Kindheit verarbeiten, wie? Achtung sehr lang.....

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von mirja 02.04.11 - 23:16 Uhr

Hallo ihr Lieben!

Ich habe lange überlegt, ob ich hier schreiben soll, denn es geht um ein für mich sehr schwieriges Thema. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll...

Ich bin das älteste von zwei Kindern, weiß, dass ich ein Unfall war und eigentlich nicht hier sein sollte. Als meine Schwester geboren wurde, haben meine Eltern geheiratet.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fallen mir eigentlich überwiegend schlechte Erinnerungen ein, obwohl es eigentlich heißt, man würde die Vergangenheit schönen - ich zweifel deshalb oft an meiner Wahrnehmung....
Mein Vater hat sich oft über meine Mutter lustig gemacht, weil sie nicht so gut kochen kann, ihm zu dick geworden wäre....etc. Er hat sie auch oft vor meinen Augen geschlagen und war auch so oft gewalttätig. Als Kind habe ich immer geglaubt, er wäre der Gute und sie die Böse.

Ich muss dazu sagen, dass sie zu mir auch nicht sehr nett war, sie hat mich oft geschlagen und angeschrien, nie wirklich mit mir gespielt, obwohl sie den ganzen Tag zu Hause war. Sie hat auch oft Selbstgespräche geführt, aber auf eine ganz merkwürdige Art und heute ist mir klar, dass sie irgendwo krank ist.

Als ich älter wurde, bin ich oft nach Hause gekommen und sie hat auf der Eckbank in der Küche geschlafen, da hab ich dann schon immer gewusst, dass sie wieder getrunken hat. Ich hab das auch meinem Vater erzählt, aber er hat nie was dagegen unternommen.

Einmal hab ich ihn auf der Arbeit angerufen, weil sie mich wieder beschimpft (z.B. "du verwahrloste Drecksau....") hatte und mich geschlagen hatte. Er hat dann, als er nach Hause gekommen ist, mit mir geschimpft, dass er nicht mehr möchte, dass ich ihn in der Arbeit wegen so etwas anrufe, weil das ja seine Kollgen hören könnten. Ich solle mich halt irgendwo verstecken. Auch, als sie mich mit einem Fleischermesser angegriffen hat in ihrem Wahn, hat ihn das im Nachhinein nicht interessiert. Er ist dann nur immer sauer geworden und hat geschrien: "Ihr könnt mich alle mal am A... lecken, ich lauf euch weg, dann könnt ihr schauen, wo ihr bleibt..."

Er konnte sehr sehr cholerisch werden, es sind z.B. schon mal Pfannen aus dem Fenster geflogen, weil ihm das Essen nicht geschmeckt hat. Mich hat er mal mitsamt Kleidung in die volle Badewanne geschmissen und immer wieder unter Wasser getaucht ( Ich wollte baden und er ist früher nach Hause gekommen und wollte auch baden, da ist er ausgerastet). Ich dachte, der bringt mich um.....

Als ich 13 wurde, bekam ich ziemliche Depressionen, bin zum Arzt gegangen und dieser hat dann meinen Vater angerufen und ihm das erzählt. Ich war zufällig im gleichen Raum. Als das Telefonat beendet war, kam als Reaktion meines Vater: " Ich hab immer gedacht, du machst mir keine Sorgen, jetzt machst du mir auch noch welche". Auch hat nie ein Lehrer bemerkt, dass ich blutig gebissene Arme hatte, ich musste immer mit allem allein klar kommen.

