Krank oder Normal?

Archiv des urbia-Forums Kids & Schule.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von tinkerbell007 12.04.11 - 20:19 Uhr

Hallo,
bei meiner 9 Jährigen wurde vor einigen Wochen ADHS festgestellt. Aber hat sie es wirklich?
Eigentlich kann sie sich gut konzentrieren, ok, läßt sich auch relativ leicht ablenken, wenn etwas anderes intressanter ist.
Aber ist das nicht normal?
Sie ist super ehrgeizig, hoch intelligent. Leider auch sehr oberflächlich, liest nur die Hälfte und macht dadurch "dumme" Fehler.
Freundschaften kommen und gehen. Leider gehen mehr, als sie kommen.
Sie kann oberzickig und leider auch sehr aggressiv sein.
Mal läuft es gut, mal weniger.
Sie hat große Versagensängste.
In Gruppen kann sie sich fast gar nicht integrieren.
Sie ist ungeduldig.

Sind das alles Anzeichen für ADHS oder ist das normales kindliches Verhalten.
Wenn man mich fragt, ist es für mich normal. Der Arzt hat viele Tests gemacht, wobei das oben geschilderte heraus kam und meinte, sie hat ADHS. Er würde ihr neben Verhaltenstherapien auch Medikamente geben.

Ich bin mir total unsicher, ob ich das Richtige mache.

Habe mit der Lehrerin heute ein langes Gespräch gehabt, die meinte, dass die soziale Kompetenz bei ihr innerhalb der letzten 2 Jahre sehr viel besser geworden ist. Es war früher wohl noch schlimmer. Komisch, ist mir gar nicht so sehr aufgefallen. Sie war schon immer sehr anstrengend, hatte ihren eigenen Willen, aber für mich alles im normalen Bereich. Ich lebe ja auch schon 9 Jahre mit ihr.

Wie habt ihr gemerkt, dass ihr das Richtige macht?


Diesen Beitrag habe ich in einem ADHS-Forum gepostet. Jeder hat mir geantwortet, dass das typische Anzeichen für ADHS ist.

Gibt es auch "normale" Kinder, die so sind?

Oder ist das o.g. typische Anzeichen für die Krankheit?

Wahrscheinlich suche ich eine Antwort, die mir sagt, ich soll mich nicht verunsichern lassen, ich habe ein normales Kind, das einfach nur etwas tempramentvoll ist, aber alles im grünen Bereich.

Wie sind denn die "gesunden" Kinder? Sind sie nicht auch mal unkonzentriert?
Zicken mit ihren Freunden rum.
Wollen hauptsächlich im Mittelpunkt stehen.

Ist das nicht ein kindliches Verhalten?

Vielen Dank

Gruß
tinkerbell007

Beitrag von 3erclan 12.04.11 - 20:33 Uhr

Hiii

schau mal unter

adhs-anderswelt.de

Meine ist auch 9 Jahre alt und hat ADHS.
bei mädels wirkt sich das meistens anders ist wie bei den Jungs.

lg

Beitrag von lena10 12.04.11 - 20:48 Uhr

Hallo,

zuerst: Ob deine Tochter ADHS hat, kann dir hier niemand beantworten, dafür bedarf es mehr als einige Aussagen!

Ich finde allerdings, dass die Dinge, die du aufzählst, in dieser Häufung nicht "normal" sind.
Es ist verständlich, dass du willst, dass das alles "normal" ist (es ist dein Kind, du liebst es, kennst es nicht anders und willst natürlich auch nicht, dass irgendetwas "nicht normal" an ihr ist), welche Mutter würde das nicht wollen?

Ich unterrichte z.Z. eine dritte Klasse, also Kinder im Alter deiner Tochter.
Ich gehe jetzt mal deine Liste durch und vergleiche mit meiner Klasse:

"Eigentlich kann sie sich gut konzentrieren, ok, läßt sich auch relativ leicht ablenken, wenn etwas anderes intressanter ist.
Aber ist das nicht normal?"
Nein, in diesem Alter sollten sich die Kinder nicht immer LEICHT ablenken lassen!

