Ich würde sie sooo gerne zwingen!!

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von caitlynn 06.04.11 - 14:04 Uhr

Es geht um meine Oma (83).
Eben rief sie an und sagte: krieg keinen Schreck aber ich bin gefallen und hab soo geblutet und nu kühl ich die Beule (??) am Kopf und leg mich hin...

Das ist nun schon das 4. Mal dass sie beim Spazierengehen umfällt oder stürzt oder sonstiges passiert weil sie entweder nicht mehr gut sieht oder weil ihre Beine nunmal auch nichtmehr die jüngsten sind.

Sie hat einen voll funktionstüchtigen Rollator im Keller stehen (noch von ihrem mann) aber das will sie nicht sooo alt ist sie ja noch nicht #augen

Zum Arzt bzw. heute, da mittwoch, ins Krankenhaus will sie auch nicht und hätte ich ein Auto dann würde ich sie einfach einpacken und hinfahren.. aber so müsste sie sich ein Taxi nehmen oder den Krankenwagen anrufen und das will sie natürlich auch nicht..

Ihr ''Hausarzt'' ist ein ultimativer Quacksalber der weder ihre voranschreitende Diabetis diagnostizieren konnte und behandeln natürlich auch nicht. Einmal habe ich ihn angerufen als meine Omi schon wieder gestürzt war und habe ihn zu ihr nach hause zitiert und ich bin natürlich auch sofort los. Als er dann kam hat meine Oma natürlich alles heruntergespielt (super taktik #augen) und er war kurz davor mich zusammenzufalten weshalb ich wegen so einem kratzer (dicke schürfwunde an der schläfe, diverse große blaue flecken an armen und beinen und schmerzen in der hüfte) so einen aufstand machen würde. Aber den Arzt wechseln möchte sie ja nicht.... #aerger

Natürlich, es ist ihr Leben und ihre Verantwortung aber ich habe Jahre meines Lebens bei ihr verbracht und mache mir natürlich Sorgen.

Danke fürs jammern dürfen und vielleicht kennt ja jemand diese Situation oder hat schonmal soetwas ähnliches erlebt oder sogar gelöst :-)

lg cait

Beitrag von franka.f 06.04.11 - 15:57 Uhr

Hallo Cait,

ich weiß nicht, ob ich einen Rat für Dich habe, aber ich möchte Dir sagen, dass ich Dir nachfühlen kann, weil ich es so ähnlich von meiner Oma kenne.

Gibt es niemanden in Deiner Verwandtschaft, der Dich unterstützen kann? Ins gleiche Horn blasen? Wie weit wohnt sie denn von Dir weg, kannst Du zu ihr hin und nach ihr sehen? Ich wäre sehr beunruhigt wegen dem Bluten, es kommt ja immer drauf an, wo und wie stark sie geblutet hat. Eine blutende Wunde am Kopf würde ich aber auf jeden Fall vom Arzt behandeln lassen. Du schreibst, Du hast kein Auto, aber irgendwie müßtest Du ja im Notfall auch mit Deinem Kind zum Arzt kommen? Kann Deine Oma mit Dir mit dem Bus fahren?

So wie ich die Situation einschätze, braucht Deine Oma dringend jemand, der täglich nach ihr schaut. Wenn Du es nicht kannst, könnt Ihr Euch in der Verwandtschaft oder Familie abwechseln? Oder ein mobiler sozialer Dienst, DRK usw. was es da alles gibt.......

Vielleicht sollte Deine Oma umziehen - in eine Wohnanlage mit betreutem Wohnen. Das wäre echt besser für sie und alle um sie herum. Sie hätte da trotzdem eine eigene Wohnung und wäre selbständig, hätte aber bestimmte Möglichkeiten, die sie zeitweise oder dauerhaft in Anspruch nehmen kann wie z.B. diesen roten großen Knopf in jedem Zimmer, der in einem Notfall Hilfe bringt.

