von den Werten in einer Beziehung

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 12:56 Uhr

Mich würde Eure Meinung zu diesem Thema interessieren.

Es geht um die Werte, die Pfeiler einer Beziehung, die sich im Laufe der Jahre entwickeln und verändert. Zum guten und zum schlechten.

Wenn sich Leidenschaft in Routine verwandelt, Zuneigung in Verantwortung, Liebe in... ja was?

Es geht mir hier nicht darum, ob man wieder den alten Zustand wieder herstellen kann. Sondern, ob man sich mit dieser Situation zufrieden geben soll. Ob das den Umständen geschuldet ist oder ob man aufgegeben hat. Ob die gestiegene Verantwortung, die Menge an Aufgaben nicht einfach eine faule Ausrede ist.

Meine Umstände: Frau, Haus, Kind, viel Arbeit. Verantwortung. Das lässt mich die Leichtigkeit vermissen, die ich (und meine Frau) früher hatten. Die Leidenschaft ist fast restlos verschwunden, was auch andere Gründe hat auf die ich nicht näher eingehen möchte. Und ich ertappe mich oft dabei, dass ich mich mit dieser Situation abfinde. Weil mir oft die Kraft fehlt, etwas dagegen zu tun.

Beitrag von auchinschwarz 30.03.11 - 13:10 Uhr

Dann ändere doch mal was. Brich aus der Situation aus.

Und zwar nicht auf die übliche Midlife-Crisis-"Ich machs mir einfach"-Art, indem Du Dir eine Freundin oder eine Frau für nebenher suchst sondern versuch doch mal gemeinsam mit Deiner Frau ein Stück von der Leichtigkeit zurück zu holen. Wenn auch nur temporär, Ihr seid halt keine 20 mehr und habt halt auch das Kind und die Verantwortung.

Ich an Deiner Stelle würde es mal mit einem Wochenende nur mit Deiner Frau und sonst ohne alles versuchen. Ohne Kind, ohne Arbeit, ohne Verantwortung. Am besten irgendwo in einem Hotel, einer schönen Pension o. ä.

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 13:21 Uhr

Danke für den Tip, aber versucht habe ich das schon. In einer so kurzen Zeit kriege ich nicht ansatzweise den Kopf frei - auch weil ich weiß, dass danach alles wieder auf mich einstürzt.

Aber wie gesagt, ich hatte ja nicht nach Lösungsansätzen gefragt. Mich interessiert, wie andere damit umgehen. Trotzdem danke.

Beitrag von liebewandeltsich 30.03.11 - 13:51 Uhr

...


Die Liebe sollte nie verloren gehen oder sich wandeln. Die sollte immer vorhanden bleiben. Ansonsten hat die Beziehung wenig Chancen.
Also überlege dir, ob die Liebe sich tatsächlich gewandelt hat. Oder ob sie weg ist. Das wäre nicht gut.

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 14:24 Uhr

Wenn Du meinst, dass sich die Liebe nie wandeln soll, musst Du definieren, wie sie aussieht, was du darunter verstehst.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Liebe im Laufe der Jahre nie wandelt.

Beitrag von gretchens.armee 30.03.11 - 15:53 Uhr

Hallo,
dann eine ganz schlichte Frage:
Liebst du deine Frau?

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 15:59 Uhr

Eine kurze Frage, aber keine schlichte. Im Gegenteil.

Ich weiß es nicht.

Ich weiß es dewegen nicht, weil ich nicht weiß wie ich den Begriff "lieben" definieren soll. Ob es eben die Liebe ist, die ich am Anfang empfunden habe.

Weil ich mir nicht sicher bin, wie ich es herausfinde. Ob allein die Tatsache, dass ich es herausfinden muss, ein Beleg für den Verlust der Liebe ist.

