6 Wochen nach der Geburt denke ich dauernd an unser Sternchen

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von jadzia82 06.04.11 - 18:35 Uhr

Hallo!

Ich bin heute vor genau 6 Wochen zum 2. Mal Mutter geworden und bin ganz stolz und glücklich, unseren Sohn Oscar gesund in den Armen halten zu dürfen#verliebt

Aber es mischt sich auch immer öfters Trauer dazu, denn im Zyklus vor dieser Schwangerschaft hatte ich eine Fehlgeburt. Zwar "zum Glück" schon in der 6. SSW, aber es war eine schlimme Erfahrung für mich, da ich damit einfach nicht gerechnet habe. Sowas passiert ja immer anderen... naja, denkt man zumindest immer, bis einen dann doch trifft!

Ich war damals so glücklich, so schnell ss geworden zu sein und voller Vorfreude und plötzlich war da abends kurz vorm Schlafengehen das Blut. Ohne Vorwarnung, einfach so. Die Erinnerung an den Moment, als es mir bewusst wurde, dass es vorbei ist, treibt mir sofort die Tränen in die Augen... es war alles wie im Film, so unwirklich!

Es musste GsD keine Ausschabung gemacht werden und somit bin ich direkt im folgenden Zyklus wieder ss geworden. Doch diese Schwangerschaft konnte ich nicht mit der selben Freude beginnen, so kurz danach. Dazu kam, dass ich ab der 9. SSW dauernd Blutungen hatte und wahnsinnige Angst hatte, unsern kleinen Murkel wieder zu verlieren. Es war ein einziges Gefühlsauf- und ab, zwischen Hoffnung, Freude und Angst ohne Ende. Irgendwann habe ich emotional dicht gemacht und mehr oder weniger gar nichts mehr für das Leben in mir empfunden, was mir sofort ein schlechtes Gewissen einbrachte...

Als ich dann etwa ab der 20. SSW auch endlich sicher war, dass es keine FG werden würde, zwang ich mich, auch wieder die Gefühle zuzulassen und eine Bindung zu unserem Baby aufzubauen. Das war oft nicht leicht, denn unser jetzt erst 20 Monate alter 1. Sohn hat mich ja auch gut auf Trab gehalten und die Zeit flog nur so dahin.
Dass ich keine Zeit gefunden habe, die FG zu verarbeiten, ist also auch kein Wunder.

Aber jetzt, da wir als neue, vergrößerte Familie so langsam alles neu geordnet haben und ich auch innerlich zur Ruhe komme, kommen halt die vielen Gedanken an unser Sternchen hoch. Vor allem wird mir durch unseren kleinen Sohn deutlich, WAS wir verloren haben - einen richtigen echten kleinen Menschen mit Charakter und Persönlichkeit. Ich frage mich oft, ob es wohl ein Junge oder ein Mädchen gewesen wäre und wie unsere Familie wohl wäre, wenn dieses Kind zu uns gekommen wäre und nicht unser Sohn.

Ich muss nun lernen, damit zu leben, dass es da noch dieses 3. Kind gibt, das es aber nicht wirklich je gegeben hat, außer in meiner Vorstellung. Aber ich war 3 Mal schwanger, ich wusste es sogar ohne einen Test zu machen, weil ich ES gefühlt habe, mein kleines Baby...

Traurige Grüße :-(

Beitrag von dydnam 06.04.11 - 18:48 Uhr

Hey du,

ich verstehe dich sehr gut. Ich hatte vor meinen beiden Söhnen jeweils eine FG (und jetzt danach auch noch eine).

Einerseits denke ich mir immer: wenn die FGen nicht gewesen wären, hätte ich genau diese beiden tollen Jungs nicht. Andererseits dann natürlich trotzdem die Frage, wie die Sternchen gewesen wären, hätten sie genauso ausgesehen oder anders, wären sie vom Charakter ähnlich gewesen, wäre eins vielleicht ein Mädchen geworden (eine Püppi wünschen wir uns nämlich noch sehnlichst)....

Dieser Konflikt wird wohl immer da sein. Aber dann denke ich mir wieder, dass die FGen eben doch was Gutes hatten: ich habe die zwei tollsten Bengel auf der Welt. Und ich habe an Stärke gewonnen. Ich habe mich der Trauer gestellt, der Angst vor einer neuen Schwangerschaft (die Schwangerschaften waren wirklich keine Zeit zum Genießen), und habe letztlich doch irgendwie gewonnen. Ich weiß jetzt, dass ich ein verdammt starker Mensch bin.

Und vergessen werde ich meine Sterne sicher nie!

Liebe Grüße

Mandy mit
Silas (*06.12.08) und Tamino (*12.06.10) an der Hand und 3 #stern (Okt. 2007, April 2009, Februar 2011) im Herzen

Beitrag von catch-up 06.04.11 - 21:30 Uhr

Hallo!

Das mit deiner FG tut mir sehr Leid!

Aber du darfst daran nicht ständig denken! Du hast ein gesundes Kind, welches all deine Aufmerksamkeit und Liebe braucht! Konzentrier dich darauf!

Es hilft keinem, wenn du stetig zurück schaust! Alles im Leben hat seinen Sinn. Aus Leid kann Freude entstehen, aus Hass Liebe ...

Was wäre gewesen, wenn du diese FG nicht gehabt hättest? Dann hättest du deinen Sohn jetzt womöglich nicht! Deinen Sohn, der dich liebt und vergöttert, für den du die wichtigste Frau im Leben bist!

Schau nach vorn!

Wenn ich traurig oder verzweifelt bin denk ich stets daran, dass es viel schlimmere Schicksale gibt! Es hört sich jetzt makaber an, aber es gibt auch schlimmere Schicksale als deine FG in der 6. Woche!