Als ich mal geheult habe, weil ich so neidisch auf eine ehemalige Klassenkameradin war (hat nach dem Schulabschluss eine Tanzschule eröffnet) und auch so was tolles erreichen wollte, da hat er nur gesagt: "Ich hab immer gedacht, aus dir wird mal was ganz Besonderes, und jetzt hockst du hier und heulst". Ich wurde nie, wirklich nie für was gelobt, ständig nur kritisiert. Er hat immer Fehler irgendwo gefunden und sich nur auf die konzentriert. Davon hab ich natürlich einen ziemlichen Knacks weg, ich kann z.B. nicht mehr zum Baden gehen, weil er früher schon immer vor mir über andere Frauen gelästert hat ("Das ist ja ekelig, dieses Geschwabbel am Hintern"). Ich kann es nicht ertragen, wenn mich jemand ansieht, selbst zu Hause habe ich immer was zum Anziehen neben dem Liegestuhl, falls schnell wer in den Garten kommt.....

Inzwischen ist es so, dass ich mit jedem Tag, immer mehr Zusammenhänge begreife und damit überhaupt nicht zurecht komme. Mir tut meine Mutter, obwohl sie mich wirklich nie wie eine Mutter behandelt hat, sehr sehr leid. Auf meinen Vater habe ich gerade eine Riesenwut und ich kann das alles nicht einordnen. Es beschäftigt mich jeden Tag und ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich würde gerne vergessen, aber das kann ich nicht.

Ich fühle mich benutzt, mein Vater hat mit mir über Dinge gesprochen, die eigentlich die Sache der Ehefrau gewesen wären (Geldprobleme, wie gerne er doch immer eine glückliche Familie gehabt hätte.....) Als ich eigenständiger im Denken wurde und auch mal Widerworte(wörtchen) gegeben habe, hat er sich meiner behinderten Schwester zugewandt (die kann man halt immer noch leicht beeinflussen). Ich wurde aussortiert.

Auf meinen Freund (ein Einzelkind) bin ich manchmal so neidisch, weil er so tolle Eltern hat. Sie lieben ihn über alles und zeigen das auch. Ich hatte das nie und werde das nie haben. Ich merke auch hier, dass ich (natürlicherweise) nicht so wichtig bin, aber es tut mir sehr weh... Zum Geburtstag hat er von seiner Mom einen Herzkuchen gebacken bekommen, so einen hätte ich auch gern gehabt #schmoll..

Ich hab von meinen Eltern Felgenbaum bekommen, den gleichen, den ich schon zu Weihnachten bekommen habe.... Ich hab mal beiläufig erwähnt, dass auf dem von Weihnachten die Reifen von meinem Freund drauf sind (weil meine 2. Garnitur noch bei meinen Eltern lagert). Also eigentlich habe ich jetzt entweder kein Weihnachts- oder kein Geburtstagsgeschenk bekommen, denn eines der beiden Dinger gehört ja meinem Freund.
Das macht mich traurig und wütend.

Mein Freund sagt jetzt, er sei sich nicht mehr sicher, ob er mich noch lieben würde, aber er seie zuversichtlich, dass das wieder kommen würde. Ich bemühe mich jetzt sehr, aber eigentlich hat mich noch nie wer wirklich geliebt..... Mein Vater hat immer zu mir gesagt: "Der Mann, der dich mal abkriegt, der tut mir jetzt schon leid" und damit hatte er echt mal recht, denn sehr leicht bin ich nicht. Ich muss alles schön geordnet haben und mein Freund ist eher chaotisch. Eigentlich hält das eine Beziehung aus, unsere anscheinend nicht mehr lange....

Bei einem Psychologen war ich vor 10 Jahren schon mal, der hat mir nach 5 Minuten gesagt, ich solle einfach mal schauen, mit welchen Leuten ich mich einlasse ( ich hatte mich gerade von meinem damaligen Freund getrennt), dann hätte ich auch keine Depressionen. Dann ist er aufgestanden und hat sich von mir verabschiedet. Seitdem habe ich auch zu solchen Personen keinerlei Vertrauen mehr, weil mich das damals sehr viel Überwindung gekostet hat, da überhaupt hinzugehen.



Was soll ich tun? Gibt es noch andere, die ein ähnliches Schicksal teilen? Ich komme mir immer so allein vor damit....

