Mathe stehe auf dem Schlauch, bitte Hilfe !

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Forum: Kids & Schule

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Beitrag von ameliefranzilein 09.04.11 - 11:28 Uhr

Hallo,

mein Sohn geht in die 3. Klasse und ich habe mit 2 St. Mathe Textaufgabe Probleme. Ich habe das Gefühl die Angaben im Buch sind nicht vollständig, vielleicht könnt Ihr mir sagen ob man das so rechnen kann oder nicht.

1. Aufgabe

Timos Schwester ist eine tolle Leichtathletin. Mit einem Anlauf von nur 10 m kann sie 5 m weit springen. Wie weit kann sie springen, wenn sie den Anlauf auf a) 20 m verlängert b) 30 m verlängert.

Mal abgesehen davon dass die Angaben total unrealistisch sind, es springt ja keiner so weit. Ich bin der Meinung ich kann auch einen km Anlauf nehmen und springe deshalb auch nicht weiter. Ansonsten würde ich denken mit 20 m Anlauf springt sie 10 m und mit 30 m Anlauf 15 m.

Was meint Ihr dazu???


2. Aufgabe

Das Stachelschwein Julchen hat in den ersten 3 Jahren 10 kg zugenommen. Im 4. Jahr hat es 2 kg zugenommen.
a)Wie viel wiegt Julchen jetzt?
b) Wie viel wiegt Julchen etwa in 10 Jahren.

Auch diese Aufgabe ist total unrealistisch. Da steht 10 kg zugenommen, fehlt da nicht die Angabe was das Tier bei der Geburt gewogen hat, damit ich die 10 kg dazurechnen kann? Wenn man zugenommen hat muß ja ein Ausgangsgewicht da sein.
Zu b) soll man da jetzt pro Jahr immer 2 kg dazurechnen, oder wie??


Irgendwie stehe ich total auf dem Schlauch, ich meine das ist 3. Klasse also bitte keine komplizierten Formelrechnungen, aber ich bin der Meinung, das man diese Aufgaben nicht lösen kann.

Mein Sohn soll für eine Mathearbeit zuhause üben, soweit ist auch alles klar, nur auf der Seite stehen eben auch diese beiden Aufgaben, die so gar nicht zum Rest passen und wo wir nichts mit anfangen können.

Meinem Sohn habe ich gesagt, er soll am Montag in der Schule nachfragen, aber ich wollte eben für mich sicher sein, das ich nicht zu kompliziert denke und es eigentlich ganz simpel ist.

Würde mich freuen, wenn ich ein paar Antworten von Euch bekommen würde.

mfg


Beitrag von lena10 09.04.11 - 11:50 Uhr

Hallo,

in guten Mathe-Grundschulbüchern findet man immer wieder mal solche "Kapitänsaufgaben".
Sie dienen dazu zu lernen, erst den Sinn einer Aufgabe genau zu erfassen, bevor man wild drauflos rechnet. Und richtig - solche Aufgaben kann man nicht lösen ;-). Die Lösung ist, dass man verstanden hat, dass es keine Lösung gibt.

Gruß, Lena

Beitrag von jazzbassist 09.04.11 - 12:46 Uhr

Also die klassische Aufgabe heißt hier: »Auf einem Schiff befinden sich 12 Ziegen und 10 Piraten. Wie alt ist der Kapitän?«

Je nachdem, wem Sie diese Aufgabe stellen, erhalten sie sehr interessante Ergebnisse. Zweit- und Drittklässler rechnen hier im Regelfall 12 + 10 = Der Kapitän ist 22 Jahre alt. Das zeigt einfach ein Problem von Sachaufgaben bei Kindern in diesem Alter. Die werden nicht gelesen/verstanden; sondern - da Zweit- und Drittklässler noch nicht so viele Rechenarten kennen, einfach mit den bekannten Rechenmethoden ausgerechnet. Weit mehr als die Hälfte aller Zweit- und Drittklässler würden diese »Wie alt ist der Kapitän?« fragen schlechtweg dadurch beantworten, in dem sie die gegebenen Zahlen verrechnen, und nicht, in dem sie versuchen, die Sachaufgabe zu lösen. Der Gedanke, dass diese Aufgabe nicht lösbar ist, haben die wenigsten Kinder in diesem Alter. Stellen Sie Kindergartenkindern eine ähnliche Rechenaufgabe, werden sie etwas ganz faszinierendes feststellen: die lassen sich da nicht veräppeln; die Rechnen diese Aufgaben einfach nicht aus.

