Gemeinsame Sorge - reine Bringschuld?

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von a11ure 28.03.11 - 21:33 Uhr

Wenn der KV sich über 12 Monate nicht erkundigt nach den Kindern (1J und 2J) - kann man dann noch von einer gemeinsamen Sorge ausgehen?

Beitrag von ppg 28.03.11 - 21:48 Uhr

Leider ja:

Ute

Beitrag von a11ure 28.03.11 - 22:01 Uhr

noch rechtlich schon, ist mir klar (auch leider).

Aber hätte das Einfluß auf eine Entscheidung bei einem Antrag auf ASR?

Beitrag von ppg 28.03.11 - 22:55 Uhr

Nein!

Es ist schwer bis unmöglich die Alleinige Sorge zu bekommen.

Dein Anwalt soll für Dich eine umfassende <Vollmacht zu alleinigen Entscheidung in folgen Bereichen> einklagen:

- Entscheidungen in Gesundheitfragen einschließlich Behandlungsmaßnahmen, Medikamentengabe sowie Impfungen

Vermögenssorge einschließlich Einrichtung von Bankkonten und Sparbüchern der den Kindern überlassenen geldmittel

- Entscheidungen hinsichtlich Schule und Ausbildung

- Entscheidungen in meldeangelegenheiten z.B. Beantragung von Ausweisen.

Das ist defakto das alleinige Sorgerecht.

Mein Ex ist psychisch krank, hat in Anwesenheit der Kinder einen Suizidversuch begangen, hat mich falsch angezeigt beim Jugendamt und bei der ARGE, hat auf meinen Namen Kreditkartenbetrügereien gemacht, weigert sich mit mir zu sprechen, versucht mich bei den Kinden schlechtzumachen, ebenso vor meinem Anwalt ( das sogar schriftl. ) . Auch ich wußte zeitweise nicht wo er sich aufhielt. Das er keinen Unterhalt zahlt ist auch logisch.

Und dennoch, alleiniges Sorgerecht - no way!

Wenn Du es schon angehst, dann so das Du auch die Chance hast zu gewinnen

Ute

Beitrag von a11ure 29.03.11 - 06:20 Uhr

Danke für die Antwort.

Ich müßte an erster Stelle der Liste noch das Aufenthaltsbestimmungsrecht setzen (nein, ich habe nicht vor umzuziehen).

Damit wäre das quasi das ASR - nur dass man es nicht so nennt?

Wie lebst Du das praktisch im Alltag ohne ASR?

Wie ist er als Vater den Kindern gegenüber? Haben die Kinder Kontakt/Umgang mit dem KV?

Das GSR macht doch nur Sinn (für die Kinder), wenn ein Minimum an Kooperation auf der Elternebene möglich ist - und das wird nicht immer auf Seiten der Mutter boykottiert.

Wie gehst Du persönlich für Dich mit der Situation um?

Heftige Geschichte - schade, dass es so viele von uns gibt. Etwas Schulterschluß wäre gut - für unsere Kinder.

Beitrag von ppg 29.03.11 - 08:48 Uhr

Im Alltag bin ich bereits Allein Sorgeberechtigt, ich frage gar nicht bei ihm nach - außer ich muß: Ausweis / Konto

Als Vater war er früher mal sehr gut, liebevoll fürsorglich. Aber dann ist seine Erkrankung weiter fortgeschritten, er trank immerzu. Enwickelte eine Parnoia: Die Kinder sollten keine Musikvideos gucken - da sei Satan. Keine Impfungen bekommen und keine Antibiotika, Flugzeugkondenzstreifen am Himmer entstehen weil die Regierung die Bevölkerung mit Beruhigungsmitteln aus der Luft ruhigstellt usw. Insgesammt 3 Suizide.

Und 3 stationäre Aufenhalte in den letzten 12 Monaten.

Die Kinder hatten nur noch Kontakt zum Vater, wenn sie was wollten - nun auch nicht mehr, weil er begonnen hat mir und ihnen massiv zu schaden : erneute Anzeige beim Jugendamt, diesmal durch seinen Anwalt. Mit mir redet er gar nicht mehr, weil ich ihn immerzu beleidige , wie er meint.

Meine Anwältin hat ihn jetzt in der Zange: Wenn er gesund ist - wie er immer wieder von sich behauptet - dann wird er zukünftig arbeiten gehen ( Strafanzeige wg Unterhaltsphlichtverletzung und paralell Klage ) und weiterhin Klage wegen übertragung der Teilsorge in den div Bereichen.

