Gibt es wirklich einen Zusammenhang TV/AD(H)S?

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Beitrag von taenscher 11.04.11 - 22:03 Uhr

Hallo zusammen,

ich hatte eine Unterhaltung mit einem Bekannten, der der Ansicht ist, dass zuviel TV - ADHS fördert.
Er ist der Meinung, dass mehr als 30 Minuten einem Kind schaden. Es wirkt sich auf die Konzentration aus etc.
Nun, ich habe als Kind ziemlich viel Fern gesehen - und bei mir ist alles i. O.
Es muss ja nicht gleich für jedes Kind zutreffen - aber er ist der Meinung, dass meine Kinder (4 und 7) z. B. zuviel schauen.
Meine Kinder schauen beide am Abend ca. 45 Minuten bis 1 Std. Nicht täglich aber häufig.
Am Wochenende auch mal länger, z. B. bei einer Kinder - DVD schon mal 1,5 bis 2 Std. Und auch nicht jedes Wochenende!
Es gibt aber auch Tage, an welchen die Kiste aus bleibt.
Bin ich wirklich eine Ausnahme?

Wir sind täglich draußen zum Spielen. Beide Kinder gehen in den Sport. Wir haben viel Bewegung und sind sehr viel an der frischen Luft.
Meine Kleine z. B. würde ohne TV auskommen. Mein Sohn allerdings - eher - auf Dauer - nicht.

Wie ist eure Meinung dazu?

Beitrag von sillysilly 11.04.11 - 22:12 Uhr

Hallo

ich sehe da keinen Zusammenhang im Sinne von "Auslöser"

meine Freundin hatte ADHS und wurde mit Medikamenten behandelt - das war vor 30 Jahren und sie hat nicht Fernseh geschaut

ich habe Kinder im Kindergartenalter kennengelernt die ADHS und ADS hatten und es kam nicht vom Fernsehen

aber ich glaube, daß best. Kinder auf Fernsehen besonders anspringen, unruhig werden oder aufgepuscht werden.
also daß z.B. für ein sehr unruhiges Kinder Fernsehen wirklich negative Auswirkungen haben kann


Meine Kinder schauen wenig fern - sehr gezielt - sehr ausgewählt und nicht regelmäßig
Erstens will ich ihre Erwartungshaltung nicht fördern ........ denn dürften sie mehr würden sie auch mehr wollen .........
Zweitens kann meine Große kaum Spannung aushalten, d.h. schon ein Kinderfilm ohne Altersbeschränkung ist in der Regel zu spannend für sie - sie wird sauer und wütend weil sie die Spannung nicht aushält
Drittens sind meine Kinder nach dem Fernsehen oft unausgeglichen, weinerlich und wollen mehr sehen

Wir schauen auch am Wochenende eine DVD an, aber greifen eher auf die älteren Sachen zurück - Bullerbü, Michel, Pippi, ect.

Also
hängt total vom jeweiligen Kind ab


Grüße Silly

Beitrag von taenscher 11.04.11 - 22:38 Uhr

Ja, diese Filme schauen wir auch hin und wieder. Die finde auch ich noch toll.
Oder Klassiker - wie Heidi oder Märchen.
Meine Tochter schaut gerne Laura Stern. Die kann man auch gut dosieren, da eine Episode ca. 15-20 Minuten dauert.

Beitrag von sillysilly 11.04.11 - 22:45 Uhr

Hallo

also ich denke auch es kommt auf die Art des Filmes, der Serie an.

z.B. Lotta, Michel, Pippi, Pumuckl sind Filme zum entspannen, lachen und was fürs Herz
dagegen aber z.B. Sachen wie "Oben" - "Horton hört ein Huh" - Ice Age sind ja eher soft, aber schon an der Grenze und manchmal zu viel für meine Kinder -
normale Walt Disney Filme sind nur sowas wie Aristocats, Susi und Strolchi möglich- Cap und Capper war schon sehr an der Grenze
und was so an Serien gerade Zeichentrick kommt ist viel zu unruhig und hektisch für meine Kinder

Wir schauen auch Bilderbuch DVDs und so Sing- und Tanzgeschichten - die sind dann auch möglich wenn der Kleine mit rum turnt.

Grüße Silly

Beitrag von himbeere_11 11.04.11 - 22:12 Uhr

ob es einen Zusammenhang zwischen TV und AD(H)S gibt, weiß ich nicht. Für ein 4-jähriges Kind gibt es aber bestimmt besseres als knapp eine Stunde TV am Tag und ich persönlich finde das zu viel und es würde auch nicht in unseren Familienalltag passen.

Ich gebe auch zu, dass mir immer unklar ist, wie man jeden Tag eine Stunde Fernsehen einbaut aber trotzdem täglich draußen ist, Hobbies mit den Kinder pflegt und auch noch lesen, reden, Abendessen etc. in Ruhe machen kann. Bei uns fehlt einfach diese Stunde.

Beitrag von taenscher 11.04.11 - 22:28 Uhr

nun, es ist nicht immer Zeit für TV, wie bereits erwähnt. So wie heute z. B. Das Wetter war schön, wir waren bis zum Abendessen draußen. Da war dann für den Sandmann etc. keine Zeit mehr, weil es da schon Abendbrot gab.


Beitrag von jazzbassist 11.04.11 - 23:38 Uhr

Einen Zusammenhang zwischen Fernsehen und ADHS gibt es nicht. ADHS ist Sammelbegriff für eine psychische Störung, dessen Ursachensachen mannigfaltig sein können. Zu viel Fernsehen gehört da also nicht unbedingt zu den auslösenden Ursachen dazu.