Dieses Arztproblem kenne ich. Wenn ich an meine Oma denke! Sie hat vier Kinder, davon eines, das mit seinem eigenen Leben nicht klarkommt. Somit hat sie drei Kinder, die sich um sie kümmern. Davon zwei, die sich nicht getrauen, mal auf die Barrikaden zu gehen, wenn was schief läuft, und eines, das nur an sich selbst denkt und dem alles andere wurscht ist. Meine Oma kam immer gut allein klar in ihrer Wohnung, bis sie eine Hirnhautentzündung bekam mit Krankenhausaufenthalt und danach Probleme mit dem Gehen bekam (Gleichgewichtsprobleme), vor allem Treppensteigen wurde unmöglich, deshalb mußte sie aus der Wohnung. Sie kam in eine Wohnung einer betreuten Wohnanlage, das klappte auch jahrelang gut. Regelmäßig kamen ihre Kinder und Enkel zu Besuch. Da sie in der gleichen Stadt wohnte wie mein Onkel (der zuletzt aufgeführte), kümmerte er sich hauptsächlich auch um Arztbesuche. Fazit: irgendwie kam sie von einem Stümper zum anderen und keinen interessierte die Ungereimtheiten. Wenn ich dann mal was sagte, hieß es: geh doch du mit ihr. Ich wohne aber 100 km weg und mit zwei kleinen und mittlerweile schulpflichtigen Kindern ist das aber nicht so leicht! Jedenfalls klagte sie mal über Knieschmerzen und hatte ein paar Tage später einen OP-Termin wegen einem neuen Knie! Mit 83!!! (Während mein Schwiegervater und meine Tante auf so einen Termin über ein Jahr warten mußten trotz wesentlich jüngerem Alter!). Ich sagte noch, ich würde mir das gut überlegen, so eine Blitzaktion mit der OP in dem Alter! Geht mit ihr noch zu einem anderen Arzt zur Beratung!

Nichts. Meine Oma wurde operiert und es lief was schief. Nach der OP hat sie wochenlang nicht geredet. Sie hatte starke Schmerzen, schlimmer als zuvor, das Bein schwoll extrem an, wurde dunkelblau überall. Sie kam in Reha. Dort fiel sie nachts wohl mehrmals aus dem Bett, hatte überall blaue Flecken. Das Personal sagte, sie würde nachts stundenlang im Schlaf schreien. Meine Vermutung und die meiner Mutter war, dass sie sie festgebunden oder geschlagen haben müssen. Aber meine Mutter wollte keinen Aufstand machen und mir verbot sie jegliches Einmischen.

Während ich mich nur aufgeregt habe, tausend Fragen an die "Zuständigen" in der Verwandtschaft gestellt habe, die keiner beantworten konnte (Antwort: "Misch dich nicht ein, du bist ja nicht ihre Tochter") wurde alles hingenommen.

Ich hab meine Oma mehrmals in Reha besucht und sie konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht wieder sprechen. Sie hatte einen Blick drauf, voller Leid, das war fast nicht zu ertragen.

Danach mußte sie ins Heim. Es ging nicht mehr anders. Das war vor über drei Jahren, seitdem vegetiert sie vor sich hin. Sie redet wieder, aber geistig hat sie total abgebaut seit diesem Vorfall. Im Heim ist es auch nicht so optimal. Immer hat sie was gesundheitlich. Z.B. hatte sie mal wochenlang so einen komischen Ausschlag am ganzen Körper. Mein Onkel ging mit ihr zum Hautarzt. Ohne Erfolg. Ich hab gesagt, geht doch zu einem anderen mit ihr! Nö. Wieso denn. Sie kratzt sich blutig, und der Arzt sagt, das sei normal?! Ach, und so gab es viele Dinge.