Läuft jetzt ganz frisch.

Meine Kinder sind über alle Vorgänge informiert, auch darüber das es sein kann, das sie vor Gericht aussagen müssen. Wären sie nicht einverstanden gewesen wäre ich nichr so weit gegangen.

Ich persönlich habe einen wunderbaren Freundeskreis - meine Wahlfamilie. Sie nehmen mich und die Kinder liebevoll auf und unterstützen uns. Aber genau da merke ich auch wie extrem wichtig für meine Kinder die Vaterfigur ist - meinen besten Freund haben meine beiden quasi adoptiert.

Ute

Beitrag von nadineriemer 29.03.11 - 09:00 Uhr

Hey,
aber dann habe ich wirklich mal eine ernst gemeinte Frage an dich!Wenn du selber schon so viel durch hast und weißt/selbst erlebst wie deine Kinder unter so einer Situation leiden und du als Mutter weißt,das er nicht gut für deine Kinder ist,dann frage ich mich warum du anderen hier gegen über immer wieder so hart reagierst?Mal im ernst,vielleicht haben diese Mütter auch einfach nur Angst und viel erlebt mit ihren Ex Partnern?Und vieles ist einfach so in der Realität nicht so um zu setzen,weil es Lebensfremd ist.Ich bin froh das er kein Sorgerecht hat und sage das hier auch so,weil ich dazu stehe.

Nadine

Beitrag von manyatta 29.03.11 - 07:54 Uhr

Nee, leider nicht viel.

Vergangenheit zählt nicht. Auch wenn er sich 10 Jahre nicht meldet. Wenn er zum Prozess kommt und weiter sein Sorgerecht behalten will, reicht das. Damit bezeugt er dann sein Interesse. Zumindest aus rechtlicher Sicht.

Beitrag von a11ure 29.03.11 - 10:06 Uhr

Und genau dieser Umstand ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel.

Wenn wir KM uns genauso verhielten, wäre es um das Kindeswohl schlecht bestellt.

Warum wird mit zweierlei Maß gemessen?

Beitrag von parzifal 29.03.11 - 11:40 Uhr

Weshalb "zweierlei Maß"?

Würde denn Müttern im umgekehrten Fall bei gleichem Sachverhalt das Sorgerecht entzogen werden Vätern aber nicht? Das wäre nämlich "zweierlei Maß".

Mütter sind in Kindschafts- und Sorgerechtssachen noch nie schlechter behandelt worden als Väter.

Oder kannst Du Beispiele nennen bei denen bei gleicher Sachlage Mütter benachteilgt werden und Väter Vorteile haben?

Beitrag von a11ure 29.03.11 - 11:49 Uhr

Was denkst, wie es den Kindern heute gehen würde, wenn ich mich in den letzten 12 Monaten nicht für ihr Wohlergehen interessiert hätte?

Ganz plastisch: keine Befriedigung der Grundbedürfnisse, keine Liebe, Fürsorge und Zuwendung? Keine Windeln, keine Milch, kein Essen. Nicht nachts im Arm halten, weil das Bäuchlein drückt. Kein Trost, kein Kitzeln. Keine saubere Kleidung. Keine Gänseblümchen entdecken und zum 254. Mal "Bobo Siebenschläfer" vorlesen. Einfach nichts.

Und das einfach nur, weil ich meine persönlichen Befindlichkeiten über die Bedürfnisse meiner Kinder stellen würde.

Wenn die Kinder eine solche Behandlung überhaupt überstehen würden - hätte ich dann heute noch moralische oder rechtliche Ansprüche an den Kindern? Wohl kaum.

Und das nenne ich "zweierlei Maß".

Beitrag von parzifal 29.03.11 - 14:45 Uhr

Deine Ausführungen sind ja richtig.

Nur das mit dem zweierlei Maß kann ich nicht entnehmen.

Wobei ich meine Auskunft mit dem "zweierlei Maß" eigentlich nur aufs rechtliche bezogen habe, da es ja um Sorgerecht ging.
Und gesetzlich und bei Gericht gibt es keinesfalls ein zweierlei Maß, das eine Mutter benachteiligt. Dies gibt/gab es bis jetzt nur andersrum.

