Ist es verwerflich so lange krankgeschrieben zu sein ?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von asile 12.04.11 - 09:09 Uhr

Hallo,

kurz meine Geschichte zur Einleitung:

Ich bin schon recht lang, seit Anfang Januar, krangeschrieben.
Habe einen Bandscheibenvorfall und diverse andere Rückenleiden.

Hab mich die letzten Jahre schon ziemlich doll damit rum gequält, mal mehr,mal weniger.

Arbeite als Erzieherin, viel bücken, heben, krumme Haltung, kleine Bestuhlung, alles was dazu beiträgt das Leiden zu verschlimmern.

Aktuell kommen und gehen die Schmerzen, z.T. auch taube Fußspitzen und kribbeln in den Beinen, die klassischen Symptome halt. Stehen länger als 10 Minuten ist nicht drin, dann kommen die starken Schmerzen und blockieren z.T. meine Bewegungen.

Ich bin nun eine ganze Weile zu Hause und muss sagen, dass es mir sehr gut tut, endlich komm ich langsam mal runter und finde zu mir.

Wir haben in den letzten Jahren sehr viel durchgemacht, einige Todesfälle in der Famile ( enge Angehörige ), Motorradunfall meines Mannes, dauern kranke Kinder ( in den letzten 5 Jahren, ständig krank,ständig Krankenhaus, hohes Fieber,kleinere Unfälle usw...). Manchmal finanzielle "Sorgen". Einen alten kranken Schwiegervater "zu pflegen" , berufliche Veränderungen von uns beiden, und und und....

Irgendwie hab ich grad das Gefühl als ob so langsam alles von mir abfällt.

Hatte nie groß Auszeiten in den letzten Jahre, hab bei beiden Kindern immer direkt nach einem Jahr wieder gearbeitet, war höchstens mal selbst krank zu hause oder eben wegen der Kinder,was kurze Schlaflose Nächte bedeutete.
Arbeite praktisch fast lückenlos seit 15 Jahren. Hab damals sogar nach der Geburt meiner großen Tochter noch mit ihr als Baby mein Examen geschrieben.

So und nun holt mich die Diagnose Bandscheibenvorfall praktisch runter und zwingt mich zu hause zu sein, aber dennoch beschleicht mich ein wenig das schlechte Gewissen.

Eine Kollegin rief gestern an, sie hat auch Rückenprobleme, geht aber weiter zur Arbeit. Irgendwie ließ sie durchklingen weswegen ich denn nicht auch käme.

Bei mir steht eventuell demnächst eine ambulante Reha an, ( Anträge sind raus). Da werd ich komplett neu "aufgebaut".
Bis dahin will ich mir die Zeit eigentlich nehmen, meinem Körper zu schonen, was zu hause sehr gut klappt.

Ich kann aufhören, wenn es mir zu viel wird, mache Pause und nehme mir bewusst Auszeiten, das könnte ich auf der Arbeit nicht. Ich weiß, dass ich dann nach wenigen Tagen direkt wieder flach liegen würde.

Aber was ist das ? Ist es schlechtes Gewissen ? Muss ich das haben ?
Bin ich ein " Kollegenschwein" weil ich mich aktuell nicht zur Arbeit schleppe ?

Bin gespannt wie ihr es seht ,
Gruß asile

Beitrag von manavgat 12.04.11 - 09:18 Uhr

Entweder, Du kümmerst Dich um Deine Gesundheit und machst die Reha. Dann bist Du irgendwann wieder gesund (hoffen wir doch) und wieder voll einsatzfähig.


oder


Du entschließt Dich, Dich sozialverträglich zu erschießen.

Frag doch diese bescheuerte Kollegin mal, ob sie das befürworten würde.

Ironie off.


Krankheiten suchen wir uns nicht aus.

Gruß

Manavgat

Beitrag von daniela0814 12.04.11 - 09:19 Uhr

Ich kann an Deinem Verhalten rein gar nichts verwerfliches finde. Du bist offensichtlich krank und da bringt es niemandem etwas, wenn Du Dich in die Arbeit quälst. Viel besser ist es doch, wenn Du nach Deiner Therapie wieder voll einsatzfähig bist.

Ich leite selber ein Team und würde nie jemandem für Krankheit ein schlechtes Gewissen einreden. Die Situation, die Du beschreibst, ist für Deinen Chef ja auch relativ gut planbar, man weiß, dass Du länger ausfällst. Ärgerlich wird es aus der Sicht immer nur, wenn wöchentlich eine Krankmeldung nach der anderen reinfliegt.

Dein Verantwortungsgefühl ehrt Dich, aber konzentriere Dich nun ganz auf Dich. Umso schneller wirst Du wieder fit. Und passiv-aggressive Kommentare von Kolleginnen würd ich mal ganz locker ignorieren ;-)

Alles Gute für Deine Therapie!

Beitrag von ninnifee2000 12.04.11 - 09:20 Uhr

Nein, du bist kein Kollegenschwein.

