Mein Sohn lügt!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von margarita73 13.04.11 - 14:26 Uhr

Hallo zusammen,

mein Sohn ist jetzt 7 Jahre alt und er ist echt ein Baron Münchhausen! Schon immer eigentlich, seit er lügen kann tut er es auch. Manchmal sind es Phantasiegeschichten (eher harmlos denke ich), aber oft lügt er such, um einer Strafe zu entgehen (Strafe im Sinne von Schimpfen oder Fernsehverbot - hauen gibt es bei uns nicht). Dabei guckt er mir gerade in die Augen und auch wenn ich genau weiß, dass er lügt und ihn direkt drauf anspreche, knickt er nicht ein. Ich finde das so schlimm und weiß überhaupt nicht, was ich da machen kann. Ich hab es lieb mit Erklärungen versucht, bin stinkig geworden und hab ihm deutlich gesagt, dass ich Lügner überhaupt nicht leiden kann und ihm mix mehr glauben kann. Es hat Fernsehverbot und Zimmerarrest gegeben, etc. Ich weiß einfach nicht, was ich noch machen soll. Er gelobt Besserung und lügt kurz darauf wieder. Mein Großer ist knapp 11 und mit ihm hatte ich das Problem noch nie! Habt Ihr Ideen und Tipps für mich?

LG margarita

Beitrag von brotli 13.04.11 - 16:22 Uhr

hallo

klar versucht man einer strafe zu umgehen, ist das nicht normal?

wieso musst du denn immer strafen? versuchs doch einfach mal mit erklären, wieso, weshalb, warum es eben blöd war....da zu lügen und das du sowas eben nicht mehr willst.
zimmerarrest...hm, ich habe noch nie einem meiner kinder jemals haus oder zimmerarrest gegeben. ich find das irgendwie sehr hilflos nur, mehr nicht.
ich kenne auch keine kinder mehr heute die noch hausarrest bekommen.einzelne gibt es sicher immer.

was lügt er denn?
um was geht es denn da?
er scheint ja oft zu lügen?
gibt es auch mal kleinkram der einfach übergangen werden kann? so das man gar nicht erst lügen muss?

auch wenn ich manchmal wußte, das einer gelogen hatte, hab ichs manchmal ignoriert, je nachdem was es war, sie kamen dann eh irgendwann an und erzählten alles.
l.g.

Beitrag von margarita73 13.04.11 - 18:34 Uhr

Du hast Recht, es ist hilflos, Zimmerarrest zu geben. Wenn ich nicht hilflos wäre, würde ich hier nicht posten. Ich hab ja schon geschrieben, dass ich es auch schon lieb mit Erklärungen versucht habe - es nutzt einfach nix! Und er lügt bei Dingen, wo er Angst hat, dass ich schimpfe (zB Rangelei auf dem Pausenhof, die er angestiftet hat - da kann ich nachvollziehen, dass er lügt) genau wie bei Kleinigkeiten, die mir ja völlig wurscht wären (was er auch weiß). Ich hab´s auch schon ignoriert und so getan, als wäre mir die Schummelei nicht aufgefallen, aber er kommt eben nicht irgendwann und erzählt mir alles (sein großer Bruder schon). Im Gegenteil: er reißt gern seinen großen Bruder rein und behauptet, der habe ihm weh getan o.ä., was dann oftmals gar nicht stimmt.

Beitrag von jazzbassist 13.04.11 - 20:05 Uhr

Was das mit den Phantasiegeschichten angeht; bauen sie es einfach ins Abendritual und lassen sie ihm - wenn Sie ihn ins Bett bringen - einfach eine Phantasiegeschichte erzählen. Das regt die kindliche Kreativität an; oftmals ist an solchen Phantasiegeschichten ein großes Stück Wahrheit dran, wenn man genau zuhört und zwischen den Zeilen ließt. Da gehen Ängste und Sorgen von Kindern hervor, genau so wie Hoffnungen oder auch Bedürfnisse. Dinge, die ein Kind seinen Eltern so nicht anvertrauen würde, weil es sich entweder schämt, oder dafür - ohne sich in dieser Phantasie zu bewegen - keine Worte finden kann. Wenn Sie ihm da einen Ort (Bett) und eine Zeit (Abends) geben, wo er diese Geschichten erzählen kann und Mama dann ganz begeistert zuhört und sich verzaubern lässt; kann das im Alltag aufhören (wird es mit dem Alter ohnehin). Ansonsten sollte man sich fragen, warum er diese Phantasiegeschichten im Alltag erzählt.

Das ein Kind lügt, um einer Strafe zu entgehen, halte ich persönlich gar nicht für besonders ungewöhnlich. Das zeigt einfach nur, dass er hier Angst hat und auch, dass er Ihnen - beim Thema ‚Strafen‘ - nicht vertraut. Diese Angst verschwindet also nicht, wenn Sie ihm dann noch mehr Angst mit weiteren Strafen machen; auch gewinnen Sie dadurch kein weiteres Vertrauen. Das kann sich durchaus zu einer Art Teufelskreis entwickeln; die Mama wird immer wütender, weil der Sohn lügt; der Sohn lügt immer steifer, weil die Mama immer wütender wird. Auch, was dieses Vertrauen angeht, ist es da dann nicht gut, ihm zu sagen, dass Sie ihn nicht leiden können. Denn, Kinder lügen in solchen Situationen nicht nur, um einer Strafe zu entgehen; sondern zu einem großen Teil auch deswegen, weil sie einfach nicht wollen, dass Mama wütend ist. Nicht, weil Mama dann Fernsehverbot gibt, sondern, weil das einzige Lebensziel von ihrem Sohn ist, von der Mama geliebt zu werden und die Mama stolz zu machen. Und, wenn Mama schimpft, tritt aus kindlicher Sicht ja genau das Gegenteil ein. Das versuchen die einfach zu vermeiden.

