Ich bin nicht bereit für eine neue Familie

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von 27283 08.04.11 - 11:42 Uhr

Hallo,

ich bin vor 11 Monaten Mutter geworden. Mein damaliger Verlobter und ich planten unseren Jungen. In der 16. ssw musste ich dann leider erfahren das mein Partner mich betrogen hat. Mit einem Mann. Mir war klar, dass wir es nicht wieder ausbügeln können also habe ich ihn verlassen. Eindeutig steht er ja auf Männer und ich bin keiner.

Als mein Sohn einen Monat alt wurde, habe ich mich neu verliebt. In meinen Nachbarn. Er ist allein erziehend, hat eine 13 jährige Tochter, ein wirklich liebes und höfliches Mädchen.

Vor gut 5 Monaten bin ich mit Jasper in ein kleines, feines Haus gezogen, dass ich liebevoll hergerichtet habe. Hier fühle ich mich wohl. Es ist nichts besonderes, eben unser kleines Reich. Hier kümmere ich mich nur um mich und meinen Sohn. Hier können wir uns ausleben.

Mein Freund kam letztens auf die Idee, man können ja zusammenziehen. Eine nette Patchworkfamily führen. Wir 4 und meine beiden Hunde.

Für mich ist diese Idee fast grauenhaft. Grauenhaft bis grässlich! Ich liebe mein Leben und bin froh, dass ich mich nur um mich und mein Kind kümmern kann.
Er ist jetz so beleidigt, denkt das ich die Beziehung auf die leichte Schulter nehmen würde. Mach ich nicht!
Mir ist es schon sehr ernst, nur bin ich mit meinem letzten Partner eben total auf die Schnauze geflogen. Das tat weh, sehr dolle sogar.

Mein Freund ist grad in die Zahnarztpraxis seinen Bruders eingestiegen, arbeitet ewig viel. Wir sehen uns selten, 1-2 Mal die Woche. Höchstens, manchmal weniger. Mir macht es nicht so viel aus. Ich habe ja schließlich ein Baby, dass meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Seine Tochter ist viel bei mir, daheim ist es ihr langweilig. Kann man verstehen! Ihre Mutter wohnt einige hundert Kilometer entfernt.

Abends am Telefon reden mein Freund und ich oft Stunden über das Thema Familie. Manchmal habe ich das Gefühl, ihm fehlt einfach ein sicheres und heiles Familienleben. Ich allerdings bin sehr glücklich mit meiner kleinen Familie. Nur mein Sohn und ich-für mich ist es so perfekt. Nachvollziehen kann mein Freund das nicht. Er will uns gerne um sich haben. Ich habe ihn und seine Tochter auch gerne bei mir, nur bin ich auch froh mein Haus nach einem Wochenende wieder für mich zu haben. Einfach unabhängig sein, leben wie ich möchte. Die Wäsche mal eine Tag länger liegen lassen als geplant.

Irgendwie ist die Situation kompliziert. Ich liebe ihn, sehr. Er stand mir in vielen Dingen bei. Kommt mit meinem Sohn gut aus. Ich mit seiner Tochter.

Für eine Familie, außer meiner bin ich nicht bereit. Ich denke auch nicht, dass ich es so bald sein werde. Der Schock mit meinem Ex ist noch nicht überwunden und bevor ich mich Hals über Kopf in eine neue, wirklich wirklich ernste Partnerschaft begebe muss wohl oder übel noch einige Zeit vergehen.
Ich vermisse nichts, bin glücklich. Klar machen kann ich ihm das nicht, warum auch immer.

Beitrag von siomi 08.04.11 - 11:45 Uhr


Du hast dir die Antwort doch schon selbst gegeben: Du willst nicht, also lass es!

Beitrag von tanicrose 08.04.11 - 11:59 Uhr

Hi du, ...

ich kann dich sehr gut verstehen! Aber leider fehlt Vielen das Verständnis, wenn sie hören, dass man sich in seinem kleinen Reich "alleine" wohler fühlt, als mit Jemandem, obwohl man den Anderen liebt, und vielleicht alles passt. Manchmal ist das ein hoher Preis, den man zahlen muss als Konsequenz, aber ich für meinen Teil zahle ihn dann gerne, denn anders würde ich nicht mein Leben leben, sondern das eines Anderen. Wenn dein Gefühl dir sagt, dass du dazu nicht bereit bist, dann mach' es auch nicht, ist meine Meinung.

Liebe Grüße, Tanic

Beitrag von lichtchen67 08.04.11 - 12:00 Uhr

Ich kann Dich verstehen.. mein partner und ich führen auch ein Leben in getrennten Wohnungen, der Unterschied ist hier nur, wir wollen das beide so. Wir genießen ein paar Tage in der Woche eben auch diese Unabhängigkeit des "alleine-lebens".

Aber was stimmt denn jetzt? das hier?

"Er ist jetz so beleidigt, denkt das ich die Beziehung auf die leichte Schulter nehmen würde. Mach ich nicht!
Mir ist es schon sehr ernst,"

oder das hier?

"Der Schock mit meinem Ex ist noch nicht überwunden und bevor ich mich Hals über Kopf in eine neue, wirklich wirklich ernste Partnerschaft begebe muss wohl oder übel noch einige Zeit vergehen."

Kann es sein, dass es nicht nur um das Thema wohnen geht? Ich zweifele nämlich nicht an meinem Partner nur weil wir nicht zusammen wohnen wollen....

Lichtchen

Beitrag von 27283 08.04.11 - 12:27 Uhr

Ich denke eine kräftige Prise von beidem.

Ich habe das Gefühl, er findet das diese Beziehung zu nichts führt. Das ich es erst gar nicht in Erwägung ziehe, eine gemeinsame Familie zu planen.