Du redest anscheinend von einem moralischen zweierlei Maß? Dort kann ich mir das zwar schon eher vorstellen. Aber Deinen Ausführungen kann ich das nicht entnehmen.

Dazu hättest Du konkrete Unterschiede nennen sollen.

Z.B. Wenn eine Mutter das und das macht wird sie schlechter/besser behandelt als wenn ein Vater es macht.

Beitrag von a11ure 11.04.11 - 13:14 Uhr

zB wenn eine KM sich tagtäglich kümmert und der KM sich nicht mal nach dem Befinden erkundigt, ist es zweierlei Maß, beiden gleiche Rechte einzuräumen bei gleichzeitig massivem Umgleichgewicht im Tragen der Pflichten?

Beitrag von krypa 28.03.11 - 21:52 Uhr

Hallo a11ure,

gibt es denn die gemeinsame Sorge?


Mfg krypa

Beitrag von a11ure 28.03.11 - 21:59 Uhr

auf dem Papier - ja

Beitrag von krypa 29.03.11 - 14:09 Uhr

Hallo a11ure,

es macht immer traurig wenn ein Vater sich nicht kümmert/sorgt.

Ich hätte nichts dagegen, so einem Elternteil die elterliche Sorge (eS) nach Vorwarn- und Bewährungszeit zu entziehen, klar.

Daraus müsste sich logisch ergeben, dass ue Väter ohne eS sich auch nicht zu kümmern/sorgen brauchen.

Es ist schwierig, so ein Nicht-Kümmern gerichtsfest zu beweisen.

Es gibt da noch einige weitere Aspekte:

Frauen können sich auch ihrer Sorge vorzeitig entledigen.
Mütter können auch ihre Kinder in die Fürsorge Anderer geben.

Zur Fürsorge für Kinder kann niemand gezwungen werden.


MfG krypa

Beitrag von hedda.gabler 28.03.11 - 22:05 Uhr

Hallo.

Ich habe jetzt den ganzen Tag über das Thema nachgedacht (auch wegen der Diskussion im Männerforum).

Wäre es nicht sinnvoll, bei dem Thema "Gemeinsame Sorge" mal die ganzen Formalitäten (also wofür man zwei Unterschriften bräuchte etc) außer acht zu lassen und darüber zu sprechen, was gemeinsame Sorge eigentlich bedeutet.

Bedeutet eine gemeinsame Sorge, sich nicht nur über Erziehung, Schule etc zu einigen, sondern eben auch gemeinsame Sorge zu tragen?
Sich wirklich gemeinsam zu kümmern ... dass z.B. auch bei getrennt lebenden Elternteilen, das Elternteil, bei dem das Kind lebt, auch mal entlastet wird (und das nicht nur alle 2 Wochen)?

Ich komme deswegen darauf, da sich zum einem viele Frauen in einer Beziehung oftmals alleinerziehend fühlen, da die Väter die Prioritäten anders setzen (gibt es sicher auch umgekehrt, aber das ist ja leider noch das vorherrschende Modell) ...

... und zum anderen meine Anwältin meinte (aus ihrer Erfahrung gesprochen), als die "Rüge" aus Straßburg kam, dass viele Männer gar nicht automatisch die gemeinsame Sorge möchten, da diese ja nicht nur Rechte, sondern vor allem auch Pflichten bedeuten würde.

Ich bin der Meinung, dass man bei einer gemeinsamen Sorge (und das trifft auf alle familiären Konstellationen zu) ganz klar die Pflichten verankern müsste ... eben solche über Unterschriften und das simple Umgangsrecht hinaus.

Meinst Du, dass sich dann immer noch so viele getrennt lebende Elternteile, bei dem das Kind NICHT lebt, um die gemeinsame Sorge reißen würden?

Gruß von der Hedda.

Beitrag von nadineriemer 28.03.11 - 22:13 Uhr

Das hast du gut geschrieben und wirklich auf den Punkt gebracht.Der Papa meiner Jungs habe ich sehr viel später das Sorgerecht mit unterschrieben,weil er sich wirklich kümmert und wir gehen nicht nach dem alle 14 Tage Konzept,was ja oft gehandhabt wird.Bei der kleinen ist das leider ganz anders und er hat auch kein Sorgerecht,weil das würde er nur nutzen,um seine angebliche Macht mir gegen über zu nutzen.Bevor Steine fliegen,nein er will sie noch nicht sehen,er dürfte in Begleitung.Er hat trotz der Anerkennung einen Test beim Gericht beantragt.Das ist reine Macht die er irgendwie noch gegen mich ausspielen will.

