Erziehung. Unterschied zwischen Theorie und Praxis

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von alexma1978 09.04.11 - 11:19 Uhr

Guten Morgen,

neulich war hier mal ein Beitrag zur gesunden Ernährung. Bei mir gibt es schon eine Kluft zwischen meiner Vorstellung und meiner Umsetzung.

Ich finde z.B. selbstgebackenes Brot, frischgepresste Säfte, nachmittags gebackenen Vollkornkuchen etc. gut, schaffe die Umsetzung aber nicht. Daher gibt es morgens Vollkorntoast, nachmittags gekaufte Kekse und Obst.

Meinen Ansprüchen werde ich aber häufig auch in anderer Hinsicht nicht gerecht. Der Kleine steht häufig im Kiwa auf der Terasse, da mir die Zeit zum ausgiebigen Spaziergang fehlt. Gerade zur Abendbrotzeit bekommt er häufig seinen Schnuller als Stöpsel und seinen Spielbogen.

Mit dem Großen spiele ich zwar täglich, aber "pädagischwertvolle" Lernspiele und kreative Bastelarbeiten sind eher die Ausnahme. Wir lesen täglich, spielen, Duplo, Lego und auch oft Gesellschaftsspiele.
Er geht zwar auch täglich raus, häufig fahren wir schnell eine halbe Stunde Fahhrad, drehen eine kleine Runde zum Spielplatz oder bleiben auch mal nur im Garten.

Wie sieht es bei Euch aus? Sind meine Ansprüche zu hoch? Bin abends auch oft so ausgelaugt, dass ich nur noch aufs Sofa falle.

LG und einen sonnigen Tag!

Alexandra

Beitrag von schullek 09.04.11 - 11:30 Uhr

hallo,

ansprüche sind und gut und wichtig, wonach sollten wir sonst streben.
und ich bin mir sicher, dass es kaum eine mutter gibt, die all ihren ansprüchen immer gerecht wird.

ich achte sehr auf ernährung. und solange alles glatt läuft, werd ich auch meinen ansprüchen gerecht. aber werd ich krank, oder das kind, mann, steht ne prüfung an, tja, dann ansprüche ade! dann muss es auch mal anders gehen.
un das ist ok. prioritäten verschieben sich. man muss als mutter flexibel sein. trotzdem verliere ich meine ansprüche nicht aus den augen.

zu dienen beispielen: versuch das umzusetzen, was dir am wichtigsten ist. schau, womit du dir selber helfen kannst. ich beispielsweise kaufe mein brot nur bei einem bäcker. diese mahlt das korn erst kurz bevor er es verabreitet. also kaufe ich vor udn hab immer nen halbes im tiefkühlschrank. oder ich koche eine suppe für 2-3 tage. so haben wir mehr und lä#nger was davon. wirds nicht aufgegessen: einfrieren.

zum spielen: pädagogisch wertvoll ist nett, aber nicht das einzig wahre. wichtig ist, dass ihr etwas gemeinsam tut. und so wie du das beschreibst ist das der fall. mach dir also nicht so einen stress.

lg

Beitrag von anarchie 09.04.11 - 11:33 Uhr

Naja..

es gibt Dinge, die sind mir wichtig, wie das frischgebackene Brot und der Obstsalat zumnFrühstück eben;-)

Schnuller gibts hier nicht, weinen lassen auch nicht - dafür kann durchaus mal 2 stunden die Glotze laufen für die Großen...
Rausgehen ist immer drin, aber Garten reicht doch völlig aus!
Und wenn es mal garnicht passt gebe ich mich auch mit dem radfahren zur schule zufireden(morgens und mittags , 25 Minuten pro Weg, also hatten die Lütten und ich dann schon fast 2 Stunden:-))

ja, ich wäre gern geduldiger, bin ich aber nunmal nicht..
ich würde gern weniger verlangen, kann ich abernicht,
ich wäre gern begeisterter bei Rollenspielen - aber ich hasse sie und spiele sie auch höchst selten.
ich schaffe es auch nicht ganz ohe Drohungen (wenn, dann) und Strafen, obwohl sie nichts weiter als Machtdemonstrationen und schwachsinn sind(nicht zu verwechseln mit Konsequenzen, die ja sinnvoll sind) - DAS allerdings versuche ich stetig zu ändern.
etc...

