keine Schreibschrift?!

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von nienicht 06.04.11 - 13:03 Uhr

Hallo,

habe mal die Frage, mein Kleiner ist in der 1. Klasse und wir hatten letzte Woche Elterngespräch, da habe ich die Lehrerin gefragt, wann sie denn mit der Schreibschrift anfangen, und sie meinte sie macht es in der ersten Klasse nicht, weil sie ja eh abgeschafft werden soll, ansonsten fängt sie in der 2. Klasse damit an! Falls sie dann noch da ist, da sie ja auch nur einen halbjahresvertrag hat, sie ist schon die 2 Lehrerin in der 1. Klasse.
So und sie hinkt mit den Kindern hinter dem Stoff her, weil so viel Unruhe in der Klasse herrscht!!!
Tja in dieser Klasse ist irgendwie immer irgendwas, bin gespannt wie mein Sohn durch die Grundschule kommt, bei so viel unruhe, vielleicht nochmal Lehrerwechsel, vielleicht Schreibschrift vielleicht auch nicht #kratz
Und da wundern sich die Politiker warum die "Kinder so schlecht in der Schule sind"

Na ja aber mir ging es jetzt um die Schreibschrift, würde mich freuen wenn ihr mir schreibt, ob eure Kinder Schreibschrift lernen.

Lieben Gruß
nienicht

Beitrag von stumpi2 06.04.11 - 13:07 Uhr

ja er lernt schreibschrift..seit ca. 2 wochen. immer mal wieder einen buchstaben...i, u, n, m.....habe aber auch gehört dass sie nächstes jahr evtl. abgeschafft wird....ich finds toll, dass er sie noch lernt!!!

Beitrag von catwoman28 06.04.11 - 13:11 Uhr

hi,

meine Tochter ist auch in der 1. und sie haben im Januar angefangen mit Schreibschrift,nachdem die Buchstaben in Druckschrift durch waren.Ebenso wars bei meinem Sohn (jetzt 3.Klasse). Das die Schreibschrift abgeschafft werden soll,ist mir neu,habe ich noch nicht gehört.

Das Problem mit der Unruhe haben wir auch beim Großen, die Lehrerin ist noch SEHR jung, und hat die Klasse null im Griff,kommt mit dem Stoff nicht vorwärts zumindest nicht in angemessenem Tempo,daher zieht sie ein Thema nach dem nächsten im Schnelldurchlauf durch und die ganze Klasse steht in ihren Fächern(Deutsch+Mathe) relativ schlecht da!

Gespräche gabs schon zur genüge...ich warte jetzt ab wie das Jahreszeugnis wird und erwäge dann einen Klassenwechsel ,so schafft mein Sohn auf jeden Fall nichtmal eine Realschulempfehlung. Er ist nicht doof,er braucht nur manchmal etwas länger,zuhause klappts meistens sehr gut und in der Schule kommt er einfach nicht mit.:-(

Bespricht das doch beim nächsten Elternabend,und wenn das nix hilft,eventuell einen Klassenwechsel anstreben sollte dies möglich sein.

Gruß Cat

Beitrag von meringue 06.04.11 - 13:33 Uhr

Bei uns ist es üblich, in der 2. Klasse mit Schreibschrift anzufangen.

Ich denke, es ist gut für die Feinmotorik, allerdings wurde mein Großer (Kl.5) sozusagen sanft gezwungen, in Druckschrift zu schreiben. Das ist lesbarer für die Lehrer, zumal man ihm diese *%$§vereinfachte #wolkenichtsnutzige Ausgangsschrift in der Grundschule beigebracht hatte. Und so wie ihm geht es wohl Vielen.

Schade, da geht wohl eine ganze Kultur den Bach runter.

