unser Sternchen ist weg

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von schwarzes-elfchen 07.04.11 - 17:00 Uhr

es hatte endlich geklappt, nach fast 2 Jahren hatten wir endlich einen positiven Test in der Hand - und wenig später auch ein Ultraschallbild!!

Nun sind wir wieder alleine, sorry fürs Silopo, ich weiß einfach nicht mehr wohin mit meine trauer.

letzten Sonntag hatte ich morgens plötzlich Blutungen,nicht viel, aber es hat mich beunruhigt. es hat einfach nicht aufgehört, also sind wir direkt in die Klinik. Ich wurde sofort stationär aufgenommen, der Arzt befürchtete eine Fehlgeburt. Noch war unser Sternchen auf dem Ultraschall zu sehen, aber es saß nicht mehr wie noch eine Woche vorher dort, wo es sein sollte, sondern war bereits weit in den Gebärmutterhals gerutscht.

Strenge Bettruhe, viele Medikamente und Hoffen... man sagte uns, zumindest der HCG wert wäre noch schön hoch, ein gutes Zeichen.
Oder auch nicht, am nächsten Tag war der Wert gefallen, aber Sternchen saß wieder dort, wo es sein sollte. Noch mehr Medikamente und eine Hormonspritze, um den HCG-Wert wieder hoch zu bringen.

Am nächsten Tag wurde uns vom Oberarzt bei der Visite (im Beisein von etlichen Studenten und mit dem Feingefühl eines Trampeltiers) eröffnet: "Naja HCG-Wert weiter gefallen ud auf dem Ultraschall siehts ja auch nicht so top aus, da ist nix mehr zu machen. Wir holen sie dann gleich zur Ausschabung ab!" Und raus waren sie.

Es war furchtbar. Ich weiß, dass die Ärzte sowas als Routine ansehen, das müssen sie wahrscheinlich auch. Aber für uns war das nicht nur "zu entfernendes Gewebe" oder wie jemand im OP sagte "da ist nciht viel, nur 6. Woche, die paar Zellen"; er dachte wohl, ich wäre bereits weg von der Narkose.

Die Theorie lautet, dass wahrscheinlich die Entwicklung nicht so verlief wie sie sollte. Tolle Aussage, auf gut deutsch: sie haben keine Ahnung. Wahrscheinlich hat es aber keine Auswirkungen auf eventuell folgende Schwangerschaften und wahrscheinlich wird es wieder klappen sagen sie, denn das es einmal geklappt hat ohne medizinische Hilfe heißt, dass es das auch wieder kann.
Aber im Moment ist das kein Trost. Wir versuchen beide mit dem Verlust umzugehen, jeder auf seine Weise. Er stürzt sich in Arbeit und ich heule mir die Augen raus und quäle mich selbst mit hunderten Fragen herum, die mir sowieso niemand beantworten kann.
Ich bin so unendlich traurig, immer wieder gehen meine Gedanken zu einem "Baby" zurück, das es quasi nicht gegeben hat, ich hab keine Ahnung, wie ich damit grade umgehen soll. Und von allen Seiten dumme Ratschläge und leere Phrasen, ich kann es nciht mehr hören!!

Das beste an allem: sie sagen mir, dass eine Ausschabung gemacht wird und kaum eine stunde später ruft meine beste Freundin an: "Juhu, ich bin wieder schwanger!" Ich hätte kotzen und in Tränen ausbrechen können gleichzeitig. Ok,sie wusste es nicht, ich mache ihr keinen Vorwurf, aber so unfair es ihr gegenüber auch sein mag, es bricht mir das Herz.

Beitrag von boujis 07.04.11 - 17:57 Uhr

Mein Beileid.
Ich bin immer fassungslos, wenn ich von der Feinfühligkeit mancher Mediziner höre. Zu mir wurde gesagt, warum ich den Klumpen beerdigen möchte #schock, ich war 13.SSW und mein Knirps fast 7cm.
Du wirst jetzt überall Schwangere sehen und sie beneiden, dass ist normal und Du solltest Dir deshalb keine Vorwürfe machen. Lass Deine Trauer zu, es war Euer Wunschkind, dass zu den Sternen gezogen ist. Egal wie Klein, es war willkommen.

