Heute war mal wieder so ein Tag....

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von marina222 02.04.11 - 22:44 Uhr

in denen ich fix und fertig bin und ich über mich selber zweifle ob ich alles richtig mache. Sind die Entscheidungen die ich treffe richtig oder nicht? Mache ich was falsch? Läuft irgendwas falsch.

Heute ist das erste Mal, dass ich Forum "Erziehung" poste.

Mein Sohn 29 Monate, treibt mich zum wahnsinn, bin mit meinen Kräften am Ende. Aber liegt es wirklcih an einer Phase? Oder mach ich was falsch?

Ich rufe ihn, er läuft einfach weiter und lacht mich an oder aus?
Pampers wechseln ist Kraftaufwendig, er tritt um sich, bleibt nicht liegen, möchte nicht gewickelt werden.
Wenn er was möchte, dann sofort. Wenn ich ihm erkläre, dass er im moment aus dem und jenen Grund nicht geht, hört er irgendwann auf mir zuzuhören und fängt an zu jammern und hört mir gar nicht mehr zu. Blockiert vollkommend.
Er ist sehr unruhig, zumindestens kommt es mir so vor. Aber dann frage ich mich selber, auch wenn ich das überspiele, spürt er vielleicht, dass es mir nicht so gut geht und wird deshalb auch so unruhig wie ich?

Ich muß sagen, dass ich zur Zeit aus privaten Gründen, wenig Streßresistenz bin und im Moment sehr an meiner Erziehung zweifle. Mach ich alles richtig? Was kann ich anders machen?
Ich muss dazusagen, ich bin eine Vollzeitarbeitende Mami , mein Sohn geht in die Krippe, der Vater holt ihn um 15:00 ab und um 17 Uhr bringt er ihn zu meiner Mutter zum Abendessen. Ich treffe gegen 17:3o und 18 Uhr bei meiner Mum an.
Ich zweifle an mir, an Alles!
Im Moment bin ich sehr durcheinander und schreibe sehr wahrscheinlich auch durcheinander.

Einfach mal so zum ausreden... vielen Dank fürs "zu hören"!

Marina

Beitrag von miss_bucket 02.04.11 - 23:04 Uhr

Hallo Marina,

ich hab auch gerade dsa erste Mal hier im Forum geschrieben.
Kann Dir nachfuehlen.

Dein Sohn ist mit Sicherheit in einer Phase (lernt Grenzen kennen, lernt sprechen, lernt Toepfchen Training usw.) und reagiert bestimmt auch auf Deinen Stress und Deine Unsicherheit.

Ich denke auch ich erziehe meine Kinder gut (und richtig), aber trotzdem hoeren sie schlecht (meine fast 4jaehrige weiss es schon ganz genau)...
Gibt es Mittel und Wege, wie Du wieder zu mehr innerer Ruhe und SElbstsicherheit kommst?

LG,
Steffi

Beitrag von lisasimpson 02.04.11 - 23:24 Uhr

findet etwas, was euch beiden spaß macht und ruhe reinbringt.
vielleicht zusammen bücher lesen, singen, malen, puzzlen, basteln...?!

Ich denke, dein sohn hat einen sehr aufregenden und anstregenden tag, an dem er sich ständig neuen bezugspersonen und situationen anpassen muß (morgens: mama/ papa, dann krippe, dann papa, dann oma, dann mama)- das kostet unheimlich viel energie und bringt sehr viel unruhe.

nutzt also die zeit, die ihr habt um ritualisiert was ruhiges zu machen, was euch beiden gefällt.
ansonsten: ja, er spürt auch deinen streß und deine unruhe.

lisasimpson

Beitrag von hoffnung2011 02.04.11 - 23:30 Uhr

Hi liebe Marina,

wenn es nun so mal zum ausreden war,m dann braucht dir keiner was zu sagen, es hat hoffentlich geholfen..

Weißt du, meine tohter wird in ein Paar Tagen drei. ich habe eine ganz tolle pädagogische Hochschulausbildung und sollte alles wissen. Meine tochter ist sehr temeperamentvoll. Letzte Woche hatte wir eine Phase, da habe ich mjich gefragt; geht es noch schlechter..ich war überfordert, war froh, sie icht gesehen ztu haben..einfach Irrsinn..Mir geht es in diesen Momenten wikrlich dreckig..

ich weiss aber, dass eine Trotzphase in Wellen verläuft. o.k. dann wartete ich einfach bis es aufwärts geht. jo, ab Dienstag wie verwandelt, entspannt, es macht wieder Spass. Ich erhole mich und genieße es.Die letzte Wellen hinterlassen bei mir Spuren...und du hast noch ein zusätzliches Problem: du musst vollzeit arbeiten. Deind Kind kennt dich wann ???? mein Mann sagt mir immer, du erziehst das Kind aber bist du für das Kind da als die verwöhnende Mami..kind wird dich u.a. anderem repsketieren, wenn es nicht nur dich als die erzihende erlebt aber auch als die vrrrückte.etc.

Mein Mann ist Kaufmann, lol.