Beitrag von bambolina 06.04.11 - 13:51 Uhr

Hallo

meine Tochter lernt in der ersten Schreibschrift, allerdings noch nicht viele Buchstaben. Mein Sohn (9) hatte damals erst in der 2.Klasse Schreibschrift. Ich fand das bedeutend besser.

lg bambolina

Beitrag von manavgat 06.04.11 - 14:05 Uhr

das ist die neueste Sau, die das Ministerium durchs Dorf treibt: die Kinder bekommen nur noch Druckschrift gelehrt, heißt: wir geben den Kindern keine funktionale Schreibschrift (wie z. B. die lateinische Schrift) mehr an die Hand.

Das ist eine Folge der blödsinnigen vereinfachten Ausgangsschrift, die den großen Nachteil hat, dass sie - wenn nicht exakt gepinselt wird - vom Schreibenden nicht mehr gelesen werden kann und von den Lehrkräften schon gar nicht, so dass die Kinder irgendwann in die Druckschrift flüchten. Seit diese Schrift gelehrt wird, haben wir bis zu 50 % LRS Kinder je Jahrgang. Was sagt uns das?

Anstatt logischerweise zur lateinischen Schrift zurückzukehren, gibt es gleich Druckschrift.

Es ist die Schule, die unseren Kindern nichts mehr beibringt.

Gruß

Manavgat

Beitrag von schnecki82 06.04.11 - 18:57 Uhr

Absoluter Schwachfug, den Du erzählst.

Spruchreif ist noch gar nichts, dass die Schreibschrift abgeschafft wird, es ist aber in aller Munde.

Die Schreibschrift wird auch nicht wirklich abgeschafft. Sie wird nur nicht mehr Buchstabe für Buchstabe gelehrt, weil es unnütz ist. Nach wenigen Wochen schon, entwickelt JEDES Kind nämlich seine EIGENE Handschrift, die zwar geschrieben wird, mit der ursprünglichen Schreibschrift aber nichts mehr zu tun hat.

Oder schreibst Du etwa immer noch genauso, wie es Dir in der Schule beigebracht wurde? Nein, also ... Die Kinder sollen die Buchstaben miteinander verbinden und das Dach-Haus-Keller-Prinzip weiter verfolgen, so wie in der Druckschrift auch. Nur eben ohne vorgegebenes Muster, da es nach weniger Zeit eh jeder selbst macht!

Naja ... hauptsache es hat mal wieder jeder seine Klappe aufgerissen !

LG Sabine (arbeitet ebenfalls in einer Gundschule!)

Beitrag von nienicht 06.04.11 - 21:54 Uhr

Hallo Sabine,

ich kann ja nur sagen was die Klassenlehrerin zu mir gesagt hat, und sie meinte eben sie wird es denen jetzt nicht beibringen weil es ja abgeschafft werden soll und das sie wartet bis zu 2. Klasse weil es sich jetzt nicht lohnt.

LG nienicht

Beitrag von schnecki82 06.04.11 - 22:08 Uhr

Das habe ich jetzt verstanden; tut mir leid !

Die Einstellung der Lehrerin finde ich nicht in Ordnung. Einfach abwarten und gucken was passiert sollte nicht Bestandteil des Lehrplans sein. Bei uns ist es üblich den Kindern in der zweiten Klasse die Schreibschrift zu lehren. Aus welchem Bundesland kommst Du? Wann wird normalerweise bei Euch die Schreibschrift eingeführt?

LG Sabine

Beitrag von nienicht 07.04.11 - 10:43 Uhr

Hallo,

ich komme aus NRW und meine anderen Kids haben die Schreibschrift in der 1. Klasse gelernt.
Die Lehrerin ist noch Blutjung, sie hat im November erst ihren Abschluß gemacht und das hier ist ihre erste Stelle.

Lieben Gruß
nienicht

Beitrag von manavgat 07.04.11 - 08:44 Uhr

Das Problem mit Euch Grundschullehren ist, dass ihr maximal bis zur 5. Klasse kuckt.

Was später aus den Kindern wird, die Eure Schule verlassen, das wisst ihr - bis auf ein paar Ausnahmen - nicht.