Nadine

Beitrag von a11ure 28.03.11 - 22:22 Uhr

Genau aus dem Grunde hatte ich auch nicht SorgeRECHT sondern nur Sorge geschrieben - wobei ich ja inzwischen gelernt habe, dass "SR" ein veralteter Begriff ist.

Ich stimme Dir da zu. Wie will jemand, der sich so augenscheinlich nicht um seine Kinder sorgt, keine Ahnung von ihrem Befinden und ihrer Lebenswirklichkeit hat, wirklich verantwortliche Entscheidungen für eben diese Kinder treffen?

Beitrag von hedda.gabler 28.03.11 - 22:57 Uhr

Hallo.

Ich gebe Dir mal ein Beispiel ...

Ich habe mich 2 Tage vor dem positiven Schwangerschaftstest vom Vater meiner Tochter getrennt (sehr schlimme und traumatisierende Beziehung, aber andere Geschichte) ... ich habe seitdem alles durch: Vaterschaftsfeststellungsklage (durch mich initiiert), Behörden wegen Unterhalt und und und.
Vom Vater kam in den letzten gut vier Jahren wenig ... erst nach der "Rüge" aus Straßburg rückte er mir immer mal wieder telefonisch oder per SMS auf die Pelle ... von wegen er würde seine Rechte als Vater wahrnehmen wollen (man beachte die Wortwahl: Rechte!) ... aber er hat nichts weiter unternommen.
Ich habe mich vor gut einem halben Jahr meinen Ängsten gestellt (bin vorher bei jedem Klingeln zusammengezuckt) und habe die Konfrontation gesucht und für mich einiges geklärt. Dabei kam auch raus, dass es ihm mit seinen Kontaktsuchen weniger um das Kind als um mich ging.
Da ich nun keine Angst mehr vor ihm habe, er lebt inzwischen weit weg und ist sehr krank (und die Konfrontation war wichtig), bin ich so etwas wie versöhnlicher geworden ...
... habe wieder Bilder geschickt und jetzt auch gefragt, ob er nicht ein Stündchen übrig hat, wenn er in Deutschland ist. Meine Tochter fragt nach ihm und ich stehe Rede und Antwort und Bilder hat sie auch gesehen. Und ich möchte nicht, dass sie ihn zu einer Lichtgestalt hochstilisiert, weil er eben gar nicht präsent ist.

Aber ...

... mit ihm gemeinsam die Sorge zu teilen, wäre geradezu absurd.
Dabei geht es gar nicht darum, was in unserer Beziehung passiert ist, sondern darum, dass er eine gemeinsame Sorge gar nicht leisten könnte ... und vor allem nicht wollte.
Ich weiß, wie sein Umgang mit seinen anderen Kindern ist ... den kann man als liebevoll bezeichnen, aber mit gemeinsamer Sorge im Sinne von Wahrung von Pflichten und Entlastung der Mutter, sprich sich kümmern, hat das rein gar nichts zu tun.

Und ich denke, dass es in vielen Fällen ähnlich gelagert ist (bei uns kommt natürlich noch die Entfernung dazu) ... das getrennt lebende Elternteil ist gerne der "Spaßfaktor" am Wochenende und redet gerne mit, aber wenn es um Sorge tragen im Sinne von persönliche Freiheit/Freizeit beschneiden/einschränken geht, ist plötzlich ganz schnell Sense (das ist ja leider auch oft so innerhalb von Partnerschaften mit Kindern).

Gruß von der Hedda.

Beitrag von a11ure 29.03.11 - 07:01 Uhr

D.h. Du hast das ASR, da nicht verheiratet?

Auch in Eurem Fall stimme ich zu, dass die gemeinsame Sorge nicht dem Kindeswohl dienen würde.

Und ein weiterer Aspekt ist interessant - dass es dem KV weniger um's Kind als um die KM geht bei den Kontakten. Wahlweise ersetzbar dadurch, dass Machtstrukturen aufrechterhalten werden sollen oder aus "Rache/Hass" der KM einfach das Leben schwer gemacht werden soll. Alles nicht im Interesse der Kinder.

Woran liegt es, dass dies heutzutage bei SR-Entscheidungen keine Relevanz haben soll?