Was aber stimmt, ist, dass zu viel Fernsehen sich negativ auf die Konzentration auswirken kann. Vor allem morgens, weil das Gehirn dann besonders viele Informationen aufnehmen kann und dies (kombiniert mit bunten Bildern aus dem Fernseher) vor allem beim jüngeren Kindern zu einer Reizüberflutung führt; und, diese kann sich dann für den Rest des Tages in der Tat negativ auf die Konzentration auswirken. Bei einigen Kindern kann sich auch das Fernsehegucken zu spät am Abend negativ auf die Konzentration auswirken. Das liegt daran, dass die meisten Kinder am besten schlafen können, wenn sie abends ruhig und langsam aus dem Tag ausklinken können; wenn sie zu »aufgedreht« ins Bett kommen, schlafen die entsprechend wesentlich unruhiger. Und, dieser unruhige Schlaf (also zu wenig schlaf) ist es dann, der sich am Folgetag schlecht auf die Konzentration auswirken könnten. Bei einigen Kindern führt halt das zu späte Fernsehegucken dazu, dass der Körper noch mal aufdreht, anstatt auszuklinken.

Wenn Ihre Kinder also z.B. morgens zu quengelig oder müde oder leicht abwesend sind, obwohl sie eigentlich recht lange geschlafen haben, würde ich einfach mal versuchen, dass Fernsehprogramm dann ein paar Stunden nach vorne zu verlegen und die Kids halt nicht mehr Abends sehen zu lassen. Denn Tagsüber ist Fernsehen - zumindest vom Gesichtspunkt der Konzentration bei Kindern - am harmlosesten. Aber - Sie können Ihre Kinder am besten Beurteilen; haben Sie denn ab und an das Gefühl, dass sich ihre Beiden z.B. ab und an schlecht konzentrieren können oder andere »Sorgen«, die in diesem Zusammenhang stehen könnten? Wenn nicht, scheinen ihre Kinder ja mit ihren aktuellen Regelungen sehr gut klarzukommen. Kinder können da halt ganz unterschiedlich sein.

Was die Länge vom Fernsehengucken bei Kindern angeht … also … sehen Sie Konzentration einfach als die Fähigkeit des Körpers, dem Gehirn Blut bereitzustellen. Das geschieht z.B. am besten, wenn man sich viel bewegt und Sport macht; auch bei Kindern. Je mehr die sich also im Alltag bewegen, desto besser wird dann u.a. auch die Konzentrationsfähigkeit sein. Sie können das in einem Haushaltsexperiment z.B. mal mit ihren Kindern testen. Spielen Sie am Wochenende, nachdem ihre Kinder dann mal eine DVD geschaut haben, mit ihren Kindern Memory, und merken sich einfach mal, wie viel oder wenig Schwierigkeiten die dabei haben. Und - wiederholen Sie das Experiment am nächsten Wochenende, nur, lassen Sie dann ihre Kids nicht eineinhalb Stunden Fernsehe gucken, sondern, eineinhalb Stunden im Garten rumtoben. Wenn Sie danach mit denen Memory spielen, werden sie wahrscheinlich feststellen, dass das ihren Kids viel leichter fällt. Das klappt z.B. auch mit den Hausaufgaben; dass können Kinder viel müheloser, wenn sie sich vorher draußen austoben konnten.

Ich denke aber nicht, dass, wenn ein Kind am Wochenende mal einen Film guckt, es dort irgendwelche Konzentrationsschwierigkeiten geben könnte. Auch nicht, wenn es ab und mal Nachmittags Fernsehe schaut. Von daher würde ich das einfach so laufen lassen, wie sie das bisher machen; wenn das bei ihren Kindern gut zu klappen scheint. Und, wenn sie dann doch mal feststellen, dass es dort später - z.B. in der Schule - Schwierigkeiten oder Probleme gibt, können Sie das immer noch umstellen und gucken, ob daran die Ursache liegt.

Ansonsten können Sie die Konzentrationsfähigkeit von Kindern aber auch ganz ganz toll und einfach fördern. Viel Abwechslung in den Alltag reinbringen; einseitige Ernährung vermeiden; Reizüberflutungen vermeiden; Schlafmengel vermeiden. Memory-Spiele sind ganz toll, um die Konzentration zu fördern; Geschicklichkeitsspiele (Mikado, Jenga und wie die alle heißen); Knobelspiele (Puzzle, Suchbilder); Mantras ausmalen. Ein Kind für ein Musikinstrument begeistern. Für die Konzentration sind am besten Musikinstrumente, wo die linke und die rechte Hand einen unterschiedlichen Rhythmus haben. Ganz klassisch wäre hier z.B das Klavierspielen und auch das Schlagzeugspielen. Wenn Sie ein musikalisches Kind haben, ist es auch ganz förderlich, Musikrätsel zu stellen. Z.b. den Pitch zu erkennen/erraten o.ä. Entspannungsübungen sind bei Kindern genauso hilfreich, wie bei Erwachsenen. Auch gut sind Balanceübungen. Bauen Sie einfach ab und am im Garten oder im Wohnzimmer einen Hindernissparkour auf; dass hilft der Konzentrationsfähigkeit von Kindern immens.

Die Grundlage für alle Denkvorgänge im Gehirn bleibt aber die Sprache. Auch hier kann man ganz viele tolle Sachen mit Kindern machen. Lassen Sie ihre Kids Abends, wenn Sie sie ins Bett bringen, einfach die Augen schließen und dann eine Geschichte erfinden. Lassen Sie die zu einem fremden Ort, zu einer fremden Welt Reisen und sich erzählen, was sie dort sehen, was sie dort hören, was sie dort Schecken, was sie fühlen, was sie dort riechen. Gerade Kinder mit viel Phantasie macht das Unmengen von Spass. Und - für die Konzentrationsfähigkeit wirkt das wie Doping. Ich denke, wenn man solche Sachen einfach immer mal wieder im Alltag einbaut, kann ein Kind auch ruhig mal nachmittags vor dem Fernseher sitzen und am Wochenende auch mal eine DVD schauen. Denn, dann wird es sich nämlich immer noch weitaus besser konzentrieren können als Kinder, die zwar kein Fernsehen schauen, aber, dafür dann halt den ganzen Tag ein Legoauto von links nach rechts schieben oder ruhig im Kinderzimmer sitzen.