dafür reden wir viel miteinander, lesen, toben, spielen Spiele, meine babys mussten nie weinen, alleine einschlafen oder Ähnliches und durften stillen solange sie wollten....das ist mir unglaublich wichtig.
Die grundstimmung ist richtig , und darauf kommt es mir an.
Ebenso wie bei der ernährung, es stimmt grundsätzlich, wa snicht heisst, dass Alles perfekt sein muss;-)

nein, es ist nicht Allesm wie ich es gern hätte,


Ich habe Prioritäten und da bin ich recht straight, andere sachen hätte ich war gern anders, abe rman kann nunmal nicht alles haben,..

grundsätzlich bin ich aber mit dem ergebnis zufrieden.
meine Kinder sind fröhlich, selbstbewusst und angenehm - sooo falsch kanne s also nicht sein;-)

lg

melanie und die 4 (8,7,3,1)

Beitrag von schullek 09.04.11 - 11:40 Uhr

"ja, ich wäre gern geduldiger, bin ich aber nunmal nicht..
ich würde gern weniger verlangen, kann ich abernicht,
ich wäre gern begeisterter bei Rollenspielen - aber ich hasse sie und spiele sie auch höchst selten.
ich schaffe es auch nicht ganz ohe Drohungen (wenn, dann) und Strafen, obwohl sie nichts weiter als Machtdemonstrationen und schwachsinn sind(nicht zu verwechseln mit Konsequenzen, die ja sinnvoll sind) - DAS allerdings versuche ich stetig zu ändern.
etc... "

hätt von mir stammen können :-)

lg

Beitrag von jule2801 09.04.11 - 15:20 Uhr

Ach Melanie,

lieben Dank für deinen Beitrag. So ähnlich ist es hier auch (wobei frischgebackenes Brot nicht zu meinen obersten Bedingungen gehört, dafür andere Sachen ;-) ).

lg Jule!

Beitrag von sunflower.1976 09.04.11 - 13:01 Uhr

Hallo!

Ich glaube, dass niemand seine Vorsätze immer und in jeder Situation durchziehen kann. Mütter sind auch nur Menschen und machen Fehler.

Beispiel von heute Vormittag: Meine Kinder haben am Maltisch gemalt während ich in der Küche den Tisch gedeckt habe. Normalerweise machen sie mit den Stiften keinen Blödsinn, auch nicht mein kleiner Sohn. Sie wissen eigentlich, dass sie nur auf ihrem Papier malen drüfen. Heute hat mein kleiner Sohn ganz flott am Regal gemalt und auch der Hose seines Bruders einen Strich verpasst. Mein großer Sohn kam an und sagte, dass sein Bruder ihn angemalt habe. Als ich rüberkam, entdeckte ich den Rest der Bescherung - und auch einen dicken Strick auf dem Pulli meines kleinen Sohnes - hinten auf dem Rücken wo er alleine ganz sicher nicht drankommt.
Normalerweise ermahne ich meine Kinder erst und kündige eine Konsequenz an, die dann auch durchgeführt wird, wenn sie den gleichen "Mist" nochmal machen. So bekommen sie eine zweite Chance und ich nuss meistens nicht viel schimpfen. Heute war ich aber so sauer, dass ich losgebrüllt hab und sie heute und morgen beide nur unter Aufsicht malen dürfen.

Es gibt Dinge, die mir wirklich sehr wichtig sind, z.B. täglich eine Mahlzeit frisch zu kochen oder viel mit meinen Kidnern zu spielen. Das Spielen - v.a. mit meinem großen Sohn, "übernimmt" meistens mein mann weil er selber mehr Spaß an Rittern, Lego & Co. hat als ich und dadurch mehr Ausdauer. Dafür lese ich mehr mit meinen Kindern oder spiele Brettspiele, wir backen zusammen usw. Manchmal ärgere ich mich abends, dass ich wiede rmal nicht so vile mit meinen Kindern gespielt habe, wie ich es wollte. Aber trotzdem beschäftigen wir uns viel zusammen.