Was glaubst Du, wer den Grundstein legt für die vielen funktionalen Analphabeten die wir in Deutschland haben? Fallen die vom Himmel?

In Zahlen: 14 %! der deutschen Bevölkerung sind funktionale Analphabeten. Beachtlich. Haben wir doch eine Schulpflicht.

und nein, es sind nicht die sozial schwachen, die Migranten usw. sondern ganz normale Kinder, die einfach durchrutschen.

Wenn diese Kinder Glück haben und ihre Eltern Förderunterricht bezahlen können, dann wird das mühsam aufgearbeitet.

Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren in der Kinder- und Jugendförderung bzw. in der Nachhilfe. Oft ist es auch so, dass die Schulen nur so viele Kinder als Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche identifiziert, wie es auch Förderplätze gibt.... Hat etwas mit der Kassenlage zu tun. Diese Kinder erhalten dann 1 Schulstunde je Woche in einer Gruppenförderung. Was das bringt, kann man sich leicht ausrechnen. Wird das Kind bis Klasse 10 nicht mehr benotet und auch nicht vernünftig gefördert, dann wird eben nur noch minimalistisch gearbeitet, das Schreiben wird oft völlig erstickt und die Mama liest zuhause die Schullektüre vor oder schreibt gleich die Hausaufgaben. Aus purer Verzweiflung.

Du hast gefragt, wie ich schreibe. Ich schreibe, wie die meisten meines Jahrgangs (1964) in lateinischer Schrift. Ich habe eine Sauklaue, aber man kann es lesen. Und zwar kann man es deshalb lesen, weil die Form der Buchstaben durch die Geschlossenheit erkennbar bleibt, auch wenn man es hinschmiert... Bei der vereinfachten Ausgangsschrift sind die Buchstaben offen. Schreibt man schnell, dann wird aus einem P (unten offen) ein r, ein n, ein m, ein Strich oder es fällt ganz weg. Das ist jetzt nur ein Buchstabenbeispiel.

Wir arbeiten mit einer großen Universität zusammen, schicken unsere Trainer zur Fortbildung dorthin und stimmen uns bei besonderen Fällen mit den Fachleuten dort ab. Daher wissen wir, dass die Zunahme der Fälle inflationär ist. Da unsere Tests von der Uni kommen und neutral ausgewertet werden, gibt es durchaus auch Kinder, die keine komplette Förderung brauchen, sondern bei denen es ausschließlich an der Konzentration oder an der Unkenntnis der Regeln liegt. Der überwiegende Teil hat jedoch große Schwierigkeiten. Fehlerquoten von 80 % sind da keine Seltenheit und oft meinen die Klassenlehrer: das wird sich schon noch geben....

Highlight war ein Junge aus der Grundschule, der nur noch 15 % Resthörvermögen hatte. O-Ton Deutschlehrerin (war auch seine Klassenlehrerin): sie müssen mehr die Diktate mit ihm üben. Der ist verstockt und faul! Wir hatten hier dann eine völlig verzweifelte, in ihren Kaffee heulende Mutter und ein tieftrauriges Kind. Nach dem Test (alle Fehler im akustischen Bereich) haben wir keinen Förderunterricht vorgeschlagen, sondern das Kind an einen HNO-Arzt verwiesen, der die Hörstörung feststellte.

Unsere Test stehen auch Schulen zur Verfügung. Warum sie nicht durchgeführt werden, wissen wir nicht. Wir vermuten jedoch, dass die Lehrer völlig überlastet sind und weder die Mittel, noch die Zeit, noch die Fortbildungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wenn Schulen die gleichen Tests durchführen, dann wird oft das Material für eines dieser Kinder bestellt, munter kopiert und für alle Kinder der Fördergruppe wird das Gleiche verwendet. Das ist insofern Blödsinn, als dass nicht alle das Gleiche brauchen. Fördere ich ein LRS Kind 2 x in der Woche im Einzelunterricht + kleine Übungen für zuhause, dann dauert es in der Regel 1 Jahr um das Kind auf einen Stand zu bringen, der die Teilnahme am Unterricht in allen Fächern ermöglicht (70 % der Kontrollgruppe). Es dauert bis zu 2 Jahre, um abschließend die 100 % der Kontrollgruppe zu erreichen. Je früher die Kinder kommen, desto schneller geht es. Kommt ein Schüler erst in Klasse 8, dann kann es auch mal länger dauern, weil die fehlenden Fähigkeiten beim Lesen und Schreiben andere Probleme nach sich gezogen haben, leider auch oft psychische/soziale Probleme.

