schreien an der Brust, warum?

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. 

Beitrag von hael 05.04.11 - 19:39 Uhr

Mein Kind ist nun ein Monat alt und bekommt seit etwas mehr als 2 Wochen die Flasche nach dem Stillen, weil er nicht zugenommen hat. Nun habe ich schon genug Milch, die Stilleinlagen sind feucht und es kommt was raus, wenn ich drucke. Aber....mein Kind trinkt nur eine gewisse Zeit in Ruhe...manchmal 30 Minuten, manchmal nur fünf und dann fängt er an zu schreien, also ob er gefoltert werden würde bis er endlich die Flasche bekommt. Erst dann beruhigt er sich. Die Kinderärztin und die Hebamme wussten nicht warum, die Hebamme meinte, es würde ja nicht sattwerden, aber inzwischen habe ich schon genug Milch, glaube ich zu mindestens. Ich bin einfach ratlos und frage mich, wo sein Problem liegt. Ist er einfach ungeduldig, zu groß (56 cm bei der Geburt) oder was? Nicht dass mir das zufüttern stören würde, ich würde einfach gerne wissen, woran es liegt. Vielleicht habt ihr ja ein ähnliches Problem oder Ideen?

LG,

Leah mit Sebastian

Beitrag von hael 05.04.11 - 19:40 Uhr

P.S. ich glaube nicht, dass es eine Saugverwirrung ist, weil er schon vor dem Zufüttern sich so verhalten hat. Eine Saugschwäche hat er auch nicht, die Hebamme hat gesagt, er saugt gut.

Beitrag von cora1969 05.04.11 - 21:12 Uhr

Hi Leah,
also ich habe festgestellt, das bei uns auch während des Stillens Pausen nötig sind , um Bäuerchen zu machen, dann gehts ruhig weiter. Er hampelt und strampelt auch extrem rum mit dem ganzen Körper und dann stört was im Bauch. Vielleicht probierst du es mit dem ab und neu andocken!!

LG cora mit Ben-Louis#winke

Beitrag von hael 05.04.11 - 23:29 Uhr

habe ich auch schon versucht, bäuerchen sind es nicht und Pause bringt absolut nichts. Er beruhigt sich auch nicht, bis man ihn die Flasche gibt. Kann sogar 15 Min lang weinen (ich weiss es, weil mein Mann einmal in der Nacht so lange gebraucht hat, um die Flasche fertig zu machen) ohne sich zu beruhigen. Aber danke für dein Antwort!

Beitrag von steffi0413 06.04.11 - 01:50 Uhr

Hallo Leah,

ich glaube schon, dass er Saugverwirrung hat. :-(

Die Saugverwirrung macht nicht unbedingt gleich sichtbare Symptome...:-(

Aus der Flasche muss man mit einer ganz unterschiedlichen Methode/Technik trinken als aus der Brust. Da der Sauger ein viel markanteres Gefühl im Mund ist als die weiche BW, lernt der Kleine die falsche Technik ganz schnell. :-( Mit der falschen Technik kann er dann aus der Brust nicht effektiv trinken, wird also ungeduldig und böse bzw. er sucht das Gefühl des künstlichen Saugers im Mund.

Das wäre also sehr wichtig, dass er keine Flasche bzw. möglichst auch keinen Schnuller mehr bekommt.

Wenn Du noch zufüttern musst, kannst Du mit Fingerfeeder, Spritze oder aus einem Becher geben.
http://www.stillgruppe-ml.de/becherfuetterung.htm

Vor dem Anlegen kannst Du den Milchspendereflex ein bisschen stimulieren (mit heissem Wasser die Brust waschen oder ein wenig Milch ausstreichen) bzw. ein paar Tropfen Milch auf seine Lippen streichen.

Vor jedem Anlegen kannst Du eine kleine "Zungenübung" machen: stecke Deinen Zeigefinger in seinen Mund, so dass Du die Grenze zwischen weichem und hartem Gaumen erreichst (Achtung! Hände sehr gründlich gewaschen, Nagel sehr kurz geschnitten!!!) - Nagel schaut nach unten – lasse ihn so ein bisschen nuckeln und beobachte was er macht: macht er einen "Hügel/Buckel" hinten mit seiner Zunge? Liegt die Zunge über der unteren Zahnleiste? Die Zunge schmiegt sich um den Finger? Zunge und Unterkiefer bewegen sich rythmisch? Beisst er vielleicht auf den finger? Wenn er einen Buckel macht und/oder die Zunge NICHT über der unteren Zahnleiste liegt, dann drehe den Finger vorsichtig um (Nagel schaut nach oben) und vorsichtig drück die Zunge nach unten und/oder ziehe ein bisschen nach vorne. Lasse ihn so auch eine Weile nuckeln.

