Wie lebt man mit wachsendem Kontrollwahn

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von andermal 04.04.11 - 15:26 Uhr

Es wird immer schlimmer. Mein Freund traut kaum jemandem zu, dass er irgendwas auf die Reihe kriegt was er gerne erledigt sehen will. Nur ein bestimmter Personenkreis (ich gehöre nicht dazu) hat sein blindes Vertrauen. Und dabei bleibt er dann unumstößlich, es sei denn dass er wirklich auf krasseste Art enttäuscht wird. Es ist ein ständiges Schwanken zwischen quälender Kontrolle und völligem Laissez-faire.

Er holt Vergammeltes wieder aus unserem Abfalleimer.

Andererseits werden plötzlich Dinge weggeworfen, die seiner Meinung nach nicht "aufgeräumt" sind

Beim Essen ist es ihm wichtig, bloß kein Stück Besteck oder Geschirr zu viel zu verwenden. Das geht so weit, dass man einen Löffel der zum Servieren verwendet wird zwischendrin zu sich nehmen soll, damit nicht noch einer schmutzig wird. Ausnahme: Wenn Freunde seines Sohnes (17)zu Gast sind. Sie dürfen grundsätzlich alles und werden niemals gebeten auf irgendwen oder irgendwas Rücksicht zu nehmen.

Es beunruhigt ihn furchtbar, dass eine Spülmaschine ohne seine vorherige Kontrolle abgeschickt werden könnte.

Wenn versehentlich zwei Packungen Essen geöffnet werden statt nur einer gibt es ein regelrechtes Verhör, wie es dazu kommen konnte.

Andererseits lehnt er so gut alles ab, was ich tue um etwas Ordnung und System in den Haushalt zu bringen. So beklagt er sich zwar über Motten, will aber keinesfalls die offene Cornflakes-Packung oder die offene Tüte mit altem Brot (das er sammelt) gegen etwas Luftdichtes austauschen. Grund: "Wenn man alles rechtzeitig aufbraucht, kommen keine Motten".

Ich finde nicht wirklich Verwertbares im Internet, was diesen Macken einen Namen gibt, auch nicht unter "Kontrollsucht". Ich wüßte einfach gerne, ob es irgendwas anderes gibt als fliehen, um damit klarzukommen.

Beitrag von josili0208 04.04.11 - 15:34 Uhr

Ich glaube nicht, dass da das Internet ausreicht. Da liegt meines Erachtens schon eine heftige Persönlichkeitsstörung vor. Sprich mit dem Psychiater Deines Vetrauens.

(Wohin schickt Dein Freund die Spülmaschine? #kratz)

lg jo

Beitrag von xbienchenx 04.04.11 - 15:39 Uhr

<<<Wohin schickt Dein Freund die Spülmaschine?


Das fragte ich mich auch gerade...vll sagt man das ja bei ihr so umgangssprachlich?

Aber zu dem eigentlichem Thema fällt mir nichts ein. Ich glaube ich würde das weite suchen, wenn er sich keine professionelle Hilfe sucht.

Beitrag von gustav-g 04.04.11 - 19:21 Uhr

"eine heftige Persönlichkeitsstörung"

Das ist es. Er braucht professionelle Hilfe. Wenn er ablehnt, verlasse ihn.

Beitrag von seelenspiegel 04.04.11 - 16:04 Uhr

Damit bewusst konfrontieren, deutlichen machen dass das so nicht geht und dass er es sich überlegen soll, sich dahingehen entweder bedeckt zu halten, oder dass Du dann eben die Konsequenzen ziehst.

Sry.....so jemandem hätte ich schon gezeigt wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.

Beitrag von joy1975 04.04.11 - 16:15 Uhr

Klingt nach einem Bekannten von mir. Manches muß nach genauen Regeln laufen, sonst flippt er aus. Er ist mit Asperger-Syndrom diagnostiziert.

Generell würde ich mich nicht von einem Haustyrannen so eingrenzen lassen.

Beitrag von witch71 04.04.11 - 16:16 Uhr

Bezieht sich dieses Verhalten in der Hauptsache auf Lebensmittel und den Umgang damit? Scheint mir so, wie Du es beschreibst oder hat er noch andere Themenbereiche, in denen er so denkt?
Betrifft das auch sein eigenes Essverhalten?

Beitrag von asimbonanga 04.04.11 - 16:48 Uhr

<<<Ich wüßte einfach gerne, ob es irgendwas anderes gibt als fliehen, um damit klarzukommen. <<<

Nein.Dir bleibt nur die Flucht.

Beitrag von peppina79 04.04.11 - 19:44 Uhr

Ich glaube wirklich dass eine Bewältigung dieses Problems nur mit professioneller Hilfe eines Therapeuten möglich ist.

Solche starken Zwangshandlungen sollten nicht nur ernst genommen werden, sie müssen auch behandelt werden (weil sie seinem Umfeld, also dir, schaden). Aber mach Dir nicht die Vorstellung, dass das in zwei Tagen erledigt ist.

das ist keine Macke mehr oder Marotte...

Beitrag von elternzeit-papa 05.04.11 - 13:10 Uhr

Da gab´s doch mal diesen Film mit Jack Nicholson, wo er einen Schriftsteller gespielt hat.

Das war so ähnlich bei dem, glaube ich.

Ansonsten schließe ich mich meinen Vorschreibern an, vielleicht schaust Du Dir mal den Film an.

Viele Grüße,

ez-p

Beitrag von heike74 05.04.11 - 15:37 Uhr

Du kannst wählen zwischen völliger Unterwerfung unter sein System oder Trennung. Alles dazwischen schafft nur Frust und Ärger.

Entscheide selbst.

Viele Grüße

Heike

Beitrag von mama-sein-ist-toll 06.04.11 - 22:33 Uhr

Hallo!

Erstmal: #liebdrueck

Ich lebes seit Jahren mit einem Mann zusammen, der unter einem Kontrollzwang leidet und auch deswegen in Behandlung ist. ES EHT!!!! Schieß alle Ratschläge in den Wind von wegen: Der tickt nicht richtig, greif hart durch, erklär ihm das usw.

Es ist eine Krankheit, die Dir als Partnerin eine Menge Geduld, Disziplin und Verständnis abverlangt.

Gerne kannst Du mich anschreiben, hier möchte ich das nicht breit treten, aber ich weiss, was Du durchmachst von Aggression, Wut über Ungläubigkeit und Hilflosigkeit.

E ist ein nie endender Teufelskreis. Trotzdem liebe ich meinen Mann über alles, bin ihm eine Stütze und möchte manchmal trotzdem nur ganz laut SCHREIEN!