.

LG
Nurina mit #stern nach ELSS im Dez. 2010

Beitrag von lieke 27.03.11 - 17:27 Uhr

Hallo,

ich denke, das akute Problem ist nicht die Trauer, sondern wie ihr als Paar damit umgeht. Du fühlst dich von deinem Mann unverstanden und verletzt.

Ob 5 Monate lang oder kurz sind kann man so nicht sagen. Wärest du selber jetzt wieder schwanger, würdest du vielleicht nicht mehr trauern. Aber je mehr Schwangerer dann auch noch in der Umgebung sind, desto mehr wird einem unter die Nase gerieben, was einem selber so sehr fehlt.

Vielleicht solltest du ihm das so erklären. (ZUmindest wenn es so ist). Es kommt halt alles wieder hoch und man sieht die Freude in der Familie über die SSen.

Trauern passiert sowieso in guten und schlechten Phasen. Und dir ging es doch nicht 5 Monate so, dass du nächtelang geweint hast? Auch nach dieser Phase kommen bessere Tage!

Du bist nicht unnormal, dein Mann aber auch nicht. Was noch nicht so ganz funktioniert ist die Kommunikation und das Verständnis für die Gefühle untereinander. Ein Mann empfindet den (sehr frühen) Verlust eines Kindes einfach anders!

Setzt euch mal zusammen und redet!

LG

Beitrag von dia111 28.03.11 - 08:22 Uhr

Hallole,

nimm dir all die Zeit zum Trauern, egal wie lang.
Ich hatte im Dez eine stille Geburt in der 22SSW, es ist morgen 15Wochen her.
Es tut immer noch so weh.
Ich kann jetzt wieder SS und frische Mamis anschauen,aber es schmerzt.

Meine Schwägerin war Zeitgleich mit mir SS (eine Wo nach mir ET) und jedesmal wenn ich sie ansehe, an sie denke, weine ich.
Ich weiß nicht ob ich sie nach der Geburt sehen kann.
Auch jetzt tut es mir so Leid, ich kann sie nicht sehen.

Es dauert einfach seine Zeit, die Trauer kennt keine Zeit.
Aber nehm sie dir,und lass dir von niemandem einreden,das es jetzt genug wäre.

LG und viel viel KRaft
Diana mit 3#stern

Beitrag von mimra 28.03.11 - 12:53 Uhr

Danke, danke, danke für eure netten und aufmunternden Worte. Es ist immer ein schönes Gefühl nicht allein mit einem Problem zu sein und dass mich andere Frauen verstehen.

vielen Dank

lg Regina

Beitrag von katchen1983 31.03.11 - 13:58 Uhr

Hi, das ist totaler quatsch was dein mann sagt! Jeder mensch verkraftet es anders und 5Monate sind nicht lang. Ich hatte meine erste FG 2009 und ich habe auch dieses jahr, 2 jahre danach an mein sternchen denken müssen! Jetzt im März hatten ich wieder eine FG allerdings habe ich 2010 einen kleinen sohn bekommen, ich dachte ich muss diesmal nicht so schlimm trauern FALSCH auch mit kind ist es schlimm und man trauert genauso lang!
Verdränge es bitte nicht du darfst auch mal traurige Tage zulassen! Fühl dich gedrückt katchen