Diese Übung hilft die richtige Technik wieder zu finden und kann vor jedem Anlegen gemacht werden bis er noch Probleme hat.

Wenn er beim Trinken zu schnell einschläft oder unruhig wird, kannst du folgendes versuchen: drück (Daumen oben, andere Finger unten) deine Brust hinten dem Bruswarzenhof zusammen und halte so. Stark, aber weh tun darf es nicht. Das stimuliert den Milchfluss und er fängt wieder an zu schlucken.
Wenn das auch nicht hilft, dann wechsle die Brust.

Zufüttern mit Pre immer erst NACH dem Stillen, wenn er schon mind. 1x beide Brüste getrunken hat (kann man auch mehrmals wechseln) und noch immer nicht zufrieden ist. Und keinesfalls aus der Flasche, sondern Becher, Fingerfeeder, Spritze, SoftCup, Brusternährungsset.
Das wäre sehr-sehr wichtig, dass Du ihn nach Bedarf, aber mind. 8-12x in 24 Stunden beidenseitig anlegst.

Wieviel Pre bekommt er jetzt in 24 Stunden?

Die Zufütterung würde ich in allen Fällen nur stufenweise weglassen.
Dabei die Windel sehr streng beobachten (mind. 6 nasse Stoff oder mind. 4 schwere Einmalwindel pro Tag, Urin nicht konzentriert!).

Noch ein paar Fragen hätte ich um ein kompletteres Bild zu bekommen:

Hast/hattest Du vielleicht Hormonprobleme (zB. Schilddrüsen)? Sind Deine Brüste rund oder eher „birnenförmig”? Ist Dein Wochenfluss weg/deutlich weniger geworden?

Nimmst Du Pille oder Medikamente?

Wie oft stillt der Kleine in 24 Stunden? Immer beidenseitig?
Wieviel Pre bekommt er jetzt in 24 Stunden?

Spürst Du beim Stillen den Milchspendereflex? Hörst Du, dass er schluckt?

Sind Deine Brüste nicht wund? Das Stillen schmerzhaft?

Verwendet ihr Schnuller, Stillhütchen?

Hat er früher (zB. im Krankenhaus) Flasche und/oder Schnuller bekommen.

Hat/Hatte er vielleicht Gelbsucht? Mundsoor? Verstopfte Nase? Kurzes Zungenbändchen?

LG
Steffi

Beitrag von hael 06.04.11 - 21:57 Uhr

Hallo Steffi,

vielen Dank für dein ausführliches Antwort! Ich werde mir den Link anschauen und die anderen Zufüttern Methoden (also ohne Flasche) auch.

Also, ich benutzte die MAM Flaschen, die sich theoretisch für das Zufüttern gut eignen. Ich habe mir auch gedacht, ob es eine Saugverwirrung sein kann, aber die Hebamme meinte, dass wenn er diesen Verhalten schon vor das Zufüttern gezeigt hat, wahrscheinlich nicht der Fall ist.

Zu deinen Fragen:

Hast/hattest Du vielleicht Hormonprobleme (zB. Schilddrüsen)? Sind Deine Brüste rund oder eher „birnenförmig”? Ist Dein Wochenfluss weg/deutlich weniger geworden? Nein, ich habe keine Probleme. Mein Wochenfluss ist fast weg, aber ich hatte auch eine Notsectio und inzwischen ist schon genau 1 Monat vergangen.

Nimmst Du Pille oder Medikamente? Nein

Wie oft stillt der Kleine in 24 Stunden? Immer beidenseitig? Ich stille ihn JEDES Mal wenn er Hunger hat und VOR die Flasche. Je nachdem, wann er mit dem Schreien anfängt, stille ich beidenseitig. Aber manchmal geht das eben nicht, weil er gleich mit dem schreien anfängt. Aber wie gesagt, dass ist sehr unterschiedlich. Manchmal trinkt er zufrieden eine Stunde an der Brust, manchmal wiederum nicht mal 10 Minuten. in Großen und Ganzen würde ich mal 7 Mahlzeiten schätzen, wo er hinterher immer eine Flasche bekommt und i.d.R. auch austrinkt, unabhängig davon, wie lange er an der Brust getrunken hat.