Leider hat man beim Erfinden solcher Aufgaben in Mathebüchern nie berücksichtigt, dass die Eltern so etwas lesen könnten :-p Geschweige denn, dass die Eltern dann versuchen, dass einem Kind zu erklären oder zu lösen. Gewollt ist hier einfach, dass ein Kind diese Aufgabe ganz alleine löst; genau so, wie bei Knobelaufgaben gedacht ist, dass ein Kind ganz alleine knobelt und entweder zu einem Ergebnis kommt oder halt nicht. Entweder schreibt es da also hin »Wenn Timos Schwester 10m Anlauf nimmt und dann 5m weit springt, wird sie bei 20m Anlauf 10m weit springen« oder, es schreibt dort - in seinen eigenen Worten hin - warum es diese Aufgabe nicht lösen kann. Denn um diese Erkenntnis geht es. Und, die können Sie ihrem Sohn auch schlecht erklären - dass muss er von alleine durchschauen, sonst rechnet er die nächste »Wie alt ist der Kapitän?« Aufgabe trotzdem wieder aus. Eine Möglichkeit, dass zu lernen ist, dass direkt zu erkennen und mutig genug zu sein, zu schreiben, dass man das nicht lösen kann; eine andere Möglichkeit ist, am Montag im Unterricht mit der sicheren Erkenntnis zu sitzen, dass Timos Schwester in Aufgabe a) 10m und in Aufgabe b) 15m weit springt, aufzuzeigen, drangenommen zu werden, die Lösung zu präsentieren und dann eine »Überraschung« zu erleben. und erst dann kommt dieses #aha

Beitrag von abenteuer 10.04.11 - 10:32 Uhr

Interessant.
Das ist mal wieder ein sehr guter Beitrag von dir. Deine Antworten lese ich hier im Forum am liebsten. :-) Ich habe grade meinem 5 Jährigen diese Piratenaufgabe gestellt und er war gleich tüchtig am rechnen.

Sein erstes Ergebnis: 22. Er hat lange gerechnet. (Ich hab ihm dann gesagt, dass das falsch sei und ob er eine Ahnung habe weshalb)
Klar- antwortete er dann. "Die Ziegen zählen ja nicht. Also 10 Piraten + 1 Kapitän= 11"
Er war dann felsenfest davon überzeugt, dass der Käpitän 11 Jahre alt ist.

Natürlich hab ich ihm erklärt, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun haben kann. Er hat zwar genickt, doch ich werde demnächst anhand einer anderen Aufgabe mal testen, ob er es verstanden hat.
Ich bin mir nicht sicher, ob ihm wirklich ein #aha aufgegangen ist.
Du hast ja auch geschrieben, dass das Kind das alleine durchschauen muss.

Also auch mein Kindergartenkind lässt sich veräppeln!

Beitrag von luka22 09.04.11 - 15:47 Uhr

Ich frage mich auch, was das soll. Die "normalen" Aufgaben im Mathebuch sich nämlich in der REgel auch Konstrukte und nicht selten so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass nur weh tut. Wie soll denn der Schüler - dem man das sture Rechnen geradezu antrainiert - erraten, welche Aufgaben nur mäßig unrealistisch und welche geradezu völlig hirnverbrannt sind? Ich meine, wenn ein Schüler ausrechnen muss, wieviel cm² Geschenkpapier man für ein Geschenk mit den Maßen 73cmx15cmx43cm benötigt und wie viel mehr man benötigt, wenn eine pyramidenförmige Pralinenpackung mit h= 15cm und a = 15cm dazukommt, machen obige Aufgaben den gleichen Sinn, nämlich keinen.
Und woher soll ein Kind wissen, ob ein Stachelschwein nicht wirklich eine gleichmäßige und berechenbare Gewichtszunahme hat? Echt doof so etwas. Und für jüngere Kinder ist es geradezu logisch, dass man weiter springt, desto mehr Anlauf man nimmt. Die Schulbuchschreiber müssen sich bei diesen Aufgaben wirklich besonders intelligent vorgekommen sein #aerger.


Grüße
Luka

Beitrag von jule2801 09.04.11 - 17:22 Uhr

Hallo,

ich glaube ich wäre im ersten Moment überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass es gewollt sein könnte, dass eine Aufgabe nicht lösbar ist...
Wie blöd ist das denn!

lg Jule!