Hilfe bei Trauerbewältigung

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von mcngirl 30.03.11 - 19:11 Uhr

Mir fällt es absolut schwer in dieses Forum hier zu schauen. Vielen hilft der Austausch darüber was passiert ist, mich selbst wirft jede Geschichte auf meine eigene Trauer zurück und daran ersticke ich langsam.
Meine FG liegt nun ca 8 Monate zurück und ich bin sofort wieder schwanger geworden ( die Hölle). Dadurch spricht kein Mensch mehr mit mir darüber, weil ich bin ja wieder schwanger, ich hab ja alles was ich will....
Ich will meiner Familie und meinem Mann aber auch nicht noch mehr Angst für die jetztige Schwangerschaft machen und mit Ihnen reden da die ja auch gelitten haben.
Ich heule jede Nacht, es vergeht kein Tag an dem ich nicht dran denke. Nicht mal bei meinem Arzt habe ich den Mut darüber zu reden. ich habe auch richtig Angst vor diesen Ausbrüchen und schäme mich dafür. Ich habe Angst das alle denken ich werde jetzt eine schlechte Mutter weil ich noch so sehr trauere. Ich hab das Gefühl so dringend Hilfe zu brauchen und wollte euch nach euren Erfahrungen damit fragen. Und wie gesagt, ich respektiere den Austausch und solche Formen von Therapien, aber diese Form ist nichts für mich, ich würde echt gerne in einer Therapie mit jemanden alleine reden.

Beitrag von boujis 30.03.11 - 19:43 Uhr

Hallo,


ich dachte auch das ich es allein schaffe, aber musste einsehen, dass es nicht geht.
Für mich kam eine normale Therapie nicht in Frage, weil es mir schwer fällt, über meine Gefühle der Fehlgeburten und besonders der stillen Geburt meiner Tochter zu reden.
Ich kann es besser schreiben, also habe ich mich für eine betreute Schreibtherapie entschieden.

https://www.beranetplus.de/?option=com_beranet&Itemid=15&mos_change_template=designrx01_ukm

Aber bei Dir wäre vielleicht eine Psychotherapie richtig, denn so wie Du es beschreibst, hast Du vielleicht eine Depression.

Ich wünsch Dir alles Liebe.

#liebdrueck

Beitrag von cado 30.03.11 - 19:55 Uhr

hallo,

vielleicht findest du hilfe bei einer beratungsstelle. die gibt es von städtischen oder kirchlichen trägern. dort arbeiten psychologen, pädagogen und therapeuten, die dich unter umständen an weitere institutionen oder ansprechpartner verweisen können.
bei uns läuft das ganze kostenfrei und wenn man möchte auch anonym. man kann eine gesprächstherapie sogar direkt in der beratungsstelle machen ohne die sonst nötige arzt-odyssee.

such dir auf jeden fall hilfe. du hast einen schweren schicksalsschlag hinter dir, aber daran muss man nicht zerbrechen.

ich wünsche dir alles, alles gute,
cado

Beitrag von forfour 30.03.11 - 20:09 Uhr

Hallo,

bitte - bitte - bitte rede mit deiner Familie, vor allem mit deinem Mann. Du tust dir selber grad so viel Leid an, das ist echt nicht nötig und es hindert dich sicherlich auch daran diese SS zu genießen oder?

Mit mir hat auch keiner mehr sprechen wollen über die Abgänge, nach dem 3 hab ich eine sehr gute Freundin verloren weil sie nicht mehr wußte was sie sagen soll. Schade, aber so ist das halt, manche Menschen verliert man im Leben. Nach dem 4 Abgang wurde ich auch gleich wieder Schwanger und es ging mir wie dir, man sprach da nicht drüber. Bis ich eine Frau kennen lernte der ich es kurz erzählte und die fragte dann mal nach und von da an hab ich für mich entschieden: Hey, es ist ein Teil meines Lebens und ich muß damit klar kommen, also muß ich auch drüber reden können.
Was auch hilft ist ein Abschiedsbrief an das Baby zu schreiben in dem man seine Freude und die Traurigkeit legt die mit dem Kind verbunden sind.

Versteck dich nicht, bitte!!! Leb deine Trauer aus. Auch wenn dieses Baby nie gelebt hat auf dieser Welt so hat es in dir gelebt und das muß Frau verarbeiten dürfen. Wenn du mit deinem Mann nicht reden magst dann such dir bitte eine liebe Freundin mit der du redest oder sprich die Helferin beim FA an. Aber bitte, mach was bevor es dich auffrist. Du wirst merken das es dir hilft wenn du aus deinem Schneckenhaus rausgelassen wirst.