Ich frage mich auch, was mein Beitrag bei Dir persönlich ausgelöst hat. Ich sehe das rein sachlich als Pädagogin. Den Lehrern gebe ich nur in Einzelfällen die Schuld, in meinen Augen versagt unser Schulsystem auf der ganzen Linie.

Wer mit Bildungswissenschaftlern spricht, bzw. die einschlägigen Studien liest, der wird mir Recht geben.

Gruß

Manavgat


Beitrag von schnecki82 07.04.11 - 20:43 Uhr

Dann scheint es aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich zu sein. Bei uns in Berlin gibt es den Lernausgangslage-Test. Das führen Sonderpädagogen oder die Lehrer/innen durch. Innerhalb der ersten Schulwochen nach Einschulung MUSS jedes Kind getestet werden. Außerdem gibt es für jedes Kind ab Mitte der 1. Klasse einen LRS-Test. Für jeden nicht sehr "erfolgreichen" Test werden Förderpläne geschrieben.

Es ist richtig, dass LRS in Gruppen durchgeführt wird mit einer Stunde pro Woche. Diese Gruppe ist mit max. 5 Schülern/innen belegt.

Natürlich kann es passieren, dass immer mal ein Kind durch rutscht und gewisse Schwierigkeiten einfach runterfallen, aber es gibt nunmal nicht für jedes Kind einen Lehrer oder eine Lehrerin.

Außerdem, wenn ich mal beurteilen sollte, wie sich so die Eltern im Schulleben beteiligen; da graut es mir. Aber sicher, entweder sind die Lehrer schuld, oder das System oder was auch immer ... Ich denke es ist mehr ein Zusammenspiel von allem. Wenn bei Elternversammlungen von 24 Schülern und Schüllerinnen max. 8 - 10 Eltern vor mir sitzen, dann kann man testen wie man möchte. Es findet oft keinen Zuhörer ! Dinge die ins Hausaufgabenheft eingeschrieben werden, werden nicht beantwortet, registreit, unterschrieben. Materialien sind bei so vielen unvollständig, Stifte nicht angespitzt. Die Kinder kommen doch gar nicht zum lernen und zuhören, wenn sie im Unterricht erst einmal ihre Sachen ordnen müssen. Ich könnte noch so viel aufzählen, aber das mache ich sehr oft und es findet keinen Anklang. Aber ja: Es muss ja am System oder am Lehrer liegen. Denn dieses kann man für Kinder desinteressierter Eltern am schnellsten greifen.

LG Sabine

Beitrag von manavgat 07.04.11 - 22:56 Uhr

Außerdem, wenn ich mal beurteilen sollte, wie sich so die Eltern im Schulleben beteiligen; da graut es mir


Wozu braucht ihr Lehrer die Eltern?


Als ich in der Schule war, 1970, da waren wir 44 Kinder in der ersten Klasse. Niemand hat damals erwartet, dass unsere Eltern irgendwas mit uns lernen. Jeder in der Klasse hat innerhalb von 2 Jahren anständig lesen und schreiben gelernt, auch der "Blödeste unter den Blöden". Auch Tülay, Ali und Mehmet, auch das Aussiedlerkind Marion und auch die, deren Eltern in der Fabrik gearbeitet haben und selbst nicht lesen und schreiben konnten. Damals war es nämlich Aufgabe der Schule, den Stoff zu vermitteln und die Eltern hatten die Aufgabe ihre Kinder gewaschen und mit Stiften und Heften versehen, pünktlich in die Schule zu schicken. Wir hatten auch noch echte Lehrmittelfreiheit.

