Mein KiWu hat sich verändert.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von juleika444 30.03.11 - 19:24 Uhr

Hallo Forum.

Mich bewegt seit einigen Wochen eine Thematik, für die ich in unserer Beziehung derzeit noch keine Worte gefunden habe, weil ich es noch nicht ansprach. Bevor ich das tue, möchte ich hier fragen, ob eine Frau ähnliche Erfahrungen gemacht hat:

Ich, w, lebe mit meinem Lebensgefährten zusammen. Ich habe einen Sohn (8) aus erster Ehe. Mein Sohn und mein jetziger Partner verstehen sich super - alles problemlos. Ich bin selbstständig mit einem kleinen Betrieb, mein Sohn sieht seinen Papa quasi wöchentlich, er geht bei all seinen Großeltern ein- und aus und es gibt keinen Grund zum Klagen.

Mein Partner ist kinderlos und sein größter Wunsch ist es, Papa zu werden. Wir sind beide gleich alt, gehen auf die 40 zu, führen eine sehr ausgeglichene und harmonische Beziehung und weil ich es mir auch wünschte, gingen wir das Babythema letztes Jahr an. Es hat auch recht schnell geklappt, und dann kam es ziemlich unerwartet dieses Jahr in der 9. Woche zu einer Fehlgeburt.

Seit ich aus dem KH zurück bin - das ist jetzt ein paar Wochen her - ist für mich das Kinderwunschthema irgendwie abgeschlossen. Die SS hat mich, obwohl sie nur kurz dauerte, gesundheitlich ziemlich gebeutelt. Ich habe furchtbar zugenommen, konnte aber kaum essen, hatte Schlafstörungen, Launen uvm - das kannte ich alles von der SS mit meinem Sohn überhaupt nicht. Die Fehlgeburt hat mir irgendwie den "Rest" gegeben. Ich war drei TAge lang im KH. Ich will irgendwie einen neuen Abschnitt in meinem Leben einläuten.

Ich kann derzeit überhaupt nicht verstehen, woher dieser plötzliche Wandel kommt. Vor einem halben Jahr, als wir das Babythema angegangen sind, war das für mich völlig ok. Jetzt, nach der FG, ist nichts mehr ok. In allererster Linie sorge ich mich darum, ob ich eine SS und Geburt gesundheitlich nochmal schultern kann, mir ist mein Betrieb plötzlich sehr wichtig und momentan läuft alles wie am Schnürchen. Ich sehne mich nach meinen alten Hobbys, will mein Familienauto verkaufen, ein Cabrio kaufen und mein Leben mit Sohn und Partner genießen.

Mein Kinderwunsch hat sich verändert. Ich möchte kein Kind mehr.

Ich weiß nicht, woher diese Entwicklung kommt und warum sie so plötzlich da ist. Ich habe einfach Angst, dass ich ein zweites Kind in meinem Alter nicht mehr schaffe. Und: Während ich eine FG hatte, hat eine weitläufige Bekannte ihr Baby bekommen und eine schwere Infektion erlitten. Sie schwebte mehrere TAge lang in Lebensgefahr und ist noch immer in der Klinik. Sie hat so schwere Schädigungen erlitten, dass sie ihr Leben lang nie wieder normal wird laufen können. Das hat mich sehr erschüttert.

Mein Partner weiß noch nichts davon, dass ich kein Kind mehr möchte.

Momentan weiß ich nicht, wie ich es ihm sagen soll. Ich will es ihm aber sagen. Und ihm die Chance lassen, sich im schlimmsten Fall von mir zu trennen, um vielleicht - wenn er das möchte - eine Frau zu finden, mit der er eine Familie gründen kann.

Wenn das sein größter Wunsch ist - will ich ihm nicht im Weg stehen.

Wer hat als Frau ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich?

Danke für sachliche Antworten.

juleika

Beitrag von badguy 30.03.11 - 19:34 Uhr

Auch wenn ich keine Frau bin, ja, ich kann jedes einzelne Argument nachvollziehen.

Ich würde das deinem Partner so sagen, wie du es hier geschrieben hast und mit ihm eine Frist setzen, innerhalb derer du prüfst, ob dein Kinderwunsch zurück kommt.

Kommt er nicht wieder, steht ihm seine Entscheidung offen, wie er sein Leben verbringen möchte.

Ich finde das absolut fair.

Beitrag von trallalalalaala 30.03.11 - 19:40 Uhr


Cabrio fahren kannst du in weiteren 8 Jahren auch noch. Mit Kinder zeugen und gebären wird es dann aber deutlich schwerer werden.
Infektionen kannst du dir überall holen, dazu bedarf es nun keine Geburt.