Beitrag von taenscher 12.04.11 - 08:09 Uhr

Nun, meine Frage war allgemein, nicht auf meine Kinder bezogen.
Beide Kinder sind ausgeglichen, machen Sport, sind an der frischen Luft, etc. ;-) Ganz normal eben, zumindest meiner Ansicht nach. Für die Freizeit-Aktivitäten haben wir täglich ca. 4-5 Std. Zeit.
Nachmittags gibt es bei uns generell kein TV. Am Morgen schon 3x nicht. Ich spreche von abends - Uhrzeit 18.50 bis ca. 19.30.
Beide Kinder liegen um 20 Uhr spät. im Bett und bekommen tägl. 11-12 Std. Schlaf. Die Kleine auch mal länger (13 Std.)
Meine Tochter puzzelt mit 4 Jahren mit ca. 100 Teilen und ist sehr weit, was Ihre Entwicklung angeht (Sozialverhalten etc.) Das bestätigen auch die Erzieherinnen der Kita und mein Kinderarzt. Auch wenn Sie fast täglich den Sandmann schaut;-)
Mein Sohn ist 7. Er puzzelt zwar gerne, ist aber eher der "Aktive". Er tobt viel lieber, fährt Inliner oder Skate Board, BMX oder spielt Fußball bzw. verabredet sich mit Freunden und gehen zusammen auf den Spielplatz. Die Interessen sind unterschiedlich, er ist aber auch ein Junge. In der Schule kommt er gut mit, obwohl er der Kleinste bzw. der Jüngste in der Klasse ist. Ich mache mir also um meine Kinder keine Sorgen.
Ich bin durch die Aussage meines Bekannten irritiert, dass das heutzutage so verallgemeinert wird mit ADHS etc. und dass 45 Min. Fernsehen, angeblich dazu beitragen können.

Beitrag von delfinchen 12.04.11 - 09:12 Uhr

Hallo,

du schreibst es selbst ganz richtig:
45 Minuten Fernsehen KÖNNEN dazu beitragen, dass das Konzentrationsvermögen beeinträchtigt wird (bei noch längerem wird es wohl auch dazu beitragen) das heißt nicht, dass das generell so ist, wenn der "Rest" der Freizeit sinnvoll gestaltet wird.

Dennoch muss auch ich - ohne eine Studie benennen zu können - bestätigen, dass die Kinder immer weniger in der Lage sind, sich über einen längeren Zeitraum (30 min) auf EINE Sache zu konzentrieren. Das liegt meines Erachtens auch am Takt der Zeit, wie manavgat schreibt. Heutezutage wird sehr häufig Mehreres gleichzeitig gemacht: TV und Essen, TV und SMS-schreiben, Telefonieren und TV, .....
Wie müde und unkonzentriert die Schüler oft montags sind, wo man doch eigentlich erwarten könnte, dass sie sich am Wochenende erholen konnten, überrascht nicht, wenn man sich anhöhrt, wie ihr Wochenende dann aussah, mit TV/ PC-Konsum von bis zum 16 Stunden am Tag.

Grundätzlich aber bestätigt ein namhafter Gedächtnisforscher, dass TV-Konsum vor 6 Jahren mehr schadet als nützt, auch wenn es ausgwählte Sendungen sind. Auch für Schulkinder empfielt er nicht mehr als 2x in der Woche.
Ich habe da ein sehr interessantes Buch ("Wie Kinder heute lernen" von M. Korte) und ein Interview (von M. Spitzer) gelesen:




28th Januar, 2008
Fernseher und Computer schaden dem Gehirn, sagt der deutsche Psychiater Manfred Spitzer. Und erklärt, warum sie unsere Kinder dick, dumm und gewalttätig machen

Kürzlich hat sich Bill Gates aus der Computerbranche verabschiedet. Sind Sie erleichtert?

Bill Gates ist ein ganz cleverer Mensch, der sehr viel Geld mit Computersoftware verdient hat. Ob diese gut ist oder schlecht, bleibe dahingestellt. Auf jeden Fall hat er keine Ballerspiele entwickelt. Sehr gut ist, dass er jetzt einen Grossteil seines Vermögens an die Menschheit zurückgibt für teure Projekte, die sonst niemand betreibt – etwa die Verminderung der Säuglingssterblichkeit in Afrika.

Immerhin hat Bill Gates dafür gesorgt, dass Computer die Schulen erobert haben. Liest man Ihre Bücher, gewinnt man den Eindruck, dort seien Computer des Teufels.

Des Teufels ist weder der Computer noch der Fernseher. Das hängt immer von dem ab, was man damit macht. Wenn Sie einmal pro Woche eine gute Sendung sehen, ist Fernsehen sicher nicht schädlich. Und wenn Sie den Computer als Werkzeug benutzen, ist das überhaupt nicht schlecht. Wenn Sie aber ein kleines Kind zu oft an den Computer heranlassen, wirkt das wie eine Einstiegsdroge: Sie fixen es geradezu an. So ein Kind wird mit dem Computer irgendwann auch ganz andere Dinge tun. Zumindest bei uns in Deutschland ist es ein grosses Problem, dass sich die wenigsten Eltern bewusst sind, was ihre achtjährigen Kinder am Computer tun: Die Buben ballern und laden sich vom Internet verbotene Sachen runter, die Mädchen chatten, wer weiss mit wem.