Beitrag von gretchens.armee 30.03.11 - 16:45 Uhr

Ja ich verstehe deine Gedanken.
Da steht zum einen die Verantwortung, die Anforderung, die eigenen Bedürfnisse die man nicht immer so leben kann wie man will; Liebe sollte dann im Idealfall das Gefühl sein, was einen diese ganzen Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit bewältigen lässt. Aber ich glaube, so einfach ist das nicht. Das Leben ist anstrengend (nicht immer), jemanden zu lieben kann auch anstrengend sein, oder anders gesagt, diese ganzen Verbindlichkeiten die da dran hängen, und die über die Jahre immer mehr und mehr werden, fangen an der Liebe rumzuwürgen und es ist eben nicht umgekehrt so, dass die Liebe einen das immerzu heldenhaft ertragen lässt, das man eben alles aus Liebe tut (und am besten noch mit Liebe).

Vielleicht ist die Kunst, beides voneinander trennen zu können; ich weiß es nicht, ich bin weder Experte noch Maßstab in Liebesfragen (und definieren, ohje, das könnte ich gar nicht). Es ist nur so ein Gedanke: Das Gefühl wahrzunehmen und zu erleben auf der einen Seite, die Pflichten, Verbindlichkeiten auf der anderen Seite. Nichts vermischen.
Könntest du das, für den Moment, versuchen, auseinanderzuhalten, und sei es nur für den Moment, um zu gucken, was noch an Gefühl- also Liebe-da ist?

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 16:52 Uhr

Danke. Schön geschrieben. Das muss ich erst mal etwas sacken lassen, darüber nachdenken. Ich meld mich aber, versprochen.

Beitrag von Irgendwie, irgendwo, irge 30.03.11 - 13:54 Uhr

-Und ich ertappe mich oft dabei, dass ich mich mit dieser Situation abfinde. Weil mir oft die Kraft fehlt, etwas dagegen zu tun.-

Finde Dich nicht damit ab. Rede mit Deiner Frau. Aus meinem Umfeld - u.a. von meinem Exmann - weiß ich,daß Männer sich selten auf Dauer mit so einer Situation abfinden. Irgendwann brechen sie aus. Meist geht dann die Beziehung auseinander und ist nicht mehr zu retten. So war es bei uns. Hätte mein Mann den Mund früher aufgemacht - und ich auch - hätten wir eine Chance gehabt, die Familie zusamen zu halten. So ist letztendlich alles zerbrochen, das totale Chaos.

Das Schlimme daran ist, heute weiß ich, daß mein Mann und ich an den gleichen Dingen "gelitten" haben. Im Grunde hätten wir uns einig sein können. Nur wußte einer nicht vom anderen was er fühlt.

Sehr schlimm und traurig sowas.

Beitrag von Respekt. 30.03.11 - 14:15 Uhr

sich mit "etwas abfinden" klingt schon negativ. Es klingt nach Aufgabe und Lustlosigkeit. Und das ist für eine Beziehung auf Dauer nicht gut. Auch soll man sich nicht "zufrieden geben", das hat auch einen Negativtouch.

Man könnte zufrieden sein, eben den Umständen entsprechend. Mit Kind ist das Leben nunmal anders. Das ist nicht "der Situation, den Umständen geschuldet" es ist eben eine ganz andere Sache. Natürlich muss man Dinge, die einen unzufrieden machen, ändern. Nicht nur versuchen sie zu ändern, sondern richtig daran arbeiten, dass alles in etwa so ist, wie man am besten damit zurecht kommt. Dabei aber unbedingt ein Auge auf die Ist-Situation haben und nicht versuchen, völlig unmögliche Dinge als machbar und auch unbedingt erforderlich zu sehen.

Irgend etwas muss ja mal vorhanden gewesen sein, weshalb man mal geheiratet hat und den Wunsch hatte, alles gemeinsam zu schaffen.

Beitrag von änder was 30.03.11 - 14:16 Uhr

ich habe einen Partner, der knapp über 30 Jahre verh ist, er hat jahrzehnte lang versucht, seine Situation, ähnlich wie deine, zu aktzeptieren.