Ich hab irgendwann resigniert. Einmal im Jahr schaffe ich es, sie zu besuchen. Wenn ich Ferien in meiner Heimat mache. Ich mache mir dann ein paar schöne Stunden mit ihr außerhalb vom Heim. Das gefällt ihr, da lacht sie viel und redet viel. Die anderen beklagen sich, sie würde nie reden und immer nur vor sich hinstarren. Aber ich glaube, meine Oma kann Pflichtbesuche von freiwilligen Besuchen gut unterscheiden. Ich bin mir sicher, hätte sie die OP nicht gehabt, säße sie heute nicht im Rollstuhl, sondern könnte noch gehen, vielleicht auch nur mit einer Hilfe, aber besser als im Rollstuhl. Meiner Oma geht es gesundheitlich schlecht, aber sie klagt nicht, sie freut sich über Besuch, ich weiß, im Heim wird auf sie aufgepaßt, aber mehr halt nicht. Was soll ich tun. Ich hab mich damals dafür stark gemacht, dass sie in ein Heim kommt in der Stadt meiner Eltern, oder in meiner Stadt, da hätten sie viel mehr Mensch täglich um sie gekümmert, und das ist genau das, was in so Heimen einfach fehlt, die Ansprache. Aber sie wollte damals unbedingt in die Nähe ihres Sohnes, zu einer Schwiegertochter, die sie nicht leiden kann und zu Enkeln, die nur an sich selbst denken, und das hat sie sich selbst eingebrockt, der Sohn kam nur zum Zeitung lesen und verschwand wieder (dafür hat er seine eigene Zeitung abbestellt, um Geld zu sparen), hat in ihrem Namen mit ihrem Geld in ihrer Wohnanlage eine Garage für sein Auto gemietet, um Geld zu sparen, und wenn die Leute gesagt haben, man muß mit ihr zum Arzt, dann hat er sie irgendwo hingeschleppt, damit er sagen konnte, ich war doch mit ihr beim Arzt.

Hätten wir anderen meine Oma zwingen können, in eine andere Wohnanlage zu ziehen, dann würde sie heute vielleicht noch selbständig leben, könnte gehen und wäre noch voll dabei im Leben. Jetzt ist ihre Gesundheit am Ende, die Ärzte schauen sie eine Minute an und lassen sie wieder gehen, sie trielt den ganzen Tag im Rollstuhl vor sich hin, sehnsüchtig drauf wartend, dass mal jemand kommt und mit ihr an der frischen Luft spazieren geht. Jeder Tag ist gleich wie der andere. Das Leben besteht aus Warten.

Ich könnte deswegen heulen, aber ich tröste mich mit dem Gedanken: sie wollte es so. Sie hätte es anders haben können. Sie hat zwei Töchter, die sich in einer anderen Situation hätten rührend um sie kümmern können, aber durch die räumliche Entfernung waren ihnen auch oft die Hände gebunden.

Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Aber vielleicht ist Deine Oma ja so schlau, dass Du ihr aufzeigen kannst, wie ihr Leben wahrscheinlich verlaufen wird, wenn sie weiterhin sturköpfig ignoriert, dass auch sie älter und gebrechlicher wird und ruhig Hilfe annehmen kann, oder wie es verlaufen wird, wenn sie Hilfe annimmt und sich um ihre Gesundheit und ihren Körper kümmert und sich Gedanken macht, was für sie gut ist. Vielleicht versteht sie es ja, wenn Du es richtig anpackst.

LG Franka

Beitrag von blackpanther32 06.04.11 - 18:03 Uhr

"....und sie werden wie die Kinder!"

Das ist alles nicht so einfach mit den alten Leutchen, weil sie einfach nicht zugeben wollen, dass sie doch auf Hilfe angewiesen sind.

Kenn das von meiner Oma, da gab es auch ab und an Theater, obwohl Sie bei meinen Eltern mit im Haus gewohnt hat, aber die war auch immer schwer von was zu überzeugen.