Lg Silvia

Beitrag von woodgo 09.04.11 - 13:19 Uhr

Hallo,

ich finde, daß es mit der Förderung der Kinder heut zu Tage sehr übertrieben wird. Ich mache schon sooo viele Sachen, die meine Eltern nicht mit mir gemacht haben. Mit mir hat keine Mama Karten gespielt, keiner ist mit mir Rad gefahren, keiner hat mit mir gebastelt...dennoch ist was auch mir geworden;-)
Meiner Tochter geht es in der Hinsicht sehr viel besser, wir unternehmen viel mit Ihr, aber wenn die Zeit fehlt, fehlt sie einfach und auch das sollten die Kinder lernen, sonst ist man 24 h nur damit beschäftigt, dem Kind alles recht zu machen, das geht nun auch nicht.
Ein gesundes Mittelmaß und alles ist gut.

LG

Beitrag von espirino 09.04.11 - 13:41 Uhr

Hallo,

Gegenfrage:

Lernen Kinder, die tagein, tagaus bemuddelt, betuddelt und beschäftigt werden Eigeninitiative zu ergreifen? Aus sich heraus etwas zu bewerstelligen? Zu erforschen? Eigene Erfahrungen zu machen?

Man kann kein Kind am laufenden Band mit seinen eigenen guten Vorsätzen auf eine Schiene zwingen. Von daher gibt es ja diverse Machtkämpfe. Was die Etern als sinnvoll erachten muß einem Kind noch lange nicht einleuchten. Von daher finde ich es nicht einmal verkehrt, wenn Eltern ihren Prinzipen nicht immer treu bleiben (können). So lernen beide, daß die Welt nicht aus einem richtig oder falsch besteht, sondern aus einem gesunden Mittelmaß und miteinander gefundenen Kompromissen.

Kinder denen es an absolut nichts mangelt werden meines Erachtens nach auch nie lernen mal aus "Scheiße" Bonbons zu machen. Verstehst schon wie ichs meine.

LG Jana

Beitrag von alexma1978 09.04.11 - 15:16 Uhr

Hallo,

danke für Eure Antworten.

glaube aber übrigens nicht, dass man Kindern zuviel Zeit, Liebe oder Förderung geben kann. Auch Kinder, die viel Liebe erhalten haben, können schwierige Situationen meistern lernen (bzgl. des Bonbonkommentars)

Gruß,

A.

Beitrag von espirino 09.04.11 - 17:52 Uhr

Es kann auch ein zuviel an Liebe geben. Es kann ausarten. Wie gesagt, die Mischung machts, die Bedürfnisse des Kindes angemessen abschätzen zu können ist die Kunst.

LG Jana

Beitrag von zahnweh 09.04.11 - 17:08 Uhr

Hallo,

Ideen habe ich viele und auch gute. Allerdings prüfe ich sie auf Umsetzbarkeit und achte auch eine Grundlinie die mir wichtig ist. Alles andere ist Bonus obendrauf ;-)

Gesunde Ernährung finde ich wichtig!
Wenn ich aber Fieber hab und mein Kind fit ist, gibt es auch mal TK-Pizza aus der Mikrowelle oder was vom Lieferservice.

Nicht ideal. Da ich im gesamten aber auf gesunde und ausgewogene Ernährung achte, darf das auch mal ohne schlechtes Gewissen sein.

Frisch gepresste Säfte sind lecker. Aber ich vertrage kein Obst. Mein Kind liebt Obst. Wir trinken fast nur Wasser und ab und zu mal gekaufte Säfte für sie. Obst gibt es auf die Hand (ich in Mini-Mengen).


Brot selbstgebacken habe ich auch schon. 1x. Sonntags. Regen. Kind war beschäftigt und fand es toll, wie der Teig gewachsen ist. Ansonsten geh ich zum Bäcker. Der backt auch frisch und ist teilweise sogar billiger als die Brotpackungen, die grauselig schmecken.
Und ob ich es vom Bäcker (noch warm) kaufe oder selbst mache? Der Unterschied liegt darin, dass ich mehr Zeit für mein Kind über habe. Was mir derzeit wichtiger ist.