Ich wünsche Dir Kraft und Glück.
#kerze

Beitrag von schwarzes-elfchen 07.04.11 - 21:59 Uhr

Danke

Genau so ist es leider, überall Schwangere und Babys! Zumindest sehe ich sie dauernd... oder sie fallen mir wahrscheinlich einfach mehr auf zur Zeit.

Was mich nervt sind diese üblichen Phrasen von allen Seiten nun: seid froh das es jetzt passiert ist, das hat eben nicht sollen sein oder noch besser: ihr könnts ja weiter versuchen. Also ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich habe erstmal gesagt, ich will grad mal niemand sehen, kein Telefon oder so, das ist mir grad zuviel.

Dass dieser Arzt zu eurem Sternchen "Klumpen" gesagt hat... also was soll man dazu sagen?? Ein bißchen Menschlichkeit würde dem ein oder anderen wirklich gut tun. So pietätlos kann man doch kaum sein.

Auch eine #kerze für dein Sternchen

Beitrag von kirin27 07.04.11 - 22:49 Uhr

ich kann dir nur rechtgeben.

bei uns war es gottseidank anders!
stille geburt in der 14. ssw
und im kankenhaus waren wirklich alle sehr nett!
wir haben ein bild bekommen und es wurden fussabdrücke gemacht!
und uns wurden die unterschiedlichen möglichkeiten gesagt was wir machen können!
also sammelbestattung oder selbst bestatten!
es wurde gleich eingetragen, dass wir selbst bestatten wollen und uns die nötigen unterlagenen gegeben.

wirklich schlimm dass das nicht überall so ist!

viele Grüße und alles gute soweit man das momentan sagen kann

Beitrag von almararore 07.04.11 - 19:24 Uhr

Hallo Ihr LIeben!

Ja über manche Ärzte kann man sich nur wundern. Ihnen begegnen unglückliche Eltern jeden Tag, aber für uns sind die Kinder einfach einzigartig. Ich hatte dieses Mal mit der Betreuung wirklich Glück.
Was mich unglücklich macht ist die Aufklärung der FG. Wir haben mit dem Gedanken gespielt das Kind auf genetische Probleme untersuchen zu lassen. Es wurde uns gesagt, wir wären in der falschen Klinik. In Wien und Niederösterreich gibt es nur eine und da hätte mein Mann nach der CÜRR mit dem Zwerg hinfahren müssen und gleich mal jede Menge Geld hinblättern.
Irgendwie haben wir geglaubt, dass es endlich das Ende der Strähne ist, die wir in den letzten Jahren erlebten, aber jetzt geht ein altes Kapitel (das wir schon verdaut und abgeschlossen hatten) wieder neu los...

Ich wollte mich heute ablenken und bin mit meiner Kleinsten Eis essen gefahren und habe auch eine Bekannte gesehen mit Kinderwagen und Babybauch :-( Sie hat mich GsD nicht gesehen, denn dann wäre es mit meiner Beherrschung vorbei gewesen.

Ich wünsch Euch ... (was wünscht man verwundeten Seelen?)
LG
Alex

Beitrag von schwarzes-elfchen 07.04.11 - 22:12 Uhr

Hallo
Gut, dass nicht immer die Betreuung bei so etwas so schief läuft. Naja, in der Klinik, wo ich war, war nicht alles schlecht. Das Pflegepersonal war wirklich sehr nett und immer sehr verständnisvoll, was das angeht, haben wir uns dort gut afgehoben gefühlt. Aber dann kommt einmal am Tag zur Visite der Oberarzt vorbei und lässt sowas vom Stapel. das geht gar nciht.

Zum Thema Aufklärung der FG, naja, da wurde uns gesagt, sowas kann jedem mal passieren, ist halt blöd gelaufen, dass es grade uns bei der ersten SS direkt so war. Nicht wirklich ein Trost.

Ich hoffe, dass auch für euch die Strähne bald ein Ende hat. Das wünsch ich uns allen

auch eine #kerze für den Sternchen

Beitrag von yvisunshine 08.04.11 - 10:19 Uhr

Hallo schwarzes-elfchen,
mein Beileid und mein volles Mitgefühl für den Verlust deines Babys.
Es ist ganz egal, wie lange du dein Baby in dir getragen hast...es war dein Baby...leider hatte dein Baby nicht die Kraft, den Weg bis zu uns auf die Erde bis zum Ende zu gehen...es hat gezögert...vielleicht war es ängstlich..es ist wieder zurückgegangen zu den Engeln und Sternen...dort wird es neuen Mut fassen und sich vielleicht bald noch einmal auf den Weg machen..die anderen Engel und Sterne werden ihm Mut zusprechen und es auf seinem Weg unterstützen....bis dein Baby es geschafft hat. Es braucht noch etwas Zeit...aber es wird sich auf den Weg machen.