"Sie ist super ehrgeizig, hoch intelligent. Leider auch sehr oberflächlich, liest nur die Hälfte und macht dadurch "dumme" Fehler."
Ehrgeizig: Ist Typsache, manche ja, manche nein.
Hochintelligent: Definiert als IQ>130. Ist das tatsächlich getestet?
Oberflächlich, s.o.: Kommt bei einigen Kindern vor, aber bei weitem nicht bei allen!

"Freundschaften kommen und gehen. Leider gehen mehr, als sie kommen.
Sie kann oberzickig und leider auch sehr aggressiv sein.
Mal läuft es gut, mal weniger."
Ebenfalls Typsache, aber auch nicht bei der Mehrheit der Kinder so. Sehr aggressive Mädchen finden sich in dem Alter tatsächlich eher selten. An unserer Schule gibt es keins. Zickig sind in dem Alter dagegen viele Mädels...

"Sie hat große Versagensängste."
Kommt bei den sehr ehrgeizigen Kindern häufiger vor.

"In Gruppen kann sie sich fast gar nicht integrieren."
Das ist ziemlich negativ zu werten. Kommt vor, ist aber zum Glück auch nicht "normal" in dem Alter.

"Sie ist ungeduldig. "
Auch Typsache und eher normal.


Du siehst, einzelne Eigenschaften können durchaus völlig normal in diesem Alter sein, aber wenn all diese Punkte zusammen kommen, ist ein Kind wirklich schon auffällig.

Gruß, Lena

Beitrag von zaubertroll1972 12.04.11 - 21:24 Uhr

Ich habe mit ADHS keine Erfahrung aber es würde mich interessieren warum Dein Kind darauf untersucht wurde.

LG Z.

Beitrag von tinkerbell007 13.04.11 - 06:50 Uhr

Hallo,
vielen Dank für die Antworten.

Mein Kind wurde vom Kinderpsychologen getestet, weil sie eben diese Agressionen hat. Wie gesagt nicht oft, aber sie sind da. Weil sie eben verhaltensauffällig ist. Das weiß ich, aber ich dachte eigentlich, eben nur auffällig.
Bei dem Test wurde ein IQ-Test gemacht, ein Depressionstest, Angsttest und noch weitere. Ging über 5 Tage. Nicht hintereinander.
Und dabei kam das Ergebnis eben heraus.
Sie ist nicht Hochbegabt. Sie ist hochintelligent IQ 127.

Wie ich schon geschrieben habe, habe ich meinen Thread auch schon in einem anderen Forum gepostet. Ein ADHS-Forum. Und da wurde mir bestätigt, dass das die gleichen Anzeichen sind, wie bei deren Kinder.

Habe hier gepostet, weil ich hoffte, dass mir eine "Normalo-Mutter" schreibt,: "dass ist auch bei meinem Kind so, aber alles ist gut."
Habe aber nun leider das Gefühl, dass das wohl nicht so ist.

Kämpfe mit mir, ob ich sie unter Medikamente setze oder nicht. Stehe leider damit alleine da. Meine Umwelt (Familie und Lehrerin) sind dagegen. Sie finden das Kind "normal". Zwar anstrengend, aber alles ist schön.

In der Klasse sind 2 Kinder mit erheblich mehr Schwierigkeiten bei ADHS. Im Vergleich ist meine wirklich normal.

Gruß
Tinkerbell007

Beitrag von barbarelle 13.04.11 - 08:01 Uhr

Hallo Tinkerbell,

meine Tochter (9) hat ADS (mit einem kleinen h dazu) und wir haben uns anfänglich gegen Medikamente gesträubt. Solange ihre Leistungen in der Schule stimmten und sie einen großen Freundeskreis hat, war es uns egal und wir nahmen die Begleittherapien in Anspruch.

Seit letztem Jahr bekommt sie Medikamente. Warum? Meine Tochter ist ähnlich wie deine. Intellektuell weit über dem Durchschnitt und Ehrgeizig ... und gerade weil sie die Leistung bringen will und kann, aber ihre Konzentration stark an ihre Grenzen kommt, reagiert sie mit Aggressionen.

