Kündigung erhalten - so okay?

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Beitrag von coco123456 01.04.11 - 09:26 Uhr

Hallo,

und zwar geht es um folgendes:

Mein Mann hat gestern total unerwartet von seinem Meister die Kündigung in die Hand gedrückt bekommen.

Er arbeitet seit fast 12 Jahren in der Produktion, es ist nie etwas vorgefallen was die Kündigung eventuell rechtfertigen könnte.

Mein Mann wurde nach der Arbeit ins Büro gerufen, wo man ihm dann die Kündigung überreicht hat, als er nach dem Grund fragte wurde ihm gesagt, dass sich anscheinend einige über ihn beschwert haben, dass ihm bereits mehrere Fehler unterlaufen sind und er deswegen die Kündigung erhält.

Vielleicht sollte ich noch dazu schreiben, dass es bei meinem Mann im Betrieb Qualitätsprämien gibt und er die letzten 10 Jahre JEDEN Monat diese erhalten hat - nur diesen Monat nicht .. Man hatte vor der Kündigung nie mit ihm darüber geredet, dass er Fehler macht oder irgendwas verbessern sollte..

Wir sind einfach nur schockiert.

Mein Mann denkt dass die Gründe für die Kündigung nicht die "Fehler" sind, sondern zum einen sein Altern (er ist schon 52) und weil er vor einigen Monaten einen Gleichstellungsantrag bzgl. Schwerbehinderung bei der Agentur für Arbeit gestellt hat.

Achja das Unternehmen hat ca. 100 Mitarbeiter und keinen Betriebsrat.

Meiner Meinung nach ist die Kündigung ungerechtfertigt. Man kann doch nicht einen Mitarbeiter, welcher schon 52 Jahre alt ist und schon über 10 Jahre dabei ist wegen "vorgefallen Fehlern" kündigen? Wie gesagt es gab nie Gespräche oder Abmahnung und auch immer Qualitätsprämien etc.. kam alles total überraschend.

Wie schauen unsere Chancen aus wenn wir Klage beim Arbeitsgericht erheben? Hatte da schon jemand Erfahrungen? Oder sitzt der Arbeitgeber am längeren Hebel?

Liebe Grüße
Coco

Beitrag von wind-prinzessin 01.04.11 - 09:32 Uhr

Klingt reichlich seltsam! Wenn er letzten Monat nicht komplette Sch.. gebaut hat (z. B. betrunken an die Arbeit kam oder so), würde ich die Kündigung nicht hinnehmen. Zumal er auch sicherlich nicht mehr in der Probezeit ist. Wurde er denn wenigstens fristgemäß gekündigt?

Beitrag von thea21 01.04.11 - 09:49 Uhr

Lies den Beitrag doch bitte nochmal.

Ihm wurde nach 12(!!) Jahren der AV gekündigt, mit Verhaltensbedingtem Kündigungsgrund!

Beitrag von wind-prinzessin 01.04.11 - 09:52 Uhr

Das mit dem 12 Jahren hab ich gelesen. Ich bin des Lesens mächtig, danke. Darum hab ich ja geschrieben, dass er sicherlich nicht mehr in der Probezeit ist!

Beitrag von nobility 01.04.11 - 12:02 Uhr

Deine weitere Gegenfrage ob Fristgerecht oder Außerordentlich gekündigt worden ist, tut nichts zur Sache und ist ebenso irrelevant.

Es geht vielemhr darum, ob die Kündigung generell Rechtlichen Bestand hat. Das zu prüfen wäre die Aufgabe eines Fachanwaltes für Arbeitsrecht.

Beitrag von kathi.net 01.04.11 - 09:38 Uhr

Was steht denn in der schriftlichen Kündigung?

Beitrag von coco123456 01.04.11 - 10:08 Uhr

In der Kündigung steht nur drin, dass er fristgerecht zum 31.07.2011 gekündigt wird und ab dem 01.04. (also heute) bis zum 16.06.2011 nicht zur Arbeit kommen muss, wegen Überstundenabbau + Urlaubsabbau. Seine Unterlagen bekommt er dann am 31.07.

Das wars. Ein Grund steht nicht drin.


Beitrag von wind-prinzessin 01.04.11 - 10:18 Uhr

Fristgerecht? Mir war so, als wäre da mal was gewesen.. Über 25 Jahre alt und 12 Jahre beschäftigt - dann nur 4 Monate Frist!? (Verdammt, ich schreib Mittwoch ne Klausur darüber und habs immer noch nicht ganz präsent..)