Ich denke, dass man hier viel mit einem Kind reden kann; aber am besten nicht dann, wenn die Mama auf 180 ist, weil das Kind wieder etwas angestellt hat und dann auch noch lügt. Sondern einfach mal in einer völlig unbefangenen Situation. Bei meinem Kurzen ging das immer am besten, wenn man ihn ins Bett gebracht hat und noch mal ganz viel mit ihm gekuschelt und geschmust hat; dann hat er sich immer sicher und wohlbehütet gefühlt und konnte da viel aufrichtiger mit uns sprechen. Und auch wir Eltern können uns in so einer Situation wesentlich besser auf ihn einlassen, wenn wir nicht gerade auf 180 waren.

Fragen Sie ihn in so einer Situation doch einfach mal, warum er - wenn er etwas aufgefressen hat - lügt. Und, was die Mama das nächste mal tun müsste, damit er ihnen direkt die Wahrheit sagen kann; auch wenn er dann mal was aufgefressen hat. Vor welchen Strafen hat er beispielsweise Angst? Was könnte man dann alternativ machen, damit er diese Angst nicht mehr hat? Kinder kommen z.b. wesentlich besser mit Konsequenzen als mit Strafen zurecht. Die Konsequenz, den großen Bruder etwas zu sehr zu ärgern, muss also keine Strafe wie Zimmerarrest oder Fernsehverbot sein, sondern, kann durchaus sein, diesen »Schaden« irgendwie wieder gutzumachen. Ich denke, eine Mama und ein 7-Jähriges Kind können hier ganz ganz tolle Dinge finden, die den Zweck erfüllen, und, die ein Kind auch einsieht. Z.b. den großen Bruder, als Wiedergutmachung, beim Aufräumen des Zimmers (o.ä.) zu helfen, oder, ihm einfach mal für einen Tag eine seiner sonstigen Pflichten abzunehmen. Hier sollte man im Alltag einfach darauf achten, viel weniger ohne Strafen zu arbeiten, sondern, Kinder einfach zu erziehen; das geht oftmals ganz ganz toll ohne Strafen. Und die wenigen Male, die es dann doch nicht ohne geht, verkraftet ein Kind vielleicht besser. Was könnten Sie ihm hier anbieten, wenn er ihnen hier überhaupt nicht vertraut? Was trauen Sie Ihm zu? Können Sie ihm die Monopoly-Gehe-Sie-Frei-Aus-Dem-Gefängnis-Raus Karte geben, wenn ihr Sohn meint, dass er jetzt "zu streng" oder "ungerecht" bestraft wird?, so, dass er einfach mal den Mut fassen kann, beim nächsten Mal die Wahrheit zu sagen? Vielleicht hat sich Mamas verhalten beim "bestrafen" ja wirklich geändert. Wenn ja, ist alles toll - darauf kann man aufbauen; wenn nicht, steht man einfach wieder da, wo man vorher auch stand. Man verliert also nichts.

Auch bedeutet es unheimlich viel Mut und Courage, die Wahrheit zu sagen, wenn man z.B. etwas aufgefressen hat; oder einfach nur Fehler zuzugeben. Die meisten Erwachsenen können das nicht. Sie können ihrem Sohn dabei helfen, in dem Sie ihm das in so einer Situation sagen und ihm auch Mut machen, die Wahrheit zu sagen. Und auch die Aufmerksamkeit nicht mehr auf das Lügen zu richten, sondern, dann auf den Moment, wenn er irgendwann dann doch mal mit der Wahrheit rausrückt. Auch können Sie ihm damit helfen, in dem er, wenn er gleich die Wahrheit sagt, besser aus einer Situation rauskommt, als, wenn er das nicht tut. Warum sollte er die Wahrheit sagen, wenn dass ohnehin nichts an seiner Strafe ändert? Mit der Lüge hat er immerhin noch die Hoffnung, komplett ohne Strafe davonzukommen. Dann wäre er ja dumm, wenn er ihnen die Wahrheit sagen würde. Denn, ob sie jetzt mit ihm schimpfen, weil er irgendwas aufgefressen hat oder, weil sie schimpfen, da er irgendetwas aufgefressen hat und dann auch noch gelogen hat, wird ihrem Sohn ziemlich egal sein. Auch sollten Sie diesen »sag die Wahrheit« Konflikt vermeiden; wenn Sie ohnehin wissen, was Sache ist. Da brauchen Sie ihn also nicht in Verlegenheit zu bringen und ihn zu fragen, ob er es denn wirklich gemacht hat; nur, damit er die Wahrheit sagt, da er damit in der Vergangenheit ohnehin Schwierigkeiten hatte. Ein Kind wird dabei nämlich nicht lernen, die Wahrheit zu sagen; sondern, wird sich - ganz im Gegenteil - immer weiter verschließen und in das Lügen verstricken.

Beitrag von margarita73 13.04.11 - 21:52 Uhr

Vielen Dank für diese konstruktiven Vorschläge! Da kann ich viel mit anfangen und werde versuchen, Einges umzusetzen. #danke