Sie sagen sogar, dass der Computer das Lernen beeinträchtigt.

Auf jeden Fall. Früher haben die Buben wenigstens ein bisschen gelesen. Wenn man denen gesagt hat, sie sollten ein Referat halten, dann mussten sie ihre Nase in ein Buch stecken. Heute gehen sie in das Online-Lexikon Wikipedia und betätigen nur die Befehle «Kopieren» und «Einfügen» auf der Tastatur ihres Computers. Würden sie ein Buch nutzen, müssten sie den Inhalt ja von Hand eintippen. Das Schlimme aber ist: Sie lesen nicht einmal mehr, sondern halten Referate über Dinge, die sie nicht wirklich begriffen haben. Ausgerechnet in der Schule haben wir ihnen also das Lesen abgewöhnt.

Das hat doch nichts mit dem Computer zu tun, sondern vielmehr mit der Art und Weise, wie ein Lehrer seinen Unterricht gestaltet.

Man kann nicht immer alles auf die Lehrer abschieben – die haben genug zu tun. Wenn schon, müsste die Frage lauten: Wollen wir als Gesellschaft so viele Ressourcen in Computer stecken, die wir auch für mehr Stellen von Lehrern und Kindergärtnerinnen oder höhere Gehälter einsetzen könnten? Wir brauchen keine Computer, weder im Kindergarten noch in der Grundschule oder in der Sekundarschule. Meine Empfehlung lautet: Computer erst ab Oberstufe.

Aber Computer fördern die Motivation zum Lernen.

Nein, das haben viele Studien gezeigt: Kinder werden nicht besser, sie werden nicht schlauer, sondern eher verdorben. Das erzählen mir auch viele Lehrer. Amerikanische Schulen schaffen derzeit flächendeckend den Computer wieder ab. Nach sieben Jahren haben sie festgestellt, dass Computer gar nichts gebracht haben.

Und was empfehlen Sie für den Fernsehkonsum?

Ab Schulalter, aber nur ein- bis zweimal pro Woche. Auf keinen Fall routinemässig, denn das verbraucht Zeit, die man für Dinge nutzen sollte, die für die Kinder besser sind.

Sie behaupten, Gewalt am Fernsehen erhöhe die Bereitschaft zur Aggression. Andere Forscher bestreiten das aber.

Sie finden immer einen Professor für Medienpädagogik, der einen solchen Zusammenhang in Frage stellt. Dabei gibt es Hunderte von Studien, die beweisen: Gewalt im Fernsehen führt zu mehr Gewalt. Das kann man inzwischen nicht mehr bezweifeln.

Sie werden nicht müde, zu verkünden, Fernsehen mache nicht nur aggressiv, sondern auch dick.

Auch das ist bewiesen. 2005 hat das renommierte Fachblatt «Lancet» eine bemerkenswerte neuseeländische Langzeitstudie veröffentlicht. Darin wurden Kinder von ihrer Geburt in den Jahren 1972/1973 bis heute verfolgt. Ergebnis: Der Fernsehkonsum im Kindergarten- und im Jugendalter sagt voraus, ob die Kinder später – im Alter von 35 – dickleibig sind. Jeder sechste Dicke geht auf das Konto des Fernsehers. Rechnet man diese Daten für Deutschland hoch und berücksichtigt die Tatsache, dass Dickleibigkeit ein Risikofaktor für Herzinfarkte und andere Krankheiten ist, so lässt sich sagen: Der heutige Fernsehkonsum in Deutschland verursacht in 20 bis 30 Jahren 20 000 zusätzliche und vermeidbare Todesfälle – jährlich.

Wie kann denn Fernsehen dick machen?

Beim Fernsehen wird der Metabolismus so weit runtergeregelt, dass Sie weniger Energie verbrauchen, als wenn Sie gar nichts tun. Das hat damit zu tun, dass der Muskeltonus noch schlaffer ist, als wenn Sie nur sitzen. Wenn Kinder ihren Energieverbrauch also über Stunden drosseln und dann gleichzeitig essen – meist auch noch das Falsche – werden sie dick.

Und wie schadet das Fernsehen dem Gehirn?

Wenn ich einen Löffel gegen eine Tasse schlage, dann wackelt die Tasse, und es tönt entsprechend. Nur durch solche Erfahrungen lernen Kinder überhaupt, was ein Löffel ist und welche Eigenschaften Porzellan hat. Beim Fernsehen, und zwar unabhängig von der Qualität des Programms, wackelt eine Tasse am Bildschirm, und von woanders kommt irgendeine Klangsauce. Das Gehirn von ganz kleinen Kindern kann diese Informationen nicht zusammenbringen. Wenn das Akustische und das Visuelle nicht auf Millisekunden zusammenpassen, werden diese Eindrücke nicht richtig verarbeitet.

Aber das Gehirn kann doch unglaublich viel leisten.

Natürlich kann es das. Aber damit das Gehirn leistungsfähig wird, muss es sich erst einmal optimal entwickeln, und dafür braucht es den richtigen Input. Im ganz jungen Alter informieren sich die Sinne gegenseitig. Ein Baby erkundet die Welt mit allen Sinnen: Es sieht, hört, schmeckt, tastet gleichzeitig. Und wenn dem nicht so ist, dann werden in den Arealen des Gehirns, die sich zuerst entwickeln, weniger und unschärfere Repräsentationen der Welt abgelagert. Darauf aufbauend entstehen dann die komplexeren Hirnregionen. Wenn also die Informationen schon in den ersten Arealen unscharf sind, ist die ganze spätere Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt.

