Tötung UN-Mitarbeiter wegen Koranverbennung

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Beitrag von lilayakima 06.04.11 - 09:40 Uhr

Hallo Leute,

habe gerade den Artikel bei SPON gelesen und festgestellt, dass ich genau in dieser moralischen Zwickmühle stecke.

Einerseits klage ich den Prediger in den USA dafür an, dass er bewusst diese Provokation durchgeführt hat und somit den Tod unschludiger Menschen in Kauf nahm (vielleicht um seine These bestätigt zu sehen), andererseits schreit alles in mir, dass das Verhalten der sogenannten "Gläubigen" tierischer wohl kaum sein kann.

Wie beurteilt ihr das Ganze?

Ich schließe mich innerlich fast immer mehr einem Kommentar eines SPON-Lesers an, der forderte, Religionen sollten verboten werden, wenn in ihrem Namen soviel Unrecht geschieht. Was unterscheidet solch einen Verein, von anderen menschenverachtenden Gruppen?

Beschäftigt mich gerade sehr (vor allem, da ich im Unterricht- Ethik - permanent von den Schülern auf dieses Problem hin angesprochen werden, welchen der Sinn von heiligen Schriften die Frieden fordern aber Krieg bringen vollkommen abgeht - sind gerade beim Judentum)

LG lilayakima

Beitrag von lilayakima 06.04.11 - 09:41 Uhr

Ach ja der Artikel:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755142,00.html

Beitrag von lilayakima 06.04.11 - 09:44 Uhr

Habe gerade noch einmal gelesen - das Benehmen in des Mobs als tierisch zu bezeichnen, trifft es gar nicht, denn Tiere töten nicht aus purer Gewaltlust - darum besser: menschenverachtend und niederträchtig.

LG l

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 10:51 Uhr

Eine Behauptung, die du so nicht belegen kannst; nur als Anmerkung am Rande. Und gehörte eher in die Rubrik "Philosophie". #aerger
(Ja, ich instrumentalisier jetzt auch)

Beitrag von zeitblom 06.04.11 - 10:01 Uhr

Ich wusste nicht, dass dies die einzigen Alternativen sind: entweder fuer den amerikanischen Prediger oder fuer diese aufgebrachte Menge zu sein....

"Religionen sollten verboten werden"

Dann kann man auch fordern, Hunger und Durst zu verbieten....

Beitrag von 3wichtel 07.04.11 - 07:46 Uhr

<<"Religionen sollten verboten werden"

Dann kann man auch fordern, Hunger und Durst zu verbieten....
<<

Glaubst Du wirklich, dass Religion ein Grundbedürfnis ist, das auch nach Jahren Abstinenz nicht vergeht?
Interessanter Gedanke.

Beitrag von zeitblom 07.04.11 - 08:37 Uhr

es ist ein Grundbeduerfniss zu fragen: woher komme ich, wohin gehe ich und warum.....Religionen versuchen darauf Antworten zu geben

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 10:40 Uhr

Hallo,

selbst wenn alle Religionen dieser Welt verboten werden würde, dann würde immer noch ein anderer Grund zur Instrumentalisierung herhalten um die eigene Gewaltbereitschaft zu rechtfertigen. Es geht hierbei nicht um Glaubensfragen; ich denke sogar, dass jemand, der in seinem Glauben ohne Zweifel ist, sich wenig von derlei Aktionen berührt fühlt. Provokation ist doch lediglich ein Vorwand, auf der einen wie der anderen Seite. Auch sehe ich hier zwei Formen aggressiven Verhaltens, die sich nicht wesentlich voneinander unterscheiden: Der eine hält die Knarre, der andere drückt sie ab...
Gruß

Beitrag von seelenspiegel 06.04.11 - 11:09 Uhr

Die Reaktion ...bzw. der Kommentar von Obama schockt mich fast mehr als die Tat des aufgebrachten Mobs:

<<<Die Schändung eines heiligen Textes, "den Koran eingeschlossen", sei "ein Akt extremer Intoleranz und Bigotterie". Ebenso schändlich sei es aber, als Reaktion darauf unschuldige Menschen zu töten.>>>

Hallo?? Ein dusseliges Buch zu verbrennen ist genauso SCHÄNDLICH wie einen Menschen zu töten???? Da fehlen mir leider dann doch 99 Cent am Euro um so eine Aussage auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können.