Zum Thema Stifte: wir hatten einen Bleistift, Spitzer, Radiergummi und 6 Buntstifte, ab Klasse 2 einen Füller sowie einen Farbkasten. Marke war egal. Wenn ich heute lese, was alles verlangt wird, was ein Kind haben soll, dann finde ich, dass hier sehr verschwenderisch mit dem Geld der Eltern umgegangen wird.

Unsere Eltern wurden nur in die Schule bestellt, wenn wir uns daneben benommen haben. Es wurde nämlich erwartet, dass die Eltern erziehen und die Lehrer unterrichten. Heute scheint es leider umgekehrt zu sein.

Die Klassenstärke blieb für uns Babyboomer bis zur 4. Klasse und nicht wenige aus meinem Jahrgang haben ein Abitur gemacht. Da waren auch noch etliche Arbeiterkinder darunter. Heute gibt es das so nicht mehr, weil die Schule sich rückwärts bewegt.

Heute wird gesiebt. Frei nach dem Motto: selbst schuld, was haste Dir auch so sch... Eltern rausgesucht!

Wenn also ein Kind nichts lernt, dann liegt es an den Eltern.

Verkehrte Welt ist das.

Gruß

Manavgat

Beitrag von schnecki82 07.04.11 - 23:18 Uhr

Du scheinst aber auch schon eine sehr gefestigte Meinung zu haben.

1. Finde Dich bitte damit ab; Zeiten ändern sich und auch die individuellen Ausgangslagen der Kinder. Damals (ja auch zu Deiner Zeit) wurden Zappelkinder noch in die geschlossene Abteilung abgeschoben. Das ist auch nur ein Beispiel. Auch zu Babyboomzeiten wurde ordentlich selektiert.

2. Wozu man Eltern braucht? Heutzutage gehen KKitas, Schulen usw. mit den Eltern eine gewisse Erziehungspartnerschaft ein. Hast Du ein Kind? Setzt Du Dich mit Deinem Kind auseinander? Ich möchte überhaupt nicht, dass Eltern den Stoff aus dem Lehrplan vermitteln. Ich verlange aber, dass sie ihre Kinder ein Mindestmaß an Unterstützung bieten. Fängt ein Kind an zu lesen, kann es doch wirklich nicht zu viel verlangt sein, sich mit seinem Kind hinzusetzen und ab und an was schönes gemeinsames zu lesen. Das kleine 1x1 muss man nun mal auswenig lernen, da führt kein Weg daran vorbei. Es ist schon erstaunlich, dass Du das Verhalten absolut hin nimmst, sich mit seinem Kind nicht mehr zu beschäftigen. Für mich (und ich habe auch ein Schulkind als Tochter) ist es völlig normal, sich mit seinem Kind auseinander zu setzen. Und ich finde, es darf kein Problem sein, die Materialien auf Vollständigkeit zu überprüfen.

3. Rede nicht von IHR und DU ! Ich bin keine Grundschullehrerin (das wusstest Du natürlich nicht). Ich bin Erzieherin und in Berlin arbeiten Erzieher/innen stundenweise mit einem Lehrer oder eine Lehrerin zusammen. Ich arbeite in einer SaPh-Klasse 8 Stunden die Woche. Am Nachmittag habe ich die Kleinen dann bei uns im Hort. Und NEIN, ich finde nicht alles toll was Lehrer/innen so machen und veranstalten. Ich finde auch nicht, dass sich die meisten Lehrer/innen überarbeiten. Mit meiner Lehrerin habe ich Glück gehabt. Sie ist wirklich sehr engagiert und wir arbeiten sehr gut zusammen. Sie kann den Lernfortschritt besser beurteilen und ich das pädagogische. Wir ergänzen uns gut und ich finde davon gibt es reichlich wenig. Und würden die Eltern wirklich mehr mit uns GEMEINSAM arbeiten (und es wird weiß Gott das Minimalste verlangt, es reicht schon vollständige Materialien oder ab und an im Hausaufgabenheft nachgucken), wäre es oft auch für die Kinder einfacher.