Mit anderen Worten: Fernsehen macht dumm?

Fernsehen im frühen Alter. Und nicht einmal wegen der Inhalte, sondern weil die Form dem Hirn nicht gerecht wird.

Bei welchem Mass von Fernsehkonsum kommen diese Effekte zum Tragen?

Bei Babys kann bereits eine Stunde pro Tag die Sprachentwicklung verzögern. Je mehr, desto schlimmer. Aber auch später wirkt sich Fernsehen negativ aus. Im Kindergarten ist der TV-Konsum der stärkste Indikator für die intellektuelle Entwicklung eines Menschen. Er entscheidet darüber, ob jemand später einen Universitätsabschluss machen wird oder nicht – und zwar unabhängig vom sozioökonomischen Status der Eltern oder von der Intelligenz der Kinder.

Womit sollen sich die Kinder denn beschäftigen?

Sie sollen rausgehen, sie sollen ein Instrument lernen, sie sollen Fussball spielen. Manche Medienpädagogen sagen, es sei doch besser, die Kinder ballerten vor dem Computer, als dass sie auf die Strasse gingen und dort Zoff machten. Da muss man sich doch an den Kopf langen! Das ist die Bankrotterklärung unserer Gesellschaft.

Nur eine Minderheit argumentiert dermassen naiv.

Ja, aber seltsamerweise sind gerade die rot-grünen Politiker am wenigsten dafür zu motivieren, sich in die Diskussion einzubringen. Sie sagen: «Alles bestens.» Das mag von einer falsch verstandenen Freiheitsliebe der Alt-68er herrühren. Dabei gibt es nichts Unsozialeres als Medienkonsum. Die Reichen können sich immer noch Reitstunden und Klavierstunden für ihre Kleinen leisten, die Armen hingegen nicht. Worüber wir hier reden, das betrifft vor allem die Unterschicht. Deswegen macht der Medienkonsum die Kluft zwischen oben und unten grösser. Aber nicht die Linken stehen auf meiner Seite, sondern die CDU. Das ist nicht zu verstehen.

Aber irgendwie müssen die Kinder doch den verantwortungsbewussten Umgang mit den Medien lernen.

Wie bringen wir Dreijährigen bei, verantwortungsvoll mit Zucker umzugehen? Wir verbieten ihnen den Zucker. Warum? Weil ihnen die Hardware im Gehirn fehlt, vernünftig zu handeln. Bei Ihnen und bei mir leuchtet die Lampe auf, wenn wir zu viel Zucker essen. Dreijährige haben diese Hardware nicht. Oder nehmen Sie vierzehnjährige Jugendliche. Bei Sex und Crime gucken die hin. Das liegt in deren Natur, genauso wie die Liebe der Dreijährigen für Zucker. Aber folgt daraus, dass Vierzehnjährige ohne Ende fernsehen dürfen? Nein. Wir dürfen dem Dreijährigen keinen Zucker geben und dem Vierzehnjährigen keine Bildschirme.

Ist es heute möglich, ein ganzes Leben lang ohne Computer auszukommen?

Ich glaube nicht, dass das sinnvoll ist – ich sitze ja auch den ganzen Tag vor dem Computer. Es genügt aber, wenn Menschen ab sechzehn Jahren damit arbeiten. Wir müssen die Kinder nicht an den Computer heranführen. In meinen Augen ist es wahnwitzig, welche absurden Argumente wir uns ständig aus den Fingern saugen, um die mediale Praxis zu rechtfertigen, die wir heute haben. Der Kinderkanal zum Beispiel hat die grösste Gewaltdichte aller Sendungen. Die grösste! Nach den Kindersendungen kommen die Nachrichten, Westernfilme sind dagegen ziemlich harmlos.

In den USA ist der Fernsehkonsum besonders ausgeprägt. Trotzdem sind sie die Wissens-Nation Nummer eins.

Das ist nur deshalb so, weil die Amerikaner sehr viele gute Leute importieren. Nur mit seinen eigenen Leuten wäre das Land längst nicht mehr Nummer eins. Als nach 9/11 strengere Vorschriften für ausländische Akademiker eingeführt wurden, ging ein Aufschrei durch die Unis. Denn ohne sie läuft dort gar nichts.

Fernsehen ist schlecht, Computer sind schädlich, beides verringert die Lernfähigkeit. Wollen Sie unsere Kinder zu Lernmaschinen degradieren?

Kinder sind von Natur aus optimale Lernmaschinen, da muss man gar nichts machen. Aber: Wir verderben sie; wir machen die Kinder kaputt.

Jetzt übertreiben Sie.

Nehmen wir das Fach Biologie. Eigentlich ist jedes Kind begeistert von Tieren und Pflanzen. Wenn Sie aber die Begeisterung der Kinder für den Biologieunterricht messen, dann stellen Sie fest, dass diese von der vierten Klasse an dramatisch abnimmt. Das heisst: Wir treiben den Kindern in der Schule das Interesse an der Biologie systematisch aus. Lernen hängt unmittelbar mit positiven Emotionen zusammen, wir sind nur glücklich, weil wir lernende Wesen sind. Unser Glückszentrum ist eigentlich ein Lernzentrum. Glück und Lernen hängen eng zusammen. Und wie nennen wir die Schule? Den Ernst des Lebens. Falscher geht es gar nicht.