Natürlich ist eine Trennung zwischen Paar- und Elternebene und eine konstruktive Kooperation für das Wohl der Kinder wünschenswert - dennoch in manchen Fällen schlicht lebensfremd.

Laut Gesetz wird dem GSR vor dem ASR nicht zwingend der Vorzug gegeben - es scheint eher eine Frage des Zeitgeistes zu sein?

Beitrag von 123bhtrsfe456 29.03.11 - 09:05 Uhr

Hallo Hedda,

ich finde als Argument für das automatische Sorgerecht für Väter ziemlich überzeugend, dass eine Mutter sich ja auch nicht beweisen muss, dass sie mit diesem "Recht" umgehen kann und trotzdem bekommt sie dies automatisch.

Natürlich kenne ich auch Fälle wie Deinen und frage mich dann auch, wie das wohl laufen sollte, wenn der Vater da auch noch das gemeinsame Sorgerecht hätte.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die vielen Paare, die ohne Trauschein zusammenleben und bei denen der Vater, obwohl er täglich mit seinem Kind lebt nicht das Sorgerecht bekommt, weil Mama einfach nicht will.

Ich kann nicht beurteilen, was häufiger vorkommt.
In meinem Umfeld gibt es sicher mehr Väter, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, als übergriffige und psychisch instabile Männer, die über die Kinder weiterhin Macht über ihre Ex-Partnerinnen ausüben wollen.

Nun den Verantwortung tragenden Männern aufgrund von negativ Beispielen ihre Rechte am Kind abzusprechen finde ich falsch.

Ich wäre aber sehr dafür, dass das Sorgerecht nicht wie festgemeißelt bei den Eltern verbleibt, wenn diese sich als unfähig rausstellen.

Im Falle von getrennten Eltern sollte ein Vater das Sorgerecht, oder zumindest Teilbereiche des Soregrechtes auch verlieren können, wenn er auf Nachfrage für eine Unterschrift einfach nicht reagiert, keinen oder nur sehr unregelmäßigen Umgang mit seinem Kind pflegt oder sich an Entscheidungen gar nicht beteiligen will.
Wenn ich dann eine Geschichte wie von Ute oben lese frage ich mich auch, was wohl geschehen würde, wenn eine alleinerziehende Mutter sich so aufführen würde.


Die Pflicht eines sorgeberechtigten Vaters aber darin zu sehen die Mutter zu entlasten, sehe ich nicht.
Die beiden haben sich getrennt, das Kind ist bei der Mutter, der Vater zahlt Unterhalt und nimmt das Kind an vereinbarten Tagen zu sich.
Wie die Mutter sich in ihrem neuen Leben einrichtet soll wie hier ja auch oft genug postuliert wird, den Vater nichts angehen, dann muss es ihn auch nicht kümmern, wie sie mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter klarkommt.

Womit ich Dir aber Recht gebe ist, dass es die Pflicht eines Vaters auch ist mit dem Kind zum Arzt zu gehen, Elternsprechtage wahrzunehmen oder auch mal eine Geburtstagsparty zu organisieren.

Wobei ich denke, dass das sogar oft getrennte Väter noch aktiver sind, wenn sie sich nicht sicher sein können immer von der mutter ordentlich informiert zu werden oder darauf bestehen, dass das Kind bei ihnen auch ein Zuhause hat.
Da liegt nämlich für mich der Unterschied zu vielen Vätern die mit der Kindesmutter zusammenleben.
Wie Du schon geschrieben hast, sind gerade das die Väter, die vieles die Mütter machen lassen. Wie viele gibt es, die noch nie die Windeln ihrer Kinder gewechselt haben.

Und wie ich schon geschrieben habe, finde ich es viel wichtiger erstmal dafür zu sorgen, dass gemeinsames Sorgerecht in der Praxis überhaupt einen Wert hat.

Beitrag von hedda.gabler 29.03.11 - 09:28 Uhr

Hallo.

>>> Und wie ich schon geschrieben habe, finde ich es viel wichtiger erstmal dafür zu sorgen, dass gemeinsames Sorgerecht in der Praxis überhaupt einen Wert hat. <<<

Eben das sehe ich ja genau so ... aber für mich hat eine gemeinsame Sorge nur dann einen Wert, wenn es über Finanzen, Unterschriften und ab und an kümmern hinaus geht.
Und das meine ich für sowohl getrennt lebende als auch zusammenlebende Eltern!