Meinst du nicht, dass sich deine Meinung genauso schnell wieder ändern kann? Die FG ist doch erst wenige Wochen her. Dein Körper ist sicher noch nicht hormonell auf dem Stand wie zuvor. Lass etwas Zeit verstreichen, wenn du dann immer noch einem weitere Kind abgeneigt bist, sag es deinem Partner.

Beitrag von binnurich 30.03.11 - 20:17 Uhr

ich kann dich verstehen und ich würde ihm das genau so sagen oder ihm das geschriebene zeigen.. er soll eine faire chance haben

kann sein, der kiwu kommt wieder, kann sein das nicht...wer weiß,
aber ich kann schon verstehen, dass du nicht auf teufel komm raus willst, ob er es verstehen wird, musst du einfach rausfinden

Beitrag von masolu 30.03.11 - 20:17 Uhr

Hey,
also ich muss sagen dass ich deine Gedanken und Empfindungen sehr gut nachempfinden kann.
Bei uns ist es ähnlich,wenn auch die Ausgangssituation eine andere ist. Bei uns hat sich der Kinderwunsch bei uns beiden,also bei meinem Mann und mir nach einer FG geändert.
Wir haben bereits 3 Kinder und hatten uns im November letzten Jahres entschieden, dass wir noch ein viertes bekommen möchten.
Da ich vorher hormonell verhütet hatten und mein Arzt mir sagte ein halbes Jahr könne es wohl dauern bis das Resthormon ausgeschüttet wäre setzten wir dann die Verhütung ab. Zu unserer Überraschung wurde ich schon Anfang Januar schwanger. Ich erlitt dann aber in der 8. Woche eine Fehlgeburt. Eine Ausschabung war nicht nötig, da binnen 14 Tagen alles von alleine abging.
Ich war entsetzlich unglücklich. Die ersten 3 Tage habe ich nur geweint. Aber dann, ganz plötzlich, war da in mir der Gedanke mit meinem Kinderwunsch abgeschlossen zu haben. Mir schossen tausend Dinge durch den Kopf. Zum einen eben, dass unser Leben mit unseren dreien jetzt eigentlich perfekt ist, ob ich meinen Kindern zumuten möchte meine bzw unsere Aufmerksamkeit mit noch einem Baby zu teilen, ob ich mit drei kleinen Kindern noch eine weitere Schwangerschaft überstehe (unsere Jüngste war bereits eine drohende Frühgeburt, ist aber dann zum Glück noch 2 Tage nach ET geboren) usw.
Das war alles weg. Nichts mehr. Ich hatte ein total schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber, weil ich dachte dass es bei ihm noch fest verankert wäre, dieser Wunsch. Als ich es dann ansprach stellte sich heraus dass es ihm ganz genauso ging. Für uns ist die Situation jetzt so in Ordnung. Ich habe auch direkt wieder angefangen zu verhüten.
Für uns ist die Familienplanung jetzt abgeschlossen. Ob das jetzt definitiv und unwiederbringlich so bleibt, wird die Zeit zeigen. Momentan ist es für uns beide der Fall.
Ich verstehe dich! Und ich denke dass du es deinem Partner auch sagen solltest. Aber das hast du ja vor. Im Laufe der Zeit wird sich zeigen ob dein Kinderwunsch dauerhaft verschwunden ist, oder ob das jetzt hormonell bedingt ist.
Ich finde deine Einstellung superfair! Ganz ehrlich. Du sollstest dich nicht ihm zuliebe auf eine erneute Schwangerschaft einlassen wenn dein Kopf dir sagt nein. Man weiß ja wie das Zusammenspiel von Körper und Geist sein kann, wenn man nicht zu 100% hinter einem Entschluss steht. Ich wünsch dir alles Gute!

Beitrag von thyme 30.03.11 - 20:26 Uhr

Ich kann dich absolut verstehen. Auch wenn Kinderkriegen in deinem Alter heutzutage normal ist - kleine Kinder sind nun mal unendlich anstrengend. Das Ganze noch mal von vorne beginnen, wenn du das Gröbste schon hinter dir hast?
Beruflich zurückstecken - und wer weiss, ob du in ein paar Jahren noch mal die Energie und die Reserven hast, um es noch einmal anzugehen? Die Fehlgeburt hat dir all die Konsequenzen mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt und dir klar gemacht, dass es offenbar nicht das ist, was du willst.
Ich finde, du handelst fair, wenn du deinem Partner die Wahl lässt, sich gegebenenfalls zu trennen.

