Die Geburt von Ferdinand am 22.03.11 (Vorsicht, etwas dramatisch)

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von marleni 01.04.11 - 21:38 Uhr

Liebe Forumsmädels,

ich möchte gerne von der Geburt meines Sohnes berichten, auch wenn sie nicht schön war. Aber am Ende zählt, dass er und ich gesund und seit heute zu Hause sind.

Trotzdem vorab die Warnung: Nichts für schwache Nerven. Und ich will keinem Angst machen, meine Geschichte ist ein absoluter Einzelfall!

ET war am 16.3., ich hatte schon seit 12.3. immer wieder Wehen, v.a. nachts, die auch den Muttermund weich machten und etwas öffneten, aber die Geburt noch nicht wirklich einleiteten.

Los ging's erst um 1 Uhr morgens am 22. März.
Vorabinfo: Meine erste Tochter wurde durch eine sekundäre Sektio nach Geburtsstillstand geboren, nach vielen Gesprächen, Beratungen und Risikoabwägungen hatte ich mich beim zweiten Mal dafür entschieden, unter medizinischer Überwachung eine Spontangeburt zu wagen.

1 Uhr also: Kreißsaal. Gute, aber noch veratembare Wehen. PDA gelegt, was sehr schwierig war und eine Stunde dauerte, weil meine Wirbelsäule etwas "tricky" ist. Wirkte dann nur einseitig und nicht besonders gut, aber besser als nichts.

Dann Eröffnungsphase mit eigenen, natürlichen Wehen, zwischendurch versagte die PDA ganz, dann kam der Schichtwechsel und die "frische" Anästhesistin schaffte es, die PDA zu "richten", so dass sie beidseitig und wie gewünscht wirkte. Die letzten 4 cm Muttermund eröffnete ich total entspannt, atmend und fast dösend.

Muttermund also gegen Mittag 10cm geöffnet, Kind im Becken, ich sollte mich noch mal kurz ausruhen und dann würde man evtl. mit etwas Oxytocin nachhelfen, um die Austreibungswehen zu provozieren.

Auf einmal gingen Ferdinands Herztöne nach oben. 180, 190, 200. Und blieben so. Gleichzeitig fing ich an zu zittern, besser gesagt, es schüttelte mich, als sei ich an Starkstrom angeschlossen. Ich bekam hohes Fieber und Todesangst, dazu Bauchschmerzen eher unbestimmter Art. Ich weiß noch, dass ich immer rief, dass ich solche Angst hätte. Angst zu sterben.

Der OA kam und untersuchte den Befund. Er stellte fest, dass Ferdinand sich etwas gedreht hatte und nun mit dem Kopf seitlich am Becken festhing.

Es wurde ein Kaiserschnitt beschlossen, wegen des pathologischen CTGs. Sie sagten, dass das Kind diesen hohen Puls nicht so lange würde aushalten können, wie eine Geburt aus der momentanen Lage und evtl. mit Saugglocke und Umlagern dauern würde.

Ich akzeptierte natürlich, wenn auch enttäuscht.

Auf einmal wurde es ziemlich hektisch, wir zogen aber noch in den OP um. Die PDA wurde aufgespritzt und sie schnitten. Ich spürte den Schnitt noch, nicht als Schmerz, eher als Kälte des Messers. Dann gingen alle Lichter aus. Vollnarkose.

In meinem Geburtsbericht las ich, dass den Operateuren das Kind nach dem Bauchdeckenschnitt schon aus der Bauchhöhle entgegen kam. Die alte Narbe von KS 1 in der Gebärmutter war aufgeplatzt. Komplett. Sie entwickelten das Kind und operierten mich dann 2 Stunden lang, ich verlor zwei Liter Blut und meine Harnblase war auch zerrissen.

Ferdinand kam zwei Nächte auf die Intensivstation, wurde anfangs beatmet, weil er Probleme mit dem Sauerstoff hatte und bekam 10 Tage lang Antibiose über einen Zugang im Kopf, weil er eine sehr schwere, nicht zu klassifizierende Infektion hatte. Ich hatte diese auch. Ich musste 10 Tage einen Dauerblasenkatheter tragen, um die zusammengeflickte Blase zu entlasten und heilen zu lassen. Insgesamt verbrachten wir 12 Tage in der Klinik, mit vielen Medikamenten, einer anfänglichen Trennung und einem schweren Stillstart (meine Milch kam durch den seelischen Stress erst am 5. Tag und ich konnte mein Baby nicht so lange hungern lassen, also musste ich mit Zufüttern jonglieren, ohne die Stillbeziehung zu gefährden, es war sehr schwer, weil es mir zudem natürlich körperlich noch nicht gut ging, mein HB-Wert war anfangs bei unter 5 ...