Andere Frauen bringen 3 Kinder viel zu früh zur Welt und müssen schon bald 2 davon wieder gehen lassen! DAS ist wirklich wirklich schlimm!!!!!

Ich wünsche alles Gute für dich und deine Familie! #herzlich Kopf hoch!

Beitrag von malou81 07.04.11 - 10:35 Uhr

Du hast schon recht, dass man nach vorne blicken muss. Aber es gibt keine Skala für "das schlimmste Schicksal aller Zeiten", an dem man messen kann was schlimmer ist. Jedes Individuum empfindet seine persönlichen Erfashrungen und Gefühle als die schlimmsten und das sind sie auch. Man kann nämlich nicht nachfühlen, wenn jemandem etwas - wie du sagst - NOCH SCHLIMMERES passiert. Also hat jeder das Recht so traurig zu sein, wie er oder sie will.

Beitrag von cb600 07.04.11 - 11:05 Uhr

Hallo jadzia,

ich kann dich sehr, sehr gut verstehen! Zwar ist meine Geschichte anders als deine, aber wie schon eine Userin schrieb "Es hat keinen Sinn, zu vergleichen, wie viel "mehr" das eine Leid wiegt oder wieviel schlimmer das andere ist...". Die Trauer und die Angst sind dieselbe.

Der Unterschied bei meiner Folgeschwangerschaft war allerdings (durch meine andere Geschichte) dass ich bis zum Schluss der Schwangerschaft, ja sogar während der Geburt Angst hatte. Es reihte sich ja auch ein Horror an den anderen, Blutungen, Liegen, Kontraktionen... Und während meiner insgesamt 5,5 Monate im Krankenhaus war auch noch ein Baby während der Geburt gestorben. Wegen vorzeitiger Plazentalösung (wie bei meinem ersten Sohn!). Als ich das hörte, bekam ich noch mehr Panik.

Dann war endlich, endlich mein ersehntes Wunsch-Baby da. Dadurch, dass es in der Schwangerschaft immer nur meine Angst erlebt hat, war mein Baby ein Schreikind - daher empfehle ich dir: gehe doch mal zur "emotionellen ersten Hilfe" oder in eine andere Schreiambulanz. Da bekommst du Unterstützung für dich und dein Baby, damit ihr euer Trauma verarbeiten könnt.

Das andere was ich dir sagen wollte: ja, auch mir ging und geht es heute noch so wie dir. Natürlich ist das Baby jetzt da. Naive Menschen sagen nun: "Na, jetzt ist aber doch wieder alles gut. Du hast ja "dein Kind"!"
Aber trotzdem sitzt man dann und wann mal da, fühlt die Trauer in sich hochsteigen und denkt darüber nach, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Ich durfte meinen ersten Sohn noch 2 Tage lang sehen, berühren und mich von ihm verabschieden wann und solange ich wollte. Ich weiß, wie er aussah... und manchmal denke ich heute, dass seine Seele in den Körper seines kleinen Bruders zurückgekehrt ist.

Ich will nun nicht noch mehr schreiben, es ist ja sowieso schon ein Roman geworden. Ich wollte dir nur sagen, WIE GUT ich dich verstehen kann. Und glaube mir eins: Der große Schmerz über den Verlust wird besser (bei mir werden es im Juli 3 Jahre), doch eine kleine Traurigkeit bleibt irgendwo in einem Winkelchen des Herzens zurück. Auch, wenn man wieder Glück empfinden kann!

LG, cb mit #stern Fabian (still geb. am 21.07.08 bei 23+) und #sonne#sonneBenjamin (geb. am 26.11.09 bei 36+)

Beitrag von froehlich 07.04.11 - 22:38 Uhr

Sehr wahrscheinlich werde ich mich hier jetzt sehr unbeliebt machen - aber manchmal ist es ja auch wichtig, andere Positionen zu hören. Ich finde, Du steigerst Dich gerade in sinnlose Verzweiflung hinein. Du hattest einen Abgang in der 6. Woche! Mein Gott! Das ist ja wirklich früh. Natürlich hilft Dir die Tatsache wenig, daß das Tausenden von Frauen jeden Tag passiert wenig - denn es passiert ja DIR, das kann ich verstehen. Andererseits: kannst Du Dich nicht dazu durchringen zu sagen: hier ist einfach etwas schiefgelaufen, wir wissen nicht was, aber irgendwie muß die Chromosomenverteilung massiv gestört gewesen sein, sonst wäre die Schwangerschaft intakt geblieben. Wir müssen wieder mehr lernen, unseren Körper auch NICHT perfekt zu akzeptieren. Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche. Ich hatte nach unserem ersten Sohn auch eine FG (in der 11. Woche) und natürlich macht so etwas traurig. Aber weder habe ich Monate danach endlos über diese missglückte Schwangerschaft nachgegrübelt noch habe ich mir vorgestellt, was hätte werden können wenn..... . Wir durften dann auch bald noch ein gesundes zweites Kind in unseren Armen halten und ich bin einfach nur glücklich und dankbar und freue mich, daß wir haben, was so viele andere (auch hier bei urbia) nicht haben und vielleicht nie haben werden. Ein bisschen Demut hilft manchmal auch weiter.

Beitrag von navarro 07.04.11 - 23:18 Uhr

hallo!!
ich finde jede frau, egal in welcher ssw sie ihr kind verloren hat, darf trauern!
doch bitte sei dankbar das du 2gesunde kinder zu hause hast!
ich hab dieses glück nicht, mußte 4 FG hinter mich bringen und nichts ist so schlimm wie sein kind tot im arm zu halten!!

lebe für deine kinder und dein #stern lebt in deinem herzen!!

lg
jenny mit 4 #stern im herzen