Lg thyme

Beitrag von bruchetta 31.03.11 - 08:53 Uhr

Ich kann beide verstehen.

Ihn, weil er ein leibliches Kind haben möchte, und auch Deine Gefühle kann ich nachvollziehen.

Sag es ihm, vielleicht ist es ihm ja auch nicht SOOOO wichtig, dass er sich eine andere Frau sucht, nur um ein eigenes Kind zu haben.

Beitrag von elternzeit-papa 31.03.11 - 09:03 Uhr

Moin,

ich bin zwar keine Frau, aber trotzdem: Ich würde erst mal ein paar Monate warten, bevor ich das meinem Partner in letzter Konsequenz sage.

Du bist hormonell noch im Ausnahmezustand, das kann sich ja alles wieder ändern.

Wenn Du dann immer noch genau so fühlst, musst Du es ihm natürlich sagen, und ich kenne durchaus einige Männer, die dann ihre Sachen packen würden. Andere wiederum würden sicherlich bleiben.

Dir alles Gute

ez-p

Beitrag von juleika444 31.03.11 - 11:45 Uhr

Hallo alle miteinander.

Danke für Eure vielen Hinweise.

Leider ist mein Zeitfenster, "es" in letzter Konsequenz zu entscheiden und mitzuteilen, nicht mehr so weit offen: Wir heiraten im Juli. Alles ist geplant, alles ist vorbereitet.

Ich stehe also irgendwie unter zeitlichem Druck.

Momentan geht es mir mit der ganzen Baby-Thematik nicht gut... Ich kann mir nochmal so eine strapaziöse SS einfach nicht vorstellen. Und derzeit ist es für mich auch undenkbar, meine berufliche Selbstständigkeit wieder zurück zu fahren.

Bei der letzten SS habe ich von vorneherein große Projekte gar nicht angenommen, sondern habe von Anfang an einen Gang runter geschaltet. Und jetzt läuft momentan alles so brilliant. Die Aufträge fliegen quasi wie von selbst ins Büro.

Man muss auch wissen, dass ich vor der jetzigen Partnerschaft sehr lange allein erziehend war und eine grausame wirtschaftliche Zeit durchleben musste, weil mir mein Exmann das Leben sehr, sehr schwer gemacht hat. Ich war, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste, dann auch kurzfristig Hartz4-Empfängerin. Das alles habe ich längst hinter mir gelassen; ich habe mich beruflich aufgerappelt und erlebe derzeit einen nie dagewesenen Boom in meinem kleinen, feinen Betrieb. Ich habe - seit der letzten SS - so unglaubliche Existenzängste entwickelt...Ich will nie wieder so tief absinken wie es mal (unverschuldet) war. Ich habe Angst, irgendwann wieder mal allein erziehend da zu stehen und am Hungertuch nagen zu müssen. Ich genieße diesen selbst erschaffenen Freiraum in vollen Zügen!

Keine Ahnung, woher dieses Kopfkino der Angst kommt. Mein Partner ist sehr zuverlässig; ich zweifle nicht an unserer Beziehung. Aber man weiß ja nie, was kommt. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er Elternzeit nehmen soll, bis das Kind in die Krippe kommen könnte. Das lehnt er ab, weil er Sorgen hat, seine Festanstellung zu verlieren.

Traurige Grüße.



Beitrag von amory 31.03.11 - 13:51 Uhr

Hallo,

ich würde ihm das, was du hier geschildert hast, mal als brief schreiben. du kannst so in ruhe deine gedanken sortieren, er kann sie in ruhe aufnehmen.

ich kann deine gedanken und gefühle gut nachvollziehen und denke, bei dr ist (im moment) wirklcih kein kind angesagt.
ob das so bleibt sei dahingestellt, eine fehlgeburt ist ein traumatisches erlebnis. vielleicht solltest du darüber generell mal mit einem fachmenschen sprechen....

was dien partner dazu sagt weißt du ja gar nicht. vielleicht ist es für ihn ienfach ok ´so, wie es ist. mit dir und deinem kind. ohne ien eigenes.
vielleicht ist ihm das eigene doch wichtiger.
ich finde es sehr fair, wenn du ihm die entschiedung überlässt.
er sicherlich auch.

ich wünsche dir und euch alles gute.

amory


Beitrag von clautsches 31.03.11 - 14:45 Uhr

Hallo!

Nun, Erfahrungen diesbezüglich habe ich keine, aber ein Gedanke schoss mir beim Lesen deines Textes durch den Kopf:

Diese letzte Schwangerschaft.. vielleicht war sie ja deshalb so schwierig, weil dein Körper, deine Psyche, dein Unterbewusstsein, was auch immer,.. schon gewusst hat, was da kommt. Sprich, dass es "nichts wird".