Aber wir haben es geschafft! Mit Akupunktur, Geduld und stundenlangem immer-wieder-Anlegen. Jetzt fließt die Milch und wir sind endlich zu Hause. Ferdinand ist 10 Tage alt und wiegt heute 3800 Gramm, sein Geburtsgewicht waren 3680 Gramm.

Ich bin sehr glücklich, dass wir beide unbeschadet überlebt haben. Sehr dankbar. Ich hatte Ferdi nach der anfänglichen Trennung rund um die Uhr 24 Stunden nur bei mir am Körper, er schlief kein einziges Mal in seinem Stationsbettchen, sondern nur auf mir oder im Bett neben mir. Die anderen hielten mich für bekloppt, aber ich denke, er braucht(e) diese extreme Nähe. Wenn er bei mir ist, ist er ruhig und lieb, ansonsten kann er ziemlich schnell hysterisch werden.

Ich hatte einerseits wahnsinnig viel Pech mit der Uterusruptur, andererseits unglaublich viel Glück mit dem happy end.

Trotzdem bereue ich meine Entscheidung, eine Spontangeburt zu versuchen, nicht. Auch wenn es komisch klingt. Es hätte auch wunderbar werden können.

Alles Liebe
M. mit Tochter (2 Jahre 9 Monate) und Sohn (10 Tage)

Beitrag von kersekind 01.04.11 - 21:49 Uhr

Auweia! Das hört sich verdammt übel an! Ich drück euch die Daumen und wünsche weiterhin alles Gute!

VG, K

Beitrag von zopf97 01.04.11 - 22:26 Uhr

Uiuiui, da habt Ihr beide ja richtig Glück gehabt!!!!!

Trotzdem, Ihr schafft das, jetzt habt Ihr ja Zeit für Euch! Geniesst jede Sekunde zusammen!!!

#pro#pro#pro

Beitrag von serafina.nr.1 02.04.11 - 07:09 Uhr

zu diesem wunderbar geschriebenen geburtsbericht und natürlich zu deinem kleinen sohn!!!;-)
ich dachte schon in der zeile, in der es dich so schüttelte, sofort an eine unvorhergesehene ruptur. meiner meinung nach hätte man diese bereits etwas früher spüren können, wenn keine PDA gelegt worden wäre...!!
ich hatte auch mal eine ruptur, die ich ohne vorwissen oder status im OP nur an den untypischen schmerzen am bauchbereich erkannte...!!!
und wegen meiner vermutung auf eben die gefahr einer ruptur wurde ich dann auch vier wochen vor dem ET per sectio operiert. die ärzte hatten durch den ultraschall und die messungen am kind -bereits ca. 3100g, tatsächlich daqnn 3150g- beschlossen, mir trotz der frühen entbindungszeit keine spritze für die lungenreife meines babys zu geben. nur die hebamme nachts die ich zum ctg-schreiben kurz vor der sectio sah, äusserte dazu, sie hätte bedenken, denn gerade sei es manchmal eben so, dass eher kleine kinder zäh sind und schon die lungenreife haben, und oft grosse, schwere kinder keine. dass also die grösse des kindes absolut nicht mit dem reifegrad zusammenhänge...( in widerspruch zu der meinung der ärzte).
ich erklärte es mir später so, dass manche kinder ihre energie eben eher in quantität zuerst stecken und manche eher zuerst in qualität der entwicklung...also u.a. den reifegrad...meine neigen wohl zur ersten variante, da sie immer alle recht gross waren:-)
ich nahm die meinung dieser älteren hebamme nachts nicht wirklich ernst und machte mir überhaupt keine gedanken zur lungenreife durch seine grösse und sein gewicht, mit dem ergebnis, dass mein kind direkt nach der geburt mir im fest verschlossenen inkubator zwei minuten lang gezeigt und dann sofort in eine andere klinik in die neonatologie verlegt wurde......!!!
wo er dann acht tage lang bleiben musste, beatmet werden musste, schläuche überall am körper raus und rein hatte, etc...!!!
für mich war diese situation noch dramatischer durch die tatsache dass vier jahre früher auf genau dieser station seine grosse schwester gestorben war. sobald ich auf diese station ( zu besuch aus meiner) kam, versagte die milch. erst eine liebe schwester auf meiner station die das hörte, meinte das sei wohl rein seelisch bedingt- also stressbedingt und emotional bedingt. natürlich musste ich auf dieser station in erster linie immer an mein totes kind denken!!! umso weniger sagte ich zu allem was mich an der beahndlung dort störte, denn für mich zählte nur eines: DIESES baby lebend wieder rauszubekommen!!!;-)
ich muss ehrlich sagen, ich bewundere dich für deinen tollen unermüdlichen einsatz für einen stillenden lebensbeginn....!!!
ich habe vorher fünf kinder geboren, das war mein sechstes kind und ich hatte nach jeder geburt gestillt (nach der geburt meiner verstorbenen tochter wurde meine ältere tochter, die erst 12 monate alt war und noch dazugestillt wurde, einfach noch sechs monate weiter gestillt).
aber sogar nach diesen vielen positiven stillerfahrungen war es für mich nahezu unmöglich, wirklich milch für dieses kind zu haben....!!! hätte ich nicht so liebe zimmerkolleginnen gehabt, die mir in dieser situation ein echtes vorbild waren ( mit kindern die teils schon wochen auf der frühchenstation liegen mussten und für die sie abpumpten...!!!)- ich bin sicher ich hätte es alleine wirklich gar nicht geschafft...ich hatte drei oder vier tage lang nur einen symbolischen tropfen links und rechts nach 20 minuten abpumpen, es war zum heulen!!! nach einer woche durfte ich ihn ENDLICH halten!!!!und am nachmittag desselben tages zum ersten mal anlegen und er trank gleich beim ersten mal 60 ml!!!! von da an klappte alles wunderbar. ich bat damals noch darum eine weitere woche mit meinem baby auf der "normalen" station bleiben zu dürfen, da er bis dahin immer mit piepser ausgestattet war und ich ihn zuerst mal erst so richtig in seinen eigenarten beschnuppern und kennenlernen musste...!!!;-)
ich hab ihn genau wie du es beschreibst aber vond er ersten gelegenheit weg immer an/ direkt neben meinem körper gehabt- ausser wenn ich kurz am wc oder duschen war :-)
er lag bei mir auf dem bauch oder seitlich in meinem arm nachts beim schlafen und tagsüber.... und war von anfang an damit überglücklich und zufrieden und entwickelte sich prächtig. allerdings denke ich dass ich das nicht extra so machte- ich machte das bei allen meinen kinder gleich. ihm und mir hat es aber nach der langen räumlcihen trennung -trotz besuchen, in denen ich ihn nur vorsichtig streicheln, aber nicht rausnehmen oder halten durfte,- sicherlich wahnsinnig gutgetan und geholfen all das gut aufzuholen, was wir am anfang etwas versäumt hatten....!!!
heute ist er der für sein alter grösste meiner söhne. mein mann ist 1,92 und mein sechstes kind ist fast so gross wie und definitiv robuster und kräftiger als mein fünftes, das eineinhalb jahre älter ist :-)
nachtrag:
ich gehe davon aus, dass du ein eventuell weiteres kind wohl per sectio entbinden wirst...??!!!allein schon mal aus liebe und zur sicherheit deines nächsten babys...!!!
mit ganz lieben grüssen!!!:-)
und viel freude dass es auch bei euch gut ging...!!!:-)

