Unterhalt und Insolvenz

Archiv des urbia-Forums Allein erziehend.

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von mini-sumsum 01.04.11 - 22:41 Uhr

Hallo zusammen,

fallls ich im "Alleinerziehend-Forum" besser aufgehoben sein sollte, bitte dorthin verschieben.

Ich lebe von meinem Noch-Ehemann getrennt; die Scheidung wird vermutlich in ca. 2 -4 Monaten erfolgen. Wir haben zwei gemeinsame Kinder.

Für die beiden Kinder zahlt er Unterhalt nach DD Tabelle. Trennungsunterhalt habe ich, bis unser zweites Kind auf der Welt war, an ihn gezahlt (hab die letzten Jahre vollzeit gearbeitet und deutlich mehr verdient als er).

In diesem Jahr endet meine Elternzeit und ich habe vor, vorerst "nur" Teilzeit (ca. 25 Std/Woche) zu arbeiten. Unser jüngster Sohn ist dann genau 1 Jahr alt.

Noch komme ich durch das Elterngeld ganz gut zurecht; aber das Teilzeitgehalt liegt dann doch deutlich darunter. Wenn ich richtig informiert bin, würde mir ab dem Zeitpunkt, wo ich zwar wieder arbeite, aber wegen der Erziehung der gemeinsamen Kinder eben nur Teilzeit, ja "nachehelicher Unterhalt" zustehen. Zum mindest, bis das jüngste Kind 3 wird, oder ich in einer "neuen eheähnlichen" Gemeinschaft lebe.

Jetzt ist es allerdings so, dass mein Noch-Mann gerade seine Verbraucher-Insolvenz angemeldet hat. Unterhalt für die Kinder zahlt er weiterhin ganz normal, und für die Gläubiger bleibt derzeit ein pfändbarer Betrag von ca. 100 Euro pro Monat.

Habe ich unter diesen Umständen überhaupt eine Chance auf Unterhalt für mich?

LG und danke im voraus,
mini-sumsum

Beitrag von tenea 01.04.11 - 23:36 Uhr

Hallo mini,

Unterhalt geht grundsätzlich allen anderen Schulden vor, im Zweifelsfall gehen die Gläubiger aus der Insolvenz leer aus. Zuerst kommen die Kinder, dann du. Wenn es nicht reicht, bleibt nur die eigene Arbeitskraft, die ARGE und/oder andere Hilfen und Zuschüsse.

Lass dich auf jeden Fall rechtzeitig anwaltlich beraten, damit der Unterhaltsbetrag für die Kinder und evt. für dich fundiert ausgerechnet wird und die Unterhaltsforderung tituliert werden kann.
Für alles, was du dann ggf. an Hilfen und Zuschüssen beantragen willst/musst, brauchst du diese festgelegten Zahlen in Form von Jugendamtsurkunde, gerichtlichem Beschluss o.ä.

LG Tenea

Beitrag von mini-sumsum 02.04.11 - 10:07 Uhr

Hi,

der Unterhalt für die Kinder wurde vom Anwalt berechnet.

Der Unterhalt für mich kann derzeit noch gar nicht bestimmt werden, da ich ja nicht den genauen Betrag kenne, den ich in Teilzeit verdienen werde.

Noch eine andere Frage hierzu: Zusammen mit dem Kindesunterhalt, Kindergeld und Teilzeitgehalt hätte ich mehr Geld zur Verfügung als mein Noch-Mann, müsste davon aber natürlich auch 3 Personen "versorgen". Ist es beim nachehelichen Unterhalt ähnlich wie beim Trennungsunterhalt? Also ich meine mal gelesen zu haben, dass der zahlenden Partner im Endeffekt nicht weniger Geld als der Empfänger haben darf / kann...

Hier mal ein paar Zahlen zur groben Einschätzung:

Gehalt Mann: 1.800 Euro

Teilzeitgehalt Frau: 1.400 Euro
Kindergeld: 2 x 184 Euro
Unterhalt: 2 x 242 Euro

LG und danke schonmal für deine Antwort.

mini-sumsum

Beitrag von tenea 02.04.11 - 22:04 Uhr

Nochmal Hallo,

mein Anwalt und auch die Richterin haben es so erklärt: Der von deinem Mann zu zahlende Kindesunterhalt ist lediglich sein Anteil am Unterhalt, du leistest deinen (ebenso hohen) Unterhalt halt nur in Naturalien.
Er als Einzelperson benötigt für seinen Lebensunterhalt weniger finanzielle Mittel als du mit zwei Kindern (Google mal nach Lohnpfändungstabelle bzw. Selbsthalt oder Existenzminimum).
Solange dein Jüngster noch nicht 3 Jahre alt ist, unterliegst du keiner Erwerbsobliegenheit, mein Anwalt sagte mir, dass deshalb eigenes Erwerbseinkommen nicht voll auf den Ehegattenunterhalt angerechnet wird. Beim Gehalt meines Mannes wurde zunächst der zu leistende Kindesunterhalt und ein Pauschalbetrag als Anreiz zur Erwerbstätigkeit abgezogen, von der verbleibenden Differenz zum Selbstbehalt stehen mir 3/7 zu. Würde ich jetzt arbeiten und mein Einkommen nach Abzug der Kinderbetreuungskosten zur Hälfte angerechnet werden, müsste er keinen Betreuungsunterhalt für mich zahlen.
Am besten lässt du es speziell für deinen Fall nochmal vom Anwalt berechnen und prüfen, ob am Ende nicht du die Unterhaltspflichtige bist.

LG Tenea