Wieviel Pre bekommt er jetzt in 24 Stunden? Nach jeden stillen eine 120 ml Flasche

Spürst Du beim Stillen den Milchspendereflex? Hörst Du, dass er schluckt? Ja, er schluckt und es kommt auch was raus. Am Anfang kommt immer ein Strahl raus, dann trinkt er zufrieden und wenn der Strahl nicht mehr da ist und er mehr arbeiten muss (habe das heute genau beobachtet) weint er

Sind Deine Brüste nicht wund? Das Stillen schmerzhaft? nein, alles klappt wunderbar!

Verwendet ihr Schnuller, Stillhütchen? Schnuller, aber auch nicht sooo viel.

Hat er früher (zB. im Krankenhaus) Flasche und/oder Schnuller bekommen. Schnuller hat er im KH nicht angenommen, nur den Finger. Erst die von MAM hat er angenommen, AVENT haben wir vor MAM ausprobiert und er hat die besser als die von NUK von KH angenommen, aber seit er die von MAM bekommen hat, mag er auch AVENT nicht mehr. Flasche hat er nur einmal am Tag oder so bekommen (Glukose) weil er nach dem stillen (wie heute noch) geschrien hat, nach dem Milcheinschuss hat er keine mehr bekommen, aber das schreien verbesserte sich nicht wirklich.

Hat/Hatte er vielleicht Gelbsucht? Mundsoor? Verstopfte Nase? Kurzes Zungenbändchen? Nein, hat er nicht. Er saugt laut Hebamme und Kinderärztin auch gut an der Brust.

Vielen Dank für deine Hilfe!! Bis jetzt konnte mir keiner weiterhelfen und ich bin echt ratlos, was sein Verhalten angeht. Denke mir langsam, dass er einfach eine ungeduldige Natur ist.

Leah

Beitrag von steffi0413 12.04.11 - 02:08 Uhr

Hallo Leah,

sorry, dass ich erst jetzt antworte.:-(

Ich bin jetzt noch eher überzeugt, dass er Saugverwirrung hat.

Er hat ja ganz früh, schon im Krankenhaus die Flasche bekommen. Er hat wahrscheinlich dadurch die richtige Trinktechnik verlernt, ungeduldig und böse an der Brust geworden und durch die falsche Trinktechnik zu wenig Milch bekommen.

Es ist eigentlich egal welche Flasche oder Schnuller er bekommt, leider können alle Saugverwirrung verursachen. Alle muss man mit einer unterschiedlichen Methode "saugen" als die Brust und alle sind ein ganz anderes Gefühl im Babymund als die BW. :-(

Wie geschrieben - versuche die Zufütterung mit stillfreundlichem Mittel zu geben, Flasche und Schnuller wegzulassen, mind. 8-12x in 24 Stunden bei den ersten Hungerzeichen beidenseitig anzulegen, die Zungenübung zu machen und dabei die Zufütterung stufenweise zu reduzieren. Bei häufigem Anlegen kann Bockshornkleesamen die Milchproduktion sehr gut fördern.

Warte lieber nicht ab, bis er vom Hunger schreit, dann kann er schon zu ungeduldig sein. Lege ihn bei den ersten Hungerzeichen an (sucht, steckt die Zunge raus, dreht den Kopf hin und her, öffnet immer wieder den Mund usw.), egal ob er vor 5 Minuten oder vor 3 Stunden letztes Mal gestillt wurde.

Dass er nach dem Stillen die Flasche austrinkt kann leider irre führend sein. Aus der Flasche fliesst die Milch ohne Ende, auch wenn er nur daran nuckeln möchte....:-(

Anhand Deiner Antworte sehe ich keinen körperlichen Grund dafür, dass Du vielleicht nicht genug Milch produzieren könntest.
Eine wichtige Frage hast Du nicht beantwortet. Sind Deine Brüste rund oder eher "birnenförmig"? Bei Frauen mit "birnenförmigen" Brüsten kommt öfters vor, dass sie zu wenig Milchdrüsen haben.

Wenn Du das Gefühl hättest, dass ihr nicht weiterkommt, suche eine Stillberaterin die für persöhnliche Beratung bereit ist.

http://lalecheliga.de/
http://www.afs-stillen.de
http://www.bdl-stillen.de/einstieg.html

Ich drücke Euch sehr den Daumen und helfe bei weiteren Problemen/Fragen sehr-sehr gerne.

LG
Steffi