Furchtbar, hätten alle unserer Eltern so eine Einstellung wie Du, á la: Wozu gibt es Eltern.

"Wenn also ein Kind nichts lernt, dann liegt es an den Eltern. "

Habe ich im übrigen nicht behauptet. Ich habe lediglich gesagt, dass man die Schuld nicht hier und da suchen soll, sondern es lediglich ein Zusammenspiel von ALLEM ist. Letztendlich wollte ich Dir mit meinem Post aufzeigen, dass auch Eltern am schulischen Gelingen ihrer Kinder verantwortlich sind.

LG Sabine

P.S. Ich finde die Diskussion im übrigen sehr spannend! ;-)

Beitrag von manavgat 07.04.11 - 23:39 Uhr

Letztendlich wollte ich Dir mit meinem Post aufzeigen, dass auch Eltern am schulischen Gelingen ihrer Kinder verantwortlich sind.


Genau dafür werden wir von der OECD jedes Jahr gründlich abgewatscht. Niemand fördert Kinder so schlecht, wie die Deutschen.

Schon mal darüber nachgedacht, dass es Eltern gibt, die gar nicht helfen können, weil


sie keinerlei/zu wenig Bildung haben

sie die Sprache nicht verstehen

sie mit 3 Jobs gleichzeitig die Familie über Wasser halten

sie mehrere Kinder haben (soll es geben)

sie einen Pflegefall in der Familie haben

sie psychisch oder körperlich krank sind

ein Suchtproblem haben

sie (vorübergehend) nicht belastbar sind, weil sie einen Todesfall in der Familie hatten, einen Unfall, Opfer einer Gewalttat waren


Zeiten ändern sich. Wie wahr!


Leider bewegen wir uns mit der Schulpolitik - und da helfen die Lehrer kräftig mit - wieder dahin, wo wir vor den großen Reformen in den Siebzigern waren. Es dauert nicht mehr lange und wir sind wieder bei der Qualität und dem System angelangt, welches wir um 1900 rum hatten: die humanistische, zweckfreie Bildung für die Kinder der herrschenden Klasse und die Volksschule für den Pöbel. Das erreichen wir mit G8 sowie der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule....

Ich empfehle ein intensives Studium der Schulgeschichte. Guten Überblick bietet:

http://www.amazon.de/Deutsche-Schulgeschichte-von-1800-Gegenwart/dp/3779917246/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1302212289&sr=8-1

LG

Manavgat



Beitrag von schnecki82 08.04.11 - 06:18 Uhr

Die meisten von Dir aufgezählten Argumente sind für mich Ausreden!

Die Eltern, die selbst als bildungsfern zu betiteln sind, setzen sich doch oft mit ihren Kindern am meisten hin und tun was, weil die Kinder es besser haben sollen. Ich rede hier im übrigen auch nicht von Hausaufgaben, die erledigen wir mit den Kindern im Hort. Ich rede davon sich mal ein Buch zu nehmen und einfach nur dabei zu sitzen, das kleine 1x1 täglich abzufragen, pünktlich sein und die Materialien vollständig zu haben. Nein, da weiche ich von meinem Standpunkt nicht ab; das kann wirklich nicht zu viel verlangt sein. Man lebt mit seinem Kind doch zusammen, oder nur nebenher?

Trauerfälle gibt es immer, natürlich ist man dann für ein gewisse Zeit nicht zugänglich. Auch wenn Angehörige gepflegt werden, kann man diese Sachen machen. Bei psychisch und/oder körperlich Kranken (da zähle ich Suchtproblem dazu) sollte generell Hilfe dazu geordert werden.