Du musst diese Liebe in ganz wenige momente unterbingen, der kiga alltag ist sehr anstrengend und dieses kann dann asupowern zuhause sein..

Ich weiss, wie k.o. meine Tochter ist, wenn sie in den kiga geht...es sind manchmal so vil sAchen die man auch im Hinterkopf haben muss..

Kopf hoch, es kommt die nächste mildere Welle, ich glaube an sie auch. Und das zweifeln an sich selbst ist zum Teil gut, damit man eigenes Tun hinterfragen kann

Beitrag von widowwadman 03.04.11 - 10:08 Uhr

Wenn er dann anfaengt zu jammern, dann lass ihn jammern, das ist i dem Alter nun mal so. Da wird getrotzt und gewollt. Mit zu viel erklaeren und Alternativen anbieten ueberforderst du ihn ggfs auch.

Beitrag von marina222 03.04.11 - 20:52 Uhr

Danke fürs "zu hören" und tipps geben. Das tut mal gut.

Beitrag von zahnweh 04.04.11 - 11:20 Uhr

Hallo,

hier mal ein paar Tipps ;-)

1. ein Kind lacht aus Reflex, nicht weil es auslachen will.
Kenne ich von mir selbst, nur habe ich im Erwachsenenalter gelernt, bei wem ich es anwenden kann und bei wem nicht. Sprich: wenn nicht UNTERDRÜCKE ich den REfLEX/Impuls zu Lachen

Es ist so: die Natur hat den Reflex mitgegeben. Ist unser Gegenüber wütend, lachen wir oft automatisch, um unser Gegenüber milde zu stimmen (schau mal, ist doch nur noch halb so wild). Oft lacht unser Gegenüber unbewusst mit und die Situation ist entschärft.
Allerdings gibt es auch Menschen, die das als Provokation empfinden.

Ist oft nicht leicht. Wenn meine mich angegrinst hat beim etwas anstellen, hab ich oft zurückgegrinst, ihr vermittelt "ich bin nicht gefährlich wütend" wurde dann aber sofort wieder ernst und habe noch mal betont, was ich möchte. Mit ernster Mine. Durch das Lachen aber ohne das Gefühl von Gefährlichkeit zu vermitteln :-)

2. das mit dem Wickeln kenne ich nur zu gut. Meine liebte ihren Wickeltisch. DER Ort an dem sie sich am besten beruhigte. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sie nicht mehr liegen wollte (mit ca. 18 Monaten).

Wir haben uns nur noch aufgestachelt. Sie fand wickeln schrcklich. Ich hatte Stress, wenn ich nur an die Eskalation und gefährlichen Drehungen dachte. Das spürte sie und drehte noch mehr auf.
Bis gar nichts mehr ging.

Also probierte ich was Neues

a) auf dem Boden wickeln. Überall nur nicht mehr auf dem Wickeltisch

b) Hosenwindeln! Da konnte sie von sich aus reinsteigen. Sie musste nicht mehr die ganze Zeit auf dem Rücken liegen (mag ich ehrlich gesagt auch nicht), sondern DURFTE sogar aufstehen.

Ergebnis: wir beruhigten uns beide. Wickeln war nicht mehr Stress, sondern toll. Wickeltisch wurde wieder zum Lieblingsort und tagsüber fand sie die Hosenwindel super. Nachts für die Klebewindeln blieb sie dann auch liegen.

Weiterer Vorteil. Als sie anfing sauber zu werden, zog sie sich die Hosenwindeln alleine rauf und runter - die Billigen (vom Schlecker/Kauflandeigenmarke) haben das rauf und runter den ganzen Tag ausgehalten.
War mal groß drin, kann man sie an den Seiten aufreißen.

3. das mit dem Rufen ist bei meiner 3,5 Jahre seit dem letzten Entwicklungsschub besser.
Aber am besten reagiert sie auf Blickkontakt UND Berührung. Irgendwas zugerufenes ist für sie wie eine Art Anfeuerung. Statt Stopp eben "Lauf, los, weiter" .... jetzt wenn sie stehen bleibt, schaut sie mir in die Augen. Dann bleibt sie weiterhin stehen. Vermeidet sie den Blickkontakt ist sie nicht aufnahmebereit und ich garantiere zu 99% dass sie weiterrennt. Daher nehm ich sie dann an die Hand. Blickkontakt und Berührung sind bei meiner die wichtigen Elemente, wenn ich möchte, dass sie tut, was ich möchte ;-)


4. "Er ist sehr unruhig, zumindestens kommt es mir so vor. Aber dann frage ich mich selber, auch wenn ich das überspiele, spürt er vielleicht, dass es mir nicht so gut geht und wird deshalb auch so unruhig wie ich? "

meine ist wie ein Stress-Seismograph.
Sie spürt JEDE meiner Gefühlsregungen, noch bevor ich sie selbst wirklich wahrnehme.
Und sie spürt es nicht nur. Sie saugt meine innersten Regungen auf und drückt sie durch ihre Handlungen aus. Je mehr ic sie überspiele oder nicht zeige (als Erwachsener "muss" man sich ja im Griff haben #schmoll) desto mehr drückt sie sie aus.