<<<Wie beurteilt ihr das Ganze?>>>

Als Aktion und Reaktion von zwei extremen Gruppen die eines gemeinsam haben: Null Verstand !

Identifiziert man sich als Christ unweigerlich mit diesem radikalen Bibelprediger? Wohl kaum.

Identifiziert sich ein großteil ALLER Moslems mit so einer Tat die als "Vergeltung" folgte? Wohl auch eher nicht.


Beides sind Aktionen von radikalen Gruppen die einen an der Klatsche haben.

Wir haben durch solche Aktionen ein durch die Medien geprägtes Bild der "Moslems"......glaubt Ihr es ist umgekehrt anders, wenn Menschen wie dieser Deppenprediger solche Aktionen anleiert? Sowas vermittelt dann DORT ebenfalls das Bild "alle Christen sind so".

<<<Religionen sollten verboten werden, wenn in ihrem Namen soviel Unrecht geschieht.>>>

Zum einen würde das nichts bringen...zum anderen fangen wir dann doch bitte mit dem sog. Christentum an. Keine andere Religion hat so viele Todesopfer gefordert und hat im Namen ihres Gottes so viel Greul und Leid verbreitet, und tut das durch falsche Informationen und Ignoranz z.T. bis heute !

Beitrag von zeitblom 06.04.11 - 11:19 Uhr

"Keine andere Religion hat so viele Todesopfer gefordert "

aber nur, wenn Du den Kommunismus als Folge christlichen Denkens ansiehst. Ansonsten duerfte der Kommunismus da allein diese fragwuerdige Ehre erhalten....

Beitrag von seelenspiegel 06.04.11 - 11:32 Uhr

Seit wann ist Kommunismus eine Religion? Wir regen hier nicht von politischen Bewegungen. #kratz

Oder betest Du Sonntags zum heiligen Demokraten?

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 11:36 Uhr

Das läuft doch jetzt eh wieder in eine komplett falsche Richtung. Ich denke verstanden zu haben worauf du hinaus willst, und jetzt wieder eine solche zynische Erbsenzählerei zu betreiben, wer jetzt eigentlich die meisten Menschenleben auf dem Gewissen hat, und vor allem, was das denn jetzt bitte implizieren soll? führt doch zu gar nix.

Beitrag von seelenspiegel 06.04.11 - 11:41 Uhr

Erbsenzählerei liegt mir grundsätzlich fern, wie aber lässt sich Fanatismus anders begenen als mit Argumentation und gesundem Menschenverstand?

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 11:48 Uhr

Die Frage ist ja eher psychologisch zu sehen; denn bei Fanatismus scheint es ja eher, als wäre der gesunde Menschenverstand so ausgeschaltet, dass er auch für Argumente nicht mehr zugänglich ist... Quasi die Konstruktion eines Rauschzustandes, unter der die Möglichkeiten zur kognitiven Verarbeitung leiden... Kurz gesagt ich weiß es nicht. Präventiv müsste man wohl vorab ansetzen und das wäre dann wohl noch der Punkt, bei dem Argumente greifen könnten.

Beitrag von zeitblom 06.04.11 - 12:13 Uhr

" Frage ist ja eher psychologisch zu sehen"

ja, aber nicht nur hinsichtlich des Fanatismus. Man muss verstehen, dass fuer manche, um nicht zu sagen fuer die meisten Menschen, es wichtig ist, an einen Sinn im Leben zu glauben. Fuer viele ist es eine Religion. Wenn diese bedroht wird, und sei es nur durch eine symbolische Koranverbrennung (und "wer Buecher verbrennt, verbrennt auch Menschen"!), dann ist der Sinn ihres Lebens bedroht... man muss nicht unbedingt fanatisch sein, um sich gegen solch einen Versuch zur Wehr setzen zu wollen.