LG forfour

Beitrag von polediana 30.03.11 - 20:56 Uhr

hallo mcngirl,

darf ich fragen wie schnell du "gleich wieder" schwanger geworden bist?

#liebdrueck

Beitrag von francie_und_marc 30.03.11 - 21:12 Uhr

Hallo!

Ich habe im September 2010 meinen Sohn in der 21.SSW still geboren. Er war so schwer krank das wir die Entscheidung treffen mussten ihn gehen zu lassen. Ich bin schon vor der Einleitung der Geburt zu einer Beratungsstelle gegangen und nach der Geburt auch. Das hat mir unheimlich gut getan und oft wieder aufgebaut. Knapp drei Monate nach der Stillen Geburt bin ich wieder schwanger geworden. Klar denken viele in unserem Umfeld das ich ja jetzt glücklich sein müsste und ja ich bin auch glücklich, aber eben auch traurig. Ich vermisse meinen kleinen Marten sehr und wir reden viel über ihn. Für uns gehört er zur Familie dazu deshalb ist er immer bei uns.

Und weil du trauerst wirst du keine schlechte Mutter sein. #liebdrueck Es gibt sicherlich auch viele Momente wo du in Gedanken dein Baby im Bauch mit ganz viel Liebe überschüttest, in den Arm nimmst und mit ihm kuschelst. Mich überkommt noch oft die Traurigkeit über den Tod unseres kleinen Sonnenscheins. Ich bin im September Mama eines süssen Sohnes geworden und vermisse ihn natürlich unendlich aber ebenso freue ich mich über die kleine Prinzessin unter meinem Herzen. Und so geht es dir sicherlich auch und du wirst eine total liebevolle Mama für dein kleines Wunder.

Ich war bei: http://www.donumvitae.org/ sie beraten bei Fehlgeburten, Konfliktentscheidungen etc.

Allerdings hatte mir auch Pro Familia eine Therapie angeboten. Denn sie machen sowas auch.

Ich wünsche dir alles Gute und vor allen Dingen ein gesundes kleines Baby das dir Trost und Freude geben wird. Unsere Engel werden wir nie vergessen.

Franca mit Marc fest an der Hand, Marten still geboren am 19.09.2010 21.SSW. tief im #herzlich und Bauchwunder #ei 19.SSW.

Beitrag von dia111 31.03.11 - 07:02 Uhr

Liebe Mcngirl,

ich verstehe dich nur zu gut.
Ich selber bin bei Pro FAmilia, ist kostenlos und es ist eine Einzeltherapie.
Vielleicht ist das was für dich.
Sie ist wirklich sehr nett, auch wenn für mich eine Gruppentherapie vielleicht richtig wäre, geht das bei mir nicht,es gibt nichts in meiner Nähe und wenn findet die Abends statt und da ist niemand für meine Kinder da.

Schau doch mal im Internet und vielleicht ist was bei dir in der Nähe.
Aber rede doch auch mit jemandem, sonst Frist der Schmerz dich auf.

Wenn nicht mit deinem Mann, dann mit einer Freundin, weihe sie ein in deine Gefühle und Ängste.

Wünsch dir alles alles Gute.Und viele viel KRaft

LG
Diana

Beitrag von yvisunshine 31.03.11 - 08:28 Uhr

Gibt es in deiner Umgebung einen Sternenkinder- oder Schmetterlingskinderverein? Die werden dir auch zuhören...mein Arzt meinte, wenn es mich so sehr aus der Bahn wirft, würde er mich auch an einen Psychologen überweisen. Eigentlich arbeiten doch die Frauenärzte und Entbindungkliniken mit Psychologen und Beratungsstellen zusammen... deine Hebamme, die dich in deiner jetzigen Schwangerschaft betreut, kennt sicherlich auch Adressen und Anlaufstellen...
weine ruhig...es dauert eben so lange, wie es eben dauert....leider kann man nach einer gewissen Zeit keine Unterstützung mehr von der Umgebung erwarten, denn sie erwarten eher von dir, das du endlich wieder "normal" wirst...und eben du bist doch wieder schwanger...du solltest dich auf dein neues Kind freuen...sie verstehen eben nicht, dass du dein Sternenkind eben genauso geliebt und erwartet hast...und dass es eben dein Kind war...lass dich nicht von deinen traurigen Geühlen auffressen...du wirst bald auch sehr viel Kraft für dein neues Baby brauchen und du wirst auch viel Freude wieder empfinden mit diesem Baby...vielleicht kommt die Seele deines Sternenkindes in diesem Baby wieder zu dir zurück...