Als ich unser Sternchen verloren habe, hatte ich das Glück sehr einfühlsame Ärzte und Schwestern um mich zu haben. Sie haben mich getröstet, meine Tränen weggewischt und mir Mut zugesprochen. Auch ich hörte den Satz: " Sie werden wieder schwanger werden und Sie werden ein gesundes Baby bekommen." Dies haben sie aber in solch einer netten Art zu mir gesagt, dass es mir wirklich Kraft gab. Natürlich wurde ich medizinisch korrekt über den Vorgang einer AS informiert, aber trotz allem haben mir die Ärzte dabei immer mal wieder über den Arm gestreichelt und mich auch über die Möglichkeit der Beerdigung meines Kindes informiert, damit ich einen Platz zum Trauern und Abschiednehmen habe. Alles in Allem hatte ich wohl Glück.
Verliere den Mut nicht. Weine, solange du weinen möchtest. Schaffe dir eine kleine Erinnerungsecke an dein Kind. Vielleicht kannst du ein Bäumchen pflanzen. Dein Kind ist ganz fest in deinem Herzen, dort kann es dir keiner nehmen und du kannst in Gedanken immer bei ihm sein..
Ich drück dich und wünsche dir Kraft!!!!
LG Yvonne

Beitrag von schwarzes-elfchen 09.04.11 - 10:16 Uhr

Die Vorstellung, dass unser Sternchen zurück gegangen ist, um neue Kraft zu schöpfen, find ich sehr schön. Es ist auf jedenfall mit das tröstlichste, was ich die letzten Tage gehört habe. Danke

Schön zu hören, dass nicht alle Mediziner so sind wie in unserem Fall, das lässt ja wenigstens etwas Hoffnung.

Ich glaube aber, für eine Erinnerungsecke für unser Kleines ist es noch zu früh für mich. Ich habe meinen Mann gebeten, erstmal alles in eine Kiste zu packen. Nicht, weil ichs vergessen will, sondern weil es mir im Moment zumindest noch zu schwer fällt. Gestern habe ich einmal reingesehen, warum weiß ich eigentlich auch nicht. Aber noch geht es nicht. Irgendwann wird es besser werden...

LG

Beitrag von singa07 08.04.11 - 10:37 Uhr

Liebes Elfchen...

es tut mir so leid für dich! #liebdrueck

Ich fand die dummen, gutgemeinten Ratschläge und Sprüche auch unterträglich. Mein Mann konnte erst gar nicht trauern, er hatte es noch nicht so richtig als Kind erkannt - bis ich ihm "Leise wie ein Schmetterling" zu lesen gab - da verstand er meine Trauer und konnte nun auch endlich seine Trauer (die er vorher verleugnet hatte) zugeben.
Und zu allen dummen Sprüchen: ich habe irgendwann angefangen, in sehr ruhigem, leisen Ton zu sagen: Ich weiß, du meinst es gut. Aber ich finde das, was du sagst herzlos, grausam und unerträglich.

Ich wünsche dir - viel, viel Kraft.

LG
Singa + Rübe (2009) + #stern Käferchen (AS im Jan 2011, 10.SSW)

Beitrag von schwarzes-elfchen 09.04.11 - 10:22 Uhr

Danke
es ist ein gutes Gefühl, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin

mein Mann versucht, sich aufrecht zu halten, wahrscheinlich weil ermeint, er müsse jetzt stark sein, weil ichs nicht bin. Auf der einen Seite ist das gut, denn er fängt mich wirklich auf, wenn ich drohe, in mein schwarzes Loch zu fallen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass er genauso sehr trauert wie ich. Heimlich, tief in seinem Innern, hin und wieder kommt es einmal zum Vorschein, aber immer nur in kleinen Dosen. Wir brauchen beide denke ich noch Zeit, es war für uns beide einfach ein großes Verlust. Wir müssen noch unseren Weg finden, damit umzugehen.

LG #kerze