Zur Erbsenzaehlerei: die soll ja weder einer Aufrechnung noch einem Guinessbuch dienen. Aber Vergleiche muessen erlaubt sein...

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 12:32 Uhr

Also, Notwehr?
Wenn mich jemand mit einer Waffe bedroht (und ich hätte aus irgendwelchen Gründen die Möglichkeit mich zu wehren) dann denke ich nicht lange darüber nach; aber ich unterstelle mal salopp das der Unterschied darin besteht, dass man beim Sinn des Lebens als doch eher gedankliches und affektives Konstrukt noch die Möglichkeit hat, sich zu fragen, inwieweit diese Bedrohung einen anficht. Eben darüber nachzudenken. Für den Moment oder etwas länger.

Beitrag von zeitblom 06.04.11 - 12:46 Uhr

das Nachdenken wird dann zu einem Ergebnis kommen... und zu einer Konsequenz.
Im Uebrigen gibt es fuer viele Menschen Selbstverstaendlichkeiten, ueber die schlicht nicht nachgedacht wird..und zu werden braucht (?). Wenn meine Freiheit z.B. bedroht waere, durch Gesetze oder aeussere Feinde (Krieg), und ich ein Leben in Gefangenschaft oder Unselbstaendigkeit fuer sinnlos erachtete, dann denke ich nicht lange, sondern wehre mich....

Freie Religionsausuebung ist ja in unserem Grundgesetz nicht aus purer Toleranz verankert, sondern sicher auch aus Einsicht, dass Religion als eine Antwort der Sinnsuche ein menscjhliches Grundbeduerfnis stillt. Diese zu bedrohen geht tiefer als plumpe Intoleranz....

Beitrag von gretchens.armee 06.04.11 - 16:23 Uhr

Freiheit....
Seltsam, als meine Tochter mich letztens fragte, was ich wohl denke, was das Wichtigste in einer Demokratie sei, habe ich genau- unachtsam, spontan, vielleicht- diesen Begriff verwendet. Und doch: Wie dehnbar ist dieser Begriff oder darf er sein? Und: Kann Freiheit nicht auch zum Deckmäntelchen werden?

Beitrag von zeitblom 06.04.11 - 16:49 Uhr

ok....die Liste moeglicher Themen, die "ausdiskutiert" werden koennen, falls Dein Vorschlag gnaedige Aufnahme finden sollte, ist um ein kleines Thema laenger geworden...

Beitrag von gretchens.armee 07.04.11 - 08:47 Uhr

He he, vielleicht würde es meinem Vorschlag mehr Nachdruck verleihen, wenn jemand anderes dazu mal eine Anfrage macht #schein

Beitrag von zeitblom 07.04.11 - 08:50 Uhr

mich kannst Du damit unmoeglich meinen... ;-)

Beitrag von gretchens.armee 07.04.11 - 08:52 Uhr

Ich seh schon... Bei manchen reicht nicht der Wink mit dem Zaunpfahl, es muss direkt ein ganzer Bretterzaun sein :-p

Beitrag von zeitblom 07.04.11 - 08:57 Uhr

auf dem Ohr taub, auf dem Auge blind...und gegen Bretterzaeune immun :-D

Beitrag von gretchens.armee 07.04.11 - 09:01 Uhr

Du bist eben ein Mann mit Prinzipien. Schon ok, ein Versuch war es wert ;-)

Beitrag von 3wichtel 07.04.11 - 07:52 Uhr

Aber wenn wir schon beim Vergleich von Religion und Grundbedürfnissen sind:
Religion kann mir doch niemand nehmen. Wasser und Brot schon.

Wenn jemand meine Religion ablehnt kann ich ja immer noch für mich selbst weiter daran glauben. Oder mich (heimlich oder nicht) mit Gleichgesinnten austauschen.

Wenn mir jemand dagegen mein Brot nimmt, dann habe ich ein echtes Problem, weil ich mir Brot eben nicht "denken" kann. Religion aber schon.