Naja und die Geschichte mit meinem Ex....
Ich habe mein ganzes Leben hinter mir gelassen, bin fortgezogen, hab meine Arbeit gewechselt nur um dann zu merken das mein Freund schwul ist. So hab ich mir das echt nicht vorgestellt...ein toller Neuanfang.

Beitrag von lichtenstein 08.04.11 - 12:49 Uhr

Ich kann Dich verstehen. Du hast in kürzester Zeit soviel erlebt, dass Du jetzt erst mal wieder zu Dir selbst finden musst. Es ist gut, dass Du Dir die Zeit dafür nimmst und die sollte Dir auch von Deinem Freund zugestanden werden. Ich finde es nämlich ein Zeichen von Reife, wenn man sich nach einer Enttäuschung nicht gleich Hals über Kopf wieder in eine Beziehung stürzt. Wenn es Liebe zwischen Dir und Deinem Freund ist habt ihr noch alle Zeit der Welt, zusammen zu ziehen.

Grüßle

Lichtenstein

Beitrag von umsche 08.04.11 - 13:27 Uhr

Wie kannst du von Liebe sprechen und gleichzeitig ist der Gedanken an ein Zusammenziehen für dich grauenhaft und grässlich? Das passt schon mal gar nicht, finde ich. #gruebel

Beitrag von 27283 08.04.11 - 15:19 Uhr

Stimmt umsche, damit hast Du sicherlich Recht. Ganz zusammenpassen tut das nicht, dennoch ist es so. Ich genieße meinen Freiraum, die Zeit nur mit meinem Sohn. Wie ich ja erwähnt habe, hat mein Freund eine Tochter, ich bin grad mal 15 Jahre älter als sie.....für mich ist es momentan noch ein Unding ihre "Ersatzmutter" zu sein. Zu viel bin ich einfach mit mir beschäftigt um ihr eine gutes Vorbild zu sein.

Es war für mich wirklich ein Schlag ins Gesicht, erst nach 3 gemeinsamen Jahren zu merken das mein Freund schwul ist und es verheimlichen musste. Das tut mir nicht nur für mich leid, sondern auch für ihn. Es muss schlimm sein sein Leben nicht komplett leben zu können.
So was verarbeitet man nicht so schnell, schade. Ich wäre gerne wieder "heile".

Beitrag von polar99 08.04.11 - 13:40 Uhr

Hallo,

ich verstehe dein Bedürfnis nach Zeit und Ruhe für Dich und deinen Sohn. Kann aber auch deinen Freund verstehen, denn was man liebt, das hat man ja gerne um sich. Wahrscheinlich fühlt er sich auch abgelehnt, weil er deine Einstellung nicht nachvollziehen kann.

Er ist bereit, sein Leben mit Dir zu teilen, in allen Breichen, Du bist noch nicht so weit, noch nicht offen für Ihn im Ganzen.

Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, später mit ihm zusammen zu ziehen oder schließt sich das für immer aus?

lg polar

Beitrag von galeia 08.04.11 - 13:44 Uhr

Steh zu deinen Wünschen und zu deinem Gefühl, alles andere macht nur andere aber nicht dich glücklich.

FG H. #klee

Beitrag von masolu 08.04.11 - 13:46 Uhr

Hey,
klar ist dein Partner unglücklich! Verständlich! Aber eben genauso verstehe ich deinen Standpunkt und finde das was du schreibst absolut plausibel und schlüssig. Du hast da einfach ein Trauma, was seine Zeit braucht um verarbeitet zu werden. Diese Zeit muss man dir einfach geben. Du solltest dich meiner Meinung nach erst darauf einlassen wenn du auch bereit dafür bist. Ich kann jemanden der einen Autounfall hatte auch nicht zwingen sich eine Woche nach dem Unfall wieder ans Steuer zu setzen. So sehr du deinen Partner auch liebst, stürz dich nicht ins Unglück, indem du für ihn etwas tust wozu du noch nicht bereit bist. Ich glaube, wenn der Verarbeitungsprozess bei dir abgeschlossen und die Beziehung zu deinem Partner sich intensiviert hat kommt die Sehnsucht mit ihm zusammenzuleben irgendwann von ganz allein! Vielleicht findest du für ihn ähnlich offene und entwaffnende Worte wie du sie hier im Forum gefunden hast. Dann versteht er deine Gefühlswelt vielleicht.
Herzliche Grüße

Beitrag von badguy 08.04.11 - 16:56 Uhr

Das ist an sich eine sehr schwierige Situation. Ich persönlich bin verheiratet, führe dabei eine Fernbeziehung und habe meine Kinder jedes zweite We.

Wenn man alleine lebt und auch nicht eben viel Zeit für das Leben an sich hat, dann kann man sehr dankbar für die Ruhe sein, die man genießt und andererseits erhöht sich die Ruhe dadurch, dass man keine Kompromisse eingehen muss. Man sagt wie, wo und wann und fragt nicht groß.

ABER: Ich glaube nicht, dass das Leben ist, das ein soziales Wesen, zu denen wir Menschen gehören, auf Dauer Leben möchte und auch Vorsicht, ein Kind ist hier kein Ersatz. Es lenkt erst mal ab, weil es die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

11 Monate sind jetzt nicht die ultimativ lange Zeit um eine Trennung zu verarbeiten. Wie lange so etwas dauert, das bestimmt jeder für sich selbst. Sich diese Rücksicht zu erbitten, hat nichts damit zu tun, eine Beziehung auf die leichte Schulter zu nehmen, im Gegenteil, es zeigt Verantwortungsbewußtsein und kritisches Überdenken von Standpunkten. Wie lange diese Situation dauert ist unterschiedlich, die Einstellung kann sich recht schnell ändern.