LG Yvonne mit 2 tollen großen Söhnen und Sternchen ganz fest im#herzlich

Beitrag von singa07 31.03.11 - 08:25 Uhr

Hallo!


Ich finde es bewundernswert, dass du dir Hilfe suchst, und dass du für dich auch schon erkannt hast, dass es nicht dieses Forum ist.

Wende dich doch an Beratungsstellen - oder nimm deinen Mut zusammen und frage deinen FA nach welchen. Auch Hebammen wissen oft, an wen man sich wenden kann.

Ich möchte dich aber noch um etwas bitten: sprich mit deinem Mann. Auch wenn du ihm nicht weiter Angst machen willst - wer sagt dir denn, dass er nicht darüber reden möchte und das nur nicht tut, weil er fürchtet DIR Angst zu machen? Er weiß doch gar nicht, wie es dir geht und wie sehr du trauerst. Ihr habt euer Kind verloren, ihr seid wieder schwanger und müsst Freude und Leid so dicht beieinander erst mal gebacken kriegen - gemeinsam! Ihr steckt doch da zusammen drin!

Nach meiner FG herrschte zwischen uns auch erst einmal Sprachlosigkeit. Mein Mann dachte, ich hätte das alles so einfach weggesteckt. Da ich meinen Mund nicht aufgemacht habe, wußte er nicht, wie er mit mir umgehen soll. Als ich dann endlich sprach, wurde ihm bewusst, dass er seine Trauer auch noch lange nicht verarbeitet hat. Habt ihr euch denn von euerem Kind verabschieden können?

Ich wünsche dir, dass du die Therapie findest, die dir hilft.
GLG
SInga

Beitrag von mcngirl 31.03.11 - 14:04 Uhr

Danke für die vielen lieben Worte und Beiträge.
Ich war schonmal bei einer städtischen Beratungsstelle des Jugendamtes. Dort ging es ca 15 min um die Trauer und die nächsten Male wurde ich nur noch zu meiner Familiensituation ausgefragt und wie es in unserer Ehe läuft. ich fand das wenig konstruktiv. Außerdem frage ich mich natürlich warum wir Eindruck erweckt haben, wir müssten über soetwas reden;-)
Aber sicher werde ich mich an einen anderen Träger wenden, vielleicht hilft es mir auch mehr, wenn es ein kirchlicher ist.
Die SS stand von Anfang unter keinem guten Stern. Der Arzt hat mir nie Hoffnung gemacht, nur es hat 3 qualvolle Wochen gedauert, bis wir durch meinen HCG Wert absolute Gewissheit hatten. Ich habe nie ein Bild von dem kleinen Etwas mitbekommen. Sowas fehlt mir jetzt irgendwie.
Im Krankenhaus selbst wurde ich über eine Sammelbestattung informiert. Aber ich konnte einfach nicht. Ich habe mir auch vorgestellt, dass es zusätzlich schlimm würde die ganzen anderen trauernden Eltern zu sehen.
Durch die Ausscharbung habe ich das Gefühl, dass mir gar nichts bleibt außer die Gedanken. Und einen Eintrag im Mutterpass der mich ausweist, dass ich eine FG hatte. Oft frage ich mich deshalb, ob meine Trauer und mein Schmerz so übertrieben sind....
Ich bin ca 4 Wochen nach der Ausscharbung wieder schwanger geworden. Wir dachten eigentlich, es sei Tabula Rasa angesagt und haben dann nach 28 Tagen natürlich nicht mehr verhütet. Ich hatte natürlich in den 4 Wochen davor auch Angst nie wieder schwanger werden zu können, aber im Nachhinein hätte ich mir mehr Zeit für die Trauer gewünscht.
Ich habe eine Zwillingsschwester die im Mai entbindet. Unsere ETs wären ein paar Tage auseinander gewesen. Ich bin sehr eng mit ihr verbunden. Ich möchte sie aber nicht mit meinen Gedanken belasten, sie haben sehr lange gebraucht, um schwanger zu werden. Ich freue mich für sie. Trotzdem habe ich auch schon den Horror vor dem Tag an dem sie entbindet. Dass ich zu sehr an unser Sternchen denken muss, was auch hätte zu der Zeit kommen sollen.
Und hier wieder dieser Zwiespalt: ich krieg doch nur 6 Wochen später ein Kind, warum stelle ich mich nur so an???!