Der Leidensdruck wurde bei ihr zu gross und da war für uns der Zeitpunkt gekommen, wo Medikamente ihren Einsatz bekamen. Sie helfen ihr und uns im Alltag ebenfalls.

Dieses Jahr waren wir in Reha gemeinsam, ich habe viel über das Krankheitsbild gelernt und verstehe mein Kind besser.

Wir trösten uns mit der Aussage der Ärtze, dass sie die Medikamente nicht ein Leben lang wird nehmen müssen. Ein Glück werden wir gut betreut und sie erhält noch zusätzliche Therapien, sodass wir hoffentlich in ein paar Jahren mit der Medikamentengabe aufhören können.

Ähnlich wie du, sah ich mein Kind als "normal". Klar ... man lebt ja gemeinsam, arrangiert sich. Unsere Kinder sind auch nicht "abnorm" ... nur eben anders und deswegen nicht weniger liebenswert ;-)

Alles Gute und wenn du mehr Infos möchtest, kannst du mich gerne per PN kontaktieren.

Beitrag von luka22 13.04.11 - 09:34 Uhr

Das Problem bei ADHS ist, dass es da keine Blutwerte gibt, die eindeutig das Vorhandensein dieser Krankheit bestätigen oder Aussagen, wie schlimm es darum bestellt ist. Denn auch bei ADHS gibt es "einfachere Formen", wo man einfach auch sagen kann, dass es sich um ein lebhaftes Kind handelt bis zu den ganz schwierigen Fällen. Nicht alle müssen Ritalin nehmen!
Meine Nichte ist sehr ähnlich zur Beschreibung deiner Tochter. Auch bei ihr wurde durch eine Kinderpsychologin ADHS festgestellt und auch meiner Schwägerin und meinem Bruder wurden Medikamte empfohlen. Aber sie nimmt keine. Die Frage ist doch: könnt ihr mit eurer Tochter trotz allem gut leben. Kommt sie in der Schule gut mit? Das kann man im Fall meiner Nichte bejahen. Ja, sie ist manchmal schwierig, vor allem mittags bei der Hausaufgabe bekommt meine Schwägerin oft einen Vogel. Sie ist unerträglich langsam und lässt sich leicht ablenken, ABER sie ist noch (?) leistungsmäßig in der Schule SUPER. Sie rechnet und liest ohne Probleme (2. Klasse). Die Lehrerin fragt sich selber, wie sie mit so wenig konzentriertem Arbeiten, solche Ergebnisse schafft. Für was sollte sie also Medikamente nehmen?!?! Ihr Problem sind eher Flüchtigkeitsfehler, aber das hält sich alles in Grenzen. So lange sie keine gravierenden Schwierigkeiten in der Schule hat, würde ich ebenfalls vor einer Medikamenteneinnahme absehen. Warum auch? Und mit den Hausaufgaben haben auch Eltern ganz normaler Kinder so ihre Schwierigkeiten. Gerade in so einem Fall, wie bei meiner Nichte geht es in meinen Augen auch nur ums "Ruhigstellen", damit die Lehrerin es einfacher hat. Auch das verstehe ich irgendwo. Aber eigentlich sollte man Medikamente nur dann nehmen, wenn man sie für sich selber braucht und nicht, damit andere es leichter mit mir haben. An deiner STelle würde ich von einer Medikamenteneinnahme sicher absehen. Ich würde das erst erwägen, wenn meine Tochter so gravierende Schwierigkeiten mit der Konzenatration hat, dass sie überhaupt keine Chance hat, also nicht beschulbar ist. In solchen extremen Fällen ist eine Medikation sicher sinnvoll und berechtigt. Man muss einfach immer abwägen und es handelt sich bei Ritalin nun mal nicht um Gummibärchen.

Grüße
Luka

Beitrag von barbarelle 13.04.11 - 10:32 Uhr

Hallo Luka,

so ist es ... wie gesagt, wir haben in der dritten Klasse uns für den Weg mit Medikamente entschieden.

Zu der Hausaufgabensituation deiner Nichte. DAS zerrt wirklich an den Nerven und belastet die Eltern-Kind-Beziehung stark. In der Reha haben sowohl die Kinder als auch die Eltern ein "Methodentraining" bekommen. Wenn du magst, kann ich dir die Unterlagen mal zukommen lassen (allerdings nur per Mail).