Ich hoffe, du kannst dich aufbauen lassen. Falls nicht und du eine Berufsunfähigkeitsversicherung hast, dann versuche, dich berufsunfähig schreiben zu lassen. Welchen Job sollst du machen, wenn du immer wieder starke Schmerzen im Rücken hast? Du kannst nichts Stehendes und nichts Sitzendes machen.

Nehme dir die Auszeit, die du brauchst!

Beitrag von bruchetta 12.04.11 - 09:21 Uhr

Ich kenne einige, die länger krank sind.

Eine Freundin von mir ist seit Anfang September 2010 krankgeschrieben (zur Zeit in Reha).
Ein Kumpel von mir ist seit Jahren fast durchgehend krank.

Dein AG hat dafür zu sorgen, dass Deine Kollegin Unterstützung bekommt, nicht Du!!

Beitrag von claus 12.04.11 - 11:21 Uhr

Hlo Asile,

bei meinem Sohn im KiGa war eine Erzieherin wegen einem Bandscheibenvorfall auch 6 Monate krank geschrieben.
Ich persönlich befürworte gerade bei solchen Krankheiten, daß die Leute daheim bleiben. Gerade als Erzieherin muß man auf kleinen Stühlen sitzen, Kinder heben etc. pp.
Ich persönlich wäre ehererbost darüber, wenn du vorschnell wieder einsteigst und meinen Sohn z. Bsp. beim Heben fallen lassen würdest.
Von dahr, kuriere dich aus, denn du hast als Erzieherin ein Haufen Verantwortung und deshlan sollte man da schon wieder fit sein.

Gute Besserung.


LG

Claudia

Beitrag von carrie23 12.04.11 - 11:39 Uhr

Nein es ist nicht verwehrflich.
Andere sind, überspitzt ausgedrückt, monatelang wegen eines Pickels auf der Stirn daheim DU hast da etwas ärgeres.
Mein Schwager hat extreme Probleme mit Lungen und Bronchien ( andauernd Lungenentzündung ) und ist auch wieder krank geschrieben.
Mein Mann hatte vor zwei Jahren einen Lungenkollaps und war auch 3 Monate krank geschrieben, blöderweise in einem Job wo es schnell zur Kündigung kommt aber jetzt hat er dafür einen besseren und wesentlich sichereren Arbeitsplatz.

Beitrag von fuxx 12.04.11 - 12:24 Uhr

Du bist kein Kolllegenschwein, sondern eine Frau - deshalb auch das schlechte Gewissen.

Es hat niemand was davon, wenn Du halbgesund wieder arbeiten gehst und danach den totalen "Zusammenbruch" erleidest.
Kurier Dich aus, Deine Gesundheit ist das Wichtigste, Deine Kinder brauchen eine gesunde Mami und keine, die irgendwann im Rollstuhl sitzt weil sie sich vor ganzer Kollegenfreundlichkeit kaputt gemacht hat.

Beitrag von sarahjane 12.04.11 - 15:11 Uhr

Ein Bandscheibenvorfall ist eine ernste Sache. Es ist NIEMANDEM damit gedient, wenn Du Deine Gesundheit riskierst.

Meine Mutter war wegen dem gleichen Leiden beruflich 9 Monate lang außer Gefecht gesetzt. Dafür ist inzwischen alles operativ behoben worden, sie ist wieder fit und gesund und kann ihrer Arbeit wieder gut nachgehen.


Gute Besserung!

Beitrag von woodgo 12.04.11 - 15:12 Uhr

Hallo,

was willst Du jetzt hören? Du heulst Dir doch selber in die Tasche. Mir würde es schlecht gehen, würde ich zu Hause untätig herumsitzen. Vielleicht hast Du einfach den falschen Beruf und solltest die freie Zeit nutzen, um Dir Gedanken über eine berufliche Umorientierung zu machen.

LG

Beitrag von woodgo 12.04.11 - 15:19 Uhr

.... ich meinte damit aber nicht, daß es verwerflich ist, daß Du wegen Deiner Krankheit so lange krank geschrieben bist, die solltest Du schon auskurrieren. Aber man sollte auch mit Freude in den Beruf zurückkehren können, daß klingt bei Dir anders...

Beitrag von asile 12.04.11 - 20:27 Uhr

Hallo,

wo liest du mangelnde Freude am Beruf raus ?

VG asile

Beitrag von myimmortal1977 12.04.11 - 15:23 Uhr

Es ist absolut nichts verwerfliches daran, länger krank geschrieben zu sein. Eine ernstere Erkrankung kann jeden Menschen zu jeder Zeit treffen. Und die Ärzte schreiben Dich ja sicherlich auch nicht aus Jux und Dollerei krank, oder?

