Ein Dreijähriger und die Frage nach dem Leben und dem Tod

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von lili1978 30.03.11 - 01:02 Uhr

Hallo Zusammen,

mein Sohn ist jetzt 3 1/2 und gerade in der "WARUM?" - Phase....
In der letzten Zeit jedoch bin ich etwas sprachlos.

Die Vorgeschichte:

Im Februar waren wir in Italien, in der Heimatstadt meines Mannes. Dort waren wir auf dem Friedhof auf dem Grab meines Schwiegervaters. Er ist leider zwei Jahre vor Lucas Geburt gestorben.
Natürlich gab es dort auch viele Fragen:
"Warum ist der Opa dort eingesperrt?"
"Warum ist der Opa gestorben?"

Wir dachten es sei das einzig Richtige zu erklären, was auch der Wahrheit entspricht, also:
"Der Opa war sehr alt und sehr krank und irgendwannmal war er einfach müde und ist eingeschlafen."

Lucas Frage war natürlich:
"Wann wacht er wieder auf?"
Als wir gesagt haben er würde nicht mehr aufwachen, merkten wir, dass es ihn beschäftigt hat, aber er ließ es dabei...

Bis vor einer Woche....

Das Thema wurde krass wieder von Luca aufgegriffen, ohne dass wir darüber je wieder gesprochen hätten.

Heute abend, als ich ihn ins Bett brachte, wusste ich nicht mehr weiter.
Luca fing an zu weinen und sagte er wolle nicht mehr wachsen, weil dann:
"werde ich alt und kriege eine schlimme Erkältung und dann bin ich ausgestorben"....

dann weiter:
"und wird Papa alt? Und Du?.... ich will nicht, dass ihr sterben müsst... ich will immer klein sein, dann werdet ihr auch nicht alt. Wir müssen immer zusammen sein. Ich will nicht ohne Mama sein und nicht ohne Papa"

Was soll ich ihm sagen?
Wir werden nicht alt? Wir werden nie sterben?

Ich habe versucht ihm zu erklären, dass es noch sooooo lange hin sei, dass er nicht darüber nachdenken müsse, aber da weinte er noch mehr.
Dann habe ich versucht zu erklären, dass es etwas Schönes sei und gar nicht schlimm, aber wie soll ein Dreijähriger soetwas begreifen, wenn es uns selbst schwerfällt den Tod zu verstehen....

Ich merke, dass er richtig leidet damit. Ich würde ihm gerne helfen, aber was soll ich ihm sagen?
Alle Geschichten, die ich ihm erzähle (und das sind nur lustige Sachen) lenkt er irgendwann zu diesem Thema.

Was soll ich machen? Hat jemand eine Idee?

Liebe Grüsse
Lili


Beitrag von jacky1983 30.03.11 - 06:17 Uhr

Guten Morgen.

Ich würde mir an deiner Stelle ein (oder 2-3) gute Bücvher besorgen.
Mein Sohn hinterfragt nicht alles und er ist mit den einfachsten Antworten zufrieden (meistens).

Aber, wenn mein Sohn alles hinterfragen würde, würde ich mit Büchern arbeiten.

Ich hätte Schiss, alles noch schlimmer zumachen ''Opaist dann einfach eingeschlafen'', ''der wacht nicht mehr auf''...
Das dein Sohn überhaupt eingeschlafen ist, wundert mich.

Klar, es ist ne gute Antwort, aber für deinen Sohn vielleicht die Falsche.