Beitrag von kathi.net 01.04.11 - 10:21 Uhr

Die Frist ist, wenn nichts anderes im Arbeitsvertrag steht, korrekt.

Beitrag von wind-prinzessin 01.04.11 - 10:27 Uhr

(2) Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen

zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer werden Zeiten, die vor der Vollendung des 25. Lebensjahrs des Arbeitnehmers liegen, nicht berücksichtigt.

(Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html)

Er war bei der Einstellung älter als 25. Von daher ist es schon mal ein Monat zu wenig als Kündigungsfrist. Von den Gründen mal ganz abgesehen.

Beitrag von kathi.net 01.04.11 - 10:30 Uhr

Dann lies den Anfangstread nochmal!

Genaues Lesen solltest du dir für deine Prüfung unbedingt aneignen!

Beitrag von windsbraut69 01.04.11 - 12:55 Uhr

Das ist völlig irrelevant, da die Kündigung so nicht wirksam ist (Begründung fehlt).

Beitrag von seikon 01.04.11 - 10:47 Uhr

Wenn kein Grund drin steht, dann ist die Kündigung ohnehin unwirksam. Sofort Kündigungsschutzklage einreichen und gleichzeitig noch den Vorgang wegen dem Behindertenausweis beschleunigen.

Beitrag von marysa1705 01.04.11 - 15:17 Uhr

>>Wenn kein Grund drin steht, dann ist die Kündigung ohnehin unwirksam.<<

Wie kommst Du darauf?

"Weit verbreitet ist der Irrglaube, als Arbeitgeber wären Sie verpflichtet, bereits in dem Kündigungsschreiben einen Kündigungsgrund anzugeben. Das ist nicht nur falsch, in vielen Fällen ist die Angabe des Kündigungsgrundes im Kündigungsschreiben sogar ein taktischer Fehler."
http://www.vnr.de/b2b/personal/arbeitsrecht/kuendigung/warum-sie-in-der-kuendigung-keinen-kuendigungsgrund-angeben-sollten.html

"2. Angabe des Kündigungsgrundes

Grundsätzlich nicht erforderlich ist aber, dass sie auch mit einer Begründung versehen ist. Allerdings kann im Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag vereinbart sein, dass der Kündigungsgrund anzugeben ist."
http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/frameset.htm?http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/kuendigung/kuendigungserklaerung_kuendigungsgrund.htm

"Eine Kündigung ist nur dann rechtswirksam, wenn sie schriftlich erklärt worden ist. Kündigungsgründe sind nicht unbedingt mitzuteilen. In Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder einzelvertraglichen Vereinbarungen kann dies aber vorgeschrieben sein"
http://www.arbeitsratgeber.com/kuendigung_0125.html

Beitrag von seikon 01.04.11 - 15:55 Uhr

Es mag sein, dass die Kündigung nicht allein dadurch unwirksam wird, weil der Grund nicht im Schreiben steht. Aber der Mitarbeiter hat ein Recht darauf zu erfahren, warum er gekündigt wurde. Und spätestens im Kündigungsschutzverfahren muss der Arbeitgeber dann einen Grund nachliefern.

Wenn mehr als 100 Mitarbeiter vorhanden sind, ein neuer MA eingestellt und auf diese Position eingearbeitet wurde, und dann der Mann der TE gekündigt wird, dann wird das ganz schwer, das mit einer vernünftigen Sozialwahl zu begründen. Und um wirklich verhaltensbedingt zu kündigen sind die Gründe, die hier genannt wurden doch sehr schwammig.

"Muss der Arbeitgeber in seinem Kündigungsschreiben einen Grund für meine Kündigung angeben?

Bei der Kündigung muss der Arbeitgeber keinen Grund angeben, warum er Sie kündigt. Sie haben aber ein berechtigtes Interesse, zu erfahren, warum Sie gekündigt wurden. Durch eine Klage gegen die Kündigung können Sie Ihren Chef zwingen, den Grund der Kündigung zu benennen. Auch wenn in dem Kündigungsschreiben kein Kündigungsgrund angegeben werden muss, so muss doch in den weitaus meisten Fällen ein Grund für die Kündigung vorliegen."

http://www.arbeitnehmer-arbeitsrecht.de/nuetzliches/kuendigung/objekt3.html

Beitrag von marysa1705 01.04.11 - 16:12 Uhr

Dass der Arbeitnehmer ein Recht darauf hat, den Kündigungsgrund zu erfahren ist auch gar nicht die Frage.

