Was wäre wenn?

Archiv des urbia-Forums Allein erziehend.

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von sternken 01.04.11 - 08:23 Uhr

Hallo!

Ich habe mal eine Frage, und dazu erkläre ich euch ganz kurz und wahrscheinlich noch viel zu untertrieben meine Situation:

Ich lebe getrennt (bald geschieden) und wir haben eine gemeinsame kleine Tochter (beide Sorgerecht). Ich habe seit längerer Zeit ein neuen Partner und es läuft alles super. Der eigentliche Vater hat ziemliche Probleme, nutzt das Kind nur um Streit mit mir zu haben, interessiert sich nicht persönlich fürs Kind und ist ohnehin ein miserabler Vater von Anfang an gewesen. Da wir nun alle (auch die Kleine leidet nur noch drunter und mag nimmer) nicht mehr können, weil er einfach zu viel Stress macht haben wir überlegt mit meinem neuen Partner nach Österreich auszuwandern, dort würds uns viel besser gehen (Haus, Job, mehr Geld... die Liste ist lang). Nur das Problem, dass mein baldiger ExMann damals bei der Trennung versprochen hat, mir für den Rest des Lebens das Leben zur Hölle zu machen, was er auch jeden Tag wieder aufs neue beweist, d.h. er gibt die Einwilligung, dass wir mit der Kleinen rübergehen können nicht. Da ich die Befürchtung habe dass das Gericht eh sagt, dass ich das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht bekomme, habe ich überlegt was wäre wenn wir einfach gehen. Auch wenn er dann versucht mir einen Strich durch die Rechnung zu machen indem er mich verklagt, kann die Kleine doch eh nicht bei ihm bleiben oder? Er verdient nichts, ist auf unbestimmte Zeit krank geschrieben, kriegt schon nur Krankengeld etc.... Was kann mir wirklich passieren wenn er wieder nen schlechten Tag hat? Wir halten es hier alle einfach nimmer aus, leiden alle.

Wäre schön, wenn ihr Antworten habt oder sogar Erfahrungen.

Beitrag von silbermond65 01.04.11 - 08:47 Uhr

Einfach so gehen?
Er kann dich anzeigen wegen Kindesentführung. Willst du das?


kann die Kleine doch eh nicht bei ihm bleiben oder? Er verdient nichts, ist auf unbestimmte Zeit krank geschrieben, kriegt schon nur Krankengeld etc.... Was kann mir wirklich passieren wenn er wieder nen

Warum könnte sie das nicht? Wenn er ein guter Vater ist (ich kenne hier nur deine Seite ,die das Gegenteil behauptet ) ,warum nicht.
Wenn das Geld der einzige Grund sein sollte ,dann müßte man allen Arbeitslosen,Dauerkranken ohne bzw. mit sehr wenig Einkommen die Kinder wegnehmen.
Wenn er wirklich so ein "miserabler " Vater ist ,klär das beim JA und frag nach ,was du machen kannst.Einfach abhauen ist jedenfalls die falsche Lösung.

Beitrag von ppg 01.04.11 - 08:57 Uhr

Um es mal salopp auszudrücken:

Mach das, wenn dann das Sorgerecht weg ist, haste ja immernoch das andere Kind.

Realistisch gesehen hast Du nicht die geringst Chance mit dem Kind auszuwandern, wenn der Vater das Kind bei sich behalten will. Gehst Du so, ist das Kind auch weg, denn Österreich hat ein Auslieferungsabkommen.

Ute

Beitrag von kruemlschen 01.04.11 - 09:07 Uhr

Hallo,

das was Du da vorhast ist eine STRAFTAT und geht weit über die üblichen Streitereien zwischen getrennten Eltern hinaus!

Kindesentführung:

"§ 235 StGB [Entziehung Minderjähriger] :
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. eine Person unter achtzehn Jahren mit Gewalt, durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List oder
2. ein Kind, ohne dessen Angehöriger zu sein, den Eltern, einem Elternteil, dem Vormund oder dem Pfleger entzieht oder vorenthält.
(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind den Eltern, einem Elternteil, dem Vormund oder dem Pfleger
1. entzieht, um es in das Ausland zu verbringen, oder
2. im Ausland vorenthält, nachdem es dorthin verbracht worden ist oder es sich dorthin begeben hat.
(3) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 und des Absatzes 2 Nr. 1 ist der Versuch strafbar.
(4) Auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter
1. das Opfer durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt oder
2. die Tat gegen Entgelt oder in der Absicht begeht, sich oder einen Dritten zu bereichern.
(5) Verursacht der Täter durch die Tat den Tod des Opfers, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.
(6) In minder schweren Fällen des Absatzes 4 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 5 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.
(7) Die Entziehung Minderjähriger wird in den Fällen der Absätze 1 bis 3 nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält."

Zudem wirst Du vermutlich Dein Sorgerecht verlieren, Österreich gehört zur EU, da wird ein Straftäter ausgeliefert!

Gruß K.

Beitrag von a11ure 01.04.11 - 09:27 Uhr

Kann / würde ein Gericht in einem solchen Einzelfall u.U. auch zu Gunsten der KM entscheiden oder ist es per se so, dass die KM mit Kind ohne Einwilligung des KV nur in einem 50km-Radius umziehen darf?

Beitrag von kruemlschen 01.04.11 - 09:33 Uhr

Hi,

solche Fälle sind immer Einzelfallentscheidungen des jeweiligen Richters/-in!

Im oben beschriebenen Fall ist es allerdings fast ausgeschlossen dass ein Gericht hier zu Gunsten der Mutter entscheidet, da diese das Kind VORSÄTZLICH und gegen den deutlich ausgesprochenen Willen des KV entführen möchte.

Es gibt durchaus auch einige Fälle bei denen ein Gericht im Falle eines Umzugswunsches zu Gunsten der KM entscheidet auch wenn der Vater dagegen ist.
Dies impliziert aber i.d.R. dass die KM das VOR einem Umzug gerichtlich abklärt.

Gruß K.

Beitrag von hauke-haien 01.04.11 - 10:22 Uhr

"Er verdient nichts"

Ich kenne viele Mütter, die nichts verdienen und deren Kinder trotzdem bei ihnen bleiben dürfen!

Beitrag von krokolady 01.04.11 - 13:32 Uhr

Was meinst du mit Haus?
Ihr habt da Eigentum?

Also, die einzige Chance die du hast:
Neu heiraten, Dein Mann dann da unten nen super Job, evtl. Eigentum.....Du auch da unten nen Job....dann könntest du es übers Gericht versuchen.

Mach am besten mal nen Termin bei nem Fachanwalt für Familienrecht.

Beitrag von minusch73 03.04.11 - 18:37 Uhr

Du könntest einen Antrag beim Familiengericht stellen, wenn der KV die Einwilligung nicht gibt. Solange das Umgangsrecht gewahrt wird und sofern es wichtige Gründe (Arbeit etc.) gibt, spricht nichts dagegen. Vorher würde ich allerdings alles mit einem Fachanwalt für Familienrecht besprechen.
Einfach umziehen ohne Einwilligung geht absolut nach hinten los!