Ja, besorge dir Bücher.... So würde ich das jedenfalls machen.

lg

Beitrag von julia_25 30.03.11 - 08:29 Uhr

moin,

als unsre ziehomi von unsrem sohn(damals 3,5) gestorben ist, brach seine kleine heile welt zusammen.

er hat wohl mitbekommen, dass sie ganz dolle krank war und ich immer jeden tag einige std bei ihr war. aber ganz plötzlich war sie halt nicht mehr da.

er hat sie in ihrer kurzen krankheitsphase (nur 2 wochen) kein einziges mal gesehen. das ging auch nicht, sie wollte nicht, dass er sie so sieht. sie wünschte sich, dass er sie so in erinnerung behält wie er sie kannte.

doch dann kam der tag X. wir mussten ihm erklären, dass sie nicht mehr da ist.

mein mann tat es, weil ich nicht die kraft hatte ich wäre nicht einmal bis zum ersten wort gekommen....

ich war in ihrem haus, als er mich anrief und mich fragte ob ich wüsste dass omi tot ist. und fing gnaz fürchterlich an zu weinen. bin dann sofort nach hause.

dort haben wir alle 2 std nur geweint. plötzlich war er ruhig und wollte spielen gehen....

am abend haben wir uns unseren "omi-stern" am himmel ausgesucht und diesen stern haben wir noch heute. (7 j) wir haben jeden abend diesem stern gute nacht gesagt. haben ihm auch gesagt, dass sie jetzt oben im himmel ist und auf ihn aufpasst. (ob das so gut war, wage ich im nachhinein zu bezweifeln. unser hat das so hingenommen und stellte keine fragen. z. b. warumkommt sie dann nicht wieder runter zu uns?)
heute sieht er ab und an mal nach oben und fragt nach dem stern. und er sagt dann traurig, dass er kaum mehr weiss wie sie ausgesehen hat.

dann schnappen wir uns unsere fotos und machen uns es gemütlich.


was ich damit sagen will ist, dass jedes kind mit dem thema tod umgeht. in eurem fall ist es vllt etwas falsch gelaufen (er ist eingeschlafen...- logische schlussfolgerung-> er wacht irgendwann wieder auf ODER -> wache ich auch nie wieder auf wenn ich einschlafe???)

wenn du meinst, hol dir ein buch. Ich habe

Julia lernt abschied zu nehmen


ansonsten versuch seine fragen kindgerecht zu beantworten. und vermeide wörter wie schlafen, krank usw. (meine erfahrung)
vllt sucht ihr euch auch einen opa stern? oder ihr zündet einfach abends eine opa kerze an? oder er malt seinem opa ein ganz tolles bild und ihr klebt es in ein opa album.... er malt seinen opa, wie er ihn sich vorstellt....
und und und....

aber nur dann, wenn er mal wieder danach fragt. sonst würd ICH das aus sich beruhen lassen.

alles liebe

julia

Beitrag von stefannette 30.03.11 - 09:49 Uhr

Mein 5 jähriger Sohn hat gerade auch so eine Phase. Es ist so schwer den Kindern das begreiflich zu machen. Ich hab ihm gesagt,das die meisten Leute sterben wenn sie alt sind und bis dahin ist er auch erwachsen und kann alles alleine.
Die Tante meines Mannes starb anfang März an Krebs und da hab ich ihm erzählt,das sie jetzt im Himmel einen neuen Körper hat der nicht mehr weh tut und es ihr gut geht. DAs hat ihn etwas beruhigt.
Erkundige Dich auch mal (vielleicht auch im Kiga) nach geeigneten Büchern für 3 Jährige.
LG Annette

Beitrag von lili1978 30.03.11 - 10:44 Uhr

Liebe Dank Euch für Eure Antworten. Ihr habt Recht, es war die falsche Erklärung, die ich meinem Sohn da gegeben habe. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass er das so hinterfragen würde :-(

Ich werde mal nach Büchern suchen.
Wenn jemand einen Buchtip hat, würde ich mich sehr freuen.