Aber die Aussage "Wenn kein Grund drin steht, dann ist die Kündigung ohnehin unwirksam." ist schlichtweg falsch.
Und zwar handelt es sich dabei nicht einfach um eine Lappalie, sondern es geht um unterschiedliche rechtliche Konsequenzen. #aha

Beitrag von windsbraut69 01.04.11 - 12:54 Uhr

Ohne Grund ist die Kündigung sowieso nicht korrekt.

Ab zum Anwalt und Klage einreichen!

Beitrag von claramia333 01.04.11 - 09:40 Uhr

Hallo,

das ist nie im Leben gerechtfertigt. Legt ganz schnell Kündigungsschutzklage ein! Ihr habt alle Karten in der Hand. Man kann Deinen Mann nicht so einfach kündigen.

LG

Beitrag von thea21 01.04.11 - 09:48 Uhr

Die Kündigung klingt nicht wirksam und mit den genannten Grü+nden hätten Abmahnungen mit Hinweis auf sein Fehlverhalten vorausgehen müssen!

Sofort Kündigungsschutzklage einreichen!

Beitrag von fuxx 01.04.11 - 09:50 Uhr

meines Wissens bedarf es da vorab 2 Abmahnungen für die gleiche Sache.
Die hat Dein Mann scheinbar nicht bekommen.

Geht bitte umgehend zu einem Rechtsanwalt.

Beitrag von nobility 01.04.11 - 12:10 Uhr

Jede Abmahnung darf nur einen Grund haben. Also ein sogenantes mischen von Gründen in einer Abmahnung ist unzulässig. Jede Abmahnung muss Einlaßfähig begründet sein. Ist dies nicht der Fall, so ist die Abmahnung Rechtlich unbegründet.

Das gleiche gilt für die Kündigung. Ist der Kündigungsgrund ein anderer als einer vorausgegangenen Abmahnung so ist eine solche Kündigung unbegründet.

Beitrag von fuxx 01.04.11 - 13:15 Uhr

Ich habe hier überhaupt nicht vom Mischen von Gründen gesprochen.
Es darf erst gekündigt werden, wenn der MA 2x für das gleiche Vergehen abgemahnt wurde.

Beitrag von demy 01.04.11 - 15:58 Uhr

Hallo,
arbeitsrechtlich gesehen reicht genau eine einzige Abmahnung.
Danach kann dann die verhaltensbedingte Kündigung ausgesprochen werden, wenn nocheinmal ein Verstoß gegen den selben Sachverhalt vorliegt.

Es müssen natürlich alle Regularien einer Abmahnung eingehalten werden.
Viele AGs scheitern zum Glück schon daran.

Deshalb ist es auch nicht immer ratsam, gegen eine falsche Abmahnung vorzugehen.
Sonst zeigt man dem AG nachher noch wie es richtig geht ;-)

Gruß
Demy

Beitrag von seikon 01.04.11 - 10:12 Uhr

Wenn das alles so ist, wie du es geschrieben hast und dein Mann dir da nichts verheimlicht, dann stehen eure Chancen mehr als gut.
Dein Mann soll seine Arbeitskraft weiterhin anbieten und es sich schriftlich geben lassen, falls man ihn freistellt/heim schickt.

Welcher Wortlaut steht denn genau in der Kündigung? Und hat er die schriftliche Kündigung schon erhalten? Ihr habt 3 Wochen ab Erhalt der SCHRIFTLICHEN Kündigung Zeit eine Kündigungsschutzklage zu stellen.

Hat dein Mann in seinem Betrieb denn bekannt gegeben, dass er einen GdB beantragt hat? Möglicherweise versucht man ihn jetzt noch schnell los zu bekommen, ehe er den Schwerbehindertenstatus zuerkannt bekommt. Denn dann geht das eh nur noch, wenn die Behörde vorher ihre Zustimmung erteilt hat.

Ich würde euch dringend raten, am besten noch morgen gleich zum Arbeitsgericht und Klage einreichen und danach gleich zum Arbeitsamt und melden (um die Fristen zu wahren). Und dann idealerweise einen Fachanwalt dazu nehmen.

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