Für Deinen Arbeitgeber und für Deine Kollegen wäre es sicherlich um einiges schwieriger, wenn Du z. B. 3 Tage arbeiten gehen würdest, dann wieder für 2 Wochen ausfällst, da nichts mehr geht und sich Dein Zustand verschlimmern würde. Dann kämst Du z. B. für eine Woche wieder, doch nach der einen Woche würdest Du merken, dass wieder nichts geht und lässt Dich wieder für 3 Wochen krank schreiben.... Das Spiel würde sich ja immer wiederholen und für Deinen AG wäre nichts wirklich planbar, für Deine Kollegen der wiederholte plötzliche Ausfall sicherlich eine größere Mehrbelastung in der Planung, als zu wissen, die kommt jetzt permanent über Wochen nicht wieder. Dafür und das hoffe ich natürlich sehr für Dich, irgendwann einmal wieder voll einsatzfähig in die Gruppe.

Man hört gerade im erzieherischen Bereich, dass die Krankschreibungen sehr lange laufen. Das spricht ja auch für die enorme körperliche und psychische Belastung, die dieser Beruf mit sich bringt.

Außerdem wäre Deiner Familie auch sehr wenig mit dieser Methode geholfen. Ggf. geht es irgendann so weit, dass Du Dich körperlich gar nicht mehr um private Belange kümmern kannst.

Dieses würde dann sicherlich, da Hilfe und Unterstützung auch fast immer einen finanziellen Mehraufwand mit sich bringt, finanzielle Probleme mit sich ziehen.

Kurz um, Du machst es schon ganz richtig. Gesundheit steht an aller erster Stelle und setzt alle anderen nötigen Dinge im Leben voraus!

Von daher..... Gucke lieber, dass Du richtig auf die Beine kommst und gehe dann wieder Deinen beruflichen Weg nach!

Ich kann Dir übrigens noch den Tipp geben.... Sollte die Krankschreibung noch sehr lange gehen und es ist so nach ca. 1 Jahr ersichtlich, dass Du noch länger ausfallen solltest, kümmere Dich so ca. ab 1 Jahr um eine Beantragung auf Erwerbsminderungsrente. Diese wird zuerst zeitlich eingeschränkt gewährt. Max. 3 Jahre am Stück.

Nach ca. 1,5 Jahren läuft das Krankengeld aus. Und dann würdet ihr aus finanzieller Sicht sicherlich erstmal dickere Backen machen....

Ich hoffe, Du bist die letzten 5 Jahre einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen und hast innerhalb der letzten 3 Jahre stetig Beiträge in die RV eingezahlt. Das ist Voraussetzung ab Antrag auf Erwerbsminderungsrente, um einen Anspruch geltend zu machen.

Dir alles Gute, Janette

Beitrag von asile 13.04.11 - 17:47 Uhr

Hallo Jeanette,

vielen Dank für deinen Tipp und deine Empathie, leider nimmt nicht jeder uns Erzieher so ernst.
Viele denken wir Erzieher machen ein wenig Ringel-Piep-mit -Anfassen und stehen ansonsten in Kleingruppen, kaffeetrinkend in der Ecke.

Ich werde den Tipp mit der Erwerbsminderungsrente im Hinterkopf behalten.
( Ich bin seit 10 Jahren fest angstellt im angeglichenem öffentlichen Dienst, alles abgedeckt was RV und sozialversicherungs Beiträge angeht).

Hoffe jedoch nicht ganz so lange ausser Gefecht zu sein, um darauf zurückgreifen zu müssen.

Vielen Dank und viele Grüße ,asile

Beitrag von sassi31 12.04.11 - 15:27 Uhr

Hallo,

lass dir kein schlechtes Gewissen einreden. Ein Bandscheibenvorfall oder "nur" Rückenschmerzen ist schon ein großer Unterschied. Es bleibt deiner Kollegin ja auch die Möglichkeit, sich krank schreiben zu lassen, wenn sie das für die Genesung benötigt.

Denk du erst einmal nur an dich und deine Gesundheit. Sieh zu, dass du wieder vernünftig auf die Beine kommst. Es dankt dir keiner, wenn du dich krank zur Arbeit schleppst. Ausbaden darfst du die Folgen ganz allein.

Gruß
Sassi

Beitrag von derhimmelmusswarten 12.04.11 - 16:40 Uhr

Wenn du krank geschrieben bist, und das über so einen langen Zeitraum, wird es schon seinen Grund haben. Kein Arzt schreibt so lange ohne Grund krank. Ich würde mir da kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Aber im Hinterkopf behalten, wie lange du Krankengeld bekommst und natürlich, wie sicher dein Job ist. Und dann alles an die Reha setzen.

Beitrag von asile 12.04.11 - 20:34 Uhr

Hallo,

ich danke Euch allen für Eure doch sehr freundlichen Worte.

Ihr habt natürlich alle recht, aber man grübelt trotzdem vor sich hin, wenn man hört ,dass sie andere zur Arbeit schleppen und man selbst zu Hause bleibt.

Ich meine ich kann für mich sicher am Besten einschätzen wann es wieder geht und wann nicht und sollte mir von anderen kein schlechtes Gewissen einnreden lassen.

Letzendlich ist wirklich niemandem geholfen, wenn ich wieder einsteige und nach wenigen Tagen komplett auf dem Boden krieche.

Ich hoffe nun auf eine bald beginnende Reha und darauf danach wieder fit zu sein.

LG asile