Lieben Dank und viele Grüsse
Lili

Beitrag von tanjawielandt 30.03.11 - 10:29 Uhr

Ich habe Louis erklärt das Menschen manchmal so krank sind, das ihnen kein Arzt mehr helfen kann.
Und das Gott sie dann in den Himmel holt damit es ihnen wieder besser geht. Dort treffen sie viele andere Menschen und manche kennen sich sogar schon vom Leben auf der Erde.
Im Himmel haben sie dann keine Schmerzen mehr und Gott macht sie zu Schutzengeln die auf uns Menschen aufpassen.
Mit dieser Erklärung kann er scheinbar gut umgehen.
Er sagt das sind dann die Helfer von Gott.

Beitrag von aeternum 30.03.11 - 10:59 Uhr

Hallo Lili,

ich würde niemals sagen, dass ihr nicht alt werdet und nicht sterbt. Das stimmt nicht und mit einer Lüge solchen Ausmaßes macht man garantiert nichts besser. Ausserdem sind Kinder nicht dumm und sehr bald würde er wissen, daß es nicht stimmt. Also lass so etwas lieber gleich..

Ich glaube es geht darum begreiflich zu machen, daß der Tod nun einmal Teil des Lebens ist und auch nicht "schlimm". Sicher ist ein Buch eine sehr gute Idee. Aber hinterfrag auch mal Deine eigene Einstellung zum Tod, oder Deinen Umgang damit. Der überträgt sich auf die Kinder.

Ich weiß, daß ich mit drei das erste Mal, und auch später immer mal wieder, wahnsinnige Angst vor dem Tod hatte, weil dann ALLES zu Ende ist, das ich kenne, und vielleicht auch WIRKLICH alles vorbei ist, Augen zu und.. Schluss. Niemand weiß eine sichere Antwort.. das war schlimm.

Es ist wichtig dem Kind zu zeigen, daß der Tod normal und zugehörig ist, die meisten Menschen Angst haben weil sie nicht wissen, was passiert, und das das ok ist. Das der Tod an sich nicht weh tut und das alle Leute traurig sind, wenn er kommt, weil man den Menschen der dann geht nicht mehr wiedersehen kann usw. Das man aber noch mit ihm sprechen kann, sich an ihn erinnern kann und all das.

Angst vor dem Unbekannten gehört zum Leben dazu, und Dein Kind macht diese Erfahrung grade. Ich glaube, daß das grundsätzlich positiv ist. Dein Sohn bekommt Zugang zu neuen Emotionen und Denkweisen.

Mein Sohn wird im Mai drei Jahre alt, und da wir leider bereits einige Todesfälle in der engen Familie hatten (allerdings vor seiner Geburt) ist er regelmäßig mit uns auf dem Friedhof, sieht uns dort auch mal weinen, Blumen ablegen, wir sagen denjenigen "Hallo" und reden über sie und mit ihnen. Er kennt Bilder von denjenigen und weiß wie sie hießen und wer sie waren. Bisher fragt er noch nichts, aber er ist auch noch nicht so weit.. mal sehen, wann das kommt. Ich hoffe, unser "normaler" und konstanter Umgang mit dem Tod hilft ihm dabei etwas.

Alles Gute für euch!

Ae

Beitrag von lili1978 30.03.11 - 13:22 Uhr

Liebe Ae,
vielen Dank für Deine Antwort. Du hast Recht, ich denke ja auch eigentlich genauso wie du.
Meine Einstellung zum Tod, die studiere ich auch immer. Im Moment bin ich etwas labil, weil ich nach der Geburt meiner Tochter vor einem Jahr fast gestorben wäre. Seitdem ist es für mich ein schwieriges Thema, nicht meinetwegen, sondern wegen der Kinder.
Auch wenn ich darüber nie rede und die Kinder ganz sicher nichts mitbekommen haben, kann ich mir vorstellen, dass sie etwas spüren.
Kinder sind ja viel sensibler als wir.

Ich glaube wirklich ich muss ein paar Bücher besorgen.

Ich freu mich, dass ich hier gepostet hab und liebe Antworten bekommen habe :-)

Viele Grüsse
Lili