immer noch so traurig *silopo

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von birgitsp 08.04.11 - 14:59 Uhr

Hallo Mädels,

ich hab hier die ganze Zeit immer nur mitgelesen, ab und zu mal irgendwo geantwortet, aber auch das hat mir total geholfen. Erstmal danke dafür!

Meine MA in der 10. SSW ist jetzt etwas über fünf Monate her, und ich bin immer noch so traurig. Mir fehlt mein Mäuschen echt bei allem, was ich tue... Ich versuche, im Job zu funktionieren, muss allerdings viel denken und kreativ sein, ist daher extrem schwierig, weil meine Gedanken immer und immer wieder abschweifen... Ich ertrage keine Schwangeren (ganz toll, wenn man in einer Frauenklinik arbeitet), und ich denke mit Horror daran, die Schwangeren im Bekanntenkreis zu sehen... ich hatte, als ich schwanger war, denen mit langjährigem Kinderwunsch gegenüber echt ein schlechtes Gewissen, aber andersrum kennen die jetzt ja nix.... Und ich fühle mich dabei so schlecht, so neidisch zu sein...


Ist es echt wahr, dass die einzige funktionierende Therapie eine neue Schwangerschaft ist, wie´s so viele sagen...?!?! Ich hab´s ja nie glauben können, aber es scheint doch so... bin mit 38 halt auch nicht mehr die Jüngste...

Für´s normale Umfeld ist das alles ja viel zu lange her, um noch traurig zu sein. Und da mein Freund und ich ne Fernbeziehung haben, bin ich unter der Woche halt auch oft abends alleine und kann grübeln. Und am WE versuche ich dann, halbwegs gut drauf zu sein, damit wir wenigstens was von der wenigen Zeit haben, die wir zusammen haben.... das ist alles so schwierig....

Geht / ging es Euch auch so, oder ist das völlig übertrieben??? Wie habt Ihr es geschafft, den Schmerz im Alltag zuzulassen und irgendwie zu integrieren.... ohne dabei ständig zu weinen???

sorry für das lange #bla aber vielleicht kann mir ja jemand zumindest sagen, dass ich nicht völlig bescheuert bin, weil es mir noch immer so geht... damit wäre mir schon geholfen :-)


Fühlt Euch alle #liebdrueck
Birgit

Beitrag von almararore 08.04.11 - 15:43 Uhr

Liebe Birgit!

Ich denke nicht, dass es übertrieben ist. Wir sind in einem Alter, in dem man sich mit dem Abschluss eines sehr wichtigen Themas befassen MUSS. Die Uhr tickt und die Fruchtbarkeit geht schön langsam verloren. Das ist eine der Fähigkeiten die uns einzigartig macht.
Ich denke wenn man dann noch nicht das Erfolgserlebnis einer Schwangerschaft mit Geburt und Baby im Arm hatte, dann wird es noch um ein Vielfaches schlimmer.

Wir reden oft über so viele belanglose Dinge aber viel zu selten gewähren wir einen Einblick in unsere Seele und holen uns Hilfe von anderen. Auch wenn Du am Wochenende für Deinen Partner auch funktionieren willst, finde ich das nicht gut. Ich würde ihm trotzdem sagen, dass es für Dich immer noch eine Katastrophe ist. Es ist ein wichtiges Thema und wir sind leider bald 40.

Lass Dich auch drücken #liebdrueck
Alex

Beitrag von forfour 08.04.11 - 15:48 Uhr

Hallo Birgitsp,

jeder hat sein Tempo und wenn man niemanden an der Seite hat mit dem man seinen Schmerz vernünftig ausleben kann dann dauert das schon mal länger wie bei anderen.
Aber ist doch egal oder? Sei's drum, leb das aus und schäm dich dessen nicht.
Mein Leid nach meinem 3 Abgang war so groß das mein Mann spontan sagte NIE WIEDER. Für mich brach damals eine Welt zusammen weil ich doch noch Kinder wollte. Glücklicherweise habe ich einen tollen Frauenarzt und hab das bei ihm angesprochen und er hat auch mit meinem Mann geredet, ihm klar gemacht das Frau da andere Gedanken hat.
Und Ja, ich glaube wirklich das es erst erträglicher wird wenn man ein Kind in den Armen hat. Ich hatte schon einen Sohn, litt trotzdem enorm. Du bist Kinderlos, dein Leid ist um einiges größer, da ist nix zum festhalten.
Verarbeitet habe ich 3 meiner Abgänge in einem Abschiedsbrief und danach kam dann endlich auch mein 2 Sohn zur Welt. Mit ihm und den weiteren Brüdern hat jeder Stern ein Leben bekommen und ich kann die Sterne jetzt bedeutend besser in mein Leben aufnehmen.
Weg geht der Schmerz wohl nie, es gibt Tage da ist mir das ganze ziemlich nah obwohl es doch so fern ist.