Wir trafen uns wieder letztes jahr, und da wurde ihm richtig bewusst auf was er eigentlich so lange verzichtet hat, bzw nie hatte.

Seine Ehe bestand schon seit Jahren nur noch auf dem Papier, es war keine Wärme und Zärtlichkeit, ganz zu schweigen von der Leidenschaft, mehr vorhanden.

Wie gesagt, er hat sich jahrzehntelang damit abgefunden, aber jetzt merkt er doch, dass er so nicht mehr leben kann und will.

Jetzt ist seine Frau ausgezogen, er hat ihr von Anfang an klar gemacht, dass er in einer neuen Beziehung ist, und weisst du was? Er ist jetzt viel glücklicher wie vorhher.

Denk darüber nach ob du so weiter leben kannst/willst, man lebt nur einmal;-)

lg

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 14:28 Uhr

Nun, es ist noch nicht so schlimm, dass unsere Ehe nur auf dem Papier besteht.

Deswegen ist Dein Beispiel für mich noch keine Alternative.

Weil ich auch der Meinung bin, dass ich eine Verantwortung habe und diese auch in Krisenzeiten nicht vergesse.

Beitrag von tollelolle 30.03.11 - 14:28 Uhr

Der Mann einer Freundin hat vor 2 Jahren "alles" (Frau, Kinder, Haus usw.) "hingeschmissen" mit der Begründung : "Ich will mein altes Leben zurück"... !!!

Heute bereut er das zutiefst, wie gerne hätte er nun diesen Schritt rückgängig gemacht... aber jetzt ist es zu spät!

Darum... überlege dir sehr genau, was du hast und was du möchtest.
Oft möchte man immer das gern, was man zur Zeit nicht hat...!!!

LG und viel Glück #klee

Beitrag von anna_lucas 31.03.11 - 20:55 Uhr

Sehr schön geschrieben. Hätte von mir sein können.

Beitrag von lichtchen67 30.03.11 - 14:52 Uhr

Du willst wissen wie andere das handhaben? Alte zustände wieder herstellen geht nicht, richtig. Es gibt Änderungen in einer Beziehung.... allerdings muss dazu nicht zwangsläufig auch Leidenschaft verloren gehen, Liebe auch nicht.

Ich war 17 jahre verheiratet... natürlich ist man da weder stündlich noch täglich heiß verliebt udn leidenschaftlich, aber phasenweise sehr wohl. Und anders könnte ich persönlich mir das auch nicht vorstellen. es muss immer mal der "Wow-Sex" dabei sein....

Abfinden... hat was negatives für mich, für abfinden fühle ich mich einfach noch zu jung.

Lichtchen

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 15:01 Uhr

Ja, Abfinden, den negativ besetzten Begriff habe ich bewusst gewählt.

Aber das phasenweise, das ist es wohl. Wenn wenigstens hin und wieder in alte Zeiten zurückfallen kann.

Beitrag von lichtchen67 30.03.11 - 16:43 Uhr

Ja, hin und wieder, das ist sicher das Zauberwort. Man muss sich als Paar schon auch kleine Inseln schaffen (können).... sei es durch freie Abende, Wochenenden im Hotel, Kurzurlaube, einfach regelmässig was schönes vornehmen und auch leben.... dann bleibt auch der Spaß erhalten und das gemeinsame Lachen.. und damit auch die gemeinsame Leidenschaft.

Lichtchen

Beitrag von asimbonanga 30.03.11 - 15:04 Uhr

Hallo,
leider weiß ich nicht ,ob ich mir unter der von dir vermissten "Leichtigkeit" das richtige vorstelle.Zusammen lachen? Herum albern? Spaß haben? Gemeinsam genießen ? Neue Unternehmungen starten? Oder meinst du ganz allgemein den Umgang miteinander?
Verschwundene Leidenschaft finde ich schwieriger zu händeln bzw. sich damit abzufinden.
Sind dir vielleicht nur die Vorteile einer langjährigen Beziehung aus den Augen geraten?
Zum Beispiel das Verständnis für die gegenseitigen Macken, die Freiheit so zu sein wie man ist, die Loyalität, Unterstützung und Freundschaft die einem der Partner entgegenbringt.