Ich kenne zum Glück auch nur sehr engagierte Väter (in Ehen/Beziehungen), die sich stark einbringen und dieses sicher auch als getrennt lebender Vater tun würden ...

... aber meinst Du nicht auch, dass eine Mutter, die schon während der Beziehung sieht, dass ein Vater Vatersein auch umfassend lebt, sich viel weniger schwer tun würde, diesen auch weiterhin in das Leben mit dem Kind zu integrieren als eine Mutter, die schon vorher einen kaum präsenten Vater erleben musste und den jetzt nicht auch noch weiterhin als Klotz am Bein mit sich herumschleppen möchte?

(Automatische) gemeinsame Sorge für Eltern, die schon vor der Geburt getrennt waren oder nie eine Paarbeziehung hatten, steht für mich grundsätzlich außer Frage ... denn genau bei solchen Konstellationen wird die gemeinsame Sorge oftmals benutzt und missbraucht.
Und ich denke auch, dass das Recht auf die gemeinsame Sorge irgendwann verwirkt sein muss ... es kann nicht sein, dass jahrelang Funkstille ist und plötzlich das Verlangen nach der gemeinsamen Sorge kommt. Denn da muss man sich einfach fragen, woher dieses Ansinnen plötzlich kommt, wenn vorher auch nicht nur ansatzweise eine gemeinsame Sorge gelebt wurde.

Gruß von der Hedda.

Beitrag von 123bhtrsfe456 29.03.11 - 09:36 Uhr

Hallo hedda,

ja natürlich sehe ich den Punkt, dass gerade bei Paaren die vor der Geburt getrennt sind und wenn abzusehen ist, dass der Vater dieses "Recht" missbrauchen wird eine gemeinsame Sorge nicht sinnvoll ist.

Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die wirklich liebevollen und verantwortungsbereiten Väter, die zurzeit noch auf das Wohlwollen der Mutter angewiesen sind.
Und wenn ich diese beiden Seiten abwäge, dann komme ich zu dem Schluss, dass man Vätern das Sorgerecht nicht verwehren darf.
Es kann nicht sein, dass engagierte Väter verzichten müssen, weil es einige schwarze Schafe gibt.

Deswegen bin ich aber auch dafür, dass dann auch mehr auf die wirkliche Ausübung dieser Rechte und Pflichten wert gelegt wird, damit man das Sorgerecht auch behält.

Beitrag von a11ure 29.03.11 - 10:02 Uhr

Grundsätzlich spricht unter normalen Umständen und normalen Menschen, die normal miteinander umgehen können wohl kaum etwas gegen das GSR - ob mit oder ohne Trauschein.

Im realen Leben finden sich aber halt immer wieder Beispiele - in diesem Thread alleine schon 4 Fälle - in denen das nicht der Fall ist.

Ohne auf die §§§ zu schielen, würde ich in diesen Fällen das GSR als nicht dem Kindeswohl dienlich beurteilen wollen. Dennoch haben zumindest die Familien, in denen nicht von Anfang an das ASR bestand, kaum eine Aussicht darauf.

Das halte ich für vergleichbar schlecht wie die Fälle, in denen verantwortungsvolle und fürsorgliche Väter willkürlich ausgeschlossen werden vom SR.

Klar, man kommt nicht umhin, jeden Einzelfall für sich zu betrachten, aber die gängige Praxis ist sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite für viele Beteiligten nicht wirklich tragbar.

Bleiben wir bei dem Fall der nicht fürsorglichen KV, die aber das GSR als Recht beanspruchen. Was aus meiner Sicht fatal wirkt, ist der Umstand, dass immer auf die Zukunft abgestellt und damit eine negative Vergangenheit nicht berücksichtigt wird. Eine Wildcard - egal was KV angestellt hat - solange er auch nur behauptet, ab jetzt Vater sein zu wollen, reicht das?

Der Vorwurf, dass Mütter sich ja auch nicht erst beweisen müssen ist - zumindest in diesem Zusammenhang - etwas arg abstrakt. Biologisch ist es nun mal so, dass das Baby von der Zeugung an physisch mit der KM verbunden ist. Und eine Mutter, die ein vergleichbares Desinteresse am Kind zeigt, hätte mit Sicherheit auch schon kein SR oder auch kein Kind mehr.

Und um gleich vorzugreifen - natürlich haben Kinder ein Recht auf beide Elternteile, jedoch muß eine Bindung nicht an das SR gekoppelt sein.