Dass Hauptschulen mit Realschulen zusammen gelegt wurden, finde ich generell allerdings auch ziemlich unüberlegt und kann ich selbst (auch als Mutter) überhaupt nicht nachvollziehen.

LG Sabine

Beitrag von schnecki82 06.04.11 - 19:02 Uhr

50% LRS-Kinder pro Jahrgang kriegen wir im übrigen nicht zusammen. Ich arbeite in einer Berliner Grundschule (Neukölln - sozialer Brennpunkt). Hier gibt es ca. 3-4 LRS-Kinder je Jahrgangsstufe. Jeder zweite? Das glaubst Du ja wohl selber nicht.

Beitrag von sandra7.12.75 06.04.11 - 14:09 Uhr

Hallo

Unsere Tochter 1.Klasse 2.Halbjahr haben schon das 3.Diktat in Schreibschrift geschrieben.

lg

Beitrag von lisabet 06.04.11 - 14:11 Uhr

Mein Großer fing in der ersten Klasse mit der Schreibschrift an. Bei meinem Jüngsten werden sie wahrscheinlich auch "erst" nach den Sommerferien anfangen. Ich denke das ist auch ok. Sie werden es schon lernen.

WENN die Schreibschrift wegfallen sollte, bin ich auch dafür jetzt NICHT mehr damit anzufangen, und eventuell das Ganze (bis zum Auslauf der Schreibschrift) hinzuzögern. In ein paar Jahren werden sie die kurz erlernte Schreibschrift dann auch nicht mehr können. Sollen sie sich auf die Dinge konzentrieren die sie später brauchen. Z.B. Rechtschreibung;-).

LG Lisa

Beitrag von rienchen77 06.04.11 - 14:12 Uhr

bei uns hier ist es erst Lerninhalt der 2. Klasse...schon immer, sogar als ich zur Schule ging...

Beitrag von sarahg0709 06.04.11 - 14:26 Uhr

Hallo,

mein Sohn hat sie im 2. Halbjahr der 2. Klasse gelernt, meine Tochter wird sie in der 3. Klasse lernen.


LG

Beitrag von michaela_76 06.04.11 - 14:32 Uhr

Hallo,
unsere Tochter geht hier in Bayern auch in die 1.Klasse und da lernen die noch nicht Schreibschrift. Erst in der 2. Klasse fangen sie damit an.

Gruß
Michi

Beitrag von luka22 06.04.11 - 14:46 Uhr

Ja unsere lernen als erster Jahrgang nicht die Schreibschrift und ich finde es nicht gut. Sie lernen eine kursive Druckschrift (wobei da bis jetzt noch gar nichts kursiv ist!) und daraus soll aber der 3. Klasse die eigene Handschrift entstehen. Aha. #kratz
Ich bin mal gespannt, wie das endet. Ich finde es sehr traurig, dass so ein Kulturgut, wie eine verbundene Schrift nicht mehr gelernt wird! Klar entwickelt jeder mit der Zeit eine eigene Schrift, aber dazu braucht es doch eine Basis! Mal schauen, wie lange es braucht, bis sich das als Fehler erweist...

Grüße
Luka

Beitrag von luka22 06.04.11 - 14:54 Uhr

Ich frage mich auch, wie sich eine Schule das REcht herausnehmen kann, so etwas zu entscheiden. Im Bildungsplan steht eindeutig, dass im Laufe der Grundschulzeit eine verbundene Schrift gelernt werden muss. Das kann eine Lehrerkonferenz nicht einfach außer Kraft setzen! #kratz

Grüße
Luka, Ba-Wü

Beitrag von lexika 06.04.11 - 16:36 Uhr

Im neuen Bildungsplan wird erprobt keine Schreibschrift mehr zu lehren - welche Bundesländer da allerdings alles mitmachen bin ich überfragt - darf sich ja jedes selber aussuchen.

LG

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