L.G.

Beitrag von kollateralschaden 30.03.11 - 15:42 Uhr

Ja, das meinte ich mit der vermissten "Leichtigkeit". Diese Unbeschwertheit, das "Nicht an Morgen denken und den Tag genießen".

Zu den Vorteilen einer langjährigen Beziehung:
Verständnis der gegenseitigen Macken; durch das Verliebtsein hat man die doch eh übersehen.
Die Freiheit so zu sein wie man ist; dadurch haben wir uns erst zusammengefunden.

Und alles andere, das sieht man im Überschwang der Gefühle doch eh nicht.

Was man bösartig als rosarote Brille interpretieren könnte, die sich im Laufe der Jahre entfärbt.

Beitrag von asimbonanga 30.03.11 - 17:36 Uhr

<<<Nicht an Morgen denken und den Tag genießen".<<<

wenn es diesbezüglich Probleme gibt, liegen diese doch wohl eher nicht in der Partnerschaft???

<<<Verständnis der gegenseitigen Macken; durch das Verliebtsein hat man die doch eh übersehen. <<
Eben und irgendwann nach dem Absetzen der rosa Brille hat man sie kennen gelernt und liebt trotzdem oder gerade deswegen erst richtig.

<<<Die Freiheit so zu sein wie man ist; dadurch haben wir uns erst zusammengefunden.<<<

präsentiert man in der Anfangsphase nicht eher eine optimierte Ausgabe seiner Person ?


<<<Und alles andere, das sieht man im Überschwang der Gefühle doch eh nicht. <<<

Nein, nicht alle schalten den Verstand gänzlich aus.Jedenfalls wenn es zu einer Beziehung kommen soll.

Die rosarote Brille entfärbt sich, bzw. die Hormone beruhigen sich-dann beginnt die Liebe.
Oder auch nicht.

Beitrag von .neo 31.03.11 - 14:54 Uhr

"Nein, nicht alle schalten den Verstand gänzlich aus.Jedenfalls wenn es zu einer Beziehung kommen soll. "

Mag sein, dass ich das gemacht habe.

Danke für Deine Antwort.

Beitrag von vam-pir-ella 30.03.11 - 15:18 Uhr

Hi!

Unsere Liebe ist auch nicht mehr ganz "frisch". Und manchmal vermisse ich diese Leichtigkeit, wie du es nennst, auch sehr. Alles funktioniert zwar prima, aber mir fehlt dann dieses "frisch verliebt sein Gefühl".
Was mir dann immer hilft, ist meinen Mann mal wieder mit den Augen von damals zu betrachten. Es ist schwer zu erklären...Ich freue mich dann z.B. bewußt auf ihn, richte mich schön,kauf mir neue Wäsche...Und wenn er dann abends heimkommt, und ich seh das Blitzen in seinen Augen wenn er mich "bewundert", dann ist das so wie früher. Und dieses Gefühl hält dann auch eine zeitlang an, einfach weil wir beide uns wieder mehr um uns bemühen.
Ich weiß jetzt nicht, ob du verstehst was ich meine, aber bevor man sich mit etwas abfindet sollte man versuchen es zum Besseren zu ändern.

Gruß,

v.

Beitrag von badguy 30.03.11 - 15:58 Uhr

Die Leichtigkeit des Seins ist ohne Verantwortung ne geile Sache.

Wer Leichtigkeit und Verantwortung unter einen Hut bringt, dem zolle ich Respekt.

Beitrag von armyofme 31.03.11 - 07:02 Uhr

Wieder einmal sagst du schöne Dinge, über die Nachzudenken sich lohnt.

Danke!

A.