Sorry, vielleicht ein blöder Gedanke, aber es fiel mir spontan so ein - und ich denke:

Sprecht JETZT darüber, aber lasst euch trotzdem Zeit.. sofern er das will. Und wenn er DICH will, dann habt ihr diese Zeit auch - eine Hochzeit lässt sich gegebenenfalls verschieben..

Alles Gute!
LG Claudi

Beitrag von Wer weiß 31.03.11 - 21:37 Uhr

Hallo,

könnte das auch eine Art Selbstschutz sein? Ich wollte unbedingt immer ein 3. Kind. Am zweiten haben wir über ein Jahr gebastelt, so war ich völlig baff, als ich sofort schwanger wurde. Mir war sofort schlecht und es tauchten zwei Fruchthöhlen im US auf. Ich war total durch den Wind. In der 7. Woche - nur Tage nach dem US - hatte ich dann eine FG.

Ich war total durcheinander und war total traurig. Gleich im nächsten Zyklus wurde ich wieder ss - in der 6. Woche wieder eine FG. Danach hatte ich auch das Gefühl, nie mehr wieder. Ich wollte überhaupt nicht mehr. Das paradoxe war, dass ich trotzdem nicht verhütet habe. Vielleicht wollte ich es unterbewusst doch?

Ich wurde wieder schwanger und ich hatte viele Schreckmomente in der SS (plötzliche Blutungen ohne richtig feststellbare Ursachen, Wehen, Tage, an denen sich das Baby kaum bewegte, Blasensprung in der 37. Woche). Irgendwie war ich in der Schwangerschaft furchtbar distanziert zu allem. Ich habe wirklich kaum Angst gespürt und hatte immer das Gefühl, dass ich erst sicher das Baby habe, wenn es da ist. Er wurde dann geboren und irgendwie überrollten mich sofort alle möglichen Gefühle - da merkte ich, dass ich die wohl wirklich weggestaut hatte, vermutlich so als Selbstschutz. Ich kenne das von einigen Leuten.

Allerdings - ich gehe nun auch auf die 40 zu - wollte ich immer ein 4. Kind. Eigentlich. Jetzt geht Nr. 3 in den Kiga und wenn ich jüngere Kolleginnen etc sehe, die schwanger sind ... ich beneide sie überhaupt nicht. Nr. 4 will ich nicht mehr. Ich merke, dass meine Belastbarkeit einfach sinkt und ich wieder mehr Zeit für mich brauche.


Beitrag von juleika444 01.04.11 - 13:17 Uhr

Hallo, alle miteinander.

Vielen Dank für Eure Anteilnahme an meiner Thematik. Ich habe von Euch viel, viel Input bekommen und in manch Schilderung von der einen anderen habe ich mich genau wieder erkannt.

Ich denke, dass bei mir schon ein Stück weit das Thema "Selbstschutz" im Vordergrund steht. Die Fehlgeburt hat mich doch mehr erschüttert als gedacht, aber ich fühlte in der ganzen SS, dass irgendwas nicht so läuft wie es laufen sollte. Ich hatte auch immer so ganz negative, blöde Gedanken - obwohl das Baby wirklich geplant und sehnlichst erwünscht war. Ich habe mich selbst nicht wieder erkannt - so eine ablehnende Haltung...

Und bei jedem FA-Besuch war irgendwas unklar und ich ging jedes Mal mit einem noch schlechteren Gefühl heim, weil es nichts Greifbares war. Mal zwei Fruchthöhlen, dann wieder nur eine, dann zwei. Und immer hieß es: Abwarten, beim nächsten mal sieht man wohl mehr. Dann hätte eigentlich das Herz schlagen sollen, aber man sah das nicht richtig - war wohl wieder mal zu früh usw.

Vielleicht hat mein Körper einfach gespürt, dass da was nicht in Ordnung ist.

Ich brauche jetzt einfach mal Zeit für mich. Um Klarheit zu schaffen.

Und da der Junior am WoE bei seinem Papa ist, will ich die Gelegenheit nutzen, um mit meinem Partner zu sprechen.

Die Frage, was denn eigentlich sei, wenn das mit dem Kinderwunsch aus gesundheitlichen/biologischen Gründen bei uns nicht klappen könnte, beantwortete er nach der Fehlgeburt mit: "Dann ist das halt so. Hauptsache, wir haben uns, und wir können das Leben miteinander genießen."

Mal sehen.

Puh!!!

Danke für Eure Geduld.


juleika