Ja, wir spielen sehr viel. Lotti Karotti und anderes Plastik-Brettspiele. Haba finden wir beide seeeeeeeeeeeeeeeeeehr langweilig. Pädagogsich wertvoll? Nun ja. Sie sind aus Plastik und haben keinen Stempel. Aber die Tatsache, dass wir beide lachen, Spaß haben, beim Spielen reden, sie Regeln lernt, wir über Regeln verhandeln, Feinmotorik und Geduld geschult werden... ist mir lieber als ein Langeweile Spiel, das wir beide gefrustet anschauen, uns angiften, weil wir beide keine Lust drauf haben und es nicht erwarten können bei der Bücherei zurückzugeben. Einziges Plus an dem Spiel: "pädagogisch wertvoll" steht auf der Packung und das Material ist aus Holz :-p


Spaziergänge habe ich mit meiner einen viele gemacht - wenn wir Freunde unterwegs getroffen haben. Sonst stand der Kiwa auf der Terrasse und ich hatte sie im Blick. Meinem Kind war das völlig schnuppe. Sie hatte frische Luft, was zum schauen und gluckste vor sich hin.
Seit sie Laufen kann, ist unser Hauptziel Spielplatz. Und wenn nicht, tut es unser Garten auch. Besser gesagt, eine Kiste mit Sand.


Schnuller hatte sie gern. Meine fand ihren Schnuller toll. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, weil ich merkte, dass sie ihn gerne hatte. Ansprache und Trost und getragen werden hatte sie auch mit Schnuller. (den sie mir übrigens freiwillig gegeben hat später).
Ich achtete auf ihre Signale: wann sie Action wollte und wann sie lieber liegen wollte und ihre Ruhe haben. WO das war, ist ihr auch heute noch relativ egal. Wenn Mama dabei ist, passt das schon. (oder eine andere Bezugsperson).

Zusammengefasst:
ich richte meine Ansprüche nach dem, was mein Kind BRAUCHT und nicht nach dem, was ich machen KÖNNTE, weil es noch toller ist. So lange es meinem Kind gut geht (körperlich seelisch) und ich meine Grundlinie an Ansprüchen halte, passt das schon.

zur Grundlinie gehören
- ausgewogene Ernährung (90% gesund, 10% schlemmen und sündigen)
- viel rausgehen (wohin ist zweitrangig)
- viel Bewegungsmöglichkeiten bieten (so gut es geht)
- mit ihr Spielen und mich mit ihr beschäftigen (was ist zweitrangig, Spaß sollte es machen dann lernt man automatisch viel dabei)
- an andere Personen verteilen, was ich nicht mit ihr machen mag (Basteln -> Kindergarten, Rollenspiele -> andere Kinder)
- andere Kinder zum Treffen ermöglichen
- Interessen ermöglichen und weiterzuentwickeln lassen (momentan Mama beim Haushalt helfen; Mini-Judo)

Es muss nicht perfekt sein, sondern machbar. Lieber von allem ein bisschen weniger, aber dafür gut/sehr gut. Statt eines perfekt und dann keine Kraft mehr für den Rest.

Nicht nur das Essen sollte ausgewogen sein. Auch meine Kräfte wollen ausgewogen verteilt werden ;-)

Beitrag von kanojak2011 09.04.11 - 21:01 Uhr

Es klingelt nach einer normalen Mama, die versucht zwei Kids zu erziehen.

Ich hatte noch vor Schwangerschaft dermaßen hohe Ansorüche an mich und dann kam eins nach dem anderen, was es unmöglich machte. auch wenn ich dann bestimmte Sachen wollte, gings eben nicht. Damiz zurecht zu kommen und sich zu versöhnen ist/war sehr schwer. Und so entwickelte sich eine neue Strategie ,,zu überleben´´. was du nicht schreibst, ich war gegen Fernseschauen..kenne die offizellen Empfehlungen und manchmal passiert es, dass ich fast vors Fernsehen ,,setzte´´..es ist immer noch ausgeählter Mist, weil wir eine tolle DVD Sammlung haben aber immerhin..

Die ansprüche an sich selbst und Realität..da ist keine Kluft, da ist ein Graben, eine andere Welt.. es kotzt mich manchmal so an. Manche Sachen gehen aber nicht, weil ich sehr schlecht gesundheitlich drauf bin und wie du schreibst...abends ausgelaugt..jetzt schlief ich bei ihr ein ,wie k.o. ich bin und gleich geht es sofort weiter..

Ich habe umdefiniert. Ich will, dass sie glücklich ist.

Sie hat letzte Woche mit balett angefangen. Wir erzählten ihr davon und sie war 14 Tage kaum zu halten. Dann leif sie als jüngste darein, wie ein ADHS Kind..so viel Energie und Freude..ich wünsche ihr sehr viel von solchem momenten...fördern, fordern...joooo...

mein Baby liegt auch im kiwa auf der Terasse und ?

Jeden Tag versuche ich Stückchen mehr von dem was an sich nicht geht...