Interview: Patrick Imhasly / Theres Lüthi
Quote:
Manfred Spitzer Fürsprecher des Gehirns
Wenn Manfred Spitzer auftritt, hängen die Menschen an seinen Lippen. Mit Leidenschaft kämpft der Hirnforscher und Psychiater gegen überbordenden Fernsehkonsum und das Vordringen von Computern in die Kinderspielzimmer. Er spricht schnell und ist nie um eine Antwort verlegen, wenn es darum geht, zu erklären, warum die digitalen Medien schlecht sind für die natürliche Entwicklung des kindlichen Gehirns.
Spitzer ist Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. 2004 hat er dort das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen gegründet, mit dem Ziel, Erkenntnisse aus der Hirnforschung in die Schule zu bringen. Im Februar erscheint sein neues Buch: «Liebesbriefe und Einkaufszentren. Geschichten aus der Nervenheilkunde

Liebe Grüße,
delfinchen

Beitrag von delfinchen 12.04.11 - 09:15 Uhr

Fernsehen verändert das Gehirn

Florian Rötzer 07.04.2004
Fernsehkonsum bei Kleinstkindern führt mit großer Wahrscheinlichkeit im späteren Alter zu Aufmerksamkeitsstörungen
Was die Medien mit unseren Gehirnen machen, ist schwierig herauszufinden. Dass häufige Aussetzung an Medien Gehirne jeweils auf bestimmte Art beeinflussen, dürfte aber unbestritten sein, auch wenn dies nicht notwendig auch auf inhaltlicher Ebene erfolgen muss, wie dies oft hinsichtlich etwa der Gewalt diskutiert wird. Nach einer neuen Studie, die in der April-Ausgabe Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde, scheint Fernsehen - wie vielfach vermutet - im frühen Alter zwischen ein und drei Jahren, wenn das Gehirn stark wächst und neue Synapsen bildet, zu Störungen der Aufmerksamkeit zu führen.

Für ihre Untersuchungen benutzten die Wissenschaftler des Children's Hospital and Regional Medical Centre in Seattle Daten aus Langzeitstudien. Sie wählten über 1.300 Kinder aus, die 1996, 1998 oder 2000 sieben Jahre alt waren und bereits auf Aufmerksamkeitsstörungen (Konzentrationsschwierigkeiten, impulsiv, leicht ablenkbar, ruhelos und Probleme mit Obsessionen) befragt worden sind. 10 Prozent der Kinder hatten nach den Kriterien der Wissenschaftler Aufmerksamkeitsstörungen. Allgemein geht man davon aus, dass zwischen 4 und 12 Prozent aller Kinder in den USA unter der Aufmerksamkeitsstörung ADHD (attention-deficit/hyperactivity disorder) leiden.
Zudem wurden weitere Umstände berücksichtigt wie Geschlecht, Rasse, Alter bei der Geburt, Belastungen während der Schwangerschaft durch Alkohol/Nikotin, kognitive Stimulation, emotionale Unterstützung, Zahl der Geschwister, psychologische und sozioökonomische Situation der Eltern bzw. des alleinerziehenden Elternteils. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Zusammenhang der Zahl der durchschnittlich an Wochentagen und am Wochenende vor dem Fernseher verbrachten Stunden (0-16 Stunden) im Alter zwischen ein und drei Jahren und dem Vorhandensein von Aufmerksamkeitsstörungen im Alter von sieben Jahren.
Nach der Auswertung saßen die Kinder im Alter von einem Jahr durchschnittlich 2,2 Stunden am Tag vor dem Fernseher, im Alter von drei Jahren durchschnittlich 3,6 Stunden. Schaut ein Kind im Alter von einem Jahr eine Stunde länger Fernsehen, so nimmt auch unter Berücksichtigung der weiteren Faktoren die Wahrscheinlichkeit um 28 Prozent zu, dass es mit sieben Jahren Aufmerksamkeitsstörungen aufweist. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch bei dreijährigen Kindern.
Die Auswirkung des Fernsehkonsums auf die Aufmerksamkeit wurde unabhängig vom Inhalt der Sendungen erfasst. Auch wenn manche speziell auf Kinder ausgerichtete Sendungen positive Effekte auf die Aufmerksamkeit haben könnten, so würden die allgemeinen Risiken für einen längeren Konsum vermutlich doch bestehen bleiben, meinen die Wissenschaftler. Eine Veränderung des Gehirns in dem frühen Alter, in dem zahlreiche neue Synapsen gebildet und so das Gehirn "programmiert" wird, wirkt sich nach Ansicht der Wissenschaftler erst später aus. Aufmerksamkeitsstörungen werden zumindest oft erst im Alter von sieben Jahren nach Schuleintritt auffällig. Für Dimitri Christakis, dem Leiter der Forschungsgruppe, bestätigt das Ergebnis Untersuchungen an Ratten:
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Wir wissen aus Untersuchungen von neugeborenen Ratten, dass die Architektur des Gehirns sehr verschieden aussieht, wenn man sie unterschiedlichen Ebenen von visuellen Stimuli aussetzt.

Nach Christakis empfiehlt es sich aufgrund der Untersuchungsergebnisse, zumindest in den ersten Jahren die Kinder vom Fernsehen fern zu halten:
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Die Studie legt nahe, dass es einen signifikanten und wichtigen Zusammenhang zwischen früher Aussetzung an das Fernsehen und darauf folgenden Aufmerksamkeitsproblemen gibt. Wir wissen aus nationalen Schätzungen, dass Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren am Tag durchschnittlich 2-3 Stunden Fernsehschauen und dass 30 Prozent aller Kinder in ihrem Zimmer ein Fernsehgerät haben. Man verlässt sich immer stärker auf das Fernsehen aus vielen Gründen. Eltern sollte jedoch angeraten werden, den Fernsehkonsum ihrer kleinen Kinder zu beschränken.