Wenn Du die Möglichkeit hast, dann nimm Sie doch einfach unter Deine Fittiche und sag ihr klipp und klar, was passieren kann, wenn Sie sich nicht untersuchen läßt - Hirnblutung,....
Auch mit dem Rollator, entweder sie nimmt das Teil mit, wenn sie raus geht zum Laufen oder Sie bleibt daheim - basta!

Darfst nur nicht zimperlich sein - ich denke Du wirst schon Argumente haben, um ihr das plausibel zu machen.

Ich wünsch Dir noch eine schöne Zeit mit Deiner Oma

LG Blackpanther

Beitrag von gg82abt 06.04.11 - 18:16 Uhr

Hi,

ich kenne das von meinem Opa.
Bei seinen Kindern tat er immer so als wäre alles in Ordnung. Aber mich hat er angerufen als er gestürtzt ist und Kopfüber #schock durch seine Glastüre gefallen ist.
Ich bin damals umgehend hin, hab ihm meine Meinung gegeigt. Mit den Worten auch wenn du es nicht für so schlimm hälst aber ich kann kein Auge zu machen wenn ich nicht weis ob wirklich alles ok ist. Hab ihn und seine Medis (Diabetiker gewesen) geschnappt und bin trotz riesen Protest mit ihm zum nächsten Arzt.
Er hatte Glück nur ne Beule aber von da an war er ehrlicher zu mir und er wusste das ich ihn auch gegen seinen Willen im Ernstfall zum Arzt schleppe.

Leider lebt er schon länger nicht mehr :-( war aber was anderes

Daher geh bitte zu deiner Oma und mach ihr klar das du dir Sorgen machst und mit ihr nun ins KH fährst egal was sie dazu sagt. Nicht das sie evtl Bewusstlos wird oder schlimmeres.

Alles gute und viel Durchsetzungsvermögen

LG Simone

Beitrag von witch71 06.04.11 - 18:38 Uhr

Übermittle ihr liebevoll diese Botschaft:

Du bist meine Oma, ich hab Dich lieb und mache mir Sorgen.
Wenn es Dir schlecht geht, geht es mir auch schlecht. Wenn Du Dir dann aber noch nichtmal helfen lassen willst und in solchen Fällen auch keine Hilfe annimmst, dann geht es mir noch schlechter.
Liebe Oma, was würdest Du mir sagen, was würdest Du denken und was würdest Du Dir wünschen, wenn ich bei Dir anrufe und sage: Ich bin gefallen, blute stark, gehe aber nicht zum Arzt.

Versuche heraus zu finden, was in ihr vorgeht und erkläre dafür eben, was Du empfindest. Vielleicht könnt Ihr auf diesem Weg Kompromisse für zukünftige Vorfälle finden?

Beitrag von caitlynn 06.04.11 - 19:49 Uhr

Hallo ihr lieben,
Bin dann doch mal rübergegangen (15 min laufen) um mir das anzusehen und bei ihr zu sein.
Ich hab einfach meinen mann angerufen um den fahrbaren untersatz zu haben und hab kind und oma geschnappt und ab in die klinik denn sie sah schon recht zerstört aus im gesicht. Die haben erstmal alles gesäubert und dann musste sie doch genäht werden und der arzt war total lieb und hat dann mal ihr ein wenig ins gewissen geredet.
Im Endeffekt wars nich schlimm aber da sie solche unfälle öfter hat nerve ich sie solange mit dem rollator bis sie ihn wenigstens mal testet...
Die meisten älteren menschen in meiner nachbarschaft haben alle einen und nach anfänglichem ''dafür bin ich doch zu jung'' sind nu alle begeistert denn man kann ja seine einkäufe dranhängen und sich zwischendurch draufsetzen oh wie schön ;-)

Ich gehe regelmäßig alle paar Tage mit ihr einkaufen und bin sonst auch oft da und ansonsten kommt sie in ihrem alltag prima zurecht nur eben draußen ist schwierig wegen den augen aber ich werde das nun mal in die hand nehmen und n paar arztterminchen durchprügeln und sie dahin begleiten. Danke für eure lieben texte

lg cait