Lass dich nicht unterkriegen und tu dir selber mal den Gefallen deinem Partner am Wochenende zu sagen wie es dir geht. Manchmal hilft das doch und im Grunde muß er es gut verstehen können.

VG forfour

Beitrag von birgitsp 08.04.11 - 16:52 Uhr

Hallo Alex, hallo forfour,

Ihr habt wahrscheinlich Recht, dass es einfach egal ist, wie lange man braucht...
Und es ist ja nicht so, dass ich meinem Freund nicht sage, dass ich noch traurig bin. Vorletztes WE haben wir mal wieder ne lange Unterhaltung deswegen gehabt - und ich hab dabei auch geweint. Ihm ist das klar, und er hat sich auch echt immer bemüht, nachzuvollziehen, wie´s mir geht. Aber das kann er nicht so richtig, und wie alle Männer mag er helfen, aber es gibt nichts, was er helfen kann.... außer in den Arm nehmen...

Das mit dem Brief hab ich auch gemacht, und in dem Moment hat es mir auch geholfen. Ich hab, als es zwei Monate her war, einen Herzluftballon mit Abschiedsbrief steigen lassen, das war zwei Tage vor Sylvester, und da dachte ich, mit dem neuen Jahr wird es besser. Aber da hab ich auch gehofft, dass wir es schneller wieder versuchen, ein Baby zu bekommen, aber erstens war mein Zyklus bis Februar noch nicht wieder o.k., und zweitens mag er noch ein bisschen warten...:-(

So, jetzt mach ich mich mal auf dem Weg zu ihm - und stell mich in den Freitagabend-Stau:-)

Ich wünsch Euch ein schönes WE mit viel #sonne
LG
Birgit

Beitrag von nurina 08.04.11 - 20:59 Uhr

Ich kann es sehr gut nachvollziehen, meine AS ist morgen 17 Wochen her, wenn ich richtig gerechnet habe, ich hatte eine ELSS und wusste erst mal nicht, dass ich überhaupt schwanger bin. Es hatte lange, lange gedauert bis ich überhaupt schwanger wurde, der Kiwu war eigentlich abgeschrieben, durch die ELSS kamen aber nun wieder ganz andere Gedanken hoch und ich möchte es so gerne noch einmal erleben, werde dieses Jahr auch schon 39 und nun nur noch einen EL.
Habe das ganze irgendwie auch persönlich genommen, habe es auch bis heute noch nicht verarbeitet, habe regelrecht "Angst" davor, dass mir meine beste Freundin sagt, dass es bei ihr endlich geklappt hat, ich gönne es ihr wirklich von Herzen, aber es tut mir jetzt schon weh......
Ich hoffe, wir lernen damit zu leben und um zugehen.
Ich habe in letzter Zeit viel drüber geredet mit Arbeitskolleginnen und habe dort auch den einen oder anderen gefunden der ähnliches erlebt hat, das tat gut. Auch hier hilft mir der Austausch und das "Wissen", dass es man nicht alleine ist.

Viele Grüße
Nurina

Beitrag von winter2010 08.04.11 - 23:01 Uhr

Hallo,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ja, eine neue Schwangerschaft hilft etwas über den Großen Verlust hinweg. Weil man wieder etwas hat, auf das man sich so unendlich freuen kann. Meine FG liegt jetzt 8 Monate zurück, wenn ich daran denken muss, kommen mir noch ganz oft die Tränen. Schließlich hat man sein Baby verloren, aber mit der Zeit wird's besser. Mitlerweile bin ich sehr dankbar für die kurze Zeit die wir zusammen hatten. Ich bewahre sie wie einen wichtigen Schatz tief in meinen Herzen. Bin jetzt wieder schwanger, und wenn mich jemand fragt ob es mein erstes Kind ist, sage ich nein. Mir persönlich ist ganz wichtig das meine erste SS nicht vergessen wird.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und das auch du bald positiv testen darfst #blume