Lg und ein gute Nacht

Beitrag von --sonnenschein-- 02.04.11 - 23:47 Uhr


Schau bitte mal in dein Postfach! #liebdrueck

glg #sonneschein

Beitrag von ylenja 03.04.11 - 00:26 Uhr

Da hast PN

LG
Ylenja

Beitrag von unilein 03.04.11 - 17:27 Uhr

Oh mein Gott welch ein Alptraum!

Es gibt auch bessere Psychologen!

Du bist mit Sicherheit ein toller Mensch.

Falls du mal nach Dresden kommst, backe ich dir einen Herzenkuchen!

#liebdrueck

Beitrag von marion2 04.04.11 - 09:27 Uhr

Hallo,

"Ich bemühe mich jetzt sehr, aber eigentlich hat mich noch nie wer wirklich geliebt....."

Wie stehst du zu dir?

Gibt es etwas an DIR was DU ganz besonders gut findest?

Wenn dir nicht sofort etwas einfällt, denk drüber nach. Es gibt niemanden, der nicht auch positive Seiten hat. #liebdrueck

Gruß Marion

Beitrag von starshine 04.04.11 - 09:54 Uhr

Natürlich ist es sehr unschön, was Dir alles widerfahren ist. Trotzdem musst Du verstehen, dass das DEIN Leben ist und nur DU kannst es in die Hand nehmen.

Nur mit einer guten Therapie kannst Du das aufarbeiten. Aber das bedeutet eben auch harte Arbeit für Dich. Und dass Du Dir einen guten Therapeuten besorgst.

Und hör auf, Dich immer weiter in die Abwärtsspirale gleiten zu lassen. Es ist doch eigentlich egal, wer einem was zum Geburtstag schenkt - in unserer Familie haben wir das schon längst abgeschafft. Nur Kinder kriegen Geschenke.

Du hast Dich immer nur benutzen lassen und auch Dein Freund scheint das gleiche Handlungsmuster anzuwenden. Nimm Dein Leben in die Hand und bestimme selber darüber. Wenn Deine Eltern Dir Schrott schenken, dann sag ihnen ganz deutlich, dass Du das Geschenk nicht willst und gib es zurück. Oder sag deutlich VOR Deinem Geburtstag, dass Du Dir eigentlich nur einen selbst gebackenen Kuchen wünschst. Lass Dich von keinem mehr herumschubsen und gewinne Selbstvertrauen.

Nur Du alleine kannst Dich da raus holen. Also hör auf auf einen Menschen zu warten, der "Dich wirklich liebt" und daran zu glauben, dass dann alles gut wird.

Ich wünsche Dir alles Glück der Welt!

Beitrag von zuckerguss86 04.04.11 - 12:16 Uhr

Ich habe dir eine Pn geschrieben, melde dich wenn du magst. Drück dich mal ganz doll...

Beitrag von gaensebluemchen 04.04.11 - 12:24 Uhr

Hallo Mirja,

auch wenn Du keine wirklich schöne Kindheit hattest, kann ich nur sagen:

Jeder ist seines Glückes Schmied.

Natürlich kannst Du Dir keine schöne Kindheit zurückholen, aber Du kannst JETZT leben. Gestalte Dein Leben, wie DU willst. Und als erstes: probiere es nochmal mit einem Psychologen. Vielleicht tust Du Dir bei einer Frau leichter.

Und hier noch ein schöner Spruch von Buddha:
"Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst Du im Heute von neuem beginnen."

Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!

Liebe Grüße
Gänseblümchen #blume

Beitrag von mirja 08.04.11 - 06:46 Uhr

Vielen lieben Dank für eure mutmachenden Worte hier im Forum und auch in meinem Brieffach. Es hat sehr gut getan, zu hören, dass ich nicht allein bin und zu erfahren, wie andere mit so einer Vergangenheit umgehen -Danke!

Ich war gestern bei Arzt und werde jetzt wohl eine Therapie machen. Ich bin sehr gespannt, wie das wird....#zitter aber, es kann nur besser werden!

Lg von mirja