serafina.

Beitrag von kleinemimi 05.04.11 - 12:33 Uhr

Soweit mir bekannt ist, wird nach zwei Sectios nur noch die Möglichkeit einer wiederholten Sectio geboten, eben wegen Ruptur.

Beitrag von serafina.nr.1 05.04.11 - 16:54 Uhr

nach zwei sectios mein nächstes kind bekam war es definitiv so dass mir alles offen stand.
ich sprach sogar mit einem facharzt der mit mir eine geburtshausgeburt oder hausgeburt gemacht hätte- er fand das risiko minimal und war sehr zuversichtlich dass alles klappen würde da ich ja bereits zwei kinder normal entbunden hatte und eigentlich von mir aus nie ein schmerzmittel dazu gebraucht hatte....
auch im KH hätte ich zuerst eine normale geburt versuchen können, mit dem bereitstehenden OP -team im nächsten raum...;-)
ich denke das ist von Kh zu KH verschieden- so war es auch bei uns. die einen sagten natürlich probieren wir es zuerst mal ganz ohne irgendwas besonders wegen meiner vorgeschichte ( EBEN DEN 2 NORMALEN ENTBÍNDUNGEN)-
die anderen sagten bei uns geht nur sicherheitsstufe mit OP-team dabei. falls es zu einer ruptur kommen sollte... die anderen sagte sie machen in ihrer klinik nur sectio nach zweimal sectio aus sicherheitsgründen wegen der kasse. (haftungsfragen..)
unterm strich war es dann meine entscheidung.
zu welcher klinik ich fahre und wo ich entbinde- oder eben im geburtshaus oder zuhause mit arzt und hebamme. hätt ich alles haben können.
mit liebem gruss!!!
von serafina.

Beitrag von marleni 08.04.11 - 12:16 Uhr

Liebe Serafina,

danke für Deine Zeilen.

Das mit der PDA war nicht das Problem, da sie eh nur teilweise gewirkt hat und zu der Zeit nicht. Das Problem war, dass sich die Symptome der Infektion mit denen der Ruptur überschnitten / überlagert haben, das habe ich mittlerweile aus dem Bericht der Ärzte erfahren. Einfach ein blöder Zufall und Pech.

GLG
M.