Bin ich gestresst (oder weiß dass Stress auf mich zukommen wird), hab ich eine überdrehte Springmaus, die so ziemlich alles tut, was negative Aufmerksamkeit bringt.
Bin ich fröhlich und ausgeglichen, hab ich das liebste Kind und frage mich manchmal wo sie ist, weil sie irgendwo leise vor sich hinspielt und nichts anstellt. #sonne
Bin ich nervös oder wegen einer Sache mit den Gedanken immer dort, fragt sie mich dazu Löcher in den Bauch. Genau dazu (auch wenn ich ihr gar nicht gesagt habe, woran ich denke) oder zu zig anderen Themen.
...

5. ein Buch, das mir schon so einige Male weiter geholfen hat:
http://www.weltbild.de/3/16119448-1/buch/die-ersten-fuenf-jahre-im-leben-eines-kindes.html

es gibt keine pauschalen Antworten.
Es beschreibt wie sich das Kind fühlt, wie Kinder denken und handeln, was in ihnen vorgeht, welche Entwicklungen sie grade durchmachen.

Es ist kein "so muss man es machen, egal wie man das Kind/sich da reinpresst" sondern es ist eine Beschreibung, eine Tür zur Welt aus Kindersicht.

Seit ich mein Kind besser verstehen kann und weiß wie sie denkt, kann ich besser auf sie eingehen oder kommende Konflikte schon im Vorfeld erkennen und ableiten, bevor sie ausbrechen :-)

Beitrag von zahnweh 04.04.11 - 11:31 Uhr

6. Kinder haben noch kein Zeitgefühl.

Das entwickelt sich erst mit der Zeit.

Sie leben im hier und jetzt. Ein "Später" und ein "vorher" kommen erst nach und nach.

Ein vorher konnte meine mit ca. 2 Jahren erkennen (vielleicht auch schon etwas früher oder später). Sie fing an Vergangenheitsformen zu bilden beim Sprechen. erzählte, was sie gemacht hat.

Das mit der Zukunft kommt jetzt mit 3,5 Jahren. Also dass sie das auch sprachlich anwendet.

Zwischen 2 und 3 Jahren war das Grauzone.
"NACH dem ESSEN gehen wir raus" hat sie verstanden. (konkrete Regelmäßigkeiten. Wir haben nicht um die gleiche Uhrzeit gegessen, aber sie hat mich bereits kochen sehen, wusste, dass es danach essen gibt und danach ist rausgehen in Ordnung. Eine greifbare Abfolge von Handlungen)

"Nachher gehen wir raus" oder "warte einen Moment" kommt jetzt langsam.

Wenn sie selbst was in der Zukunft liegendes ausdrücken will, sagt sie "Dienstag". "Du sollst mich jetzt nicht kämmen, du sollst mich Dienstag kämmen" (egal welcher Tag ist).
Sie hat auch gelernt zu warten. Aber sie braucht noch konkrete Hinweise bis wann

- wenn du das Duplo in die Kiste geräumt hast, DANN
- wenn ich das Essen fertig gekocht habe, DANN können wir essen
- wenn ich das Wasser eingeschenkt habe, DANN kannst du es trinken (bin ich dabei ist es ok. mache ich noch was anderes, sage ich ihr alle Zwischenschritte dazu)
- wenn ich dich vom Kindergarten abgeholt habe, wir beim Bäcker waren, zu Hause gegessen haben und uns ausgeruht haben, bis der Wecker klingelt, DANN gehen wir auf den Spielplatz

heute nachmittag ist für sie noch schwer erkennbar für sie.

Beitrag von marion2 04.04.11 - 11:39 Uhr

Hallo,

"mein Sohn 29 Monate, treibt mich zum Wahnsinn"

Das spricht für ihn. Er entwickelt sich. ;-)

"Ich rufe ihn, er läuft einfach weiter und lacht mich an oder aus?"

Das weiß keiner so genau. Wie weit würde er denn laufen? Kannst du das auf ungefährlichem Terrain mal ausprobieren?

"möchte nicht gewickelt werden"

Ja, dann würde ich es einfach lassen. Das Wetter spielt ja grad mit. Pack Wechselsachen ein.

"Wenn er was möchte, dann sofort."

Natürlich, wann denn sonst, wenn nicht sofort?

"Wenn ich ihm erkläre, #bla"

Wenn er nicht zuhört, erklärst du noch mehr, als er verarbeiten kann. Ein "Nein, jetzt nicht" oder "warte kurz" sollten reichen.

"und wird deshalb auch so unruhig wie ich?"

Ja, absolut. Tief durchatmen, gemeinsam eine Pause einlegen - dann sollte es gehen.

Warum bringt der Vater das Kind eigentlich zur Großmutter? Hat er selbst auch keine Zeit?

"Ich zweifle an mir, an Alles!"

Nimm den Vater mehr in die Pflicht.

LG Marion