Grüße

Beitrag von manavgat 12.04.11 - 08:31 Uhr

Deine Kinder sehen eindeutig zuviel Fernsehen. Das führt in der Regel zu Reizüberflutung, Übergewicht, Unkonzentriertheit, Bespaßungsansprüchen. Es mag Ausnahmen geben, aber ich als Inhaberin eines Nachhilfeinstitutes kann dir sagen, dass übermäßiger Medienkonsum (dazu gehört auch der Nintendo/Spielkonsolenkonsum) zu Schulversagen führt.

Du bist eine andere Kohorte. Wieviele Programme gab es, als Du Kind warst? Hast Du auch mit 4/7 so lange vor dem Fernseher gesessen? Wann lief damals Werbung? - ich meine mich zu erinnern, abends mit Mainzelmännchen/Onkel Otto. Kannst Du das vergleichen?

AD(H)S hat zugenommen. Es liegt auch daran, in welchem Takt wir leben. Da ist die Reizüberflutung sicher eine Art Katalysator. Zumindest empfinden wir Lehrkräfte das so, ich kann aber keine Studie benennen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von fidirallalla 12.04.11 - 09:04 Uhr

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwiscen TV und ADHS, aber nicht so wie angenommen oder im Posting eröffnet.

Um gleich mit 3 der beliebtesten Vorurteile aufzuräumen:

1.) ADHS kommt nicht vom Fernsehen
2.) ADHS kommt auch nicht von schlechter Erziehung oder dass Eltern sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern
3.) ADHS kommt auch nicht davon, dass Kinder zu viel Phosphate in der Ernährung haben und das Gezappel besser wird, wenn man nur die abgepackte Salami weglässt.

Jetzt habe ich gleich mal mit 3 Gerüchten zu diesem Thema auf einmal aufgeräumt *hurra! Es war mir ein Bedürfnis.

Ich habe ein Kind mit ADHS und muss sagen: je mehr er in der Natur ist, in der Stille, eins mit sich basteln kann und Ruhe hat und einen geregelten Ablauf und das, was die Kinder früher so hatten oder nicht hatten (Garten, Schaukel, Sandkasten, Blätter, Kastanien sammeln und Männchen daraus bauen) - wenn das für ihn alles möglich ist, dann geht es ihm - und mir auch - gut.

ADHS bringt uns daher auf das Thema "Sternenkinder" oder "back to the roots". Das was früher gut war, brauchen diese Kinder. Sie wehren sich gegen alles Künstliche, Falsche und Unechte.

Es ist jedoch erwiesen, dass zu viel Fernsehen - egal ob bei ADHS Kindern oder bei gesunden Kindern generell an Reizen "reinhaut" und dass AD(H)S'ler vermehrt auf TV, Nintendo etc. fixiert sind und es wollen. Mein Kind hat mir das mal so erklärt, als ich die Krise kriegte und schimpfte, weil er beim Hausaufgaben machen Kassette hören wollte, dass ihn das gleichmäßige Reden / Hören / Flimmern etc. beruhigt.

ADHSler brauchen immer den "Kick" und "Spannung" und lieben es, in fremde Welten einzutauchen. Bei uns wird deshalb abgewechselt zwischen "Erfahrungsfeld der Sinne" und "High Tech".

Bei uns gilt: maximal 2 Sendungen TV täglich, die vorher ausgesucht werden, dann keine Diskussion, sonst bleibt am nächsten Tag der Fernseher aus. Maximal 30 min Nintendo täglich (in der warmen Jahreszeit sind wir eh meist draußen) und der Fernseher oder der Nintendo liegen staubig bei uns im Eck.

Beitrag von taenscher 12.04.11 - 09:46 Uhr

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich früher bereits im Grundschulalter mit meinen Eltern Dallas/Denver Clan und Aktenzeichen XY geschaut habe. Auch die typischen Kinderserien wie Heidi usw.
An Musikvideos kann ich mich auch erinnern. Dazu habe ich nämlich getanzt. (Madonna kam da gerade auf den Markt;-))
Wir hatten früher keinen strengen Tagesrythmus. Auch am Abend, gab es keine feste Zeiten.
Ich war als Kind viel draußen, habe täglich mehrere Stunden Sport gemacht (Ballett, Tanzen, Kunstturnen). Am Wochenende waren wir viel auf Turnieren oder auf dem Fußballplatz (großer Bruder).
Ich kann mich sehr gut an meine ersten Computerspiele erinnern. Pac Man usw. (Atari) Wir haben als Kind in den Gaststätten Flipper gespielt und da hat keiner daran gedacht, dass es irgendwie schädlich sein könnte. Meinen Bruder und mir hat es auch nicht geschadet. Wir haben beide einen sehr guten Werdegang.
Ich kann eben nicht bestätigen, dass es da einen Zusammenhang gibt, da die meißten Kinder in meinem Bekannten- und Freundeskreis weitaus mehr TV fernsehen als meine.
Es wird sich im Forum wohl kaum einer melden, der sagt, dass die eigenen Kinder, stets vor dem TV sitzen........
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Großteil der Kinder ein Abendprogramm schaut (oder teilweise noch mehr).
Gruß Taenscher

Beitrag von maischnuppe 12.04.11 - 09:43 Uhr

Wenn meine Tochter zuviel TV schaut, wird sie agressiv und müde.

Beitrag von taenscher 12.04.11 - 09:47 Uhr

Was verstehst du unter zuviel? 30 Minuten oder 3 Stunden?

Beitrag von maischnuppe 12.04.11 - 09:56 Uhr

Das "zuviel" ist tageslaunenabhängig. 30 Minuten sind vollkommen OK. Manchmal auch ne Stunde. Aber ein Film, der über 1 1/2 Std. geht kann schonmal zuviel sein. Mal so, mal so. Wobei ich eh nicht der TV Freund bin und selbst wenig schaue.