Es ist genial mit welch simplen "Tricks" man sich die Hausaufgabensituation bei ADHS leichter machen kann. Gerade bei pfiffigeren und nicht so stark betroffenen Kindern.

Viele Grüße
Barbarelle

Beitrag von luka22 13.04.11 - 13:17 Uhr

Wow, das wäre SUPER! Ich sage dir ehrlich, dass ich meine Schwägerin bewundere. Sie ist jeden Tag wegen der Hausaufgabe am Ende. Denn meine Nichte hat zum einen eine strenge Lehrerin, die eh mehr einfordert als andere. So muss sie mittags erst die Arbeitsblätter erledigen, die sie nicht in der Schule geschafft hat und dann kann man erst mit der eigentlichen Hausaufgabe beginnen. Was mir als Außenstehende am meisten leid tut, ist meine jüngere Nichte. Sie wird jeden Tag mitbestraft, denn sie darf niemanden einladen, bevor die HAusaufgaben der Großen erledigt sind. Denn diese ist bei Besuch so abgelenkt, dass gar nichts mehr geht. Ich würde das nie und nimmer so machen, aber als Außenstehende ist da leicht reden. Der neueste Coup meiner Nichte: Sie hat gestern mit einem Filzstift das Ehebett komplett angemalt. Mein Bruder war außer sich. Auch hier fehlen einem dann Handlungskompetenzen. Sie ist 8. Man braucht ihr nicht sagen, dass man so etwas nicht darf. Das weiß sie und macht es trotzdem. Das sind eben die ganz schwierigen Situationen, wo man da doch in Versuchung gerät, was Medikamente angeht...;-)
Mein Bruder und meine Schwägerin sträuben sich auch nicht vehement dagegen. Auch die Lehrerin meinte, dass es JETZT noch ginge. Meine Nichte würde jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit in Klasse 3 schwerwiegendere Probleme bekommen, weil der Stoffumfang zunimmt und nicht mehr so leicht zu bewältigen ist, wie in Klasse 1 und 2.

Vielen Dank für dein Angebot!
Luka

Beitrag von mutzekiepchen 13.04.11 - 11:40 Uhr

Für mich klingt das eher nach Unterforderung, gepaart mit ADHS.
Oder auch nur das erste. Das zweite können auch nur Ausläufer der Unterforderung sein.

Ich war als Kind auch sehr unterfordert in der Schule. Dadurch war der Unterricht sehr langweilig für mich. Ich habe mich auch ganz schnell durch alles ablenken lassen, auch weil ich ständig nach Anreizen und Abwechslung gesucht habe.

Gerade sehr intelligente Kinder haben soziale Probleme, weil sie nicht gut klar kommen mit normalen Kindern. Die Agressionen können auch daher kommen.

Habt ihr mal geschaut, ob ihr eure Tochter nicht vielleicht mehr fördern könnt, neben der Schule? Wie ist denn das lernverhalten, vielleicht wäre eine Schule mit schwierigerem/schnellerem/abwechslungsreicherem Stoff besser geeignet.
Hat der Psychologe auch etwas zur Intelligenz gesagt, oder nur auf ADHS geschaut?

Beitrag von tinkerbell007 13.04.11 - 12:35 Uhr

Hallo,
es wurde ein IQ-Test gemacht mit dem Ergebnis 127. Förderung hat sie in der Schule eigentlich genug. Das Problem ist eigentlich auch nicht hauptsächlich die Schule. Trotz ihrer leichten Ablenkbarkeit oder Oberflächlichkeit ist sie eine gute Schülerin. Klar, wenn das nicht wäre, wäre sie Klassenbeste.
Es sind eigentlich ihre Agressionen, die mir Sorgen machen.
Habe schon vor Jahren gesagt, als ich noch nichts von ADHS wußte, dass meine süße, kleine Tochter das Potenzial für eine Mädchengang als Anführerin hat. Sie ist sehr dominant, sehr intelligent und das gepaart mit Agression ist gefährlich.
Aber ist das ADHS?

Gruß
tinkerbell007