Beitrag von taenscher 12.04.11 - 09:58 Uhr

Ich selbst schaue auch so gut wie kein TV. Hatte auch als Single jahrelang keinen.
Das hat sich ganz schnell geändert, als ich mit meinem Mann zusammengezogen bin. #schein

Beitrag von marion2 12.04.11 - 10:51 Uhr

Hallo,

Fernsehen verstärkt die Symptmome von ADHS deutlich. Noch klarer wird ein Zusammenhang, wenn man den Kindern beim Fernsehen Zucker gibt.

Gruß Marion

Beitrag von goethes-erbin 12.04.11 - 11:22 Uhr

Nein, gibt es nicht.

"Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ist nach derzeitigem Stand (2005) ein multifaktoriell bedingtes Störungsbild mit einer erblichen Disposition, welche die Ausbildung der Krankheit begünstigt.[2] Auf neurobiologischer Ebene wird es unter anderem als striatofrontale Dysfunktion erklärt. Für den Verlauf und die individuelle Ausprägung spielen daneben psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen eine wichtige Rolle.

Wiki


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Von einer Striatofrontalen Dysfunktion (auch: Fronto-striatale Dysfunktion) spricht man in den Neurowissenschaften bzw. in der Hirnforschung, wenn Funktionsstörungen bestimmter neuronaler Regelkreise vorliegen, deren wesentliche Bestandteile das Striatum (ein Teil der Basalganglien) und das Frontalhirn sind.

Die betreffenden Regelkreise haben einen elementaren Stellenwert für die Funktion des frontalen Teils der Hirnrinde (Frontallappen) und somit für die sogenannten Exekutiven Funktionen. Sie sind wesentlich daran beteiligt, das Zusammenwirken von Motivation, Emotion, Kognition und Bewegungsverhalten neuronal zu realisieren bzw. zu steuern. Dysfunktionen (Funktionsstörungen) dieser Regelkreise führen zu einem Über- oder Unterangebot von Neurotransmittern (insbesondere von Dopamin und Noradrenalin) in bestimmten Hirnregionen und haben Störungen der genannten psychischen bzw. Verhaltensfunktionen zur Folge.

http://de.wikipedia.org/wiki/Striatofrontale_Dysfunktion


TV, Computer, Nintendo können ein "Suchtverhalten" auslösen und die Symptome verstärken.

Beitrag von turmmariechen 12.04.11 - 11:40 Uhr

Ich denke, der Alltag sollte ausgewogen sein. Und so beschreibst du es ja auch ... ich habe früher zB auch A-Team, ein Colt für alle Fälle usw geguckt ... das wäre heute undenkbar ... manches wird hier einfach zu sehr dramatisiert m.E. .

Beitrag von celia791 13.04.11 - 10:39 Uhr

Hallo,

dass sehe ich genauso. Der Alltag muss ausgewogen sein und es ist ja auch nicht jeden Tag, wo die Kinder fernsehen.
Unsere Kinder schauen auch nicht jeden Tag, aber wenn sie schauen, dann mache ich eine DVD sicherlich nicht nach 30min. aus und sage ihnen, dass sie den Rest den 1,5 stündigen Filmes morgen und übermorgen sehen dürfen.
Vor kurzem hat meine Grosse (6) meinen uralten Gameboy entdeckt, der funktioniert immer noch. Sie findet ihn toll und wir haben vereinbart, dass entweder fernseh geschaut werden darf oder Gameboy gespielt wird.
Ich selber habe als Kind auch besagte Sendungen gesehen. Als ich dann so 10 Jahre alt war, hatten wir sogar nur ARD/ZDF/WDR, da kam ja gar nichts.
Ich habe dann bei meinen Freundinnen geschaut, deren Eltern ein Restaurant hatten und somit keine Zeit, um zu überprüfen, wie lange und was wir schauen. Die Folge war, dass wir mit 12 Jahren abends Gruselfilme schauten und ab und zu mal in einen einschlägigen Film geschaltet haben, über den wir uns dann kaputtlachten.
Alles in allem sicherlich nichts, was ich meinen Kindern in dem Alter erlauben würde, aaaaaber ich kann mit Sicherheit sagen, dass weder meine Freundinnen und auch ich einen Knall hätten, oder dass wir fettleibig und faul geworden wären. Und wir haben wirklich viel geguckt. Im Gegenzug haben wir uns aber auch sehr viel an der frischen Luft bewegt, waren oft den ganzen Tag draussen unterwegs.

Also, ich denke, es wird heute zu viel Aufstand gemacht. Und dass hat den Grund, dass jeder meint, er müsste einen "perfekten" Menschen aus seinem Kind machen. Kinder haben Terminkalender, müssen zu bestimmten Zeitpunkten dass können, was auch das Nachbarskind schon kann etc. Klar sollte man schauen, dass nicht zuviel ferngesehen wird, aber ich finde, die Richtung, die die heutige Erziehung einschlägt ist einfach zu, ja wie soll man dazu sagen, durchgeplant?
Ich denke, dass das eher schädlich ist.

Lg Celia.

Beitrag von turmmariechen 13.04.11 - 11:33 Uhr

#pro

Beitrag von taenscher 13.04.11 - 17:10 Uhr

Meine Kinder haben die letzten zwei Tage auch kein TV gesehen. Das Wetter ist super, sie sind fast nur draußen.

Nein, eine DVD würde ich auch nicht nach 30 Min ten ausschalten.
So lange alles im Rahmen bleibt finde ich es auch in Ordnung.

Gut, dass sich hier auch andere melden.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Großteil es so handhabt wie wir und den Apparat nicht nach 30 Min. abgeschalen wird.